Putins Mudda!

Hierzu.

Gaaaaanz Allgemein, ich bin gegen Psychologie-per-Ferndiagnose, und insbesondere dagegen, Putin zu pathologisieren; noch nicht einmal, weil ich ihn für psychologisch stabil halte, sondern, weil bei sowas so viel Quatsch erzählt wird. Und auch wenn die Frau im folgenden Fall das ganze mMn etwas ironisch meint, würde ich Pickert mal zustimmen dahingehend, dass das Problem möglicherweise woanders liegt, und dass das Putins Mutter gegenüber unfair ist. Allerdings…

Die Schauspielerin AnnaLynne McCord singt, Putin hätte halt eine nettere Mama gebraucht. Dahinter steht die Formel: Hinter jedem ausrastenden Mann steht eine Frau, die versagt hat

Russische Lieder klingen einfach schöner als englische oder deutsche.

„Schlaf, mein guter, schöner Junge,

Schlaf, mein Kind, schlaf ein!

In Deine Wiege schaut von oben

still der Mond hinein.

Märchen werd‘ ich Dir erzählen,

Lieder singen fein!

Doch musst schlafen, Augen schließen,

Schlaf, mein Kind, schlaf ein!“

Auch, wenn es um böse Tschetschenen geht, die nachts mit geschärften Dolchen das steinige Ufer des Terek hochkommen, und dass die Mutter sich jetzt schon Sorgen macht, weil ihr Sohn irgendwann in die Schlacht reiten wird: Bayushki, bayu! Bajuschki-Baju!

Es fällt schwer, etwas anderes zu tun, als sich von den Nachrichten des Krieges in Agonie überwältigen zu lassen und daran nicht zu verzweifeln. Viele wehren sich dagegen, indem sie versuchen, eine versteckte Bedeutung hinter alldem zu erkennen.

Das psychologisiert jetzt die Hobby-Psychologin. Auch, wenn es natürlich Leute gibt, die eine versteckte Bedeutung in allem suchen. Ist das Gedicht aber eigentlich nicht die feministische Aussage, dass Mütter wichtiger sind als Väter?

AnnaLynne McCord … veröffentlichte … ein Video, in dem sie ein Gedicht darüber vorträgt, wie die Welt jetzt wohl aussähe, wenn sie die Mutter von Wladimir Putin wäre.

Solange sie nicht darüber referiert, wie die Welt aussähe, wenn sie Putins Frau wäre, geht das doch noch. Nebenbei, würde ein Mann darüber dichten, wie die Welt aussähe, wenn er Putins Vater wäre, oder, wenn er selbst Putin wäre? Aber ja, wie kann sich eine Frau nur vorstellen, Kinder zu besseren Menschen zu erziehen? Selbst bei einer solchen, eher niedrigen, Latte wie Putin? Zur richtigen Erziehung gehört ein richtiger MANNN!!!!

Sie spricht in diesem Gedicht davon, wie sie ihn geliebt und beschützt hätte, sodass die Welt jetzt ein besserer Ort wäre.

Wie im Kosaken-Einschlaflied:

„Wenn Du für die Schlacht Dich rüstest,

gedenk‘ der Mutter Dein!

Doch jetzt schlaf, mein lieber Junge,

schlaf, mein Kind, schlaf ein!“

Irgendwie dasselbe, oder?

Es ist in vielerlei Hinsicht ein bemerkenswertes Ereignis – nicht nur im Hinblick auf die Tatsache, dass einige Prominente gerne absurde Anlässe dafür finden, sich in den Vordergrund zu spielen

Die ist prominent? Ok, wieder was verpasst.

Ein echter Klassiker: Mütter sollten dies, Mütter müssten das. Mütter sollten wissen, wie ekelhaft sich ihre Söhne in den sozialen Netzwerken mit Dickpics und anderen Übergriffen aufführen, damit das endlich aufhört. Mütter müssten sich viel mehr bei der Erziehung ihrer Söhne reinhängen, damit sie nicht zu brutalen Dicktatoren werden oder sich von denen zu Kriegswerkzeug instrumentalisieren lassen.

Irgendwie ist Dicktatur und Diktatur nicht dasselbe. Aber natürlich, wenn Mütter nicht die Verantwortung dafür haben, dass ihre Söhne Dick-Pics verschicken und/oder die Ukraine überfallen, dann haben die Kumpels ihrer Söhne diese Verantwortung erst recht nicht.

Aber dieses Abschieben von Verantwortung macht mich fertig.

Aber nur, weil diese Verantwortung auf Frauen abgeschoben wird. Dass „alle Männer“ Verantwortung für „einen Mann“ übernehmen sollen, ist in feministischen Fachkreisen ja Konsens.

