Reich werden mit pinkstinks

Einfach arbeiten reicht nicht mehr.

Britney Spears ist das sichtbarste Beispiel: Volle 13 Jahre stand die US-amerikanische Sängerin unter der Vormundschaft ihres Vaters Jamie Spears, der in dieser Zeit so ziemlich jeden Bereich ihres Lebens kontrollierte oder kontrollieren ließ

In der Form und Prominenz vermutlich auch das einzige. Ja, sie hat einerseits Probleme gehabt, ist andererseits aber auch eine erwachsene Frau. Und diese Verquickung von Unmündigkeit und Geld verdienen ist in der Tat verdächtig. Nur, wie häufig kommt es vor, dass jemand berühmt wird, aber dann für unmündig erklärt wird? Evt. wäre das Micheal Jackson passiert, aber der war ja keine Frau. (Er hat testamentarisch festlegen lassen, dass nur seine Mutter in seinem Todesfall das Sorgerecht für seine Kinder bekommen sollte, oder, wenn die dann selbst schon tot wäre – was ja eigentlich zu erwarten gewesen wäre, Diana Ross.)

Sogar ob sie weitere Kinder bekommen darf, stand ihr nicht frei.

Da hatte Michael es tatsächlich einfacher.

 Unter dem Eindruck der Proteste und der anhaltenden Berichterstattung hat Jamie Spears inzwischen beantragt, dass ihm die Vormundschaft entzogen wird. Dem wurde stattgegeben. Er wird es nicht gern getan haben, denn seine Tochter war sein persönlicher Goldesel. Damit ist er einer von vielen Männern, die Frauen auf die eine oder andere Weise zu Karrierezwecken missbrauchen.

Jein. Er selbst macht ja keine Karriere, sondern lebte von ihrer Arbeit. Nagut, was ist das bitte für ein Rabenvater. Kann der sich nicht für seine Kinder krummbuckeln, wie andere Väter auch?

Dafür gibt es viele Möglichkeiten. Framing zum Beispiel. So wie es der Sänger Justin Timberlake nach der Trennung von Britney Spears tat.

Ähh, nein? Bzw., die Art, wie die sich getrennt haben, war jetzt eher suboptimal, aber Timberlake hat tatsächlich für seine Karriere mehr getan, als Britneys Ex zu sein. Von allen anderen Ex-Partnern ist keiner so berühmt wie er.

Er war der verletzte Boyfriend, den sie betrogen hatte. In Interviews erzählte er, dass er ihr versprochen habe, den Grund für die Trennung nie zu nennen – nur um Sekunden später genau das zu tun.

Jaaa, fieses Nachtreten gegen die Ex ist genauso eine Möglichkeit, reich und berühmt zu werden, wie singen können, schauspielern zu können und generell Kontakte außer der besagten Ex zu haben, wie das Sorgerecht über besagte Ex (+Vermögen) zu kriegen. Kennt man ja auch aus dem normalen Leben normaler Leute.

Er schrieb Songs über sie, in denen er sie als schlechten Menschen und furchtbare Freundin inszenierte. Er prahlte damit, “ihre Jungfräulichkeit genommen zu haben”.

Soll das heißen, die ist gar keine mehr? Was für ein Schock. Und dafür habe ich mich aufgespart? DAFÜR? Weint mir einen Fluss, bitte.

Er machte auf ihre Kosten Karriere. Übrigens auch auf Kosten von Janet Jackson, der er in der Halbzeitshow des Superbowls 2004 die Brust vor 150 Millionen Menschen entblößte.

