Das waren noch Zeiten

Dammals

Ein Golden Girl zu sein ist kein Honigschlecken mehr

Die Golden Girls waren beim Serienstart jünger als die Stars der Fortsetzung von „Sex and the City“. Was sagt uns das über Anforderungen an Frauen jenseits der 50?

Die Golden Girls waren zu jedem Zeitpunkt witziger als die Stars aus „Sex and the City“ (SotC). Warum die einen zwei Kinofilme und eine Fortsetzung bekamen, verstehe ich derartig wenig, dass mir ihr Alter fast egal ist.

Betty White ist am 31. Dezember 2021 im stolzen Alter von 99 Jahre gestorben. Die Produzentin, Entertainerin und Schauspielerin verkörperte in der Serie die großherzige und etwas naive Rose Nylund.

Aus St. Olaf. Rose: „Das da ist so etwas wie Mount Rushmore, nur mit den erfolglosen Präsidentschaftskandidaten aus St. Olaf: X, Y, Z und Z.“ Blanche: „Wieso hat Z zwei Steinbilder?“ Dorothy: „Na, weil der zweimal kandidierte! – Oh mein Gott, es ergibt tatsächlich einen Sinn!!!“

Die Serie vermittelte uns Anfang der 1990er-Jahre auch verlockende Zukunftsszenarien. Die Freund*innen wohnten beileibe nicht aus Not und Verzweiflung ob fehlender Männer zusammen.

Ja, beim bei die Standard ist Gendern sonst nie ein Thema. Außer, wenn vier weibliche, befreundete Personen erwähnt werden, es könnten ja Männer oder Diverse dabei sein. Aber ja, die wohnen zusammen: Aus Verzweifelung ob fehlender Männer nicht, aber aus Mietspargründen und weil Sophia lieber bei ihrer Tochter wohnt als im Altersheim, leben die vier in einer WG. Also absolut legitime Gründe. Im Unterschied zu den Frauen aus SatC, die jeweils als Single eine einzelne Wohnung in Manhatten bewohnen, und offenbar auch sonst mehr Luxusprobleme haben. Und viele Gespräche über Sex. Frei nach Rose: „Die am meisten über Sex reden, haben am wenigsten.“

Völlig verblendete Nostalgie? Von wegen!

Die eindeutig interessantere Serie.

Den Beweis, dass wirklich alles schlechter oder, sagen wir, zumindest arbeitsintensiver und anstrengender wird, lieferte ein Hinweis der US- Journalistin Flora Gill auf Twitter.

Oh, nein! Müssen die vier drei etwa zusammenziehen?

Die Figuren der „Golden Girls“ waren bei der ersten Staffel teils jünger als die drei Darstellerinnen der „Sex and the City“-Fortsetzung „And Just Like That“. Dorothy war um die 53 und die Figur der Rose 55. Die Hauptdarstellerinnen von „And Just Like That“, Sarah Jessica Parker und Kristin Davis, sind – im echten Leben – 56, und Cynthia Nixon ist 55.

Okeee. Die erste Staffe SatC lief vor über 20 Jahren und thematisierte das Leben von Frauen Mitte Dreißig. Wenn, wie ich es verstanden habe, die Fortsetzung in der Jetztzeit spielt, ist es logisch, dass die Figuren jetzt Mitte 50 sind und ihre Schauspielerinnen das auch sein können. Wir sind hier nicht bei Dawson Creek, oder wie das heißt.

nur Nixon trägt einen verhältnismäßig unkomplizierten Haarschnitt mit natur- und altersgemäß grauen Haaren, was auch noch als „Tabubruch“ ausgewalzt wurde.

Ich kenne mich mit Frauenfrisuren nicht aus, aber „Kurzhaar ungetönt“ kommt mit tatsächlich einfacher vor als getönte Dauerwelle wie bei Golden Girls. Dessenungeachtet soll das ja eine Geschichte erzählen, die in einem realistischen Szenario spielt – wenn Charas in dem Alter und dem Land und dem Jahrzehnt typischerweise Dauerwelle tragen, dann sollten die Darsteller das auch tun. Oder, sie tun das nicht, werden aber vom Publikum als etwas untypisch wahrgenommen. Was natürlich ok ist, wenn die untypisch sein sollen.

Parker und Davis haben hingegen Wallemähnen, die in dem Alter schon einigen Aufwand bedeuten und die auch nur ein paar wenige 20-Jährige halbwegs von Natur aus haben.

