Vielleicht sind Frauen gar nicht die besseren Menschen?

Das wäre nämlich die Konsequenz hieraus.

WENN’S FRAUEN MÖGEN, IST ES NICHT SCHLIMM?

Gegenfrage: wenn Männer etwas mögen, wäre es dann gut?

„Naja, wenn auch Frauen es mögen, dann kann es ja so schlimm nicht sein.“
Hinter diesem zunächst sehr unscheinbaren Satz verbirgt sich in Wahrheit eines der zentralen Motive, um beinahe jeden Unfug irgendwie zu rechtfertigen.

Der Satz, bzw. das Argument hat überhaupt nur deshalb eine Chance zu funktionieren, wenn bestimmte Leute (also: Ihr) alle schlechten Tätigkeiten und Eigenschaften bei Männern verorten, und alle schlimmen Dinge deshalb als „schlimm“ definieren, weil Frauen davon besonders betroffen seien. Aber ja, das Argument taugt nichts. Eine Sache kann schlimm sein, obwohl Frauen sie mögen.

Und weil heute Valentinstag ist, dachten wir, wir reden mal über diesen merkwürdigen Mechanismus, mit dem tatsächliches oder vorgetäuschtes Interesse von Frauen dazu dient, alle möglichen Produkte, Formate und Inhalte zu rechtfertigen.

So merkwürdig ist der Mechanismus nicht. Das Argument läuft darauf hinaus, dass entweder eine Sache nicht schlimm ist, oder aber, dass damit die Existenz schlimmer Frauen bewiesen ist. Oder allgemeiner, dass die Welt nicht so schwarz und weiß ist, wie das regelmäßig unterstellt wird.

Warum emanzipierte Frauen den Sexismus lieben“ und ist Hot Topic bei der Welt.

Weil es Spaß macht, in Männertränen zu schwimmen? Weil es toll ist, die längere Lebenserwartung zu haben? Wegen Frauenschutzräumen? Ach, ich merke, die meinen Sexismus gegen Frauen. Ok, keine Ahnung – vllt. sind einige Frauen auch einfach nicht besonders schlau.

Junge Frauen, so lautet die These darin, wären zwar einerseits woke, umweltbewusst und weltretterisch unterwegs, würden aber andererseits in ihrer Freizeit gerne zur Musik sexistischer Rapper tanzen und sich für Rapperinnen begeistern, die sich selbst in sexistische Kontexte stellen.

Rapper, der seine Frau schlägt? Oder Rapper, der seine Frau ehrlich liebt, aber über „Bitches“ rappt? Oder Rapper, der nach einer zwei unglücklichen Scheidungen von seiner Frau trotzdem die gemeinsame Tochter, und die Tochter seiner Frau und die Tochter der Zwillingsschwester der Frau betreut hat?

Das klingt nach einem echtes Aufregerthema, ist bei näherer Betrachtung tatsächlich aber nur zum Gähnen.

Okeee. Dann ist das hier also auch kein Thema mehr? Oder nur noch zum Gähnen? Wenn Frauen, die sich dergleichen anhören oder sogar selber rappen, nicht von Feministinnen kritisiert werden, Männer aber doch, kommt das etwas mehr wie „Beißhemmung“ als wie legitime Kritik rüber.

Erstens, weil hier Sexismus großflächig als Nacktheit und Sexualisierung verstanden wird und nicht als Diskriminierung aufgrund von Geschlecht.

Das englische Wort für Hündin ist eher keine Sexualisierung, obwohl Hunde meistens nackt sind. Aber wenn Sexualisierung nicht dasselbe wie Diskriminierung ist, was war die Meinung von Pinkstinks zur „Holz vor der Hütte“-Werbung? Dagegen, oder?

Und zweitens, weil das Interesse einiger Frauen einmal mehr dafür herhalten soll, etwas grundsätzlich zu legitimieren.

