Trübseliges

Ich bin immer noch geimpft, ich halte eine mittelzuverlässige Impfung für besser als gar keine, und ich bin auch kein Gegner von sonstigen Schutzmaßnahmen, aber schlechte Argumente pro eine Sache sind eigentlich fast schon Argumente contra.

Wie der allzeit beliebte Anschnallpflicht-Vergleich.

„Wer gegen eine Impfpflicht ist, ist bestimmt auch gegen die Gurtpflicht!“ oder „Wenn die Anschnallpflicht mit dem GG vereinbar ist, muss das für die Impfpflicht ja auch gelten.“

Nein zu beiden.

Es gibt wesentliche Unterschiede. Was nicht beweist, dass eine Impfpflicht sinnlos oder GG-widrig sein muss, aber zeigen soll, dass man als Politiker sich schon Mühe geben muss, wenn man sie einführen will.

  1. ein Gurt rettet bei Autounfüllen Leben mit einer Zuverlässigkeit, die man daran ablesen kann, dass 2% aller Autofahrer sich nicht anschnallen, aber 17% aller Todesfälle bei Autounfällen ausmachen, wie viele dieser Todesopfer Fußgänger oder Radfahrer sind, steht da nicht, aber tun wir mal so, als wäre das Corona: 98% wären geimpft, 87% aller Coronatodesopfer wären geimpft, dann reduziert sich das Risiko pauschal in der Größenordnung von 17/2 zu 87/98, also von 8,5 zu 0,89 also FAST um den Faktor 10. Das scheint bei aktuellen Corona-Impfungen nicht so zu sein. (Angenommen, es wären 80% geimpft, also viermal mehr geimpfte wie nicht geimpfte, dann 4/10 so viele geimpfte schwer erkrankt wie nicht-geimpfte, das wäre auf alle schwer Erkrankten umgerechnet: 4/10/(4/10+10/10) = 4/14 = 0,29 also weniger als ein Drittel. Da bei den Nicht-Geimpften auch Genesene vorkommen, ist das kein fairer Vergleich.)
  2. es gibt bestimmte Szenarien, in denen es besser ist, nicht angeschnallt zu sein, z.B. bei einem Autounfall, wo das Auto über eine Böschung in einen Fluss fällt. Der Gurt selbst verursacht aber keinerlei allergische Reaktion, weil man ihn bloß anlegt. Eine Impfnebenwirkung kann man aber auch kriegen, ohne mit dem eigentlichen Virus in Berührung zu kommen.
  3. man kann den Gurt auch wieder ablegen, er dringt nicht in den Körper ein und stelltdaher keinen körperlichen Eingriff dar, im Unterschied zu jeder Spritze.
  4. die Gurtpflicht ist an die Benutzung eines Kraftfahrzeuges gebunden; man darf sich dem entziehen, indem man einfach nur Bus und Bahn fährt oder ein Auto mit reduzierter Höchstgeschwindigkeit. Das Äquivalent wäre eine Impfpflicht nur für bestimmte Tätigkeiten, wie Arbeiten in der Kranken- und Altenpflege. (Ja, man kann seinen Beruf nicht ganz so leicht wechseln wie das Lieblingsfortbewegungsmittel, aber ähnlich.)

Aber dessenungeachtet, wenn die Politik mehrheitlich für eine allgemeine Impfpflicht ist oder für eine in speziellen Bereichen, darf sie das gerne begründen und ggfs. einführen.

Aber dann doch bitte per Gesetz und nicht durch Moralkeule. „Hey, ja, lassen wir ungeimpfte einfach sterben, das Intensivbett haben andere mehr verdient, das wird sie lehren, sich besser um die eigene Gesundheit… Oh, ne doch nicht, der andere ist nur deshalb auf der Intensiv, weil er nicht angeschnallt war. Wieso sollten wir den besser behandeln, ist er etwa weniger schuld? Nagut, es ist nicht so, dass wir die Krankenhäuser nicht kaputtgespart hätten, irgendwer wird sich über ein freies Bett freuen, wie dieser Krebspatient. Lungenkrebspatient. Der jahrelang geraucht hat… was fällt ihm ein, die Allgemeinheit zu belasten?“ – „Hmm, mit dem Ausschlussverfahren passen wir den Bedarf an Intensivbetten und Personal sehr schnell dem Angebot an. Damit hätten wir doch viel eher anfangen sollen!“ – „Sind die Frauen in der Entbindungsstation etwa alle freiwillig schwanger geworden?“

Ein Gedanke zu “Trübseliges

  1. Vorsicht: Wenn Du schon im zweiten Halbsatz „Schutzmaßnahmen“ schreibst, bist Du schon im Framing der Regierung. Das schreit nämlich überdeutlich, dass die Maßnahmen irgendwen schützen würden. Freilich, man kann hier „better safe than sorry“ erstmal übervorsichtig sein, aber dann gehört das ordentlich evaluiert. *Keine* Regierung macht das, nur ein paar Dissidenten an Unis rund um den Planeten, und das empirische Ergebnis ist: Hilft nix. Aber für die Dissidenten bekommen wir sicher auch bald Schutzmaßnahmen, da muss man nur ein bisschen das neue Gesetz zum Schutz des deutschen Volkes anpassen, und schon müssen sich Kritiker halt in einem Gulag in Sibirien melden. Es gibt ja auch eine allgemeine Meldepflicht, was spricht denn da dagegen? Oder hast Du irgendwas negatives über die Schutzmaßnahmen für Uiguren von den Betroffenen gehört? Nein? Na schau, dann kann das nur gut sein.

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