Warjaklar – schlimmer als sterben!

Ruhm und Ehre der allweisen Stokowski!

Flüchtende aus der Ukraine

Finger weg von den Frauen!

Und was ist mit den Kindern? Denkt denn niemand an die Kinder?!?

Warum werden die aus der Ukraine fliehenden Menschen in Deutschland so viel offener aufgenommen als andere? Auch, weil es vor allem Frauen und Kinder sind.

Ja, es ist nicht Verdienst männlicher Syrer, dass männliche Ukrainer die Ukraine nicht verlassen konnten. Aber in einem Krieg gegen ein anderes Land kämpfen die eigenen Leute entweder gegen die anderen oder gar nicht. Bei einem Bürgerkrieg gibt es drei Möglichkeiten: jemand kämpft entweder nicht, oder für einen oder gegen einen. Man kann seine eigenen Bürger schlecht dazu zwingen, dazubleiben und gegen die Mitbürger zu kämpfen, weil die so gezwungenen evt. von „neutral“ auf „feindlich“ umschalten. Aber wenn eine Gruppe mit geringen Männeranteil beliebter ist als eine andere mit großem Männeranteil, ist das ein -ismus, der mit „Sex“ beginnt.

Doch Opfer geifernder Projektionen sind sie ebenfalls.

Ok, ich will nicht so tun, als wäre mir das neu. Aber wenn Frauen und Kinder nicht erschossen werden, muss man etwas anderes finden, um Mitleid mit ihnen zu haben.

Erinnern Sie sich an den Satz »2015 darf sich nicht wiederholen«, der so oft fiel, als vor gut einem halben Jahr die Taliban Kabul einnahmen und Menschen aus Afghanistan flohen?

Das ist mir noch vage erinnerlich. Aber hey, im Unterschied zum Präsidenten Afghanistans ist der der Ukraine noch da, was möglicherweise der Grund ist, warum die Russen nicht ganz den Durchmarsch machen wie die Taliban. Andererseits hatte der von Afghanistan niemanden gezwungen, die Taliban zu bekämpfen. Was ich jetzt nicht kritisieren will, aber möglicherweise gibt es da Zusammenhänge…

Der Satz fällt in diesen Tagen nicht, soweit ich sehe, und das ist das Gute; aber das Schlechte ist, dass die »überwältigende Hilfsbereitschaft«, von der das Bundesinnenministerium spricht, nicht alles ist, was auf die Frauen wartet, die zu uns kommen.

Besser als überwältigende Feuerkraft, das ist nämlich das, wovor die fliehen. Aber die Botschaft ist, dass Länder, die wollen, dass man ihre Flüchtlinge gut behandelt, ihre Männer ggfs. mit vorgehaltener Waffe an der Flucht hindern müssen.

Es wird nun vielerorts darauf hingewiesen, dass mit Geflüchteten unterschiedlich umgegangen wird, je nachdem, ob es sich um Weiße oder Schwarze handelt.

Na, man stelle sich vor, es gäbe in einem Land eine allgemeine Wehrpflicht, aber die würde nicht konsequent durchgesetzt: Weiße könnten sich relativ frei aussuchen, ob sie zur Armee gingen, und viele machen das für Offizierslaufbahnen, um ihren sozialen Status zu verbessern, wohingegen Schwarze praktisch immer gezogen würden. Wäre das rassistisch? Bzw., würde Stokowski behaupten, dass das nicht rassistisch sei?

Es gibt Berichte von afrikanischen Studierenden, die auf ihrer Flucht in der Ukraine und in Polen Diskriminierung und Gewalt erlebten.

Früher gab’s den Spruch: „Dann geht doch nach drüben!“ Aber nun, Ukrainer und Polen sind möglicherweise tatsächlich rassistisch – ist das die Schuld Deutschlands?

Es gibt Menschen, die darauf hinweisen, dass »Die Zeit« zur Seenotrettung fragte: »Oder soll man es lassen?« Und zum Krieg gegen die Ukraine: »Wie können wir helfen?«

Tja, und wenn die Zeit aufrufen würde, Ukrainer direkt zu erschießen, wäre es auch falsch, oder? Aber möglicherweise lernt die Zeit von ihren Fehlern. kommt mir selbst etwas komisch vor, aber möglich wäre es.

Empathie, die den Ukrainer:innen jetzt entgegengebracht wird, sei »eher nicht« dieselbe wie bei syrischen Flüchtlingen: »Die Ukrainer sind halt Europäer und werden von der weißen deutschen Mehrheitsgesellschaft damit als ›unsere Leute‹ wahrgenommen.«

Empathie und andere als „unsere Leute“ wahrzunehmen sind Fehler, die aufgeklärten Denkerinnen wie Stokowski nicht passieren. Wenn in Deutschland ein Bürgerkrieg ausbricht würde sie einen Artikel schreiben, dass es Deutsche sich selbst zuzuschreiben hätten, würde man sie an der polnischen Grenze erschießen.

Doch das heißt nicht, dass Ukrainer:innen von Rassismus verschont bleiben, weil sie weiß sind.

Ach?

