Game of Drachen

Abgekürzt: GoD.

Wie sonst auch? Wie viele Menschen, einschließlich meiner Mutter, die mit Fantasy wenig und GoT gar nichts am Hut hat, sondern nur meine Zusammenfassung kannte, anmerkten, wäre das Ende mit Daenerys deutlich besser, oder überhaupt gut angekommen, wenn man entweder der Entwicklung mehr Zeit (= Episoden) gegeben hätte, oder aber, wenn man in den sieben vorherigen Staffeln mehr Andeutungen gemacht hätte als ein generischer Magic-Karten-Text: „Targaryen, x rotes Mana. Wannimmer ein Targaryen ins Spiel kommt, werfe eine Münze. Kopf: lege zwei Bonus-Marker auf Angriff/Verteidigung/beides/reduziere Manakosten für Drachen um die Manapunkte, die diese Karte wert ist. Zahl: lege zwei Malus-Marker auf Angriff/Verteidigung/beides/die Karte geht in der Besitz des Gegners über UND reduziert dessen Manakosten für Drachen um ihren Wert in Manapunkte“ Hauptsächlich deshalb, weil die Götter bereits die Münze werden, wenn das Kind geboren wird, und Dany bis dato kein Zeichen von Wahnsinn gezeigt hat, wie sinnlose Grausamkeit, überzogene Härte oder überzogene Gewaltbereitschaft. Also alles vor dem Hintergrund einer Welt mit Kulturen, in denen Sklaverei teilweise gerade erst abgeschafft wird, bestimmte Verbrechen nur mit dem Tod bestraft werden und private wie politische Konflikte mit Waffengewalt ausgetragen werden. Das Private ist politisch. Jedenfalls, wenn man Lord oder Lady ist. Und vor allen in einer Erzählung, wo Nettigkeit oder Gnade nicht „belohnt“ werden. Gollum nicht zu töten, als man die Gelegenheiten hatte, erwies sich im Herrn der Ringe als richtig, weil die Geschichte sonst übel geendet hätte. Dergleichen passiert bei GRRM nicht.

Also, um mal ein Beispiel zu nennen, wie man Danys metaphorischen Absturz hätte mit Vorandeutungen vorbereiten können: wenn es in jeder Staffel einen Fall gegeben hätte, wo sie wirklich unnötig grausam geworden wäre, und jemanden mit Tod oder Folter bestraft hätte, der selbst nichts von beidem vorhatte, aber jemand aus ihrem Gefolge appelliert an ihr Gewissen oder meinetwegen auch an ihren guten Ruf, und sie tut es nicht. Und wenn in der letzten Staffel ihre guten Berater alle tot sind, passiert das, was sonst schon eher passiert wäre.

Oder aber, man hätte einfach ein paar Drachenlord-Zitate einfügen sollen.

Ruhm und Ehre und Copyright und so: HBO

Dany steckte nämlich in einer Blase, in der es nur Fans und Häider gab. Fans waren bei ihr tatsächlich fanatische Anhänger, die ihr ein Leben in Freiheit und mit Perspektive auf Glück verdankten, und die für sie töten und sterben würden; Häider Leute, die sie töten und dabei am besten noch foltern wollten. Die Welt von Feuer und Eis ist eine Welt der Extreme – es gibt keinen Mittelweg. Das ist ein durchgehendes Thema, und insofern ist das nicht unlogisch, dass das Dany passierte: sie hatte immer weniger Kontakt zu Menschen, die zwar nicht in allem ihrer Meinung sind, aber trotzdem nicht ihre Feinde oder auch nur Gegner. Sie hatte, bevor sie sich in Westeros mit dem Norden verbündete, keine Allierten, mit denen sie sich einigen musste, oder Verbündete, die nicht automatisch für sie sterben oder töten würden, sondern einfach denselben Feind. Und damit kam sie offenbar schon nicht ganz klar. (Der Norden hatte inzwischen einen gewissen Nationalismus entwickelt, und da ist eine Targaryen – aka Ausländerin – eher nicht so willkommen.)

Beim RL-Drachenlord kam dann noch das medial aufgehetzte Mobbing hinzu. Beiden ist aber gemein, dass die Auseinandersetzung mit neutralen oder jedenfalls gemäßigten Positionen – die eigentlich viel häufiger sind als die Extrema, und die normalerweise viel wichtiger für den sozialen Umgang sind – eine weitgehend unbekannte Erfahrung sind. Weshalb man daraus die Lehre ziehen sollte, sich nicht in der eigenen Blase einzubetonieren.

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