The last Duel – Ferndiagnose

The Last Duel – das letzte Duell ist ein Historienfilm von Ridley Scott, der deutlich mehr auf historischen Ereignissen beruht als bspw. Gladiator.

Dazu gibt es auch einen Trailer.

Und diverse „spoilerfreie“ Kritiken im Intenet, die das ganze als „feministisch“ bezeichnen. Äh, ja. Und die Macher selbst betrachten den Film als feministisch. Ok. Ein fetter „Feminismus“-Aufkleber an sich ist noch kein Grund, einen Film nicht zu sehen – auch wenn ich es nicht verwunderlich finde, dass das viele inzwischen so sehen – aber natürlich ist das ein Spoiler. Habt Ihr den Trailer gesehen? Mann wird wegen Vergewaltigung angeklagt, aus Mangel an Beweisen muss ein „Gottesurteil“ her – sprich, ein Duell zwischen dem Angeklagten und dem Mann der Klägerin – und wenn der Angeklagte gewinnt (aka: freigesprochen wird), wird die Frau verbrannt. Der Verlierer des Duells wird natürlich nur gehenkt, scheiß Patriarchat. Auch, wenn er im Duell stirbt. Theoretisch können auch beide sterben, wenn die Verletzungen des Siegers mit den Mitteln des 14. Jahrhunderts nicht heilbar sind. Scheiß Patriarchat halt.

Jedenfalls ist die reine Information, dass das ein feministischer Film ist, quasi der Inhalt: die Möglichkeit, dass die Frau in Wahrheit nicht vergewaltigt wurde, sei es, dass sie einvernehmlichen Sex hatte, sei es, dass sie sich die Geschichte komplett ausgedacht hat, wäre mit „Feminismus“ nicht zu vereinbaren. Die einzige andere Möglichkeit wäre, dass Ehemann sie gezwungen hätte, den anderen Mann – mit dem er in der Tat schon anderweitig Streit hatte – anzuklagen, um ihn legalerweise duellieren zu dürfen (diese Behauptung wurde jedenfalls im realen Prozess vorgebracht). Eine Praxis, die damals nebenbei nicht ausstarb, aber es war einer der letzten Fälle, in dem ein Duell zur Wahrheitsfindung gerichtlich angeordnet wurde. Und es war wohl auch ein ziemliches Spektakel seinerzeit, weshalb so viele Dokumente oder andere Unterlagen darüber erhalten geblieben sind. Die Tatsache, dass der Fall zwar gut dokumentiert ist, aber nur mit den forensischen Mitteln des 14. Jahrhunderts „aufgeklärt“ wurde, ließe ja immerhin die Möglichkeit, dass die Macher mit einem Twist ankommen, den man – auch als Kenner der eigentlichen Geschichte – nicht vorhersähe. Und, soweit ich das den Kritiken entnehme, wird dieser Ansatz auch ansatzweise verfolgt, weil die Wahrnehmung der drei Hauptfiguren in je einem Drittel des Filmes dargestellt wird, was wohl darstellen soll, dass Wahrnehmung nicht dasselbe ist wie Wahrheit. Aber welches Geschlecht hat in einem feministischen Film wohl die Person, deren „Wahrheit“ als Wahrheit dargestellt wird? Naaa?

Und bei aller Kritik am mittelalterlichen Rechtssystem, es wurde erst tatsächlich mit normalen rechtsstaatlichen Verfahren gearbeitet, man hat z.B. Zeugenaussagen für Alibis eingeholt, und debattiert, wie schnell der Mann von A nach B und zurück hätte reiten können, und man hat außerdem Bauern gefoltert, damit die auch nicht lügen (Ein Grund, aus dem Gottesurteile aus der Mode kamen, war die Einführung der Folter. Ich kann gar nicht sagen, wie ich mich deshalb fühle.).

Jedenfalls: „Feministisch = Frau hat Recht“. Deshalb ist es nicht mehr nötig, dass Männer ihr Leben riskieren. Außer, wenn einer einer Frau widerspricht, dann doch. Jedenfalls scheint das die Botschaft zu sein. Oder es soll zeigen, wie schrecklich frauenfeindlich das Mittelalter war, und undemokratisch, und ungerecht und wie da die Unschuldsvermutung für Leute außer Kraft gesetzt wurden, die sich einen Plattenpanzer, ein Pferd, diverse Waffen und einen Posten bei Hofe leisten konnten. Ehrlich, soll DAS die Botschaft sein?

Jedenfalls behauptet die Frau im Trailer, dass ihr Mann ihr nicht glaubt. Er: „Ich riskiere mein Leben!“ Sie: „Du riskierst MEIN Leben.“ Ok, glaubt er ihr und an Gott und deshalb daran, dass er diesen Kampf gewinnen wird? Oder ist er zynisch und abgebrüht – er glaubt vllt. an Gott, aber nicht unbedingt an Gottesurteile, und vertraut einfach seiner Kampfkraft? Oder denkt er einfach: „Selbst, wenn er kein Vergewaltiger ist, ist er jedenfalls ein Ehebrecher, und ich will wenigstens versuchen, ihn zu töten!“ Oder der Ehemann könnte das ganze auch veranstalten, um sie zu testen statt ihn: „Ich renne vor keinem Kampf davon, der sein muss, aber wenn Du gelogen hast, sterben wir beide.“ – „Ja, das wäre so, aber wir werden nicht sterben.“ – „Du hast mir also nichts zu sagen, bevor ich deshalb zum König gehe?“ – „Nur, dass ich le Gris sterben sehen will!“ – „Alles klar, dann los.“ Man hätte die Geschichte auch einfach als einen Film über ein Ehepaar drehen können, das zusammenhält und einen gemeinsamen Feind bekämpft, aber das wäre ja unfeministisch. Die bloße Idee, dass Männer und Frauen zusammenarbeiten könnten, muss ja schon absurd klingen…

Hier gibt es die englische Übersetzung eines zeitgenössischen Chronisten dazu:

I am ignorant, for I never had any conversation with her or the knight, whether she had not frequently repented of having pushed matters so far as to place herself and husband in such peril; but it was now too late, and she must abide the event.

