Feminizide

Nein, das sind nicht Stoffe, die sich zu Frauen verhalten wie Herbizide zu (Un)Kräutern, das ist das neuste Wort im Bullshit-Bingo: Feminismus-Ausgabe.

Yäy!

Hierzu

WIE SOLLTEN MEDIEN ÜBER GEWALT GEGEN FRAUEN BERICHTEN?

Genauso, wie über Gewalt gegen Männer? Nee, Scherz. Das wäre ja Gleichberechtigung.

Macht es einen Unterschied, wie Medien über Gewalt gegen Frauen schreiben?

Vermutlich. Es wird allerdings überproportional mehr über Gewalt gegen Frauen berichtet als über Gewalt gegen Männer, was dazu führt, dass manche Menschen – u.a. die, die bei Pinkstinks arbeiten – denken, es gäbe mehr Gewalt gegen Frauen als gegen Männer.

Denn Medien beeinflussen, wie Gewalt gegen Frauen wahrgenommen wird.

Zum Beispiel mit Formulierungen wie: tote Soldat_innen in Afghanistan. Wie viele Soldaten und wie viele Soldatinnen waren das? Eine kurze Recherche ergibt: es gab eine unbekannte Militärperson, die möglicherweise weiblich war, und die zu den militärischen Toten zählt. Der Rest hatte männliche Vornamen. Also keine Soldatinnen, sondern eine Soldain und viele männliche Soldaten. Dieses Patriarchat in Afghanistan nützt wohl auch Frauen. Hauptsache Gendern, woll?

Was haben zum Beispiel „Beziehungstragödien”, „Verbrechen aus Leidenschaft” und „Eifersuchtsdramen” gemeinsam?

Man kriegt damit Haken im Bullshit-Bingo: Journalismus-Ausgabe? „Familientragödie“ ist eine versteckte Triggerwarnung. Ähnlich wie „Familiendrama“ einen Unfall bezeichnet, bei dem min. zwei Mitglieder einer Familie ums Leben kamen, bezeichnet die „-tragödie“ ein Tötungsdelikt. Ist nicht ganz schlüssig, mMn, aber gut.

In den allermeisten Fällen wurde dabei eine Frau von einem Mann ermordet.

Wenn eine Frau, ein Mann und ein Kind getötet werden, soll das aber auch „Femizid“ heißen. Ich habe irgendwie nicht den Eindruck, dass präzisere Sprache hier das Ziel ist.

Solche indirekten Formulierungen verwischen aber, wer da wen getötet hat.

Das stimmt nicht. Das steht in der Überschrift in der Zeitung oder des online-Artikels, und wer wen mutmaßlich oder tatsächlich getötet hat, wird im folgenden weiter usgeführt. Außerdem, wenn da „Mord“ steht, weiß man ja auch nicht, wie Täter und Opfer heißen. Außer dem Außerdem, bei aktuellen Ereignissen stehen Details wie Tathergang, juristisches Delikt oder Beteiligte ja auch nicht immer fest, sondern es wird noch ermittelt.

Damit verharmlosen sie das, was dahinter steckt: Femizide.

Da ich solche Begriffe für Triggerwarnungen halte, will ich dem nicht ganz widersprechen. Es ist etwas verharmlosend, aber eben nur so viel, dass jemanden das Frühstück nicht verdorben sind.

Für den Begriff Femizid gibt es verschiedene Definitionen.

Das ist gut! Definitionen sind wichtig.

… beispielsweise … die frauenfeindliche Tötung von Frauen durch Männer.

Das ist jetzt entweder sinnlos für Zeitungsüberschriften, weil man nicht immer die Motivlage kennt, und ein Mord an einer Frau auch andere Gründe haben kann, oder aber, es ist tautologisch, weil man einfach unterstellt, dass jeder Mord an einer Frau durch einen Mann frauenfeindlich ist.