Nein. Bzw.: nicht notwendigerweise. Manchmal soll Feministinnen der Spiegel vorgehalten werden – wenn Männer als Gruppe kritisiert werden, weil einige Männer etwas sexistisches machen (oder sexualisierendes, wenn das plötzlich was anderes ist), dann kann man Frauen als Gruppe kritisieren, weil einige Frauen etwas sexistisches machen. Gleich Logik.

In patriarchal-sexistischen Gesellschaften ist das mit einer der ältesten Tricks, die man zur Systemstabilisierung und zum Machterhalt benutzt.

Wenn der Trick so alt wäre, wäre er ja sehr effektiv. Was sagt das über die Leute aus, die darauf reinfallen?

Es ist der Komm schon, du willst es doch auch!-Move.

Nein, es ist eher der „Sie will es auch doch auf, kümmer Dich um Deinen Kram!“-Move. Weil der Spruch zu Leuten gesagt wird, die die Sache erkennbar nicht wollen.

Frauen lieben zum Beispiel Geländewagen: „Je dünner und blonder die Frau, desto größer das Auto“.

Frauen mögen Geländewagen für sich selbst, oder bei ihren Typen? Frag für ’nen Freund. Ach, schon gut. Die haben Statistiken.

Übrigens ein Thema, über das dermaßen „viel zu wenig geredet wird“, dass es seit Jahr und Tag immer wieder durch die bevorzugt eher konservative Presse geistert. Frauen lieben auch True Crime – also die erzählerische Präsentation von wahren Verbrechen.

Und Männer nicht? Da ist weiterhin der Geländewagenverkäufer verlinkt. Aber die einzigen, die etwas dagegen haben können, sind Leute, die kein True Crime mögen. Wer hat das jetzt schon wieder als „anrüchig“ gebrandmarkt?

Das Problem an einer Behauptung wie dieser ist nicht, dass sie womöglich nicht stimmt.

Doch, wenn sie nicht stimmt, ist die Behauptung ein Problem.

Das Problem an dieser und allen anderen ähnlich gelagerten Behauptungen ist, dass sie zumeist nur der Rechtfertigung fragwürdiger Dinge, Inhalte und Umstände dienen: Wenn Frauen True Crime mögen, dann kann die Darstellung von Gewaltverbrechen, bei denen Frauen immer wieder das Opfer sind, ja nicht so schlimm sein.

Also erstens, gibt es irgendwen, der behauptet, Frauen würden Verbrechen mögen, weil sie True-Crime-Formate mögen? Zwotens kann natürlich die Darstellung von Gewaltverbrechen schlimm sein, aber unterstellen wir mal, dass die respektvollen Formate, die Rücksicht auf die Würde des Opfers und seiner Hinterbliebenen nehmen, die Mehrheit stellen. Drittens, vllt. mögen Frauen ja vor allem True-Crime mit männlichen Opfern? Aber grundsätzlich ja: ich muss mich nicht dafür rechtfertigen, dass ich gerne mal True-Crime-Videos sehe, wenn Frauen sich dafür auch nicht rechtfertigen müssen.

Wenn Frauen fette SUVs fahren, dann ist das Fahren von SUVs nicht so schlimm oder das Aufregen über SUVs scheinheilig, denn der Protest gegen die sich in vollem Gang befindliche Klimakatastrophe ist vor allem weiblich.

Nein, wenn vor allem Frauen fette SUVs fahren, ist es scheinheilig so zu tun, als ob nur Männer das Problem seien.

Deswegen wird Frauen gerne der Vorwurf des unökologischen Verhaltens von Männern gemacht, die es nie versucht haben und denen Umweltschutz als unmännlich gilt.

Der Vorwurf wird ihnen auch von anderen Männern gemacht, und auch von Frauen, nebenbei. Was halt daran liegt, dass Frauen nicht per se bessere Menschen sind. Oder bessere Umweltschützer.