Jaaa, und? Das sind doch die Fotos, um die neue Serie zu promoten, oder? Also sehen die Figuren so aus, richtig? Und das sind – sofern sie denselben Lebenstil führen wie früher – Frauen, die sich recht aufwendige Frisuren leisten können, nicht wahr? Also ICH würde auch eher Geld in schöne Haare als in einen begehbaren Schuhschrank stecken, also hier mal volle Solidarität und so.

Auch die ärmellosen Tops und die kurzen Röcke der „SATC“-Frauen zeugen von harter Arbeit am Körper, der in dieser Phase des Lebens wirklich nur mehr mit verdammt hartem Training Muskeln aufbaut, während man in den Zwanzigern eine Hantel nur anschauen brauchte, und die Muskeln waren schon hübsch definiert.

Ok, ein wiederkehrendes Thema bei SanC sind doch schicke, teure Klamotten; da ist es irgendwie konsequent, dass man sich den Körper anschafft, an dem die Klamotten auch gut aussehen. Das ist tatsächlich auch ein bisschen eitel, aber trotzdem das bessere Vorbild als wenn übergewichtige Frauen sich teure Klamotten anziehen.

Es ist super, dass Frauen mit fünfzig, sechzig oder siebzig Klamotten anziehen, die sie auch als Dreißigjährige getragen hätten.

Stimmt. Die hier haben in den letzten 20 Jahren ihre Garderobe aber vermutlich trotzdem mehrfach komplett ausgetauscht. Außer dem Schuhschrank. Wegen Fetisch. Kein Kinkschäming, bitte!

Allerdings tun das Parker und Co erst, nachdem sie eine Lawine Geld und Zeit in Schönheitsarbeit gesteckt haben, was für die Durchschnittsfrau keine Möglichkeit ist.

Das sind ja auch keine Durchschnittsfrauen. Die bei Golden Girls schon. Wobei Betty White auch mal für Wolverine vorgesprochen hat. Jackman hatte aber die stimmigere Frisur und spielt die Rolle auch sonst gut.

Besser wäre es also, wenn wir endlich massig Frauen mit ihren Durchschnittskörpern im TV sehen würden, auch jenseits der 50.

Ok, sollte jetzt eine von denen für die Rolle zunehmen, nur um die Erwartungshaltungen zu erfüllen? Ich finde, nicht.

Doch stellen Sie sich den medialen Umgang mit Parker und Co vor, wenn sie ihre schicken Klamotten tragen würden und dabei gemütlich-gewachsene Fünfzig-plus-Körper hätten.

Keine Ahnung? Richtet sich die Kritik gegen die Figuren oder gegen die Schauspielerinnen?

Der Hass, das Body-Shaming, die Häme wären ihnen gewiss.

Irgendwas ist immer. Dass Aussehen, Schönheits-OPs und dergleichen im Kontext der ursprünglichen Serie nicht thematisiert wurde, bzw., dass bestimmte Schönheitsideale nicht vorausgesetzt wurden, halte ich im Übrigen für ein Gerücht. (Ich habe tatsächlich ein paar Folgen SatC gesehen, bzw. ich erinnere mich an die Handlung um dem Krebs, die ich ehrlich gut fand. Beim Nachrecherchieren habe ich aber festgestellt, dass das Brustkrebs war, der in Vorbereitung einer Brustvergrößerung festgestellt wurde. Hurra für Brust-OPs?)

Wurden insbesondere Sarah Jessica Parker und Kristin Davis nicht trotz ihres Aufhebens um ihr Äußeres massiv kritisiert? Doch, wurden sie. Dass Parker zu viel Falten und Davis zu viel gebotoxt hätte. Ja, was nun!

Dies ist ein Logik-Bug gemäß eines der Syllogismen aus „Das Dilbert-Prinzip“:

  1. Manche Ebonier engagieren sich im Tierschutz.
  2. Manche Ebonier tragen Pelze.
  3. Alle Ebonier sind Heuchler.

Der Anspruch an das Aussehen von älteren Frauen ist offenbar gestiegen, hält man sich daran und macht tüchtig mit, dann bringt einer das ebenso massive Kritik ein, wie wenn man darauf pfeift.

Früher gab es noch kein I-Net, keine Ahnung, ob jemand an den Golden-Girls-Schauspielerinnen derartig herumkritisiert hat. Ist insofern möglicherweise auch ein Artefakt der Kommentarfunktionen.

In letzterem Fall würde wohl auch die Produktionsfirma einer finanziell aufwendigen TV-Serie in diesem Genre höflich, aber bestimmt „Nein, danke“ zu den Fünfzig-plus-Darstellerinnen sagen.

