Manchmal ist man einfach nur noch müde

Wenn man nämlich einmal, ein einziges Mal, eine Überschrift liest, die nach Empathie und so klingt.

MÄNNER SIND KEIN KRIEGSWERKZEUG

Ja, ich weiß. Oder: in Kriegen spricht man nicht von „Werkzeugen“, sondern von „Waffen“. Aber streiten wir uns nicht um Worte. Natürlich kriegt Nils es hin, diesen Spin um 180° zu drehen, oder wie die Redensart geht.

TW: Krieg und Flucht vor Gewalt

Ach, dafür gibt es eine Triggerwarnung? Dafür? Das Victim-Bläming, dass Männer natürlich einfach selber schuld sind, und den Feminismus bräuchten, um dem Krieg zu entkommen, triggert etwa keinen?

Sobald klar war, wie umfassend der Westen in Afghanistan versagt hat, kamen wieder all die “Doitschnationalen” aus ihren Löchern gekrochen, um sich darüber aufzuplustern, dass sie ja um ihr Land kämpfen würden.

Ohne die Doitschnationalen verteidigen zu wollen, aber einige von denen würden tatsächlich Doitschland verteidigen. Der Punkt hier ist, dass die Taliban im Unterschied zur NSdAP keine Partei ist, die legal in die Regierung gewählt wurde, sondern eine Partisanengruppe, UND dass es eigentlich eine afghanische Armee gab, deren Aufgabe es gewesen wäre, die Taliban zu bekämpfen. Ähnlich, wie die Bundeswehr NS-Partisanen im Taunus bekämpfen müsste, sollten dort welche auftauchen. (Welche Partei die Doitschnationalen in einem solchen Konflikt ergreifen würden, sei mal offen gelassen.)

Es gehe ja wohl nicht an, dass jetzt junge, kampftaugliche Männer zu “uns” fliehen würden, wenn sie doch mit der Waffe in der Hand ihre Heimat verteidigen könnten.

Es ist etwas komplexer – der eine Punkt ist, wenn jemand sagt, soe würde ios Land verteidigen, dann meint soe, nicht das Land anderer Leute. Warum sollte ein Doitschnationaler als die Problemevon Afghanen lösen müssen? Nicht, dass Doitschnationale Pazifisten wären, aber weder der Afghanistaneinsatz noch dessen unrühmliches Ende sind Schuld der Doitschnationalen, und Pickert verkürzt hier die Argumentation ein „wenig“.

Aber klar doch: Hier wird über Masken rumgejammert, Panik vor Impfungen geschoben und vom bösen Deep State gefaselt

Es gibt auch Menschen mit Arachnophobie. Angst ist generell nicht logisch.

aber sein Leben im Kampf gegen die Taliban zu riskieren, ist für die Kai-Uwes von der querdenkenden Rechtsfront eine Kleinigkeit.

Möglicherweise ist es das wirklich. Bis dato hat sich Pickert um seine Lösungsansätze herumgedrückt.

Immer, wenn irgendwo auf der Welt ein Konflikt in einer Region ausbricht, aus der eine gewisse Anzahl Geflüchteter sich bereits in Deutschland aufhält, geht die gleiche Leier los: Warum kämpfen denn die ganzen jungen Syrer nicht gegen Assad?

Es gibt eine Reihe von Gründen, es nicht zu tun. Welche das mMn sind, werde ich weiter unten aufführen, am Beispiel von Afghanistan. Der Punkt hier ist aber Pickerts Realitätsverlust. Angenommen, Doitschnationale würden von Afghaninnen erwarten, sie sollten sich Gewehre schnappen und die Taliban selber bekämpfen – hielte Pickert und Co. das für „Empowerment“?

Wieso bleiben die jungen Männer nicht in Afghanistan und verteidigen ihr Land gegen die Taliban? Wieso sollten sie?

  1. der fragliche Afghane ist eigentlich selbst Taliban bzw. ein Sympathisant
  2. der fragliche Afghane ist Talibangegner, sieht aber keine Chance auf einen militärischen Sieg
  3. der fragliche Afghane sieht Afghanistan als eine postkoloniale Konstruktion ohne gemeinsames Nationalgefühl, wie Belgien, und sieht keinen Sinn darin, dafür zu sterben
  4. der afghanische Präsident ist geflohen, was wie in den meisten Tabletop-Spielen zu einem Moral-Malus führt
  5. die Geschichte lehrt, dass Bürgerkriege die schlimmsten sind, und gegen einen ausländischen Gegner fürde der Afghane kämpfen

Die üblichen Doitschnationalen nehmen natürlich 1. an oder 2., wobei sie ihm Feigheit unterstellen. Aber sonst unterstellt Nils Männern, die nicht für Feminismus kämpfen wollen, ja auch, dass diese eigentlich selbst „Taliban“ seien, insofern tun sich Pickert und die Doitschnationalen wenig.

