Ach, so heißt das jetzt

GPG ist von gestern

Die Orgasmuslücke ist der neuste heiße Scheiß.

“Frauen – ne?! Also die sind ja so und man fasst es überhaupt nicht und können die überhaupt kommen?” Nicht nur in den sozialen Netzwerken machen heterosexuelle cis Männer immer wieder reichlich bizarre Aussagen über die Sexualität von Frauen

Ja, das ist Karl. Karl ist wirklich ziemlich komisch. Manchmal wird vermutet, dass er das mit den Objektifizieren etwas zu wörtlich nimmt und Objekte feminifiziert. Oder wie man das dann nennt.

die dann doch immer mehr Aussagen über ihre eigene Sexualität sind. Nur fällt es da eben besonders auf.

Oder, der Typ macht da einen Witz.

Wenn man also behauptet, man haben mit “dutzenden über dutzenden Frauen” Sex gehabt und nicht eine wäre dabei gekommen, weil es angeblich biologisch unmöglich sei, dass Frauen einen Orgasmus erreichen, sollte man damit rechnen, dass das Internet entsprechend reagiert.

Das schon, weil Witze und Internet nicht immer gut zueinander passen, aber auch wenn das kein Witz war, und der Typ wirklich mit vielen Frauen Sex hatte und überhaupt nicht übertreibt oder dergleichen – anektdotische Evidenz.

Wenn es in der Realität nicht eine Orgasmuslücke zwischen heterosexuellen Männern und Frauen gäbe. Die orgasm gap liegt immerhin bei nicht unbeträchtlichen 30%.

Dafür haben viel mehr Männer als Frauen überhaupt keinen Sex.

Und um diese eklatante Lücke irgendwie zu rechtfertigen

muss man gar nicht. Niemand zwingt Frauen, Sex mit männern zu haben. Bzw., ok, manche tut das wohl wirklich, aber das ist dann illegal.

wird immer wieder gerne behauptet, die Sexualität von Frauen sei irgendwie komplizierter als die von Männern.

Das behaupten hauptsächlich die Frauen. Oder hat sich eine von denen mal beschwert: „Männliche Sexualität ist mir viel zu kompliziert. Ich werde jetzt lesbisch.“ Also, worüber beschwert Ihr Euch?

Wenn Frauen beim Masturbieren deutlich häufiger Orgasmen haben als beim Sex mit ihrem Partner

Ja, aber kriegt ihre Hand oder ihr Spielzeug auch ihre Möbel ins 4. OG? Falls ja braucht sie dann keinen Partner.

dann müsste es doch eigentlich möglich sein, den gemeinsamen Sex in Richtung dieser Zahl zu verbessern.

Nein.

Eine unzureichende, stereotype Sexualaufklärung, die penetrativen Sex in den Vordergrund stellt und die Vagina mit der Vulva verwechselt, tut ihr Übriges.

Das heißt jetzt weder Vulva noch Vagina, sondern Orgasmuslücke. Ich habe aufgepasst.

Viel zu häufig geht es darum, ein lustvolles sexuelles Miteinander als nicht eigentlich zum Sex gehörig zu definieren, als “Vorspiel” oder “kein richtiger Sex”, weil wir darauf getrimmt wurden, Sex erst dann als Sex zu werten, “wenn der Penis die Bühne betritt”, wie es die Sexualpsychologin Laura Mintz formuliert.

Das ganze Problem wäre relativ einfach zu lösen, wenn man Frauen nicht sagen würde, dass sie warten müssen, bis der Mann sie fragt, was sie wollen. Aber dann müssten Frauen ja ihre Probleme selber lösen, und dann ist das nicht mehr feministisch genug. Eine ganze Menge dieser Frauenprobleme wäre so einfach zu lösen. Außer alles mit Werbung „für Männer“. Das ist nämlich kein Problem von Frauen, weil man denen ja kein Geld abgreifen will.

Das ist jedoch nicht nur in Bezug auf den orgasm gap und die Unterrepräsentation weiblicher Bedürfnisse beim heterosexuellen Sex problematisch, sondern auch mit Blick darauf, wie Männer zu sein und zu performen haben.

