Parallelpink und Orthogonalregenbogen

Da sind die vllt. einer ganz heißen Sache auf der Spur.

DIE MERKWÜRDIGE WELT DER FRAUENZEITSCHRIFTEN

Also, Pinkstinks ist zwar für Frauen, aber keine Zeitschrift. Die „Regenbogen“presse ist – trotz ihres Wappens – NICHT von der oder für die LGBTQetc-Gemeinschaft.

Sie heißen Von Frau zu FrauMein SchicksalFrau im SpiegelDas Goldene Blatt oder Frau aktuell:

Ohne die maskulistischen Hirnwellenstrahlen des internationalen Patriarchats – Grüße gehen raus – würde die kein Mensch lesen.

Zeitschriften, die auf die Zielgruppe „Frau“ abzielen und dabei tief unter dem Radar von Konkurrenzprodukten wie BrigitteCosmopolitan oder Für Sie stattfinden.

„Unter dem Radar“ ist eine militärische Metapher, und bedeutet, dass jemand etwas tut, ohne dass eine andere Partei dies bemerkt, die diese Tat sonst verhindern würde. Würde die Brigitte wirklich das Goldene Blatt abschießen?

Also die Art Zeitschriften, die man zwangsläufig für eine Art Parallelwelt halten muss, weil sie ständig mit irgendwelchen obskuren Schwangerschaftsgerüchten und Babynachrichten aufmachen, obwohl die Verantwortlichen eigentlich mal zugesagt haben, so etwas nicht (mehr) zu tun.

Ja, gewissermaßen sind diese Zeitschriften sogar schlimmer als die BILD. Die BILD versucht, alle möglichen Vorgänge zu einen Skandal aufzubauschen, aber hauptsächlich solche Vorgänge, die tatsächlich irgendwie mal stattgefunden haben. Leute bei der Regenbogenpresse denken sich ein Gerücht aus, fragen „sich“ auf der Titelseite, ob es wohl stimmt, und antworten weiter hinten im Heft mit „keine Ahnung“, „wer weiß“ oder tatsächlich „Nein“. Soll heißen, BILD-Reporter, die die Nachbarn drei Häuser weiter nach Schmuddelkram befragen, machen tatsächlich Recherche, also arbeiten, immerhin.

Bemerkenswert an diesen Zeitschriften ist die Frage, ob sie einer Parallelwelt angehören oder ob nicht vielmehr wir Teil einer Parallelwelt sind.

Wenn Gerade A parallel zu Gerade B ist, ist Gerade B parallel zu Gerade A. Es sind immer beide Welten „Parallelwelten“.

Denn die schiere Menge dieser Publikationen, die sich Monat für Monat und Woche für Woche immer noch verkaufen, lässt darauf schließen, dass die Wahrnehmung davon, was Lebenswirklichkeit und Emanzipation im Jahr 2022 bedeuten, weit auseinander gehen.

Nicht notwendigerweise. Wenn jemand gerne Zeitschriften über Fußball liest, obwohl er selbst gehbehindert ist, bilden diese Zeitschriften ja auch nicht seine Lebenswirklichkeit ab, aber seine Interessen. Gleiches gilt für Zeitungen über Eisenbahnen, Fantasy-Tabletop oder halt die Welt der Schönen und Reichen.

 Für manche kann es beispielsweise wichtig sein, mit Kerze, Minivase und gerichteter Frisur Eindruck zu schinden, weil frau „frisch aussehen und nicht abgekämpft wirken will“.

Wohingegen Männer immer wie frisch abgekämpft aussehen wollen. Deshalb schreiben sie sich freiwillig in ukrainische Milizen ein und lassen sich die Haare kurz schneiden. Bärte sind übrigens unpraktisch für Gasmasken. Mittelerde ist übrigens wirklich eine Parallelwelt.

Oder dass es Dinge gibt, die Männer qua Geschlecht nie verstehen werden, obwohl sie faktisch überhaupt nichts mit dem Geschlecht zu tun haben.

Also, ich will nicht behaupten, dass Männer alles verstehen. Aber bei hochhackigen Schuhen ist das Problem vllt. einfach, dass es da nichts zu verstehen gibt? Oder, Männer stellen sich einfach dumm…

Man kann auch 2022 weiterhin so tun, als hätte die MeToo-Debatte nicht stattgefunden und als wären wie auch immer geartete Interessensbekundungen eines Mannes an einer Frau das Beste, was ihr passieren kann.

„Wie auch immer geartet“ ist natürlich Kappes in dem Fall. Würde die Regenbogenpresse wirklich für die Lgtb… stehen, säße im Cabrio natürlich eine Frau.

Man kann weiterhin auf eine Mischung aus Rezepte und Diäten setzen.

Ich muss noch nicht einmal behaupten, dass verstehen zu können. Endlich mal ein echtes Privileg für mich als Mann!

Man kann auf einer Seite generische, nichts-sagende Weisheiten verdammen, nur um eine Seite später eine Anhäufung von generischen, nichts-sagenden Weisheiten zum Thema Neuanfang zu bringen.