Komm schon, du willst doch auch fliegen. Komm schon, du willst doch auch billiges Fleisch essen.

Eigentlich ist hier das Argument mehr: „Ihr fliegt doch auch. Ihr esst auch Fleisch.“ Bzw., diese ganze Argumentationskette würde nicht funktionieren, wenn man selbst nicht in Kollektiva denken würde, sondern von Individuen. So, wie sich ein Mann nicht dafür rechtfertigen muss, dass ein anderer Mann Porsche fährt, muss sich eine Frau nicht rechtfertigen, wenn eine andere SUV fährt.

Wenn, dann. Wenn Frauen gerne Germany’s Next Topmodel gucken, dann kann es ja wohl nicht so schlimm sein.

Nein. Wenn die einzigen, die GNTM toll finden, Frauen sind, dann ist das nicht die Schuld der patriarchaischen Weltverschwörung.

Worüber wirklich zu wenig gesprochen wird, ist das kleine Wörtchen auch. Was soll das alles, wer hat ein Interesse daran, dass Frauen es auch wollen?

Also, bei GNTM fehlt das „auch“. Dem SUV-Verkäufer ist es egal, dass „auch“ Frauen SUVs wollen, Hauptsache, es gibt genug Kundschaft. Den True-Crime-Podcastern ist es vermutlich auch egal, ob sie ein eher männliches oder eher weibliches Publikum anlocken. Bei den Rappern habe ich den Eindruck, dass die tatsächlich ein eher männliches Zielpublikum haben, aber das ist tatsächlich auch das, wo ich sowas wie Sexismus sehe.

Ganz einfach diejenigen, die „es“ schon immer wollten und es gerne auch weiterhin ungestört wollen möchten.

D’oh. Wäre es Euch lieber, wenn jemand sagt: „Die Sache kann ja nichts taugen, wenn auch Frauen die toll finden!“ – „Ihh, SUVs sind Frauenautos!“ – „True Crime ist nur was für Mädchen, echte Männer hören false crime!“ – „Geh mir weg mit GNTM, das ist nur für junge Frauen!“ usw.?

Aber jedes Mal, wenn Männer mit den Worten „die will es ja auch“ auf Frauen deuten, ist eine gute Gelegenheit, um kurz innezuhalten und sich kurz zu fragen: Warum erzählst du mir das und was genau ist hier eigentlich das Problem?!

Wenn Männer Dir das erzählen, liegt das daran, dass Du eine Feministin bist. Und das Problem ist, dass Du entweder auch die Frau kritisieren müsstest, oder den Mann auch nicht. Such es Dir aus.

2 Gedanken zu “Vielleicht sind Frauen gar nicht die besseren Menschen?

  1. „so lautet die These“

    LOL, eigentlich alles was Feministen über die Realität behaupten, ist nicht mehr als eine These. Bewiesen ist das i.d.R. nicht. Viel öfter findet man Beweise für das genaue Gegenteil. Das Frauen auf gewaltverherrlichende Rapper stehen, ist hingegen Fakt. Es gibt sozusagen den Videobeweis.

    „weil das Interesse einiger Frauen einmal mehr dafür herhalten soll, etwas grundsätzlich zu legitimieren.“

    Genau deswegen verteidigen Feministen immer wieder das „yes, all men“, auch noch wenn man ihnen immer wieder zeigt wie weit sie daneben liegen. Sie WOLLEN alle Männer aufgrund des Verhaltens einiger sehr weniger Männer über einen Kamm scheren und gleichzeitig auch all das viele Gute das Männer für die Gesellschaft und besonders auch für Frauen tun nicht zur Kenntnis nehmen.

    „In patriarchal-sexistischen Gesellschaften ist das mit einer der ältesten Tricks“

    Genau, alles nur Tricks der Männergesellschaft. Frauen stehen „in Wirklichkeit“ gar nicht aus Status.

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