Wofür Pronomina gut sind

Hachja.

Ganz einfach:

Ist „The end of the world as we know it“ „Das Ende der Welt, wie wir es kennen“ oder „Das Ende der Welt, wie wir sie kennen“?

Die rein inhaltliche Analyse, dass „wir“ das Ende der Welt nicht kennen, legt nahe, dass die zweite Übersetzung die richtige ist. Aber rein von der Grammatik kann sich im englischen „it“ auch auf „End“ beziehen. Pronomina mit unterschiedlichen Genera erleichtern also die Zuordnung, und von daher sind drei Genera vllt. immer noch zu wenig, aber besser als im Englischen, wo „he“ und „she“ nur auf Personen anwendbar sind, wobei einige noch andere haben wollen.

Eine wichtige Idee hinter dem Pronomen: Die Ausgrenzung und Diskriminierung von trans Personen – also Menschen, deren bei der Geburt zugeordnetes Geschlecht nicht mit ihrem wahren Geschlecht übereinstimmt

Wenn man eine Transfrau mit „er“ bezeichnet, ist das schlimmer als umgekehrt. Terfs sind böse.

und von nicht-binären Personen – also Menschen, die sich nicht eindeutig entweder dem einen oder dem anderen Geschlecht zugeordnet fühlen – zu vermeiden.

Es gibt so wenig nicht-Binäre, dass sich die Erfindung eines eigenen Pronomens eigentlich nicht lohnt. Man kann jedes nicht-Binäre Individuum einfach per Namen bezeichnen.

Sie haben das gleiche Recht wie alle anderen, gesehen, respektiert und korrekt angesprochen zu werden.

Per Namen, ja.

Personen, die öffentlich ihr Pronomen nennen, handeln inklusiv.

Nein. „Ich habe ein Pronomen, das nur für eine sehr kleine Gruppe anzuwenden ist. Also für einen exklusiven Club.“

Diejenigen, die sich für das neutrale (they/them) entscheiden, erweitern damit auch die verbreitete, starre Geschlechter-Einteilung in rein männlich und weiblich.

Ich assoziiere eher den Plural Majestatis. Oder halt das Wischi-waschi-wir.

Denn nur ein “er” oder “sie” kann für einige Leute eine Einschränkung darstellen, die ihrer Lebenswirklichkeit und Identität nicht gerecht wird.

Für einige sehr wenige. Aber hey, außer Vorurteile über Männer und Frauen gibt es jetzt auch Vorurteile über nicht-Binäre. Mehr Vorurteile war genau das, worauf wir alle gewartet hatten.

Das hängt unter anderem mit gängigen Rollenvorstellungen zusammen, die mit männlich und weiblich verknüpft sind.

Genus und Sexus sind nicht dasselbe, aber in der Sprache, in der zwei von drei Genera nach Wörtern benannt sind, die ein anderes Genus als das bezeichnete haben, gibt es keine Logik. Das Weib ist sächlich und die Sache weiblich.

Die geben ziemlich exakt vor, wie sich eine Person verhalten, kleiden oder aussehen muss und darf, um als entweder männlich oder weiblich gesehen und einsortiert zu werden

Naja, die Genitalien sind bei Personen tatsächlich das Hauptkriterium.

Jungs blau, Mädchen rosa. Männer Fleisch (blutig), Frauen Salat (ohne Dressing)…

Ich war mal in weiblicher(!) Begleitung Essen. Sie bekam das vegetarische Essen und die Cola light, ich das fischige und das Bier. Natürlich wollte ich die Cola und sie das Bier, weil ich fahren musste und sie nicht. Also ja, das Problem ist existent, aber nicht durch Pronomina lösbar. Wenn wir der Kellnerin gesagt hätten, dass sie sie ist und ich er, hätte das dem Kellner, der unsere Bestellung brachte, ja auch nichts genutzt. Oder, sie hätte ihm einfach direkt sagen können, wer was will…

Es gibt mehr als nur zwei Geschlechter. Wirklich. Die Welt ist nicht nur Schwarz-Weiß, das wäre ja auch furchtbar öde und einengend.

Der Zwitter, das Mädchen, die Maschine. Und wir bräuchten mindestens noch ein Genus für Stoffe und  anderes unzählbares, um die „der/die/das Nutella“-Diskussion zu schließen. Außerdem vllt. nicht dasselbe Pronnomen für Tiere und für unbelebte Gegenstände.

