Was die taz halt nicht versteht

Ist das hier.

Unter anderem.

Hurra, Papa denkt progressiv

Eine neue Studie zeigt, dass Väter fortschrittlicher als früher eingestellt sind. Was es trotzdem braucht, sind veränderte Strukturen.

Jemand, der sich nicht gegen Corona impfen lassen will, gilt als egoistisch; andere Menschen seien von ioi in „Geiselhaft“ genommen oder ähnliches. Jetzt sind die, die sich impfen lassen, aber nicht altruistisch: sie suchen einen Vorteil für sich selbst. Einfach aus einer Handlung auf deren „einzige mögliche“ Motivation zurückschließen, ist demnach unsinnig. Es ist nicht notwendigerweise „progressiv“, wenn man sich lieber mit kleinen Kindern befassen will als mit Erwachsenen.

Wäre es das Ziel der Bundesregierung, Väter dazu zu animinieren, progressiv über die partnerschaftliche Aufteilung von Care-Arbeit zu denken, könnte man an dieser Stelle gratulieren.

Ist es nicht, aber selbst wenn, würde man dann der Bundesregierung gratulieren, Männer gut erzogen zu haben? Ist es progressiv, die eigene Bevölkerung zu erziehen, und konservativ, sie machen zu lassen, was sie will? (Ok, ein paar rufen jetzt bestimmt: „JA, ist es!“)

Fast die Hälfte der Väter wünscht sich, mehr Zeit mit ihren Kindern zu verbringen und gemeinsam mit den Müttern Verantwortung für sie zu tragen.

Und die andere Hälfte wünscht sich, dass sie die Verantwortung alleine tragen? Ich frage deshalb, weil

 der Väterreport 2021

hier leider nicht verlinkt ist. Hachja.

Hurra! Die Väter denken das Richtige.

Hier habt Ihr ’nen Leckerli. Brave Väter, brav!

Einstellung allein wirkt sich aber nicht unmittelbar auf Handlung aus.

Das ist in der Tat so, und man sollte solche Umfragen tatsächlich auch nicht überbewerten, aber die taz kann keine gescheiten Vergleiche.

Wer Zivilcourage zeigen will, hält vielleicht doch den Mund, wenn eine Frau mit Kopftuch beschimpft wird.

Und? Ein Vater, der gerne selbst mehr Zeit mit seinen Kindern verbringen will, will das für sich. Er will nicht notwendigerweise, dass alle anderen Väter das auch wollen. Der Vergleich wäre jemand, der Zivilcourage zeigen will, aber selbst eine Frau mit Kopftuch beschimpft. Und zwar wegen des Kopftuches, nicht, weil sie antisemitische Sprüche raushaut.

Wer rassismuskritisch sein möchte, fragt doch, wo eine schwarze Person herkommt.

„Hutu oder Tutsi?“ Ok, eine Formulierung wie: „Ich würde ja gerne rassismuskritisch sein!“ klingt schon nach Scheitern. Allerdings kann man so sehr leicht rassismuskritisch sein, indem man einfach nicht mit Schwarzen redet, um in kein Fettnäpfchen zu treten. (Keine Ahnung, ob das so gedacht ist.) Jedenfalls, und das rafft die taz halt nicht, die Gründe, warum bei der Väterfrage Wollen und Tun nicht deckungsgleich sind, liegen nicht komplett in der Verantwortung der Väter, wohingegen ein rassismuskritischer Mensch von keinerlei beruflichen, finanziellen oder sonstigen Faktoren gedrängt wird, Schwarze zu hassen.

wer ein progressives Modell von Partnerschaft leben will, verbringt seine Tage eben doch eher als Familienernährer im Unternehmen als mit dem Kind im Wartezimmer der Ärztin.

Nebenbei, wer macht das, um als progressiv zu gelten? Aber ja, die Krankenkassebeiträge, von denen der Arzt bezahlt wird, müssen erstmal gezahlt werden.

Das passiert zum Teil, weil der sogenannte Mental Load, also die Aufgabe, die Notwendigkeit von Arztbesuchen oder auch Geschenken für den Geburtstag der Schulfreundin überhaupt wahrzunehmen, noch nicht bei den Vätern angekommen ist.

