Okeeeeeeee

Was man in den Diskussionen über „politisch korrekte“ oder auch „diskriminierungsfreie“ Sprache regelmäßig hört, ist die Aussage, dass man die betreffenden Leute Fragen soll, wie sie genannt werden wollen. Ok. Mich hat niemand gefragt, ob man Röteln auch „deutsche Masern“ nennen darf, oder Deutsche „Stummische“, und es ist sicherlich diskriminierend, eine Stadt noch nach ihren Namen aus der Gründerzeit zu nennen, vor allem, wenn der buchstäblich „Kolonie“ bedeutet, auch wenn die Einheimischen sie inzwischen Köln nennen. Oder Kölle. Aber manche Leute kriegen einfach kein „ö“ ausgesprochen…

Aber darum soll es mal nicht gehen – nennen wir Schwarze also Schwarze, weil die ganz überwiegend so genannt werden möchten. Und Juden Juden, weil die auch so genannt werden möchten.

Ähh, oder etwa nicht? Tja, offenbar gab es keinerlei Absprache zwischen Duden und Juden.

Die Idee scheint gewesen zu sein: „Offenbar verwenden Nazis das Wort ‚Jude‘ abwertend. Ergo müssen die so bezeichneten das ebenso empfinden. Also brauchen wir schöne Umschreibungen.“

Und da hapert es. Die Formulierung „Mitbürger jüdischen Glaubens“ hat ja eine Berechtigung, wenn vorher beispielsweise von „Mitbürgern christlichen Glaubens“ die Rede war, also nicht „alle Juden auf der Welt“ gemeint sind, sondern genau die deutschen. Oder österreichischen. Oder je, nachdem. Oder wenn man nicht immer dasselbe schreiben will, sondern mal „deutsche Juden“, mal „jüdische Deutsche“ und mal „Mitbürger jüdischen Glaubens“.

Und hier liegt außerdem der Verdacht nahe, dass es nicht um die Nazis oder die Juden geht, die das Wort „Jude“ abwertend verstehen, sonden um die Damen und Herren beim Duden, die ihr eigenes Unbehagen mit dem Wort „Juden“ auf den Rest der Welt projizieren…

Ein Gedanke zu “Okeeeeeeee

  1. Es gab mal einen Poetry Slammer vor langer Zeit; nennen wir ihn mal Max, auch wenn er nicht in einer Mehlmühle als Hühnerfutter wie sein Namenspendant und dessen Spießgesell‘ endet…

    Dieser meinte damals noch, man darf den gewaltbereiten, (damals) haarbefreiten Vollpfosten nicht die deutsche Sprache kampflos überlassen. Stünde einer dieser gewaltbereiten, haarbefreiten Vollpfosten in der Ubahn auf und rufe „Sieg heil!“, so solle man am besten entgegnen „Jaja, Sieg heil. Schon klar.“ – denn, so sein Ansinnen, überließe man ihnen kampflos alles, worauf sie ihre braunen Füße setzten, was bliebe alsdann noch übrig?

    Nun haben gewaltbereite Vollpfosten stets den einen oder anderen kleinen Bonus, was Auseinandersetzungen angeht: Körperkraft, Kampferfahrung, juristische Lebenserfahrung, … Dennoch ist zumindest an dem Punkt – man solle nicht in vorauseilendem Gehorsam alles zurücklassen, was in irgendeinem Blickwinkel (und sei es durch unzählige, geleerte Bierflaschen) braun anmuten könnte – ein Fünkchen wahrheit dran.

    Apropos fünk’chen: Ich frage mich, ob er immer noch so denkt, jetzt wo er funk-Gelder eingestrichen hat…

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