Filme und Frauen

Yäy, zwei Welten treffen brutalstmöglich aufeinander.

Hachja.

Bluse aus, Schätzchen – es wird auch was ganz Ästhetisches…

Jaaa, ich gehe davon aus, dass die allermeisten Schauspielerinnen ungefähr wissen, wieviel Ästhetik auf sie zukommt.

In Serien und Filmen sind Frauen und weiblich gelesene Personen viel öfter nackt oder knapp bekleidet zu sehen als Männer.

Wie viele weiblich gelesene Personen, die keine Frauen sind, gibt es in Film und Fernsehen? Schätzungsweise gibt es mehr Männer, die Schmitt heißen und knapp bekleidet sind…

Eine Studie – der so genannte Annenberg-Report – hat über tausend der beliebtesten Filme in den Jahren von 2007 bis 2017 analysiert.

Natürlich gibt es eine Studie. Pinkstinks würde ja nie gefühltes Wissen verbreiten.

Darin hatten gut 25 Prozent der weiblichen Rollen eine Form von Nacktheit, aber nicht mal zehn Prozent der Männer.

Wie viele Männer sind Brillenträger, unsportlich oder unterdurchschnittlich groß? Und wie viele von denen sind Hauptpersonen, aber nicht die Schurken?

Auch die Kinderhilfsorganisation Plan International hat eine Studie durchgeführt und die 56 umsatzstärksten Filme 2018 aus 20 Ländern auf Genderstereotype untersucht. Ergebnis: Frauen sind viermal so oft nackt und doppelt so häufig halbnackt zu sehen wie Männer.

Es gibt halt mehr männliche als weibliche Incels.

Frauen werden in Filmen also entweder als (junge) Sex-Objekte oder als Mütter dargestellt. Das sind exakt die zwei Rollen, die ihnen im Patriarchat zugestanden werden. Zufall? Wohl kaum.

Wie viele Frauen wären gerne weder jung noch sexuell aktiv noch Mutter, und können sich demzufolge mit diesen Rollen nicht identifizieren?

Es gibt verschiedene Gründe dafür, dass Frauen in Filmen und Serien so viel öfter nackt sind als Männer. Ein wichtiger davon: Die überwältigende Mehrheit der Regisseur*innen sind Männer. Auch Drebuchautor*innen und Produzent*innen sind überwiegend männlich.

Nun, aber nicht die überwiegende Mehrheit des Publikums. Nebenbei könnte man die Statistik auch für die Serien und Filme aufmachen statt auf Individuen – wie groß ist der Anteil an denen, die Nacktheit zeigen? Dann würde man merken, dass ein Mehrheit von denen wenig bis gar keine Nacktheit zeigt (was jetzt möglicherweise nicht daran liegt, dass Frauen das nicht sehen wollen, sondern Eltern), sondern dass die Minderheit, die Nacktheit zeigt, diese mehr bei Frauen zeigt.

Der Blick auf eine Geschichte und durch die Kamera kommt also überwiegend von weißen, heterosexuellen cis-Männern.

Ja? Wo wir bei Klischees und Vorurteilen sind – das „Final Girl“ wäre demnach auch der Blick von Wham auf eine Geschichte.  Es ist nicht so, dass immer alle Männer sterben oder Frauen immer überleben, aber es gibt offenbar Drei Regeln (für Horror-Slasher-Filme und ähnliches):

  1. wenn in einer Geschichte mehrere Hauptfiguren sterben, sind das überwiegend oder ausschließlich Männer, und der Frauenanteil der Gruppe hat sich am Ende des Filmes infolge der Verluste erhöht
  2. wenn nur eine Person überlebt, ist das eine Frau
  3. wenn nur eine weibliche Hauptperson vorkommt, müssen wir uns um die keine Sorgen machen

Daraus kann man ableiten, dass bei ausschließlich männlichen Hauptrollen – typischerweise Kriegsfilme – alle sterben können. Der einzige Horrorfilm der mir spontan einfällt, bei dem sich die Frauenquote tatsächlich sinkt, ist „The Hills have eyes“ (2007). Vermutlich gibt es tatsächlich mehr Beispiele, bei denen diese Regeln durchbrochen werden, aber das ist dann dieses „edgy“ Kunstding, bei dem Erwartungen durchbrochen werden. Zur Letztes-Mädchen-Gruppe gehören u.a. auch Ripley und Connor. Offenbar sieht das Patriarchat für Männer den Tod vor.

