Weltmännerdiss

Weltmännertag war gestern am 19.11., aber kurz davor kam dieses Elaborat.

Wann kommen endlich Männer im Kampf gegen Gewalt in die Gänge?

Keine Ahnung? Ich bin Wehrdienstverweigerer.

Wieder wurde eine Frau getötet – wieder wird die Empörung vor allem von Frauen kommen.

Also, wenn ein Mann getötet wird, ist es ja auch nicht so, dass sich besonders Frauen empören. Außer Hilary Clinton, aber das kam etwas komisch rüber. Unlustig, aber komisch.

Warum fühlen sich so wenige Männer vom Gewaltproblem betroffen?

Ja, ist das nicht komisch? Weil es jetzt meistens so ist, dass Männer viel mehr Gewalt erfahren als Frauen, und sie daher mehr als Frauen betroffen sind, ist das jetzt etwas kontraintuitiv. Aber es gibt eine Erklärung dafür: Männer werden dazu erzogen, sich nicht aufzuregen, wenn sie von Gewalt betroffen werden.

Die Wut, die Empörung und die Trauer über die häufigen Frauenmorde und die Gewalt, die Frauen regelmäßig nur knapp überleben, ist offenbar Frauensache.

Wie gesagt, als Ex-Zivi bin ich aus dem Teufelskreis der Gewalt ausgestiegen. Naja, nicht ganz. Aber wenn man Männern nicht nur beibringt, Gewalt einzustecken, sondern auch, dass Männer dazu da sind, Probleme mit Gewalt zu lösen – eigene und fremde – hmm, wer hat die ganzen Männer eigentlich erzogen? Männer ja wohl nicht, wegen Care-Work-Gap.

Frauen haben vorwiegend die Expertise zu häuslicher Gewalt und geschlechterspezifischer Gewalt.

Manche ja, manche nein. Leute, die Krebs haben oder hatten, sind ja auch keine Onkologen. MWD.

Und fast nur Journalistinnen befassen sich kontinuierlich mit Femiziden und deren Hintergründen, fast nur Frauen bringen das Thema seit vielen Jahren aufs Tapet, machen Druck, dass etwas passiert, und verweisen auf jene Probleme, die die Gewalt weiter reproduzieren, zählen auf, was es bräuchte. Immer und immer wieder.

Frauen interessieren sich also für die Probleme von Frauen. Wollt Ihr jetzt einen Orden? Wobei: Wenn sich männliche Journalisten sich auch so über die Probleme von Männern ausbreiten würden, wäre das ja auch mal ganz schön.

Warum eigentlich kommt das alles vorwiegend von Frauen?

Weil es logischerweise die Aufgabe von Frauen ist, Lobbyarbeit für Frauen zu machen. Wäre jedenfalls die logische Konsequenz.

Warum machen sich generell und unmittelbar nach fürchterlichen Nachrichten vorwiegend Frauen Gedanken, wie das alles weitergehen soll?

Österreich hat – wie u.a. HIER zu lesen ist – eine international erfreulich niedrige Mordrate. D.h., schon ein einzelner Mord verschiebt das Geschlechterverhältnis um 2 Prozentpunkte in die eine oder andere Richtung.

Wenn gerade wieder eine Frau für immer zum Schweigen gebracht wurde, ihr das Leben genommen wurde, dann ist es richtig und wichtig, den Stimmen von Frauen den Vorrang zu geben.

Und wenn nächste Woche ein Mann zum Schweigen gebracht wird, eben ein Mann. Oder, wenn ein Mann sich selbst zum Schweigen bringt.

Trotzdem ist das kein Grund, warum Männer beim Thema Gewalt gegen Frauen schweigen sollten. Immerhin sind sie das Problem.

Dann sind die männlichen Selbstmörder also die Lösung. Ansonsten die dreiundrölfzigste Abhandlung zum Thema: „Alle Männer sind im Kollektiv Schuld an jedem Verbrechen jedes einezelnen Mannes!“ Also einfach im Halteverbot parken, das Kollektiv muss das Knöllchen bezahlen.

Es ist kein gutes Argument, dass vorwiegend Frauen über Gewalt durch Männer sprechen und dagegen protestieren, nur weil sie die potenziellen und tatsächlichen Opfer sind.

Gewalt von Männern richtet sich häufiger gegen andere Männer. Also sollten andere Männer eher über ihre eigenen Gewalterfahrungen reden als über die von Frauen. Aber dann beschweren sich Frauen Feministinnen sich ja wieder, weil das Derailing ist. Ist so ein Grund, warum viele Männer sich überhaupt nicht mehr zum Thema äußern.

Die viele Arbeit zu Gewalt gegen Frauen darf nicht darauf beschränkt bleiben, dass Frauen nicht Opfer werden und wie wir Frauen schützen können.

Wer ist „wir“? „Wir Frauen“? Ansonsten ist es noch nicht einmal so, dass es keine Gewalt gegen Männer von Frauen gibt. Oder gegen Kinder. Es geht ihr also nicht nur darum, Männer zu kriminalisieren…

Sie muss dringend dahingehend erweitert werden zu verhindern, dass Männer weiterhin zu Tätern werden.

…sondern auch Frauen zu entkriminalisieren.

Während eines Jahres, in dem wieder dutzende Frauen von Männern ermordet wurden, wollen wir sicher nicht von Männern hören, wie sich Frauen helfen könnten, was sie zu tun hätten.

Joah. Männer haben tatsächlich genug eigene Probleme.

Aber wir wollen von ihnen hören, was sie selbst tun können.

Nichts. Zu beschäftigt. Mir den eigenen Problemen. Das ist so ein ähnlicher Kipppunkt wie der zwischen: „Impfen hilft gegen Corona und entlastet die Intensivstationen!“ zu „Du musst Dich impfen, damit ICH auf den Weihnachtsmarkt darf!“

Wie sie gedenken, sich von gefährlichen Männlichkeitsvorstellungen zu befreien, wie sie sich für mehr finanzielle und gezielte Mittel für den Gewaltschutz einsetzen.

Tja – wenn ICH, als ich als männliches Individuum, irgendwie für Gewalt gegen Frauen verantwortlich wäre, könnte ich diesen Gewaltschutz tatsächlich dadurch herstellen, dass ich damit Pause mache. Wie die Diebe in Ankh-Morpork und Eigentumsdelikte.

Was sie gegen das uralte Machtgefälle zwischen den Geschlechtern tun, gegen die tiefverwurzelte Verachtung für Frauen, die der Nährboden für Gewalt gegen sie ist.

Offenbar verachten Männer dieser Logik zufolge sich selbst mehr als Frauen. Außer evt. tatsächlich in Österreich. Aber rund 50 Morde im Jahr insgesamt

Wie sie ihre Söhne vor einem männlichen Überlegenheitsdenken bewahren.

Indem sie mehr Zeit in Erziehungsarbeit stecken? Ok, ein weiteres Argument für das Wechselmodell!

Es gibt verdammt viel Arbeit für Männer im Kampf gegen Gewalt an Frauen.

Achja – die Denke, dass Männer dafür da sind, die Probleme von Frauen zu lösen, ist aber schon eine recht traditionelle Rollenverteilung. So schlecht findet Ihr die wohl doch nicht.

Aber gut, es müssen mehr Männer Polizisten werden, Staatsanwälte, Richter und Gefängniswärter. Außerdem sollten auf Baustellen, bei denen Gerichte, Gefängnisse und Polizeistationen gebaut werden, mehr Männer arbeiten. Problem gelöst.

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