Die Formel, nach der hinter jedem ausrastenden Mann eine Frau steht, die versagt hat, ist so widerlich und verächtlichmachend, dass ich mich übergeben möchte.

Wen schert’s? Wenn ein Mann irgendwas gut macht, ist es ja auch nie sein Verdienst, sondern der des Feminismus‘.

abgesehen davon, … würde mich mal interessieren, was eigentlich mit russischen Vätern ist.

Über Putins Eltern weiß man hauptsächlich Aussagen von Putin selbst. Aber ja, eine Frau identifiziert sich mehr mit Putins Mutter als mit dessen Vater:

„Dein Vater, in der Schlacht gehärtet,

lässt die Wacht nie sein!

Schlaf, mein Junge, unbekümmert!

Schlaf, mein Kind, schlaf ein!“

Lieben die ihre Söhne etwa nicht?

Keine Ahnung? Sting hat mal gehofft, ja.

Nehmen die keinen Einfluss auf die Erziehung ihrer Kinder und können dazu beitragen, dass sie sich geliebt und behütet fühlen?

Arbeiter- und Bauernväter, die für Stalin gegen die Nazis kämpften? Also die Generation von Putins Eltern? Ja, Putin ist nach dem Krieg geboren, aber nunja. Tante Wiki sagt, seine Autobiographie sagt, seine Eltern, deren älteren Kinder während der Belagerung Leningrads an Diphterie gestorben sind, hätten ihn ziemlich verwöhnt…

Dass sie Mitgefühl zeigen, Freundlichkeit erweisen und Hilfsbereitschaft aufbringen?

Irgendwer wird sicher sagen, dass man Putin als Kind weniger hätte verwöhnen sollen, um dem Jungen sowas wie Frustresilenz beizubringen, aber jetzt ist es zu spät. Allzeit beachte: wie man’s macht, ist’s falsch.

Wenn wir wirklich davon ausgehen, dass Konflikte, Gewalt und Krieg dadurch reduziert oder gar verhindert werden könnten, indem man Jungen mit Liebe, Zärtlichkeit und Sanftmut begegnet:

Aber NUR Jungen. Wie man Mädchen behandelt, ist egal, weil Mädchen sowieso die besseren Menschen sind. Wie auch immer, „wir“ gehen nicht davon aus, dass Konflikte, Gewalt und Krieg so reduziert werden können.

Warum sind es dann immer die Frauen, die Jungen und Männer besänftigen sollen?

Weil Frauen für die besseren Menschen gehalten werden. Das ist der einzige Grund. Und bei dem Vorurteil macht Pickert fleißig mit.

Wieso tun wir so, als wären Jungen und Männer tickende Zeitbomben, die nur von Frauen entschärft werden können und deshalb entschärft werden müssen?

Weil Ihr Feministen seid.

Und wenn sie das wirklich sind: Sollten wir dann nicht alle etwas dagegen tun?

Nein. Entweder, ich bin als Mann eine tickende Zeitbombe, dann sollte ich nicht versuchen, andere tickende Zeitbomben zu entschärfen, oder, ich bin keine tickende Zeitbombe, dann sollten alle anderen Männer auch keine sein, und man müsste die ebenfalls nicht entschärfen.

Aus der jetzigen Gemengelage ergibt sich ein krudes Bild, das Vätern – zumal russischen Vätern – in doppeltem Sinn nicht gerecht wird.

Ja, man könnte das einfach so abkürzen: ein erwachsener Mann ist irgendwann für seine eigenen Entscheidungen verantwortlich. Es ist nicht nur unfair, psychologisierend oder sinnlos, sondern faktisch falsch, irgendeinem seiner Elternteile die Verantwortung für Putins Verhalten zuzuschreiben. Ob es tatsächlich „ekelhaft“ ist, den Ukraine-Krieg seiner Mutter vorzuwerfen, sei mal dahingestellt, aber wenn, ist es genauso ekelhaft, dies gegenüber seinem Vater zu tun.

Es täuscht vor, dass Väter für ihre Söhne keine Verantwortung übernehmen würden, und entlässt sie zugleich aus der Notwendigkeit, genau das zu tun, weil dies angeblich und ausschließlich die Aufgabe der Mutter ist.

Ob die Frau das wirklich vortäuschen will, oder ob sie sich einfach mehr mit Mutter als mit Vater Putin identifizieren kann, weil sie halt selber eine Frau ist, ist ja gar nicht entschieden. Und dass russische Väter ihre Erziehungsarbeit von irgendwelchen US-Schauspielerinnen abhängig machen, bezweifle ich doch.