Hihi. „Männer haben besser zu performen, damit Frauen mehr Spaß haben!“ Klingt genau nach den Menschen, die keinerlei männlichen Rollenerwartungen haben, woll.

Das setzt auch Männer unter Druck und schränkt sie in ihrem sexuellen Erleben ein.

Immer eine Alibi-Schutzbehauptung, wie Männer sich selbst helfen, indem sie Frauen helfen, anstatt sich selbst zu helfen, indem sie sich selbst helfen. Sonst ist das kein feministisches Narrativ.

Eigentlich wäre die Orgasmuslücke leicht zu schließen, wenn wir aufhören würden, Frauen darauf festzunageln, bei penetrativem Sex kommen zu müssen oder andernfalls dazu nicht in der Lage zu sein.

Genau, nicht immer so feste nageln! Ehrlich, wie sonderbar muss man sein, wenn man nicht selbst am besten weiß, was einem Spaß macht?

Wir müssten anders aufklären, erziehen und benennen. Andere Pornografie konsumieren.

Lesbenpornos? Lesbenpornos.

Und letztlich auch Wissenschaft mit einem höheren Anspruch betreiben.

Lösung der Klimakrise, der Coronakrise, des Welthungers, des Weltdurstes, Krebsheilung, Heilung von Querschnittslähmung oder die Widerbelebung des Mammuts ist kein genügend hoher Anspruch!

Penetration als heiliger Gral der Sexualität gehört gründlich entmystifiziert und ein für alle Mal vom Sockel gestoßen: Kann man machen. Muss man aber nicht.

Zum Beispiel stattdessen ein gutes Buch lesen. Oder Lesbenpornos gucken.

Es gibt unglaublich viele sexuelle Dinge, die man davor, danach oder auch stattdessen machen kann.

Gemeinsam einen Lesbenporno gucken.

Und nicht wenige sind deutlich besser geeignet, um einer Frau einen Orgasmus zu verschaffen.

Joah, das ist ja auch die Hauptsache.

4 Gedanken zu “Ach, so heißt das jetzt

  1. Und wieder gilt: sag, was du willst und warte nicht, bis er es errät!
    Das würde so viele „Probleme“ lösen.

    Aber dafür müsste frau sich ja ganz gründlich und EHRLICH mit dich selbst beschäftigen.

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  2. Wirklich witzig ist ja der Disclaimer unter dem Pinkstinks-Text:

    „Wenn wir in unseren Texten von Frauen und Mädchen sprechen, beziehen wir uns auf die strukturellen und stereotypen gesellschaftlichen Rollen, die alle weiblich gelesenen Personen betreffen.“

    Der Orgasmus-Gap als Ergebnis einer strukturellen gesellschaftlichen Rolle weiblich gelesener Personen? Aha.

    Die sind in ihrem Wahn vollkommen merkbefreit und plappern einfach sinnfrei ihre Sprüche runter.

    Du hast recht, die sollten einfach mehr Lesbenpornos schauen. Dann würden sie danach zufrieden aus dem Fenster schauen und keinen Unsinn ins Internet pusten.

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  3. Der Realitätsverlust bei pinkstinks nicht nur bei diesem Artikel ist wirklich faszinierend. Wer bitte schön glaubt, ein Orgasmus bei Frauen wäre unmöglich? Die Realität ist, dass die meisten Männer sich in der Verantwortung sehen, sie dorthin zu befördern und artig fragen: „Wie war ich?“ und es ansonsten nur schwer verwinden, wenn sie vortäuscht.

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  4. Das Hauptproblem ist die ständige Wiederholung, dass es Frauen ja schwer fiele zu kommen. Denn dadurch betreiben die Mädels sogenanntes rote-Learning. Okay, der folgende Link dazu ist nur von Psychology Today – so eine bis anderthalb Stufen über der Daily Sun der Psychologie – aber dennoch nicht ganz von der Hand zu weisen:

    „https://www.psychologytoday.com/us/blog/words-matter/201807/when-correcting-lie-dont-repeat-it-do-instead-2“

    Ach, Männers, wie nur wie könnten wir das Patriarchat erhalten ohne unsere kostenlosen Patriarchats-Amazoninnen ^^

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