Prequelitis

Prequels oder Vorgeschichten sind wie Sequels, also Fortsetzungen, nur dass sie einen deutlich schlechteren Ruf haben. Während „Das Imperium schlägt zurück“ oder „Terminator II“ beweisen, dass Fortsetzungen nicht absacken müssen, auch wenn viele das tun, so gibt es bei nachträglichen Vorgeschichten deutlich weniger positive Beispiele. (Der Hobbit ist zwar die Vorgeschichte vom Herrn der Ringe, das Buch wurde aber eher geschrieben). Dafür aber viele negative: die „erste“ SW-Trilogie kriegt eine Menge Hass ab, die Alien-Prequels dito, die Dune-Prequel-Bücher sind najaaaaa, und das liegt, glaube ich, tatsächlich an der systemimmanenten Gründen. Aka: strukturelle Probleme.

Bei Sequels hat man oft das Problem auf der Seite der Macher (Autoren, Regisseure, Entwickler), dass die sich zu sehr an bewehrtes halten, und daher langweilig werden, oder zu sehr was neues versuchen, und daher das Publikum vergraulen. Beim Publilkum gibt es das Problem, dass das neue oder Überraschende vom ersten Teil beim zweiten „erwartbar“ ist. Soll heißen, eine Fortsetzung ist oft nur „gefühlt“ schlechter.

Bei Prequels gibt es zusätzlich das Problem, dass man weiß, wie’s ausgeht.

Ohne Scheiß, das hat man bei Fortsetzungen nicht, und was ist wohl ein größerer Spannungskiller, als zu wissen, wer die Geschichte überleben wird, wer vermutlich innerhalb der Handlung stirbt, und welche Situation sich wohl am Ende ergeben wird?

Eine Vorgeschichte, die das Problem nicht hat, ist das Silmarillion, die posthum veröffentlichte Vorgeschichte zum Hobbit. Die Grundzüge hat Tolkien wohl im Schützengraben im 1. WK geschrieben, es ist so gesehen nicht im Nachhinein ausgedacht, aber zu vielen Details war sich Tolkien zu Lebzeiten wohl nicht sicher, wie es nun „wirklich“ war. Andererseits, aus der Perspektive von jemanden, der meinetwegen in Edoras am Kamin sitzt und Geschichten aus alten Zeiten hört – mehrere Jahrtausende alte Zeiten – es wäre einfach unrealistisch, wenn es nur eine Version von derartig alten Geschichten gäbe.

Das Problem mit der Vorhersehbarkeit wird hier umgangen, weil die Leute, die im Silmarillion vorkommen, zu Zeiten des Herrn größtenteils nicht erwähnt wurden, oder wenn, dann nicht, ob oder wie sie gestorben sind. Galadriel z.B. war kein Einzelkind. Beren und Luthien werden zwar erwähnt, aber deren Geschichte nicht zu Ende erzählt.

Und ich könnte mir das gut als Film- oder Fernsehserie vorstellen – nachdem die den „Spin“ vom Rad der Zeit im Intro der HdR-Filme verwurstet haben, ist jetzt Conan, der Barbar, dran (nur mit Galadriels Stimme): „Ich will Euch nun von einem Zeitalter berichten, das begann, als Feanor und seine Söhne sich gegen die Valar empörten, und das endete, als die Länder Beleriands im Meer versanken! Ich will Euch erzählen von Melkor, der in dieser Zeit großer Sorgen seine Stirn, hinter der sich große Bosheit verbarg, mit der Krone der drei Silmaril schmückte! Ich will Euch die Geschichte von Saurons Herrn und Meister erzählen!“

Aber DAS verfilmen die nicht, sondern etwas ähnliches, was aber nicht Silmarillion heißt.

Danke, Amazon! Oder meinetwegen auch danke, Tolkiens Erben.

Wenn man Elbenrollen nicht mit Elben castet, sondern mit Menschen, ist es übrigens egal, ob das schwarze oder weiße Menschen sind. Gleiches gilt für Zwerge, Hobbits, Orks, Ents, Trolle und andere intelligente Zweibeiner.

Aber indianische Numenorer wären cool!

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