Und wie kommen Privilegienmänner in der Festung Europa eigentlich dazu, andere Männer verbal in den Krieg zu schicken

Tja, das soll eine rhetorische Frage.

Dafür gibt es zwei Gründe.

Sie wollen, dass die Afghanen in Afghanistan bleiben, und ihre Problem mit anderen Afghanen dort lösen. Aber das meint er nicht.

Zum einen ist da eine tatsächliche Kriegslust. Oder genauer formuliert: Eine Friedensmüdigkeit. Das hat hier jetzt alles schon viel zu lange gedauert, wir dümpeln so vor uns hin, nichts Aufregendes passiert.

Wenn das so wäre, wären die für Auslandseinsätze.

Dabei wird schon seit Jahren von gesellschaftlichem Umsturz und einer neu erstarkten Nation fantasiert, die sich durch die Umwälzungen eines Krieges realisieren sollen.

Ja? Ich dachte, die Merkel-Junta tauscht die autochthonen mit reptiloiden Arabern aus, und das formt einen Widerstand, der einen Partisanenkrieg führt, nicht unähnlich den Taliban?

 Angebliche “Männer der Tat”, die es heute in ihren tristen, kleinen Leben zu nichts bringen und kaum jemanden interessieren, könnten in glorreichen Kämpfen ihre Mittelmäßigkeit abstreifen und sich durch Stahl und Blut getauft zu neuem Heldentum aufschwingen.

Ich sehe den Unterschied zu den Taliban eigentlich immer noch nicht.

Kriege haben immer auch so funktioniert.

Die Doitschnationalen wollen, WENN, einen Bürgerkrieg. Sie zeigen selten irgendwelche Neigungen, nach Afghanistan, Syrien oder sonstige Krisengebiete zu ziehen, um die dortigen konflikte zu lösen. Also, ja, dass gewisse Leute von Kriegen profitieren, ist zwar richtig, aber das ist hier nicht der Grund, Afghanen in den Krieg zu schicken.

Ganze Generationen von Männern hielten es für unter ihrer männlichen Würde, in Frieden zu leben.

Ganze Generationen? Also jeder Mann, der in 30, 60 oder sogar 90 Jahrgängen in Folge geboren wurde? Das ist Quatsch und ein dummes, sexistisches Vorurteil.

Sie wollten raus, Abenteuer, Feinde töten, hochdekoriert werden und schließlich siegreich in die Arme einer sich nach ihnen verzehrenden Geliebten zurückkehren.

Ja, jüngere Söhne von Adeligen, Bauern und Handwerkern, die nichts zu ererben hatten, hatten wenig zu verlieren (außer Leben und Gesundheit) und viel zu gewinnen, nämlich Plündergut und, wenn schon keine verzehrende Geliebte, so doch zumindest eine Ehefrau.

So erklären sich beispielsweise auch die Fotos aus dem 1. und 2. Weltkrieg, auf denen sich begeisterte Soldaten von Zügen an die Front transportieren lassen

Ja, DAMALS hatten die Doitschnationalen aber auch massiv Werbung für die genannten Veranstaltungen gemacht. Insofern hat sich das sehr verbessert.

und von ihren Frauen in der festen Annahme Abschied nehmen, sie bald wieder unter einer Laterne zu küssen

Hmm, in den Fällen, wo das nicht geklappt hat, hat das aber eher nicht an der Frau gelegen, die ihren feschen, schneidigen Soldaten gegen irgendeinen Pazifisten eingetauscht hat.

Krieg als die ultimative Möglichkeit, die eigene Männlichkeit und Größe unter Beweis zu stellen. Der Welt zu zeigen, was in einem steckt.

Männer werden zur Risikobereitschaft erzogen, Frauen zur Vorsicht. Mehr Risikobereitschaft als in den Krieg zu ziehen, ist eigentlich nur durch Russisch Roulette zu erreichen. „Die Welt“ ist meistens eine Frau.

Wir erzählen Männlichkeit schon so lange auf eine so pervertierte Weise, dass diese Idee immer noch in den Köpfen von Männern steckt.

Die Geile Methode, wie zwischen Haupt- und Nebensatz das Subjekt steckt. „Wir“, dieses Wieselwort, „erzählt“ „Männlichkeit“, aber das steckt ausschließlich in den Köpfen von Männern. Wenn Frauen einfach andere männer als diese bevorzugen würden, wäre das schnell vorbei. Aber nein. Frauen müssen sich nicht ändern, das wäre frauenfeindlich.

