Metakritik: taz und Dune

Nachdem ich mich selbst schon dazu geäußert habe, interessiert es mich natürlich, wie andere das sehen.

Najaaaa….

Fangen wir mal hiermit an.

Die Würze der Zukunft

In der Zukunft, wie „Dune“ sie erzählt, scheint die Ökologie von linkem Denken befreit. Sehenswert ist der Film von Denis Villeneuve dennoch.

Heißt soviel wie: „Es ist nicht ganz die politische Botschaft, die wir gerne hören wollten, aber sonst ganz nett.“ Was für ein Kriterium. Jetzt muss man dazu natürlich sagen, dass eine Geschichte, die eine bestimmte Politik propagiert, Gegnern dieser Politik natürlich eher nicht gefällt – aber das ist tatsächlich auch dem Umstand geschuldet, dass der Roman aus den USA der 60er stammt, und der Oberschurke mit Vornamen Wladimir chaißt. Wie links kann das schon werden? Das „marxistischste“ im Duniversum ist, dass Religion nicht nur Opium fürs Volk ist, sondern aktiv installiert wird, um Völker und Gesellschaften zu manipulieren, was allerdings zu einer Eigendynamik führt, der die Manipulierer nicht mehr Herr werden. Also hauptsächlich die Manipuliererinnen nicht mehr Dame werden, aber wen schert’s?

Als der Science-Fiction-Film „Dune“ auf den Filmfestspielen von Venedig Premiere feierte, hielten sich Euphorie und Skepsis vorab ein bisschen die Waage.

Keine Ahnung, was die meinen. Alleine die Details im Trailer waren sowas von vielversprechend. Ein Teil davon ist zwar leider nicht im Film gelandet, bzw. der Dialog, aber grundsätzlich – woher kommt die Skepzis?

Hat der Stoff, der gleichnamige Romanzyklus des US-amerikanischen Schriftsteller Frank Herbert, doch eine nicht eben glückliche Adaptionsgeschichte.

Jaaa, der Wiki-Artikel beinhaltet mehr Nicht-Verfilmungen als Doch-Verfilmungen, was jetzt schon auch an der sehr komplexen Vorlage liegt, aber die anderen Verfilmungen haben auch ihre Stärken. (Und grundsätzlich kann eine schlechte Verfilmung ein guter Film sein, oder umgekehrt…)

Jetzt folgt der kanadische Regisseur Denis Villeneuve mit seiner Neuverfilmung. Und wie deren Ende verspricht, sollen weitere Teile folgen.

Der Film endet mitten im ersten Band. Die Fortsetzungen leiden ein bisschen an Fortsetzeritis. Jedenfalls „verspricht“ der Film eigentlich nur eine Fortsetzung.

Neben Religion und Politik ist vor allem Ökologie eine Frage, um die das Geschehen auf dem Planeten Arrakis, dem Hauptort der Handlung, kreist.

Was „gute“ und „schlechte“ Adaptionen betrifft, gibt es besonders bei komplexeren Romanen viele Geschmacksfragen. Ich z.B. finde die Tricks und Intrigen besonders interessant (wie zum Geier wusste ihrwisstschonwer, dass die beiden mit genau DEM Thopter in die Wüste geschickt werden würden?), aber man kann natürlich auch die Fremen-Kultur oder die Ökologie oder den Charakterbogen am interessantesten finden.

Arrakis, der Wüstenplanet, ist bei Villeneuve als sorgsam verstaubte Sandödnis ins Bild gesetzt.

D’oh. Wisst Ihr noch, Game of Thrones? Die eisige Winterlandschaft nördlich der Mauer? Oder Smaugs Einöde, die tatsächlich öde war? Oder der Waldmond von Endor, der tatsächlich mit Bäumen bedeckt war?

Assoziationen zur Klimakrise auf der Erde sind vermutlich vom Regisseur erwünscht.

Nicht zum Afghanistan-Einsatz? Jaaa, dann… Hallo? Der Roman heißt auf deutsch „Der Wüstenplanet“. Das ist eine derartig zentrale Prämisse für die Geschichte, dass jedes andere Detail eher austauschbar wäre als DAS. Eine Welt, die aufgrund steigender Meeresspiegel zu 99% mit Ozean bedeckt wäre und deshalb „Der Wasserplanet“ hieße, mit riesigen Walen statt Sandwürmern, würde genausogut Assoziationen mit der Klimakrise auslösen. Und ja, ich habe Buchwissen, aber auch im Film wird ausgesagt, dass Arrakis bereits eine Wüste war, bevor Menschen dort ankamen. Es ist also keine menschgemachte Wüste. „Alle reden von ‚Dune‘, aber das ist ein blödes Vorurteil. Arrakis ist total divers! Hier gibt es Sandwüsten mit Dünen, ja, aber auch Felswüste, Steinwüste, Geröllwüste, Staubwüste, Sand-Fels-Wüste, Geröll-Stein-Wüste…“ – „Halt die Klappe, Chani!“

Und in der Zukunft hat sich im Hinblick auf die Ökologie im interplanetaren Maßstab nicht allzu viel geändert.

Und? „Wir haben keine Erde 2.0!“ – „Ja, aber Caladan ist auch schön!“

So ist zumindest Arrakis für die Herrscher anderer Planeten – in dieser Zukunft haben Adelshäuser die Demokratien abgelöst – vornehmlich eine gigantische Rohstoffressource.