Weil Väter halt dumme Idioten sind, woll? Dafür ist bei der taz die Notwendigkeit von Geld nicht angekommen, mit dem das Geschenk bezahlt wird. Geld ist so eine Erfindung der kapitalistischen Weltverschwörung, weshalb ich die taz ein bisschen verstehe, andererseits, was sind das eigentlich für Spendenaufrufe immer?

Möglicherweise liegen die schönen Worte auch daran, dass es heute nicht mehr so gut ankommt, einfach zu sagen: Abwaschen und wickeln? Macht meine Frau.

Spülmaschine?

Und sicher liegt die unverändert hohe Vollzeiterwerbstätigkeit der Väter auch schlicht daran, dass es finanziell wehtut, in die Teilzeit zu wechseln – auch, was die eigenen Rentenansprüche angeht.

Tja, sowas aber auch. Die haben doch mal was von Geld gehört. Es tut der GANZEN Familie weh, wenn Teile des Einkommens wegbrechen, nicht nur dem Vater, und DAS ist ein Grund, warum auch viele Mütter wenig begeistert sein dürften, wenn der Mann Teilzeit arbeiten wollte.

Um das zu ändern, braucht es strukturell Nachhilfe und individuell die schlichte Bereitschaft, zu Hause mehr anzupacken.

Hmm, wenn er weniger Geld verdient, muss sie mehr verdienen. D.h., wenn er mehr Carearbeit verrichtet, muss sie mehr Erwerbsarbeit verrichten. Das wäre auch ohne GPG so. Und das ist mit struktureller Nachhilfe daher nur teilweise zu kompensieren.

 Elternzeit und Elterngeld müssen ebenso ausgebaut werden wie das Rückkehrrecht von Teilzeit zu Vollzeit, das Entgelttransparenzgesetz sowie Kita- und Hortplätze.

Ja, dazu könnte ich einen längeren Beitrag schreiben, aber inwieweit helfen KiTa-Plätze Vätern, mehr Zeit mit ihren Kindern zu verbringen?

Das Ehegattensplitting muss abgeschafft werden.

Niemand wird dazu gezwungen. Eine gleichmäßige Aufteilung von Haus- und Geld-Arbeit ist möglicherweise in Hinsicht auf Stress und Lebensqualität besser, aber die Wochenarbeitstunden bleiben ungefähr gleich und der finanzielle Aufwand, ein Kind großzuziehen, auch.

Und Väter müssen verstehen, dass sie Mütter nicht „unterstützen“ sollen, ihnen „helfen“ oder sie „entlasten“ – sondern ihren Teil der Arbeit erledigen.

Tja. Und Mütter „unterstützen“ dann auch nicht andere beim Geld verdienen, sondern verdienen einfach Geld, als Teil ihrer Arbeit. Wie gesagt, vllt. macht Vätern Kinderbetreuung viel mehr Spaß als Geld verdienen, und die sind nicht progressiv, sondern bequem? Progressive denken ja oft negativ von Männern, aber das ist denen natürlich nicht in den Sinn gekommen.

Dann lohnt sich auch ein Hurra für die Väter.

Das lohnt sich so oder so nicht. Wer etwas nur wegen Lob macht, ist ja nur eitel. Aber das versteht die taz halt auch nicht.

4 Gedanken zu “Was die taz halt nicht versteht

    1. Nach der Trennung findet sich keine einzige Feministin mehr, die darauf besteht, dass der Vater der Mutter „Sorgearbeit“ *hust* abnimmt. Solche Kriecher, sie haben keinen Respekt vor Männern aber auch nicht vor sich selbst, es sei denn sie lachen sich insgeheim darüber kaputt, wie sie die Männer verschaukeln.

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  1. Ich hoffe sehr, dass ich mich da nicht irre, aber wer sowas bumst, hat eh nix zu verlieren, nichtmal mehr seine Würde. Ich bin 41 und ein übergewichtiger, kettenrauchender Säufer, und hätte genug 21jährige Schlampen zur Verfügung, wäre ich nicht glücklich verheiratet. Oder, wie Danisch das bzgl Sascha Lobos Ex so schön formulierte: die schafft es halt nicht in die Top 2 Milliarden.

    Was die Feministinnen nicht verstehen: Respekt geht ne reziprok. Und die sind halt nicht respektabel.

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