Anders als in der englischen Sprache (they/them) gibt es im Deutschen bisher kein einheitliches Pronomen für nicht-binäre Menschen. Allerdings gibt es einige Neo-Pronomen, also Wortschöpfungen, um über eine Person zu sprechen, ohne immer ihren Namen zu nennen. Davon hat sich aber noch keins richtig durchgesetzt.

Achwas – wenn jeder nicht-binäre Mensch sein eigenes Pronomen hat, kann man genausogut das Pro weglassen und ioses Nomen verwenden.

Bisher ist es auch so, dass nicht-binäre Menschen in vielen Bereichen der Gesellschaft wie Politik, Wirtschaft, Literatur noch so gut wie gar nicht vorkommen. Sprache ist ein Weg, das zu ändern.

Sie kommen in ALLEN Bereichen der Gesellschaft so gut wie gar nicht vor. Die Anzahl der Menschen, die sich selbst weder als Frau noch als Mann sehen, ist extrem gering. Es werden nicht dadurch mehr, dass man sich eine neue Sprache ausdenkt. Und Transmenschen wollen mit „sie“ bzw. „er“ angesprochen werden.

Viele Leute sind (noch) nicht bereit, sich darauf einzulassen, finden inklusive Sprache nicht wichtig genug oder zu kompliziert.

Es ist deutlich einfacher, einfach gar nicht über nicht-Binäre zu reden.

Doch Sprache verändert sich und damit auch, wie Menschen miteinander umgehen.

Das „damit“ ist falsch. Dass man „Gel“ statt „Pomade“ sagt, hat nichts mit dem Produkt als solchem zu tun.

Aber: Das sollte freiwillig und selbstbestimmt geschehen. Andere (öffentlich) dazu aufzufordern, ihr Pronomen zu ändern oder zu nennen, kann Druck aufbauen. Egal, wie gut es gemeint sein mag.

Nein, das stimmt nicht. Dumme Menschen müssen durch Erziehung und Sprache zu besseren Menschen gemacht werden.

Falls bei einem Treffen die Pronomen-Situation unklar ist, einfach mit dem eigenen Pronomen anfangen.

Falls bei einem Treffen die Pronomen-Situation scheiß-egal ist, auch? Ich rede zu der Person, dann nutze ich „Du“ oder „Sie“. Zu Anwesenden in der dritten Person zu reden – egal mit welchem Pronomen – ist unhöflich.

Und mit drei Sekunden nachdenken lassen sich auch neutrale Beschreibungen für andere finden. Also, statt “der Herr da in der dritten Reihe” eher “die Person mit der gelben Jacke”.

Wenn ich eine Münze werfe – „Kante“ ist „nicht-Binär“ – habe ich eine rd. 50%ige Wahrscheinlichkeit, das richtige Geschlecht zufällig zu treffen. Aber einfacher ist, zu zeigen und „Sie da in der gelben Jacke“ zu sagen.

Ein Personalpronomen hingegen einfach so nur basierend auf dem Aussehen zu wählen, bedeutet: Das Äußere eines Menschen definiert, wer diese Person zu sein hat, Rest egal.

Wenn das Äußere eines Menschen ein Peace-Zeichen, ein Hakenkreuz oder ein „Hallo, ich heiße Mycroft“-Schild ist, definiert das den Menschen natürlich nicht. Aber einen gewissen guten Willen vorausgesetzt sollte man annehmen, dass dergleichen äußere Zeichen etwas über die Person verraten.

Und so eine oberflächliche Einschätzung kann manchmal auch einfach falsch – und deshalb verletzend – sein.

Und?

Bei Namen machen wir das ja auch nicht so, oder?

Ähh, doch?

Hier ein Beispiel zur Veranschaulichung:

„Hallo Uwe!“ – „Ich heiße Margot.“ – „Auf dem Namensschild steht aber ‚Uwe‘.“ – „Ich heiße trotzdem Margot.“

oder

„Heil Hitler, Herr Sturmbannführer!“ – „Haben Sie mich gerade einen Nazi genannt?“ – „Naja, Sie tragen eine entsprechende SS-Uniform.“ – „Ob SIE MICH GERADE EINEN NAZI GENANNT HABEN, SIE LINKE ZECKE, FRAGE ICH?????“

Wenn wir das mit Namen hinkriegen, dann doch sicher auch mit Pronomen.

Wenn ich den Namen kenne, kann ich das Pronomen auch weglassen. Schlau.

Ein Gedanke zu “Wofür Pronomina gut sind

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s