Heldentum

Weil das vorgestern Thema ist: natürlich können auch Trottel Helden sein, beides (m/w/d).

Weil die Geschichte davon handeln kann, wie jemand einen Fehler macht und versucht, den wieder gut zu machen (typisches Spiderman-Filmabenteuer), oder allgemeiner, wie jemand sein Trotteltum überwindet.

Und das geht auch bei weiblichen Protagonisten. Charakterbogen und so. Wenn man genug Erfahrungspunkte hat, kann man damit bestimmte Schwächen ausstreichen, oder Gewandheit skillen, oder… ach, der andere Charakterbogen, nicht der aus Rollenspielen. ISt aber eigentlich dasselbe: Wenn man Erfahrungen macht, lernt man daraus, wie man bestimmte Fehler vermeiden kann und es in Zukunft besser macht.

Mein Lieblingsbeispiel in DEM Zusammenhang ist Mulan. Zeichentrick-Mulan hat zu Beginn zwei Stärken und zwei Schwächen: sie ist einerseits mutig und einfallsreich, aber andererseits schusselig und verplant. Die Geschichte handelt davon, wie sie erstere Eigenschaften einsetzt und letztere überwindet. Ja, etwas schematisch zusammengefasst, aber das ist eben der Kern.

Im Gegensatz dazu Real-Film-Disney-Mulan. Die hat keinerlei erkennbare Schwächen, bzw. keine, die für die Story relevant sind. Sie ist außerdem eine geborene Wuxia-Heldin. Es gibt keine Stelle, wo sie ihre Fähigkeiten trainieren muss, es gibt keinen komplizierten Trick, den sie im entscheidenden Punkt anwenden muss, sie kann alles schon immer. Es gibt einen wunden Punkt, und das ist „Ehrlichkeit“; die Szene aus dem Trailer, wo die ganze Kompanie auf Tapferkeit, Ehrlichkeit und Treue eingeschworen wird und sie muss bei „Ehrlichkeit“ die Lippen zusammen beißen. Weil sie nunmal so tut, als wäre sie ein Mann. Es ist aber nicht ihr Fehler, da ihr die Todesstrafe droht, wenn sie ehrlich wäre, und außerdem ist es im Patriarchat des alten China nunmal so, dass lieber alte, männliche Invaliden eingezogen werden als junge, gesunde Frauen. Das Patriarchat schadet manchmal eben auch Männern, und die in China haben eine Quote zu erfüllen.

So, wo ist dann der Charakterbogen? Tja.

Es ist jetzt noch nicht einmal so, dass ihr Wuxia-Action-Skill – aka Qi – so hohe Werte erreicht, dass das die Handlung kaputt macht. Bzw., ich mag auch Superheldenfilme, da würde RF-Mulan super reinpassen. Der Unterschied ist aber, dass in guten Superheldenfilmen es normalerweise so ist, dass es trotzdem irgendwelche persönlichen Schwächen gibt, die der Superheld(m/w/d) überwinden muss, oder aber die Gegner sind so stark, dass die Chancen trotzdem schlecht sind, oder die jeweiligen Superkräfte nutzen wenig gegen genau den jeweiligen Gegner. Wie das Lasso der Wahrheit gegen den 1. Weltkrieg. Am allerbesten ist es, wenn alle drei Dinge zusammen kommen.

Das hätte bei RF-Mulan so aussehen können, dass Frauen, die ihr Qi einsetzen, als böse, gefährliche Hexen verschrieen sind, obwohl das bei Männern eine bewunderte Eigenschaft ist (mehr Sexismus als beim Original). Mulan hat die Schwäche, etwas zu naiv und idealistisch zu sein, sie hat den Plan, ds Gegenteil zu beweisen. Als sie ihre Kompanie in der Schlacht rettet, enttarnt sie sich: „Seht Ihr, dass ich Eure getreue und tapfere, wenn auch nicht ganz ehrliche, Kameradin bin, und keine böse Hexe?“ Nein, sehen sie nicht; entsetzt über ihren Irrtum versuchen die Soldaten, sie zu töten, und sie entkommt nur mit Hilfe ihrer Wuxia-Superkräfte.

Die tatsächlich böse Hexe der Hunnen sagt ihr, dass das ja klar war: das Patriarchat wird nie eine Frau mit Qi (oder einem freien Willen) akzeptieren, also soll sich Mulan ihr anschließen. Es gibt auch Kekse.

Und Mulan tut dies auch, verletzt und enttäuscht, wie sie ist; was ist ihr Idealismus wert, wenn ihn niemand teilt? Aber als zum Sturm auf die Hauptstadt geblasen wird, fällt sie den Hunnen in den Rücken – zu viel Ehrlichkeit ist manchmal etwas von Nachteil – und ihre Kameraden sehen, dass sie tatsächlich keine böse Hexe ist.

So wurde das Patriarchat besiegt, nicht durch Wuxia-Kampfkunst, sondern durch das leuchtende Beispiel von Hua Mulan, die entweder nur zum Schein auf das Angebot einging, oder beim Anblick ihrer Kameraden ihren Standpunkt nochmal überdachte.

Oder wie auch immer.

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