Dabei ist nicht das biologische Geschlecht an sich das Entscheidende – sondern, dass Frauen aufgrund ihres Geschlechts in der Gesellschaft weniger Macht und Wert haben als Männer.

Wenn Frauen weniger Wert hätten, würden Zeitungen mehr über Morde an Männern berichten. Aber wenn das biologische Geschlecht keine Rolle spielte, sondern Macht- und Wertlosigkeit, warum heißt das Femizid und nicht Plebeiozid?

Das Wort Feminizid (mit n) gibt es auch. Es wird benutzt, wenn es um die Verantwortung des Staates geht.

Auch, wenn bspw. Mädchen abgetrieben werden, Jungen aber nicht? Ich frage für Indien und China.

Also darum, dass der Staat nicht angemessen auf Morde an Frauen reagiert und die Täter häufig milde bis gar keine Strafen bekommen.

Welcher Staat ist hier wohl gemeint? Meiner jedenfalls nicht.

Femizide sind überall auf der Welt ein Problem: Allein im Jahr 2017 wurden laut UN weltweit über 50.000 Frauen und Mädchen von (Ex-)Partnern oder anderen Familienmitgliedern umgebracht.

Mütter? Schwiegermütter? Die Schwester, die keinen christlichen Schwager will? Die Formulierung „andere Familienmitglieder“ verschleiert, wer da wen umbringt.

Und laut dem Landesverband Frauenberatung Schleswig-Holstein versucht allein in Deutschland jeden Tag ein Mann, seine (Ex-)Partnerin zu töten.

…und jeder Dritte davon schafft es. In D. lebt ungefähr ein Prozent der Weltbevölkerung. Von den 50.000 ermordeten Frauen und Mädchen weltweit wären das hierzulande 500. In Wahrheit sind das nur rund 125, also ein Viertel. Deutschland ist also sehr unterdurchschnittlich, was Femizide betrifft, oder bei den 50.000 sind deutlich weniger männliche (Ex-)Partner die Täter, als hier suggeriert wird.

Die tödliche Gewalt gegen Frauen auf der ganzen Welt hat also ein unglaubliches Ausmaß.

Also, ich halte das für glaublich. Bzw. in Indien und China leben rd. 40 Mio. Mädchen und Frauen weniger, als man von der Statistik her erwarten würde. Das sind so viele wie in ganz Deutschland. Um das mal einzuordnen, angenommen, ein irrer Dikatator würde die Macht an sich reißen und alle deutschen Mädchen und Frauen umbringen lassen wollen – würde da nicht jeder sagen, der wäre schlimmer als Hitler? Und zwar, weil Hitler diesen einen Vergleich tatsächlich „verliert“?

Trotzdem finden verharmlosende Bezeichnungen für Femizide auch im Jahr 2021 noch immer regelmäßig in ihren Weg in Berichte über solche Fälle wie eine interaktive Karte mit Fällen in Deutschland seit 2020 anschaulich zeigt.

Ja, über umgebrachte Männer macht sich niemand die Mühe, so eine Karte überhaupt anzulegen.

Das hat weitreichende Folgen. Denn Medien gestalten das gesellschaftliche Klima mit. Wie sie über Vorfälle berichten, beeinflusst, wie die Gesellschaft diese Vorfälle wahrnimmt und einschätzt.

Die Wahrnehmung und Einschätzung ist regelmäßig: „Ohhhh, die armen Frauen!!!!“ Tote Männer erzeugen keine Klicks und keine Umsätze. Irgendwie soll das jetzt ein „Privileg “ sein.

Und dadurch auch, wie Justiz und Polizei mit solchen Fällen umgehen. Das ist eine große Verantwortung.

Eigentlich sollte Justiz und Polizei sich nicht davon beeinflussen lassen, was in der Zeitung steht. Uneigentlich sollte man sich schon Gedanken machen, worüber man berichtet oder worüber nicht.

Die deutsche Presseagentur (dpa) – ein Nachrichtendienst, von dem viele Zeitungen ihre Informationen bekommen – hat deshalb Ende 2019 entschieden, auf Ausdrücke wie „Beziehungsdrama“ und „Familientragödie“ zu verzichten.