Dabei müssten sie es besser wissen. Nie waren Kriege und die mit ihnen verbundenen Gewaltexzesse besser dokumentiert als heute.

Wenn es darum geht, die eigene Risikobereitschaft zu beweisen, ist das genau ein Grund, in den Krieg zu ziehen. Aber in der Ilias gibt es eine „Zeitlupenszene“, in der jemand einen Sperr seitlich in die Wange kriegt, und auf dem weg zwischen den Kiefern zertrümmert der die Zähne.

Trotzdem verfallen sie der “Emotionalität, Suggestionskraft und Sinnstiftungsdynamik” eines möglichen Kriegsbeginns, als hätte ihnen niemand gesagt, was Krieg wirklich bedeutet.

Weder die Doitschnationalen noch die Afghanen sind dem verfallen. Der Link funktioniert auch nicht, nebenbei, aber die Information, dass Krieg irgendwie unangenehm ist, ist beiden Gruppen bekannt.

So als wären sie die Söhne reicher Plantagenbesitzer aus den Südstaaten, die ihre Große Tour durch Europa unbedingt abbrechen mussten, um bloß nicht den Bürgerkrieg zu verpassen.

Jaaaa, was das betrifft – angenommen, ein Plantagenbesitzer kommt nicht zurück, und die Yankees gewinnen und schaffen die Sklaverei ab. Was wird dann aus seinem Erbe? Oder, die Yankees verlieren auch ohne seine Hilfe, aber sein Vater hat noch ein paar andere Söhne, die sich mehr eingebracht haben? Oder, der Krieg ist vorbei, alle (überlebenden) Männer prahlen von ihren Heldentaten, aber trotz Frauenüberschuss kriegt er keine ab, weil ein Mann, der sich in europäischen Bordellen durchbumst, während andere verbluten, irgendwie nicht so attraktiv ist. Auch, wenn er noch zwei Beine hat und zwei Augen und sonstige paarige Körperteile.

Bloß nicht zu spät zu kommen, wenn alle Ehre schon gewonnen ist.

Ja, niemand will Kameradenschwein sein. Hat schon auch mit Ehre und Gruppenzwang zu tun, und natürlich ist beides den Doitschnationalen und Afghanen nicht unbekannt, aber Pickert hat keine Empathie, sonst müsste er keinen Quatsch erzählen.

Und der zweite Grund ist, dass man(n) mit dem Leben anderer Männer gerne “großzügig” umgeht. Die sollen sich mal schön in die Schlacht werfen.

Wenn man Frauen in die Schlacht werfen würde, wäre das also besser? Macht keiner, ist klar.

Je mehr sie dabei als “Fremde” zu identifizieren sind, desto leichter.

Deshalb mussten Männer in Kriegen auch immer die Uniformen der Gegner anziehen, damit ihre Generäle weniger Mitleid mit ihnen haben. Heute ist es aber verboten, die fremde Uniform zu tragen, damit die Generäle zumindest nicht auf die eigenen Truppen schießen lassen.

Dann sitzt man(n) schön in seiner muckeligen Bude vor dem Rechner und identifiziert andere Männer als “untaugliche Weicheier”, als “Versager” und “Feiglinge”, weil sie nicht bereit waren zu kämpfen.

Der Unterschied ist, dass die Wohnzimmergeneräle im 1.+2. WK von anderen Männern wollten, dass diese die Interessen und Familien der Wohnzimmergeneräle verteidigten. In dem Fall wollen die Wohnzimmergeneräle, dass die Afghanen ihre eigenen Interessen und Familien verteidigen. Was natürlich auch dreist ist, aber nicht SO dreist.

Das nennt man Gratismut und es ist das Männlichkeitsgebalze derjenigen, die es nichts kostet.

Das stimmt zwar, kommt aber trotzdem von einer Gruppe, die von Männern erwartet, die Probleme von Frauen zu lösen.

Die ohne viel Aufwand in der Sicherheit der eigenen vier Wände andere durch billige Signale zur Kampfbereitschaft zum Krieg verurteilen. Zu Grausamkeiten, Angst, Gewalt, Verstümmelung und Tod.

Was mich zu der Frage bringt, wie Pickert meint, das Taliban-Regime, das nun quasi alle Klischees über das Patriarchat erfüllt, stürzen kann oder sollte, sofern das sein Ziel ist.

Auch Frauen beteiligen sich an dieser Missachtung des Lebens von Männern, für die man jetzt leider, leider nichts mehr tun könne, weil jetzt gehe es nun einmal um andere Prioritäten.