„Auf Kosten von“ hieße, dass Britney sein Marketing bezahlt oder, dass seine Karriere besser wurde, weil es ihrer schlechter ging. Nuuun, Ihre Probleme fingen deutlich nach der Trennung an. Was Janet betrifft, jetzt wie gesagt von einem recht „geschäftstüchtigen“ Vater geplagt, echt jetzt? Wenn Janet gewollt hätte, hätte sie das komplett Justin in die Schuhe schieben können. Aber weil US-Amerikaner teilweise extrem verklemmte Spießer sind, zählte Janet gar nicht als Opfer. Abgesehen davon scheinen beide davon keine karrieretechnischen Nachteile erlitten zu haben. Also insbesondere nicht Justin auf Janets Kosten. (Es kann auch sein, dass die sich das gemeinsam überlegt haben…)

Erst kürzlich hat er sich dafür “entschuldigt”, dass er davon profitiert hat, wie Britney Spears und Janet Jackson runtergemacht wurden. Die Anführungsstriche stehen hier, weil er dafür “eine Industrie” verantwortlich macht und seine “Ignoranz”.

Ja, mir fallen tatsächlich sowohl bei Britney als auch bei Justin und bei Janet mehr ein als diese Skandale. Was ich mal als Indiz dafür werte, dass hinter der ganzen Inszenierung, die nicht nur den eigentlichen Auftritt auf einer Bühne oder in einem Video betrifft, sondern wie man vor die Presse geht und mit dem Publikum spricht und welche Beziehung man öffentlich macht und welche eher nicht – also das ganze Leben eines Popstars – tatsächlich auch sowas wie Talent und Arbeit stecken.

Auch wenn die Musikbranche zweifellos sexistisch und rassistisch ist und Timberlake mit Sicherheit ignorant, ist das doch ausgesprochen passiv formuliert für jemanden, der sich an diesen Frauen hochgezogen und Nipplegate laut Aussagen eines beteiligten Stylisten geplant hat.

Ja, er hat sich an Janets Nippeln hochgezogen. Ich habe es genau gesehen. Ob Jacksons Karriere „bis heute“ darunter gelitten hat, halte ich für belegbedürftig. Gut, dass sie wenigstens das Piercing an hatte… (Und komisch auch, dass es keine Insider über den Mordkomplott gegen JFK oder die Mondfälschung gibt, aber nach 17 Jahren kommt einer um die Ecke und plaudert aus dem Nähkästchen. Diesmal tatsächlich im wörtlichen Sinne. Um das mal einzuordnen: hätten die beiden auch noch Sex gehabt und ein Kind gekriegt, dürfte es in einigen Staaten schon Auto fahren.)

Aber am Ende will Mann es nicht gewesen sein oder nicht so gemeint haben.

Woher wollen die wissen, dass er es gewesen ist, außer, weil ein anderer Mann das sagt?

So wie Janet Jacksons Vater Joe, ein gescheiterter Blues-Musiker, der seine Kinder mit Missachtung, Härte und Gewalt zum Erfolg zwang.

„Kinder“, liebe Kinder, da steht „Kinder“. Nicht „Söhne und Töchter“.

Kontrolle ist der Schlüsselbegriff, wenn es darum geht, dass diese Art “Karrieremänner” erfolgreiche und/oder talentierte Frauen unter ihren Einfluss bringen wollen.

Wenn die erfolgreiche und/oder talentierte Männer unter ihren Einfluss bringen wollen, interessiert die das ja auch nicht.

Der erfolgreiche Musikproduzent Tommy Mottola beispielsweise heiratete die 20 Jahre jüngere Sängerin Mariah Carey, die ihre achtjährige Ehe mit ihm als – Überraschung – Gefängnis beschreibt.

Nun, es gibt natürlich keine Männer, die ihre Ehen als Gefängnis wahrnehmen, woll?

Eine ähnliche Vorgehensweise pflegt der Musiker Ryan Adams mit jungen talentierten Frauen. Opfer seiner Übergriffgkeiten stellen dabei einen wichtigen Punkt heraus. Adams verfügt über ein großes Netzwerk von Menschen, die ihm unwissentlich dabei helfen

Wieso plötzlich „unwissentlich“? Carey hat sich offenbar scheiden lassen können, Janet Jackson kommt ganz gut alleine klar, Britney Spears hatte es ziemlich schwer, wenn man einmal als unmündig erklärt wurde und dann sagt, man sei plötzlich wieder geschäftsfähig, wird das nicht geglaubt, weil man ja nicht mündig sei, sie hatte allerdings auch ein großes Netzwerk.