Liebe Kinder, jetzt wisst Ihr also, was das (dpa) bedeutet. Es soll nicht heißen, dass man bei Pinkstinks gar nichts lernen kann.

„Drama und Tragödie rücken Mord und Totschlag in die Nähe eines schicksalhaften Geschehens …“ schrieb der dpa-Nachrichtenchef auf Twitter:

Jein. Aba vong Printsib här: auch, wenn mich die Ausdrücke so nicht stören und ich den Triggerwarnungseffekt schon für ok halte, so sind literarische Werke Fiktion. Das Verbrechen zu fiktionalisieren nimmt dem vllt. wirklich den Ernst. Bei einem „Fußball-Krimi“ ist ja meist auch kein Verbrechen passiert.

Das fällt beim genaueren Hinsehen auch auf.

Ja, dann ist das Problem doch gelöst.

Beispiel gefällig? “Häusliche Gewalt“ geht gar nicht vom Haus aus. Sie passiert auch nicht immer im Zuhause.

Und Leberkäse wird nicht aus Milch gewonnen und auch nicht aus innerern Organen. Sprache ist eh Willkür und Unlogik.

Doch männliche Gewalt gegen eine Frau wird durch die Wahl so eines Begriffs unsichtbar.

Oder weibliche Gewalt gegen eine Frau. Was man auch unter „häusliche Gewalt“ fassen würde. Habt Ihr mal wieder nicht zu Ende gedacht?

So werden Täter von ihrer Verantwortung befreit.

Ja, das Narrativ von „Sprache beeinflusst das Denken.“ Weil in der Zeitung etwas über „häusliche Gewalt“ steht, wird der Täter freigesprochen. So funktioniert Sprache. So funktioniert Denken. Und nur so funktioniert Justizsystem.

Und das wiederum verschleiert die dahinter liegenden Strukturen in der Gesellschaft, die diese Gewalt ermöglichen und fördern.

Ja, wer kennt ihn nicht, diesen Förderverein für Gewalt, der mit dem Strukturhilfeprogramm der Bundesregierung einen Großteil seiner Arbeit finanziert. Oder was soll das heißen?

Auch, wenn das Tatmotiv selbst nicht Frauenhass ist, spielt patriarchale Gewalt bei solchen Taten eine Rolle.

Auch, wenn Judenhass bei einem Mord kein Motiv war, ist das immer Antisemitismus. (Sorry, liebe Juden, aber den Logikbug kann ich nicht stehen lassen.)

Denn im Patriarchat haben Männer Kontrollverlangen und Besitzansprüche an Partnerinnen.

Einige Männer haben das tatsächlich, aber die hätten das im Matriarchat ja auch. Es ist nicht so, dass man in Israel vor antisemitischer Gewalt sicher ist. Andererseits ist Israel sehr klein, so dass man auch noch weit im Landesinneren von Billig-Raketen getroffen werden kann.

Häufig kommt es deshalb zum Beispiel bei oder nach Trennungen zu Femiziden.

Oder vor Trennungen. Oder, man kann hinterher nicht genau sagen, ob das mit einer Trennung zu tun hatte.

„Alle Formen von Gewalt gegen Frauen sind eingebettet in patriarchalische Kontroll- und Dominanzmuster“, erklärt die Sozialwissenschaftlerin Monika Schröttle laut Deutschlandfunk Kultur. Diese Muster haben viele Jungen und Männer im Laufe ihres Lebens beobachtet, gelernt und verinnerlicht. Deshalb sind sie größtenteils unbewusst.

Auch, wenn Frauen Frauen schlagen, ist das patriarchalisch. Und „unbewusst“ sind „viele“ Jungen und Männer eigentlich schon halbe Mörder. Das ist so ein Narrativ. Und Narrativ, liebe Kinder, ist einfach nur ein anderes Wort für „weithin geglaubte Lüge“.