An dieser Stelle möchte ich ein Missverständnis klären.

Fehler. Das Wort ist „Fehler“.

2018 habe ich einen Text darüber geschrieben, dass es keinen »Rassismus gegen Weiße« gibt und keinen »Sexismus gegen Männer«.

Nicht nur sie. Aber der Satz ist in der Formulierung schon deshalb falsch, weil es irgendwo auf der Welt mindestens einen Schwarzen gibt, der Weiße für schlechtere Menschen hält.

Die Hauptthese war, dass Männer und Weiße zwar durchaus diskriminiert werden können, »sie können nur nicht als Männer sexistisch diskriminiert werden oder als Weiße rassistisch«.

Auf englisch heißen Röteln „deutsche Masern“. Rassismus und Sexismus fangen nicht erst an, wenn jemand konkret diskriminiert wird.

Der Text stimmt so, allerdings wurde er oft falsch verstanden, denn es ist natürlich trotzdem so, dass auch weiße Menschen Rassismus erleben können – aber eben nicht, weil sie weiß sind.

Weil Schwarze Weiße für was besseres halten? Ich bezweifle das. Wie auch immer, wenn ich nach Polen ziehe, dort als Journalist arbeite, und irgendwer kritisiert meine polnischen Formulierungen, dann liegt das natürlich an den dummen Polen, die für meine überlegenen Sprachskills nicht empfänglich sind, und nicht an mir. Gleiche Logik.

Sondern weil rassistisch denkende Menschen nicht nur in »schwarz« und »weiß« unterscheiden, sondern auch innerhalb weißer Menschen Hierarchien sehen, und in diesen stehen Leute aus Mitteleuropa über solchen aus Osteuropa.

NaTÜRlich will Stokowski nicht, dass man sie nicht als Rassismusopfer sieht. Aber so, wie schwarze Rassisten Unterschiede zwischen Hutu und Tutsi machen, machen weiße Rassisten Unterschiede zwischen Polen und Deutschen. Rassismus ist tatsächlich komplexer, als man den ganzen rassistischen Idioten zutraut.

Slawische Frauen werden anders sexualisiert als italienische, französische, japanische oder nigerianische.

Aha. Ukrainische Soldaten hingegen werden genau auf dieselbe Art erschossen wie syrische oder afghanische.

Leute sehen kein Problem dabei, mir zu erklären, wenn sie erfahren, dass ich in Polen geboren bin: »Wir haben ja jetzt auch eine Polin.« Also, »haben« heißt dann natürlich »beschäftigen, illegal«, aber das ist so lang, nicht wahr?

Ok, ich sehe das Problem ja ein, und ich verstehe, warum gerade Stokowski das kritisiert, aber die Probleme, die polnische Putzfrauen in D. haben, sind etwas kleiner als die von Ukrainerinnen, die mit ihren Kindern gerade vor den Russen weglaufen.

Es soll hier nicht um mich gehen, das nur zur Illustration.

Ach?

Wenn Sie »deutsche Frauen« googeln, dann bekommen Sie als erste Ergebnisse: die deutsche Fußballnationalmannschaft, den deutschen Frauenrat, journalistische Beiträge über Emanzipation.

Und das ist schlecht, weil…?

»ukrainische Frauen« googeln (… »bis 2021« …), finden Sie Texte über Armut und Zwangsprostitution.

Ja, Deutschland ist Schuld für ukrainische Probleme. Gut, dass Putin jetzt die westlich-faschistische Ausbeutung unterbindet. Zwar nur die westlich-faschistische, aber das Leben ist kein Wunschkonzert.

Wenn Sie »slawische Frauen« googeln, finden Sie Seiten von Heiratsvermittlungen und Texte über Schönheit.

Ok, positiver Rassismus ist auch Rassismus. Und bei ganz vielen Sachen würde ich sagen: „Niemand zwingt Euch!“, aber momentan ist das ja schon eine Zwangslage.

Kriege bringen die hässlichsten Seiten veralteter Männlichkeitsbilder ganz besonders zum Vorschein.

Wenn man doch nur Frauen zum Dienst an der Waffe zwingen würde, dann könnten die nicht von irgendwelchen Deutschen fetischisiert werden! Dasselbe Männerbild, aus welchem männliche Ukrainer jetzt gegen die Russen geschickt werden, ermöglicht es Ukrainerinnen, das Land überhaupt zu verlassen. Ist das jetzt ehrlich ihre Beschwerde? Dass männliche Ukrainer sterben und Ukrainerinnen nicht?

Dabei geht die Gefahr für die ukrainischen Geflüchteten nicht von Menschen in Sammelunterkünften aus, sondern von Rassisten und Menschenhändlern.

Auch in Sammelunterkünften können Rassisten und Menschenhändler leben. Und die größte Gefahr für Ukrainer, unabhängig von Geschlecht, Alter, Hautfarbe oder Religion, geht von Russland aus. Aber gut, besser in Sammelunterkünfte mit denen.

»Am Berliner Hauptbahnhof sollen ukrainischen Geflüchteten, besonders Jugendlichen und Frauen, unseriöse Schlafangebote gemacht worden sein«, schreibt das Redaktionsnetzwerk Deutschland unter Berufung auf die Polizei.