Im ganz konkreten Fall will man genau diese Darstellerinnen haben. Und – mal ganz was verrücktes – was, wenn tatsächlich mal eine Folge von „Botox, ja oder nein?“ handelt? Oder vllt. geht es auch über „überflüssige“ Pfunde? Wie gesagt, aufwendige Frisuren, Fitness und Falten-weg sind Dinge, die die Figuren in der Serie tatsächlich thematisieren könnten und vllt. auch sollen, und deshalb ist es vom Serienstandpunkt sogar gut, wenn es eine pro-Botox- und eine contra-Botox-Position gibt. Und eine, die sich über die drei-Stunden-Friseur-Termine der anderen beiden lustig macht.

Und wir bleiben wieder einmal mit einem Wust an widersprüchlichen Anforderungen an Frauen zurück.

Meinen unmaßgeblichen Beobachtungen nach ist das SatC-Fandom ziemlich weiblich. Es kann in dem Fall also eher egal sein, ob die Schauspielerinnen Männern gefallen. Ansonsten ist das tatsächlich eine künstlerische Frage: Würden die Seriencharas mit Mitte 50 so aussehen? Speziell, würden die aufwendigere Frisuren tragen und ins Fitness-Studio gehen, um so auszusehen? Bzw. Botox und plastische Chirurgie verwenden? Möglicherweise aus Eitelkeit, Unsicherheit und/oder um für das andere Geschlecht attraktiv zu wirken? Wenn man diese Fragen ehrlicherweise bejahen kann, dass das nicht nur physisch möglich ist, sondern plausible Verhaltensweisen für die Charas, wie sie bisher proträtiert wurden und was im sozialen Umfeld, in dem SatC spielt, üblich oder möglich ist, dann weiß ich nicht, was die Beschwerde ist.

3 Gedanken zu “Das waren noch Zeiten

  1. Ich weiß nicht, was mir der Artikel sagen soll. Ich habe dann mal die Autorin gegoogelt; die steht im Lexikon für die österreichische Übersetzung von „beaten with an ugly stick“.

    Störend ist dann aber die Behauptung, irgendwer bei den Golden Girls hätte „einen unkomplizierten Haarschnitt mit natur- und altersgemäß grauen Haaren“. Das ist die Generation von meiner Oma; da kannste Dir noch nichtmal selber die Haare waschen, weil Du sonst aussiehst wie ein nasser Waschlappen. Und dazu gibt’s noch ne Familienpackung silbergrau-metallic-Haarfarbe; dann hat man den „Golden Girls“-Look nach nem halben Tag bei einer Friseuse. Aber wenn Du jemandem Plätzchen anbietest, freuen sich alle.

    Du kannst alternativ auch in dem Alter einfach auf Deine Frisur scheißen, so als Frau, weil du eh so attraktiv bist wie ein Lada mit Getriebeschaden. Hatte nicht jeder von uns eine Kunstlehrerin, die so aussah, und von der man auch gerne Plätzchen nahm, weil da Hasch drin war?

    Dritte Möglichkeit ist dann, sich in dem Alter zurechtzumachen wie die Tussen aus SatC. Die backen dann keine Plätzchen, und wenn, wäre die einzig sinnvolle Verwendung dafür, feministische Journalistinnen zu steinigen.

    Naturgraue Haare können der Weihnachtsmann und noch grob 4 weitere Männer auf diesem Planeten tragen. Beim Rest und besonders Frauen sieht das mehr nach „Straßenköter mit Krebs“ aus. Außer, das muss ich fairerweise dazusagen – meine Tante hat naturgraue, lange Haare ohne den Straßenköter mit Krebs – Look. Aber so eine Chemotherapie wäre mir das nicht wert.

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  2. Der Artikel versucht immerhin nicht, zu behaupten, dass der „Wust an widersprüchlichen Anforderungen“ von Männern stamme.
    „Anforderungen an Frauen“ ja, aber eben auch VON Frauen.
    Zu dumm, wenn die schöne Weisheit zu gelten hat: „Oh wenn doch alle so wären, wie ICH sein sollte!“

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  3. Passiv-Sprech: Das Mittel der Wahl, damit niemand merkt, wer von wem Anforderungen „gestellt“ bekommt. Böse Zungen behaupten ja, der Hauptgrund, warum sich Männer auf tödliche Säbelzahntiger-Mammutfellbesorungstouren begeben haben, war die bessere Wahl, als langsam am damentlichen Dorftratsch zugrunde zu gehen…

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