„Ich bin in Unkenntnis, da ich mit ihr oder dem Ritter niemals ein Gespräch hatte, ob sie nicht schon oft bereut hätte, die Dinge soweit voranzutreiben und sich und ihren Ehemann solcher Gefahr auszusetzen; aber jetzt war es zu spät, und sie musste der Dinge harren.“ Heutzutage ist es natürlich nicht mehr so, dass man wegen Meineides verbrannt wird, auch wenn manche Feministinnen so tun, als ob.

Achja, das Ende bei Froissart:

after thanking the king and his lords, went to his lady and kissed her: they went together to make their offering in the church of Nôtre Dame, and then returned to their home.

„Nachdem er dem König und seinen Herren gedankt hatte, ging er zu seiner Herrin und küsste sie: zusammen gingen sie nach Notre Dame, um dort ihre Spende zu machen, und kehrten dann nach hause zurück.“ Natürlich ist das viel zu romantisch und versöhnlich für einen Film, der feministisch sein soll. Deshalb lässt er sich im Film von der Menge feiern, und sie reitet traurig hinterher. Ernsthaft, angenommen, der Ehemann hätte gesagt, dass er seiner Frau ja glaube, aber ihr Vergewaltiger wäre so dicke mit ihrem Lehnsherr, dem Vetter des Königs, dass man da nichts machen könne – wäre DAS besser? Warum sich dann mit Matt Damons Chara identifizieren, und weiter gefragt, mit dem weißen Ritter als Typ?

Falls noch mal jemand „Metoo im Mittelalter“ drehen will – macht das so: Adeliger schläft mit jeder Bauerstochter, Dienstmagd, Zofe seiner Frau und wer sonst einigermaßen attraktiv ist. Das Einvernehmen besteht darin, dass die Mädchen und Frauen freiwillig mit ihm Sex haben und er dafür  freiwillig darauf verzichtet, sie grün und blau zu schlagen und dann wegen unmoralischen Verhaltens ohne Geld nach hause zu schicken. Ein Bauer fordert ihn zum Duell, aber da die Gnade Gottes offenbar seine Mistgabel nicht derartig beschleunigt, dass sie einen läppischen Plattenpanzer durchdringt, ein Schwert hingegen aber offenbar immerhin soweit, dass sie ein Hemd samt dahinterliegenden Rippen, Herz, noch mehr Rippen und nochmal Hemd durchbohrt, ist der Fall entschieden. Ende.

Oder, man verfilmt das.

Ein Gedanke zu “The last Duel – Ferndiagnose

  1. Ich habe den Film auf Disney+ geschaut….Bei Matt Damon kann man noch nachvollziehen, dass dieser wie ein Roboter automatisch auf Sitationen reagiert, um „Ehre“, „Familie“ oder „König“ gerecht zu werden. Dabei kann man beinahe Mitleid mit ihm bekommen, da er kaum Spielraum für freie Entscheidungen in seinem engen Korsett aus selbst auferlegten Regeln zu haben scheint.

    Bei Le Gris war mir jegliche Motivation für Handlungen schleierhaft…Charakter einfach zu oberflächlich. Er kämpft ein wenig oder folgt seinem Herzog beim vergnüglichen Spiel mit seinen Geliebten.

    Das könnte noch in einem guten Film enden….aber der Film ist einfach „zu woke“ bei der Darstellung der Ehefrau von Matt Damon….wie ein Engel. Sie muss sich gegen ihren Patriarchalen Ehemann behaupten, wird vergewaltigt, die Schwiegermutter hat natürlich das Patriarchat „internalisiert“ und ist gegen sie. Sie wird von ihrer Freundin verraten. Nebenbei ist sie natürlich gebildeter als ihr Mann. Sie hat auch bessere Führunsqualitäten und bringt die Pferdezucht und Landwirtschaft etc auf Forder“frau“ als ihr Mann nicht da ist. Moralisch ist sie stets unfehlbar und perfekt.

    Der Film wurde aktiv als „feministisch“ beworben….er ist es auch…und deshalb auch langweilig was die Erzählung im ganzen angeht.
    Wie Teil 7 etc. der StarWars Saga…der weibliche Held ist zu glatt dargestellt, es fehlt an Entwicklung und ambivalenten Handlungen.

    Hier wurden alle Klischees der unterdrückten, unschuldigen und dabei doch eigentlich überlegenen Frau untergebracht… es fehlte nur noch, dass sie eine PoC, lesbische und behinderte Frau gerettet und in ihrem Haushalt aufgenommen hätte.

    Was hätte den Film gerettet? Wenn die Handlung unerwarteter gewesen wäre….hätte sie sich z.B. Le Gris an den Hals geworfen und mit ihm wild gevö…., anschliessend die Verbindung entdeckt und sie sich nicht anders zu helfen gewusst…von mir aus auf Grund der damaligen strengen Regelungen…was weiss ich…hat schon einen Grund, warum ich keine Drehbücher schreibe

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