Der ungekrönte König der “Karrieremänner” ist allerdings Ike Turner. Ein Mann, der das Talent und den wachsenden Erfolg seiner damaligen Frau Tina Turner so unerträglich, so ehrverletzend fand, dass er sie halb tot prügelte.

Ohne den in Schutz nehmen zu wollen, aber der hatte kein „Netzwerk„. Jedenfalls ist die Ehe geschieden worden, und es wurde festgehalten, dass das an ihm lag.

Später rechtfertigte er sich dafür, indem er alles herunterspielte und sich über ihre “Stimmungen” beschwerte.

Hat ihm das einer geglaubt?

Aber es ist ein guter Anlass, über die Gerüchte und Beispiele, die wir alle kennen, mal im Zusammenhang nachzudenken und ein Muster zu identifizieren.

Gerüchte sind Gerüchte. Aber Beispiele, ok: Ike Turner war gewalttätig. Von Justin Timberlake ist dergleichen nicht überliefert. Jamie Spears beutete seine Tochter aus, aber hätte wohl dasselbe mit einen Sohn gemacht. Vater Jackson hatte diesbezüglich wohl gar keine sexistischen Vorurteile – alle seine Kinder mussten ihre Musik-Karriere voranbringen. Hübsches Muster, so schön bunt und so.

Denn auch wenn es große Unterschiede zwischen diesen “Karrieremännern” gibt, was die Wahl ihrer Mittel anbelangt, so scheint es doch immer darum zu gehen, Frauen zu kontrollieren

… oder Männer …

sich an ihnen schadlos zu halten

… oder an Männern …

und die eigene Karriere zu fördern.

Was ist eigentlich aus dem Rest der Jackson Five geworden? Oder dem Rest von NSYNC?

Frauen, denen sie mit Unterstützung viel zu vieler Menschen weismachen, dass sie schwach sind, unbedeutend und auf sie angewiesen.

Das traf möglicherweise auf Tina Turner zu und zwischenzeitlich auf Britney Spears. Da ist kein Muster. Die wollen, dass man davon männerfeindlich wird, indem sie männliche Opfer ausblenden und gar nicht erwähnen, dass Janet möglicherweise „Nipplegate“ mitgeplant hat. (Oder Britney Spears vllt. zwischenzeitlich in Obhut musste, wenn auch nicht unbedingt in die von ihrem Vater…)

Frauen, die ohne sie besser dran sind.

Sicher war Tina Turner ohne Ike besser dran. Möglicherweise hätten Michael und Janet Jackson auch ohne ihren Vater was geworden. Aber das kann man natürlich beliebig verallgemeinern. Es gibt Lehrkräfte, ohne die wäre man, im Nachhinein betrachtet, besser dran gewesen, aber OHNE jeden Unterricht wäre man richtig schlecht dran.

2 Gedanken zu “Reich werden mit pinkstinks

  1. Überall – auch im showbuisness – gibt es schwarze Schafe*, Männer wie Frauen, die nicht ganz koscher sind. Dann greife man sich eine beliebige Gruppe raus und betrachte nur deren Schandtaten und blende die der anderen aus. Dass so ein primitives Vorgehen und das Weltbild, das dahintersteht, in einer doch so aufgeklärten Gesellschaft so prominent bestehen kann, ist verwunderlich.

    *es heißt schwarzes Schaf, weil Schwarze inhärent böse sind! Schau die doch mal die Einzelfallmap an! Lauter PoC, die Straftaten begehen, kein einziger Weißer darunter!

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