Aber keinen Kindern? Puh, wenigstens etwas. Dass Männern keine unseriösen Schlafangebote gemacht werden, könnte einfach daran liegen, dass die nicht wegdurften. Aber Stokowski wird keine Empathie mit Männern verbreiten wollen, und bei Empathie mit Frauen unterstellt sie natürlich nur niedrige Instinkte.

Es gibt die Helfenden und die Geifernden. So groß die Hilfs- und Spendenbereitschaft unter Deutschen jetzt ist, so groß ist auch die Herausforderung, die ukrainischen Frauen und Kinder vor denen zu schützen, die jetzt ihre rassistischen Pranken nach ihnen ausstrecken. Finger weg, ihr Ekligen!

Ja, wenn Russen Ukrainerinnen erschießen, vergewaltigen oder beides, ist das wenigstens kein Rassismus. Fluchtkorridore nach Russland sind natürlich VIEL seriöser als alles, was man am Berliner Hauptbahnhof  angeboten kriegt.

Natürlich werden alle Geifernden jetzt wegen Moralapostolin Stokowski ihre sündigen Gedanken und Finger für sich behalten. Soweit die Worte der heutigen Lesung.

9 Gedanken zu “Warjaklar – schlimmer als sterben!

  1. Hm, habe Berichte über die Rotlichtviertel in HH oder Do gesehen. Über die Strukturen der Zuhälter usw.

    Wenn jetzt mal ein Journalist recherchieren würde, welche „Gruppen“ hinter diesen unseriösen Schlafangeboten und co. stecken, was würde da wohl rauskommen?
    Würde eine ehrliche Beschreibung dieser Leute evtl. zu weiteren Rassismus-Keulen führen?

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  2. Ich weiß ja nicht, warum ich irgendeine „Hilfsbereitschaft“ gegenüber in der Ukraine „studierenden“ Negern haben sollte. Turkish Airlines fliegt die von jedem polnischen Flughafen aus via Istanbul täglich nach Hause. Und von fast jedem deutschen.

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  3. Jetzt ist die Aufnahmebereitschaft für Flüchtlinge größer geworden, weil vor allem Frauen und Kinder kommen, aber Frau Stokowski hat wieder etwas zu nörgeln.

    Man kann den ganzen lieben langen Tag Bevölkerungsgruppen wegen Geschlecht und Rasse gegeneinander ausspielen, und das funktioniert problemlos, solange der Gegensatz „oben vs. unten“ nicht thematisiert wird.

    Das ist mir schon bei meinem Arbeitgeber aufgefallen. Jede Woche kommt eine Beschämung wegen Geschlecht und Rasse (oder kam jedenfalls bis zum Kriegsausbruch), und auf den Herrentoiletten hängen Papiertüten für menstruierende Transmänner. Aber gemobbt wird in krimineller Weise – von oben nach unten.

    Und was Frau Stokowskis Afrikaner angeht: bei Millionen von Menschen, die angeblich oder tatsächlich auf der Flucht sind, ist es plausibel, dass man Prioritäten setzt. Dabei bieten sich genau zwei Kriterien an: (1) wer braucht unsere Unterstützung am dringendsten? Und (2) wessen Unterstützung könnten wir darüber hinaus brauchen? Aber das Kriterium „wer kann 8.000 EUR lockermachen für einen Schlepper und ist dann bereit, sich in ein überfülltes, seeuntüchtiges Schlauchboot zu setzen“ – diese Auswahlmethode führt zu nichts außer zu ertrinkenden Flüchtlingen. Wer aus der Ukraine kommt, dessen Fluchtnotwendigkeit ist mit Händen zu greifen. Das ist doch ein naheliegender Grund, Flüchtlinge willkommen zu heißen.

    (Bei Menschen, die nach eigener Aussage in der Ukraine studieren, lassen sich durch ein paar Fragen in ukrainischer Sprache leicht Wahrheit und Lüge unterscheiden).

    Leute denken manchmal recht klar. Frau Stokowski denkt absichtlich kompliziert, um uns zu veräppeln.

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  4. Nach ein Nachtrag. Der Ukraine-Krieg und die daraus resultierende Massenflucht könnte bei den Mitteleuropäern zu einer Unterscheidung führen zwischen unmittelbar anschaulichen Fluchtgründen und solchen, die man nur aus der Feder von Journalisten und Aktivisten kennt, also von Leuten, denen man nicht immer über den Weg traut. Damit nähme man aber den Aktivisten ihr liebstes Erpressungsmittel weg. Ich denke, auf diese Weise lässt sich Frau Stokowskis Wutgeheul erklären.

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  5. Ukraine ist groß, könnten innerhalb des Landes flüchten, wie Deutsche vor ’45 auch, die hattens in jeder Hinsicht schwerer! Siehe alte Wochenschauen, alte Leute fragen! Sowie Afrikaner, Araber auf dem Landweg in Afrika, Golfstaaten, flüchten könnten, da müsstense hart arbeiten, harte Strafen, wer sich nicht benimmt.

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