Und die machen nun mal – bewusst oder unbewusst – Unterhaltung für Leute wie sich.

Jaaa, wenn Frauen Horror-Filme für Frauen machen würden, würden trotzdem Frauen darin überleben und Männer sterben. Und männliche Helden wären auch nicht gerade klein, hässlich und unsportlich.

KAUM KONTROLLE, NEBENROLLE

“Game of Thrones“-Darstellerin Emilia Clarke (Daenerys Targaryen) hat den Nacktheits-Druck vor der Kamera mehrfach thematisiert.

Tatsächlich wird die letzte Staffel, wo sie in pelzbesetzten Winterklamotten rumgelaufen ist, nicht mehr als so gut betrachtet, andererseits nicht wegen der dicken Winterklamotten. Der Winter ist schließlich DA, dann braucht man ein dickes Winterfell.

“Ich hatte schon öfter Streit am Set, wenn ich gesagt habe: ‘Nein, das Laken bleibt oben’, und man mir gesagt hat: ‘Du willst doch deine Game of Thrones-Fans nicht enttäuschen’”, sagte sie in einem Podcast.

Offenbar konnte sie sich durchsetzen, und offensichtlich war das nicht das Problem der Fans. Insofern ja. Andererseits ist das die Geschichte einer Frau, die sich ihre sexuelle Selbstbestimmung hart erarbeiten musste. In einem Mittelalter-Setting. Mittelalter! Na gut, sie musste sich über Scheiterhaufen am wenigsten Sorgen machen…

Damit Schauspieler*innen nicht so sehr ausgebeutet oder manipuliert werden, kommen beim Dreh inzwischen zunehmend „Intimitäts-Koordinator*innen“ zum Einsatz.

DAS hätten die mal bei der BILD einführen müssen. Nur so als Vorschlag.

Denn weibliche Nacktheit in Filmen und Serien ist zum einen dann heikel, wenn die betreffenden Schauspielerinnen wenig Kontrolle darüber haben, ob und wie sie sich nackt zeigen – wie bei Emilia Clarke am Anfang ihrer Karriere. Zum anderen aber auch, wenn die Rolle ansonsten nicht viel bietet.

Weiter oben wird noch gegendert, aber ob männliche Schauspieler zu Anfang ihrer Karriere diese Kontrolle haben, halte ich mal für Blödsinn. Nebenbei ist Dany bei GoT jetzt auch nicht gerade das beste Beispiel für „ansonsten nicht viel bieten“, da wüsste ich allein in DER Serie bessere Beispiele.

So werden Frauen und weiblich gelesene Personen in erster Linie als Sex-Objekte wahrgenommen. Nicht als Akteurinnen oder Heldinnen.

Ich habe die NICHT so wahrgenommen. Sie nicht nur ganz eindeutig der POV ihres Handlungsstranges, sondern definitiv Akteurin und weitgehend eine Heldin. Bei Shae könnte man sich streiten, ob die nur ein Sex-Objekt sein soll, und auch die hat ein Ziel, einen Charakter und auch gescheiten Dialog. Und Akzente. „Was ist das für ein Akzent?“ – „Exotisch!“

Und das ist ein Problem.

Was wäre denn kein Problem? Dies ist mal wieder ein Fall, wo ein Beispiel nicht bloß ein Fall von „anekdotischer Evidenz“ bei Pink Stinks ist, sondern dass das Beispiel nicht das belegt, was es angeblich belegen soll.

Denn diese Darstellung beeinflusst nicht nur das Frauenbild der Gesellschaft, sondern auch das Selbstbild von Mädchen und Frauen.

Nuuuun. Echt jetzt? GoT bietet eine Reihe von unterschiedlichen Frauen, die sich unterschiedlich verhalten, unterschiedliche Persönlichkeiten haben und auch ein unterschiedliches Verhältnis zu Sexualität und Nacktheit.

Kein Wunder, wenn in Serien und Filmen weibliche Nacktheit der Standard ist, die Darstellerinnen dabei einem komplett unrealistischen Schönheitsideal entsprechen müssen und ansonsten viel weniger zu melden haben als männliche Parts. Die Botschaft des Patriarchats: Sei hübsch, sei nackt, sei leise!