Dies ist in der Tat Teil des Problems. Nur – ok, das ist jetzt wirklich Buchwissen – ist das einheimische Ökosystem der Grund, warum es Spice gibt, und wenn man ein terrestrisches Ökosystem einführt, geht diese Ressource einfach zugrunde. Also ist es ökonomisch, die örtliche Ökologie zu erhalten. (Windrad oder Artenschutz? Serengeti oder Viehzucht?)

Andererseits gibt es auf Arrakis die „Fremen“. Diese Menschen mit blauen Augen, die sich im Film ethnisch unterscheiden von den vorwiegend weißen Adelshäusern

Jaaaa, die arabisch inspirierten Einheimischen gegen das iranisch inspirierte Imperium. „Wieso sind die Fremen ’naiv‘? Die sind doch höchsten ’nativ‘?“ – „Nein, ich sagte, sie seien blauäugig! Total blauäugig!“

Und wie Villeneuve andeutet, sind sie sehr geschickt im Haushalten und Recycling von Ressourcen. Selbst die eigenen Körperflüssigkeiten und Ausscheidungen verstehen sie effektiv aufzubereiten.

Ok, Villeneuve ist bestimmt ein kreativer Regisseur, und der Film gefällt mir deutlich besser als die Blade-Runner-Fortsetzung, und ohne das jetzt schmälern zu wollen: das „deutet“ Villeneuve nicht „an“, das wird im Film gesagt. Und diese Aussage kommt direkt aus dem Buch.

Demokratisch verfasst sind auch sie nicht, stattdessen warten sie auf eine Art Messias

Fun-Fact: „Eden“ bedeutet eigentlich „Flussoase“, und im Koran ist das Paradies durch offene Bäche und Obstbäume gekennzeichnet. Dinge, die auf Arrakis deutlich Mangelware sind.

In der Zukunft, von der „Dune“ erzählt, sind Fragen wie der Klimaschutz mithin gründlich „vom linken Denken befreit“.

Ökologie und Klimaschutz ist nicht notwendigerweise links. Es ist ein linkes Thema geworden, weil die Industrie Hauptverursacher von Umweltverschmutzung war, und daher die, die gegen Industrielle für Arbeiter kämpfen, und die, die gegen Industrielle für die Umwelt kämpfen, Verbündete wurden.

Das passt zu der wuchtigen, an „Star Wars“ angelehnten Ästhetik

Ja, Dune hat sich schon immer an SW angelehnt. Durch den regelmäßigen Spice-Konsum war Herbert in der Lage, die Zukunft zu sehen, und hat daher bei SW alles abgekupfert. Einschließlich die ganzen Planeten mit Wüstenoberfläche.

unterlegt mit den repetitiven synthetischen Orchesterklängen von Hans Zimmer

Ok, die fand ich gar nicht so eingängig. Ich kann sie nicht nachsummen. Aber das ist jetzt kein Beinbruch.

Wie schon in seinem grandiosen Science-Fiction-Film „Arrival“

Den Film habe ich nicht gesehen, weil ich gespoilert bin. Und doof finde. Erstens, die PoMo-Idee, dass Sprache das Bewusstsein verändert (UND übermenschliche Fähigkeiten verleiht). Wie? Wenn Du die Sprache von Aliens lernst, die keine lineare Zeitvorstellung haben, weil sie in die Zukunft sehen können (oder sie können in die Zukunft sehen, weil sie keine lineare Zeitvorstellung haben), kannst auch DU in die Zukunft sehen (und verlierst Deine bisherige Zeitvorstellung). Genauso lernen Menschen mit Rot-Grün-Blindheit ja den Unterschied zwischen rot und grün, indem sie die Sprache ihrer rot-grün-sichtigen Mitmenschen erlernen. Nicht. Oder hey, angenommen, die Aliens hätten vier Geschlechter und ihre Sprache sieben Genera. Entwickelt Louise „Lane“ einen zusätzlichen Satz Keimdrüsen, sobald sie die Sprache spricht? Und zweitens finde ich es extrem traurig, dass man die Zukunft sehen, aber nicht verändern kann. Wie bitter ist das bitte? (Und ja, ich freue mich trotzdem auf den nächsten Dune-Teil…)

In technischer Hinsicht scheint diese Zukunft jedenfalls gar nicht mal unattraktiv.

Sach ich doch! Die Ornis sind super!

Das mit der Demokratie bleibt ein zu rettendes Projekt.

Ja, was soll ich dazu sagen? Das Spice muss fließen! Ohne Spice kein Price!

3 Gedanken zu “Metakritik: taz und Dune

  1. Ja, Dune und Klimawandel…

    Vielleicht sollten die grünen Taz-Leute mal die ganze Roman-Serie lesen.

    Die Würmer sind die einheimische Spezies von Dune. Wasser ist für sie giftig.
    Sowohl die Fremen als auch die Imperialen wollen den Planeten terraformen, um ihn an die menschlichen Bedürftnisse anzupassen. Ich bin mir nicht mehr sicher, aber ich glaube, die Imperialen kennen den Zusammenhang zwischen Würmern und Spice nicht.

    Das Ziehl, Regen auf Dune, ist also ein krasser, menschengemachter Klimawandel mit katastrophalen Folgen für die Fauna. Und nebenbei ein Problem für den Handel (die Raumfahrt), da dies ja die Spice-Produktion beendet.

    Tja, blos weil ein Volk indigen ist, heißt es nicht, dass es gut für die lokale Megafauna ist… Hat jemand Maori gesagt?

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s