Divergendende

Inspiriert von hier:

Auch Gastarbeiterfamilien haben früher „Schwarzwaldklinik“ geschaut: weiße Ärzte und Krankenschwestern, die Biodeutschen das Leben retten und sich innerhalb des heterosexuellen, weißen Kollegiums verlieben. Es gab ja sonst nichts.

Ja, es gibt inzwischen jede Menge US-Krankenhausserien, die der demographischen Querschitt der US-Bevölkerung mehr oder weniger gut abbilden.

Ansonsten ist mir klar, dass die Schwarzwaldklinik als Extrembeispiel herhalten muss, aber offenbar hat sie nicht ganz verstanden, was Schwarzwaldklinik sein soll. Es ist vermutlich wirklich so, dass das Konzept eher nicht für Gastarbeiterfamilien gedacht war. Es ist aber ganz bestimmt auch nicht so, dass das dafür da war, die dt. Mainstreamwirklichkeit abzubilden, sondern Heile-Welt-Gedöne.

Jetzt mag man als türkischstämmige Journalistin sich natürlich trotzdem fragen, warum türkischstämmige Journalistinnen in der Heilen Welt nicht vorkommen. Die traurige Antwort ist aber: weil türkischstämmige Journalistinnen kein Klischee sind.

Die einzige Stelle, die mir von der ganzen Schwarzwaldklinik halbwegs in Erinnerung geblieben ist – es gab ja nichts anderes – ist die Auseinandersetzung um den Zivildienst. Wohl, weil dass das einzige der behandelten Themen war, was mich halbwegs interessierte. Aber das war so platt, plump und plakativ wie möglich und bietete keinen Gedanken und kein Argument, den man sich nicht längst selbst gemacht hat und das nicht schon vor langer Zeit ausgetauscht wurde. Die Auseinandersetzung – ich erinnere mich, wie gesagt, nur halbwegs – war zwischen einem Patienten, der zugleich Bundeswehroffizier war, und dem einen Pfleger und Ex-Zivi Micha.

Wenn man den Machern der Schwarzwaldklinik gesagt hätte, dass große Teile der Bevölkerung darin gar nicht vorkämen, hätten die gesagt: „Oh mein Gott, Sie haben ja recht!“

Und dann wären sie gekommen: der iranische Arzt – natürlich sind alle Iraner Ärzte – der schwule Pfleger – natürlich werden alle Schwulen Pfleger oder Friseur – der invalide Pförtner – was allerdings wirklich ein weit verbreiteter Beruf unter Invaliden war oder noch ist – der polnische Hausmeister – natürlich ist er das – und die türkische Putzkraft – nicht, dass es heißt, man hätte die Türken vergessen.

Das ist vermutlich nicht das, was Ataman will, aber das, was sie kriegt: Fernseh-Serien bildet nicht die Wirklichkeit ab, sondern das, was Fernsehmacher für die Wirklichkeit halten. Insofern verschieben solche Forderungen nur die Klischees.

Ein Gedanke zu “Divergendende

  1. Plus: die zitierten Klischees wurden zu Klischees, nicht weil es praktisch keine türkischen Putzfrauen, schwulen Friseure oder iranischen Ärzte gibt – sondern weil nach dem Eindruck der Mehrheitsgesellschaft, vertreten durch die bösen Entscheider mit Sternchen innen, die entsprechenden Eigenschaften eben überproportional häufig zusammen auffallen (nicht dass es sie nicht anderswo auch gibt).
    Aber Ataman will ja gar nicht, dass die Fernsehmacher deren (irgendwie verschobene) Klischees abbilden, sondern IHR eigenes Klischee. Das geht mir wiederum stark in Richtung „Verbotskultur“.
    Andererseits: Wann wird „vom Winde verweht“ endlich mal mit einer schwarzen Scarlett und einem schwarzen Rhett sowie weißen Sklaven verfilmt? Auch Hitler (meinetwegen auch Stalin) wurde zwar schon von Juden „gespielt“ bzw. karikiert, aber noch nicht in der Hautfarbe Schwarz, ganz zu schweigen von jemandem mit möglichst auch noch dem richtigen, nämlich diversen, Geschlecht. Zugegeben: Irgendwie hätte das was, jedenfalls als künstlerischer Versuch. Ich rätsle nur, ob das dann wieder als in irgend einer Weise diskriminierend zu „lesen“ wäre.

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