Eine schrecklich nette Feministin

Marcy d’Arcy.

tl,dr: Marcy sei eine Strohfrau von einer Feministin. Reale Feministinnen seien nicht so, und außerdem sollte man über Feministinnen keine Witze machen.

Im Prinzip: ja. Das unterschlägt allerdings, dass bei einer schrecklich netten Familie alle Figuren zu 90 % Pappkameraden sind, die Klischees und Vorurteile bedienen – und natürlich haben, aber hauptsächlich bedienen – und zu 10 % normale Charaktereigenschaften haben. Muss man nicht mögen, aber darauf basiert die ganze Serie. Einschließlich der männlichen Figuren.

Und zur Rechtfertigung der Figur der Marcy folgendes:

  1. „Kampfemanze“ wird ihrem Charakter nicht ganz geecht, sie bedient auch noch alle Vorurteile über Bänker.
  2. sie wird immer ganz besonders in der Nähe von Al kampfemanzig, und dieser widerum ist eine MGTOW-Parodie. Hauptsächlich, weil er eigentlich seinen eigenen Weg dann doch nicht geht. Aber es gibt eine gewisse Symmetrie zwischen den beiden.
  3. Marcy hat unter den Figuren einen Job, der ihr gefällt und von dem sie leben kann, ohne einen Mann zu brauchen (außer zu Zwecken der Freizeitgestaltung). Also hat ihr Kampfemanzentum ihr tatsächlich etwas gebracht.

Wenn man heute eine Feministin parodieren wollte, wäre das eine Gender-Studien-Absolventin.

Hier wird übrigens auf Anita Sarkeesian und ihre feministische Frequenz Bezug genommen. Und natürlich kann man jede Serie doof finden, oder eine Figur darin. Aber hier werden zwei Dinge vermischt:

  • eine Fernsehserie bzw. eine Figur darin wird kritisiert, weil sie nicht sympathisch, lustig oder sonstwas gutes ist, sondern dumme oder unsympathische Ideen und Vorstellungen hat.
  • eine Figur in einer Serie scheint bestimmte politische Ideen durch karikatureske Überzeichnung kritisieren oder lächerlich machen zu sollen, was man nicht gut findet.

Beides sind legitime Kritikpunkte, zumal jede Kritik an Unterhaltung auch Geschmackssache ist, aber es sind eben verschiedene Dinge. Als Einstellung zu seinen Kundinnen wird kritisiert, weil er etwas gegen übergewichtige Frauen hat (und außerdem keinerlei diplomatische Fähigkeiten), ok, aber nicht, weil man darin eine unfaire und unzutreffende Darstellung von Schuhverkäufern sieht, sondern weil man diese Einstellung nicht mag. Marcys Einstellung zu Männern wird kritisiert, weil man darin eine unzutreffende und unfaire Darstellung von Feministinnen sieht. Ob man diese Einstellung nicht mag, bleibt offen.

(Ich denke nicht, dass die Serie eine einigermaßen seriöse Debatte über Geschlechterrollen anstoßen sollte, sonst könnte man Marcy tatsächlich inhaltlich kritisieren, indem man bspw. zeigt, dass ihre Positionen nicht die aktuelle feministische Welle wiedergeben. Aber hey, das passiert ja auch nicht.)

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