Gewalt gegen Männer durch Frauen gibt es auch.

No Shit, Sherlock, no shit.

Sie kommt allerdings viel seltener vor

Das wisst Ihr woher…

und wird dann auch weniger gemeldet und angezeigt

…was die Dunkelziffer überproportional erhöht…

weil die Betroffenen sich oft sehr schämen.

Teilweise ja, teilweise, weil IHR Idioten das Problem kleinredet, und die Medien lieber über Gewalt gegen Frauen berichten, was dazu führt, dass die männlichen Betroffenen – bei generischen Utrum muss man das unpraktischerweise dazu sagen – einfach nicht damit rechnen, dass man ihnen glaubt. Oder wenn sie damit rechnen, glaubt man ihnen tatsächlich nicht.

Auch das hat mit den Geschlechterrollen im Patriarchat zu tun.

Das mag so sein, aber IHR tut trotzdem alles, um diese spezielle Geschlechterrolle zu erhalten. Der Feminismus schadet manchmal eben auch Männern.

Die Befragung von über 700 Teilnehmenden hat gezeigt, dass die Perspektive auf eine Tat bestimmt, wie die Lesenden sie einschätzen.

Waren das mehr Frauen oder mehr Männer? (Spoiler: 54% Weiblich, 44% Männlich, 2% Nicht-Binär. Also ein repräsentativer Querschnitt der bundesdeutschen Bevölkerung.)

Wenn ein Bericht also die Sichtweise des Täters einnimmt („Er war eifersüchtig auf ihren neuen Freund“), dann haben Lesende mehr Verständnis für den Mord. Egal, wie blutig die Tat war.

Auch, wenn er sie umbringt und nicht ihren neuen Freund?

Und bei verharmlosenden Begriffen empfinden sie weniger Mitgefühl für die getöteten Frauen – sie geben ihnen sogar eine Mitschuld.

Weiterführende Frage: wenn man bei häuslicher Gewalt gegen Männer verharmlosende Begriffe und Formulierungen verwendet, wie zum Beispiel „kommt viel seltener vor“, „sie schämen sich“, „erstatten seltener Anzeige“ und „das hat mit dem Patriarchat zu tun“, führt das dann wohl auch dazu, dass man mit den männlichen Opfern weniger Mitleid hat oder ihnen sogar eine Mitschuld gibt, wie „Würden sie mal nicht im Patriarchat leben, dann hätte ihre Frau sie nicht geschlagen!“?

Umgekehrt führt jedoch eine gewaltsensible, geschlechtergerechte Sprache in der Berichterstattung dazu, dass Lesende mehr Mitgefühl mit Betroffenen haben.

Auch, wenn man nicht merkt, dass männliche Betroffende gemeint sind, weil man seit Ewig und drei Tagen nur weibliche Opfer thematisiert? Nebenbei stelle ich mir dir Frage, ob es Aufgabe von Journalismus ist, Gefühle zu erwecken, oder ob es eigentlich mehr um Informationsvermittlung geht?

Außerdem erkennen sie die strukturelle Gewalt gegen Frauen eher und verstehen sie besser.

Stukturelle Gewalt erkennen sie nur gegen Frauen, soweit ich das mitkriege.

Angemessene Begriffe sind Frauenmord oder Tötung von Frauen. Denn Mord ist Mord und Femizid ist Femizid.

Also ist Femizid kein Mord. Was? Steht da. Angemessene und präzise Sprache sind ja so wichtig und überhaupt.

3 Gedanken zu “Feminizide

  1. „Und laut dem Landesverband Frauenberatung Schleswig-Holstein versucht allein in Deutschland jeden Tag ein Mann, seine (Ex-)Partnerin zu töten.“

    Tja, laut DGUV stirbt jeden Tag mindestens ein Mann bei der Arbeit.
    Ach, seinen Job kann man sich doch aussuchen? Seinen Partner übrigens auch…

    Like

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s