Ja, Frauen sind schön und Männer sterben. Es werden vermutlich mehr Männer als Frauen tauschen wollen…

Wer sein Geschlecht vor allem als Sex-Objekt dargestellt sieht, traut sich kaum das Kanzler*innen-Amt zu. Das ist nicht nur schade, das ist komplett unakzeptabel.

Ja, wohingegen es die Aufgabe von Männern ist, irre Tyranninnen zu assassinieren. Und das der DAS überlebt hat, ist extrem unrealistisch gewesen, so wird eine völlig falsche und irreführende Sicht auf politische Morde vermittelt.

Also wenn schon, dann gleiches nackt für alle. Oder besser noch: Bluse an, Schätzchen – es wird auch was ganz Interessantes…

Wer sich als Kanonenfutter sieht, traut sich auch kein Kanzleramt zu. Oder wer Serien über undemokratische Kontinente wie Westeros sieht. Aber das interessiert ja niemanden.

6 Gedanken zu “Filme und Frauen

  1. „In Serien und Filmen sind Frauen und weiblich gelesene Personen viel öfter nackt oder knapp bekleidet zu sehen als Männer.“

    Ich habe jetzt noch nicht weiter gelesen, aber das ist in der Realität nicht anders. Öffentlich nackt zu sein, ist nur für Männer ein Straftat und Frauen zeigen auch so immer mehr Haut als Männer. Hier z.B.:

    Bei Männer sind die Schultern in der Regel bedenkt und die selbst die kurzen Hosen gehen bis zum oder übers Knie.

    Aber Pinkstinks weiß es sicherlich besser…

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  2. Frauen machen sich selbst zu Sexobjekten, um sich eine gute Partie, also einen finanziell potenten Mann zu angeln und sich so das Leben zu unterhalten. Die Klage darüber, dass Frauen Sexobjekte seien, kommt auch oft von solchen, die nichts zum Sexobjekt mitbringen.

    Und was Schönheitsideale angeht: Die gäbe es auch noch, wenn nur noch hässliche Frauen durch Hollywood vermarktet werden würden, jeder (finanziell potente) Mann könnte nach wie vor zwischen hässlich und schön unterscheiden. Schöhnheitsideale sind immer unfair, da sie immer welche ausschließen – das Leben ist hart aber ungerecht.

    Im Übrigen ist es auch nicht frauenfeindlich, Frauen als attraktiv darzustellen. Das ist Werbung. Wirklich frauenfeindlich wäre es, wenn Frauen wie Männer in EDEKA-Werbespots als schmierige Couchpotatoes gezeigte werden würden.

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  3. Ausgerechnet Game of Thrones als Beispiel. Solche Anfänger.
    Ich habe mal ein Interview mit Richard Madden (Robb Stark) gelesen. Er sagte, der Druck auf ihn, sexy zu sein, war gewaltig.
    „Also wenn schon, dann gleiches nackt für alle.‘
    Habt ihr GoT überhaupt gesehen? Es gab jede menge nacktes, männliches Fleisch. Ich kann mich nicht erinnern in einer amerikanischen Serie so viele Pimmel gesehen zu haben.

    Mal abgesehen davon. Früher war es schlimmer. In den 70ern gab es das als eigenes Genre: Exploitation.

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  4. @apo > wenn nur eine weibliche Hauptperson vorkommt, müssen wir uns um die keine Sorgen machen

    Da hat jemand „Squid Game“ noch nicht gesehen 😉

    @yx: Ich finde es ja deutlich frauenfeindlicher, real existierenden Frauen zu unterstellen, sie seien unrealistisch.

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  5. In Serien und Filmen sind Frauen und weiblich gelesene Personen viel öfter nackt oder knapp bekleidet zu sehen als Männer.

    Ich habe erst eine einzige “weiblich gelesene Person“ in einem Film nackt gesehen, nämlich Jaye Davidson in der Rolle der Dil in “The Crying Game“. Darüber hinaus sind mir keine weiteren “weiblich gelesene Personen“ bekannt, die in Filmen viel öfter nackt als Männer zu sehen wären.
    (Diese pinkstinks-Nummer mit der unfundierten “Frauen & Männer in Filmen“-Statistik erinnert an eine ähnlich geartete Schmarrn-Statistik damals in der taz.)

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