Ich glaube inzwischen, solche Weisheiten werden von einem Algorithmus generiert. Irgendwann auch die Babygerüchte, Hochzeitsgerüchte, Scheidungsgerüchte und alles, was Dianas Klone betrifft. Fortschritt durch Technik!

Es wäre leicht, sich darüber lustig zu machen.

Ach?

Es wäre naheliegend, diese offensichtliche Sehnsucht nach angeblichen Informationen über Stars und Prominente als lächerlich abzutun.

Ja, macht doch einfach! Wobei es vermutlich mehr die Sehnsucht nach tatsächlichen Informationen ist, aber die Welt ist halt schlecht.

Es wäre einfach, diese Zielgruppe bei emanzipatorischen Kämpfen nicht miteinzubeziehen

Sagt denen doch einfach: „Das Patriarchat schadet auch dem Regenbogenpressepublikum! Der Feminismus ist auch für Regenbogenpresseleserinnen!!!“ Bei irgendwem müssen die Sprüche doch ziehen.

… und so zu tun, als gäbe es all diese Frauen gar nicht oder als handelte es sich bei ihnen um eine sehr kleine Gruppe, die man vernachlässigen kann.

Der Anteil der Männer, die tatsächlich Frauen belästigen, ist vermutlich geringer als der der Frauen, die dergleichen Blätter liest. Also nein, ignorieren geht nicht.

Allerdings braucht man sich dann nicht zu wundern, dass Wahlen so ausgehen wie sie nun einmal ausgehen und bestimmte Ziele einfach nicht erreicht werden.

Mööööööglicherweise interessiert sich diese Gruppe von Frauen nicht für fragwürdige Autowaschwerbung oder Feuchtigkeitscremes für Männer. Also auch nicht für Pinkstinks.

 Selbstverständlich darf und soll all das kritisiert werden. …. abwertende Aussagen über Frauenkörper wie „Beulenpest und Schenkelschande“ … auch gerne mit aller gebotener Härte.

„Beulenpest und Schenkelschande“ klingt wie ein eher drastischer Mittelalterroman. Aber gut, natürlich sollte man die Regenbogenpresse nicht schönreden. Andererseits sieht Pinkstinks zwar nicht überall Babybäuche, aber Unterdrückung. Also: Keks.

Aber das soll nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Zielgruppe dieser Hefte auch Zielgruppe feministischer Emanzipationskämpfe sein kann und sein sollte.

Heißt „Zielgruppe“ jetzt, man kämpft für sie oder gegen sie? „Beulenpest und Schenkelschande II – das Mittelalter schießt zurück!“

Wenn „Curvy-Models“ wie Angelina Kirsch in der illu der Frau davon erzählen, dass sie alles an sich mögen und tragen, wonach immer ihnen ist, dann wird das in progressiven Kreisen vermutlich nicht gerade einen „Wow, feministische Weltrevolution!“-Impuls auslösen

Mehr so apathische Blicke. Nicht wegen den telepathischen Hirnwellenbrechern, sondern wegen Apathie. Es gibt übergewichtige Frauen. Die möchte man als Kundinnen begrüßen. Ergo macht man Mode für sie. Markt regelt. Wie kann etwas, was der Markt regelt, revolutionär sein?

Das wäre auch maßlos übertrieben. Aber es ist trotzdem ein wichtiger Schritt an der richtigen Stelle, die für emanzipatorischen Wandel nun wirklich nicht gerade offen ist.

Jaaaa. Weil in einer Frauenzeitschrift Fettpositivität vorkommt, wird irgendeine Person fettpositiver. yayqoq! Solange männliche Models immer noch weniger Geld verdienen als weibliche, gibt es aber keine Gleichberechtigung. Und solange bei GNTM keine Männer mitmachen. Es heißt DAS Model. Wenn die ganze „Sprache formt das Bewusstsein“-Theorie irgendwie ansatzweise eine Berechtigung hätte, müsste nicht ausgerechnet der Beruf, der mit generischen Neutrum bezeichnet wird, ein geschlechterneutrales Bild der Berufstätigen UND eine geschlechtergerechte Bezahlung hervorrufen?

8 Gedanken zu “Parallelpink und Orthogonalregenbogen

  1. Wieder mal schön geschrieben. Bloß zum Schluss: Gab’s bei GNTM nicht tatsächlich einen Typen, der bei der zwölfundneunzigsten Staffel oder so irgendwann mitmischen durfte? Natürlich auch, weil dort alle bis zum Abwoken wink sind bzw. umgekehrt, und es Frau Klum niemals darum gehen kann, neue Zuschauer/ Käufer/ Werbetreibende zu finden.

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      1. Ey der hat letztes Jahr sogar gewonnen! Ich muss den Scheiß ja gucken, so wegen meiner Frau, die findet, zwei 55″-Fernseher im Wohnzimmer sähen „blöd aus“.

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  2. Shitlord…du musst das schauen? Das muss wieder dieses mächtige Patriarchat sein. Es schadet halt auch Männern.
    Seit meiner Scheidung geht diese Sendung an mir vorbei….was soll ich sagen…ich vermisse diese Sendung nicht 😉

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