Auch Frauen. Ja, „auch“. Es gab und gibt pazifistische Feministinnen, aber über Wehrpflicht zu diskutieren, wenn man gar nicht gezogen werden wird, und niemals mit Haft und Hinrichtung bedroht wird, weil man nicht in einen Krieg ziehen will – das ist kein Gratismut, da kriegt man noch Geld nachgeschmissen.

Am 16.08. forderte Alice Schwarzer “jetzt nur Frauen als Flüchtlinge in Deutschland aufzunehmen“. Angesichts der Gefahr, die insbesondere Frauen unter der Schreckensherrschaft der Taliban droht, mag das zunächst wie eine nachvollziehbare Forderung erscheinen.

Ach, na sowas. Ok, Schwarzer kann das nicht wissen. Auch die Taliban betrachten eher Männer als Frauen als ihre Feinde. Dachte die, dass Männer sich an dieses Flugzeug festhielten, weil Männer einfach feiger sind als Frauen? (Ich fürchte, dass das tatsächlich so ist…)

Sie starben wie ihre Träume, den rettenden Westen zu erreichen.

Irgendwie klingt dieser Pathos sehr nach Verarsche.

Oder warum werden Männer hier wie Wegwerfprodukte behandelt, die man entweder ganz entspannt in den Krieg kommandiert oder deren Tod man billigend in Kauf nimmt?

Weil Männer keine Frauen sind. Frauen sind der begrenzende Faktor, Bevölkerungsverluste wieder auszugleichen. Freut Euch, mit Frauen wird man das nicht machen.

So als hätten sie kein Recht zu leben. So als würde niemand sie betrauern.

Tja. Gleich kommt die Versicherung, dass das Patriarchat auch Männern schadet, obwohl der „Vorwurf“ der Doitschnationalen der ist, dass die Afghanen ihren Frauen nichts nutzen.

Männer sind kein Kriegswerkzeug. Sie sind auch kein Materialschaden, den man zur Rettung von Frauen in Kauf nehmen kann.

Achwas? Dann kann ich mich also um meine eigenen Probleme kümmern, anstatt um die von Frauen?

Manche von ihnen begehen unfassbare Gräueltaten, anderen werden sie zugefügt. Und wieder andere haben mit all dem nichts zu tun.

Das ist ja gar kein Gruppendenken! Wie ist das möglich?

Wenn wir nicht endlich damit aufhören, Männlichkeit als kriegerische und blutdurchdränkte Heldenreise zu erzählen, dann wird das alles nie aufhören.

Doch. Ich kann einfach aufhören, Euch zu glauben, wenn Ihr von Heldenreisen erzählt.

Dann werden wir niemals herausbekommen, wie friedlich und gleichberechtigt wir miteinander leben könnten, wenn weder Frauen noch Männer für einen fanatischen, gewalttätigen Männlichkeitskult mit ihrem Leben bezahlen müssten.

Selbstgerechte Besserwisser wie Ihr sowieso nicht. Irgendwelche Allgemeinplätze über Zusammenhänge, die Ihr halb verstanden habt, aber als völlig durchschaute neue Erkenntnisse verkaufen wollt, sind nur das halbe Problem. Dass Ihr aber Männer als Kämpfer gegen Frauenprobleme wollt, aber nicht umgekehrt, ist das ganze Problem.

2 Gedanken zu “Manchmal ist man einfach nur noch müde

  1. Und wieder mal wird die Verantwortung der Frauen (z.B. als Mütter von Söhnen) ausgeblendet. Ein Beispiel einer reizenden Lady, die nicht die Ausnahme sondern die Regel darstellt:

    Jack FG. Wenn du nicht bis zum 20. in Uniform bist, dann existierst du für mich nicht mehr. Ethel M.

    … als Anzeige in einer Zeitung. Männer führen keine Kriege, sie werden geführt. Ich persönlich habe keine Lust auf Krieg, wie es mir dieser Widerling unterstellt, ich hänge an der Unversehrtheit meines Lebens, meiner Psyche, meines Körpers und es fällt mir im Traum nicht ein, für Frauen zu sterben, womit ich dann auch die ganze Verachtung des weiblichen Geschlechts ernte, ich nicht mehr für sie existiere: Held sein müssen.

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  2. Hätten wir in Deutschland auch nur ansatzweise ein marginales Bisschen Nationalstolz, würden wir sowas allein für „Doitsch“ nach Afghanistan abschieben. Da kommt dann ein Sack drüber, und es wird von tapferen Freiheitskämpfern durchgebumst, und gut isses.

    Mir werden die fucking Taliban sympathisch.

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