Immerhin heißt es ja Пусть всегда будет мама und nicht папа („Möge es immer eine Mama geben“ und nicht „Papa“), die Älteren unter uns werden sich vielleicht erinnern.

Ich bin wohl nicht „älter“. yayqoq.

„Als ein He-eld wirst Du glänzen,

Kosake bis ins Herz!

Zum Abschied wirst Du lieb winken,

doch ich fühl‘ nur Schmerz.

Bitt´re Tränen werd‘ ich weinen,

in der Nacht geheim!

Schlaf, mein Engel, still und friedlich!

Schlaf, mein Kind, schlaf ein!“

Ich muss HEULEN, so geht es mir an die Nieren.

Also lassen Sie uns für einen Moment annehmen, dass es wirklich funktionieren könnte. Dass, wenn alle Kinder geliebt und umsorgt werden, es nie wieder Krieg gibt. Welchen Beitrag könnten und sollten Väter in diesem Szenario leisten?

Was ist das für ein Quatsch? Soll man Kinder nur deshalb lieben und umsorgen, damit es nie wieder Krieg gibt? Außerdem, wer singt denn wohl solche blutrünstigen Einschlaflieder? Das lyrische Ich scheint selbst nicht für den Kampf zu trainieren… Bzw., ja, ich bin für eine liebevolle Erziehung durch beide Elternteile, aber kritisiere, wie Pickert den guten Ansatz mal wieder durch seine eigene Ideologie kaputtmacht.

Vor über 30 Jahren hat der deutsche Liedermacher Reinhard Mey mal darüber gesungen, dass er seine Söhne für Krieg ganz sicher nicht hergibt.

Meys Söhne sind, technisch gesehen, gar nicht sein Eigentum. Wehrpflicht ist aber nichts, was McCord explizit oder implizit unterstützt. Oder allgemeiner, es geht McCord anscheinend noch nicht einmal darum, Kinder nicht zu Soldaten zu erziehen, sondern nicht zu Kriegstreibern.

Dass er sie liebt und sie Achtung vor dem Leben gelehrt hat. Erbarmen, Vergeben, Lieben.

Ich habe bei Pickert eher nicht den Eindruck, er wolle anderen vergeben. Aber schön für Reinhard Mey.

Wenn wir schon miteinander träumen wollen: warum dann nicht auch diesen Traum?

Wollen „wir“ das? Will ich mit Pickert träumen? Eher nicht, weil er die Idee, dass man Männer „entschärfen“ müsste (und nur Männer) irgendwie nie aufgibt. Okeee.

2 Gedanken zu “Putins Mudda!

  1. Pickert schon wieder, dieser unerträgliche Schwätzer. Dieser notorische Zu-jedem-Schmarrn-seinen-Senf-dazu-Absonderungstriebtäter. Hätt’ nur mehr gefehlt, dass der in seinem Befindlichkeitssermon irgendwo die unvermeidliche Flachsinnsfloskel “toxisch“ anbringt. Hätt’ grad noch gefehlt.

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  2. Hiervon:

    Amerikanische Soziologen haben längst begonnen, die Verheerungen einer vaterlosen Gesellschaft zu untersuchen. Aus vaterlosen Familien stammen in den USA:
    • 63 Prozent der jugendlichen Selbstmörder,
    • 71 Prozent der schwangeren Teenager,
    • 90 Prozent aller Ausreißer und obdachlosen Kinder,
    • 70 Prozent der Jugendlichen in staatlichen Einrichtungen,
    • 85 Prozent aller jugendlichen Häftlinge,
    • 71 Prozent aller Schulabbrecher,
    • 75 Prozent aller Heranwachsenden in Drogenentzugszentren

    und weiter:

    Also, noch einmal: Kinder, die ohne Väter aufwachsen, sind
    • 5mal mehr gefährdet, Selbstmord zu begehen
    • 32mal mehr gefährdet, von zu Hause wegzulaufen
    • 14mal mehr gefährdet, Vergewaltigung zu begehen
    • 9mal mehr gefährdet, frühzeitig aus der Schule auszusteigen
    • l0mal mehr gefährdet, Drogen zu nehmen
    • 9mal mehr gefährdet, in einer Erziehungsanstalt zu landen
    • 20mal mehr gefährdet, sich im Gefängnis wiederzufinden
    • 33 mal mehr gefährdet, ernstlich körperlich mißhandelt zu
    werden
    • 73mal mehr gefährdet, Opfer tödlichen Mißbrauchs zu sein
    (28). Alles klar?

    Aber so einer wie Pickert ist sicherlich der letzte, der die Allmacht der Mütter, den Vater zu entsorgen, einschränken würde. Funfact am Rande: Hitler und Stalin kamen aus Elternhäusern mit abwesenden Vater.

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