Metakritik: Dune und FAZ

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«Dune»: Ein bildgewaltiger Blockbuster im besten Sinn

Wenn nicht ein ganzer Häuserblock gebustet wird, ist es eben kein richtiger Blockbuster. Zum Glück werden größere Teile von Arrakeen zertrümmert. Das ist ein Zeichen für die Anwesenheit der Sardaukar, Harkonnen halten Progrome für Verschwendung.

Blabla, schwierige Verfilmungsgeschichte, yadda-yadda, Villeneuve traut sich.

Im Mittelpunkt steht hier der Wüstenplanet Arrakis, der auch als Dune bekannt ist. Nur dort gibt es im Jahr 10191 die wertvolle Substanz Spice.

Das ist übrigens nicht das Jahr 10.191 n.Chr., falls das wer denkt, sondern das Jahr 0 liegt in der Zukunft (dazu gibt es semi-kanonische Zeittafeln). Unsere Gegenwart liegt für das Padishah-Imperium aber definitiv weiter zurück als der Beginn der Jungsteinzeit für UNS.

Es sind imposante Kampf- und Actionszenen, die Regisseur Villeneuve inszeniert.

Ich finde es vom Kinematischem her besonders gut, wie die Schilde erklärt werden. Im Buch kann man die eigentlich gar nicht erkennen, aber man richt mit der Zeit das Ozon, was entsteht. Im Film sieht man das Flirren, und außerdem – weil Film eben ein optisches Medium ist – sieht man bei schnellen Angriffen einen blauen Effekt, weil der (nicht das! Genus, SO wichtig!) Schild den Angriff abwehrt, und einen roten, wenn der Angriff langsam genug ist, um den Schild zu durchdringen. Paul macht das sogar extra nochmal vor, obwohl er das eigentlich weiß. Nur für DICH, liebes Publikum, nur für Dich.

In dem Zusammenhang: Laserschwerter sind ja ganz cool, aber nur die zweit-coolste Ausrede, in einem Szenario, dessen technische Errungenschaften die des ersten Weltkrieges übertreffen, sich ausschließlich oder hauptsächlich auf eine Nahkampfwaffe zu verlassen. Die coolste sind die Holtzmann-Schilde aus Dune. Leider Gottes ist das trotzdem keine spannende Idee für ein Cross-Over-Fanfic. Laserwaffen, die auf Holtzmann-Schilde treffen, erzeugen eine Explosion, die man hinterher nicht mehr von einer Atombombenexplosion unterscheiden könnte. Und wie will man das dann bitte dem Kontrollausschuss erklären? Aber Darth Vader wäre bestimmt dafür, Wüstenplaneten zu begrünen, sofern das möglich ist. „Lasst Euren Hass fließen, Lord Vader!“ – „Er fließt, mein Meister.“ – „Gut! Worauf richtet sich Euer Hass, Lord Vader?“ – „Auf Sand, mein Gebieter. Er ist rauh, und unangenehm, und gar nicht gut für meine künstliche Lunge. Aller Sand muss verschwinden!“ – „GUT!“ *fieses, meckerndes Gekicher. Haltet Ihr das Terraforming von Arrakis IMMER noch für eine tolle Idee???

Flugzeuge, die an metallene Hornissen erinnern, Feuerbälle, die vom Himmel fallen, gigantische Sandwürmer, die aus der Wüste auftauchen, Armeen, die in futuristischer Montur gegeneinander antreten – viel wuchtiger kann man so etwas wohl nicht auf die große Leinwand bringen.

Libellen. Das sind eindeutig Libellen. Aber ja. Der dreikiefrige Sandwurm, der in der Erstverfilmung die Sandmaschine verschluckt, gefällt mir zwar ein kleines Stückchen besser als der „Bartenwurm“ von Villeneuve, aber ich sehe ja ein, dass man so einen Film nicht drehen kann, indem man einfach den Vorläufer nachdreht.

In rund zweieinhalb Stunden baut Villeneuve immer wieder Subtext und Raum für Interpretationen ein.

So, wie die Targaryens symbolisch für den Kolonialismus stehen? Ich meinte natürlich die Harkonnen. Ober-Harkonnen sieht wie die anthropomorphe Personifizierung der Gier aus, hat aber trotz Übergewicht keine Bodenhaftung mehr. Wie subtil.

 So ist es sicher kein Zufall, dass die Fremen Kleidung wie die Menschen in der arabischen Welt tragen.

Naaaainnn, das ist kein „Zufall“. Das ist allerdings auch nicht auf Villeneuves Mist gewachsen, sondern wird relativ offen in der Vorlage so dargestellt. Obwohl da auch nicht „arabisch“ steht, aber wenn Leute arabisch(artige)e Begriffe verwenden. Supersubtil. (Ernsthaft, man sollte einen Film besprechen können, ohne die Romanvorlage kennen zu müssen, aber DAS ist jetzt etwa so, als würde die FAZ Peter Jackson dafür loben, dass seine Hobbits nur etwa 1,20 m groß sind, um diesen David-gegen-Goliath-Vibe zu betonen…)

Es geht um Gier und Ausbeutung, um Imperialismus, Unterdrückung und Aufbegehren.

Ja. Das Staatengebilde, das sich „Imperium“ nennt und von einem „Imperator“ regiert wird, ist „imperialistisch“. Ultrasubtil. Menschen mit Subtilitätsallergie müssen jetzt in die Klinik fahren.

Dem jungen Paul kommt dabei eine besondere Rolle zu:

Er ist der Auserwählte! Bzw., eigentlich ist es komplizierter, weil er ein Mädchen hätte werden sollen. Das man dann Romeo-und-Julia-Style (sic: Style) mit Feyd-Rautha Harkonnen verkuppelt hätte. „Zwei Häuser, beid‘ an Ansehen gleich. Er wächst aus altem Hader: neuer Streit!“ – „Entsendet einen Gilden-Navigator dritten Grades, um Exposition Auskunft über diesen neuen Streit zu verlangen.“ Aber weil Jessica halt einen Jungen bekam – Frauenpower! – ist dieses Ausgewählt-Sein nicht das, was jahrtausendealte Eugenik-Programme erreichen sollten. Die Bene Gesserit kriegen nicht den Auserwählten, den sie brauchen, sondern den, den sie verdienen. Achso: Spoileralarm, tschuldigung.

«Dies ist erst der Anfang», sagt die junge Fremen-Kämpferin Chani (Zendaya) kurz vor Ende des Films.

Ja. Es ist Teil 1. Wie schon zu Anfang der Untertitel sagt. Und trotzdem fehlen viele Subtext-und-Interpretations-Stellen aus dem Roman. Der Film ist tatsächlich „stromlinienförmiger“ geworden als das Buch. Oder halt die Stelle, wo Jessica versucht, „Leto“ in den Sand zu schreiben. Kein „Sub“-Text. Aber auch kein Text-Text, da das Zeug ist nicht stabil genug, so dass das „L“ verlaufen ist, bevor sie beim „o“ ist. Oder welche Buchstaben auch immer. Worte daher besser in Fels meißeln statt in Sand zu schreiben. Aber Jessica ist die Art Frauen-Figur, die man nicht auf „woke“ drehen muss. Dann kann sie natürlich auch mal schwach sein.

Die Einnahmen aus dem Film sind wohl ziemlich gut, was die Fortsetzung wahrscheinlicher macht. Ich drücke allen Beteiligten die Daumen!

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