Wierdas

Bei Jetzt mal wieder.

Wir brauchen mehr weibliche Weirdos im Film

Ein weiblicher Weirdo wäre eine Weirda. Der geschlechterübergreifende Plural Weirdoas. Wie in Heteroas und Normaloas.

Sie gelten als sonderbar, eigenbrötlerisch und irgendwie unnahbar: „Weirdos“. Im echten Leben begegnet man ihnen in den unterschiedlichsten Formen und Gestalten.

Einige von ihnen sind Incels. Nicht notwendigerweise die super-frustrierten Hardcore-Incels, die alle Frauen und Chads und große Teile der restlichen Menschheit hassen, aber eben unfreiwillig enthaltsam lebende.

Je nach Zusammenhang wird der englische Begriff „weird“ mit „bizarr“, „kurios“ oder „seltsam“ übersetzt, ist also hauptsächlich negativ besetzt – und das völlig zu Unrecht.

Achwas? Weil Ihr Mainstream-Trullas das so seht, ist das schon fast alleine ein hinreichender Grund, das nicht so zu sehen. IHR sagt, dass das negativ sei. Ihr sagt, dass dies falsch ist. Wenn Ihr dabei merken würdet, dass Ihr Euch selbst kritisiert, wäre das Selbstkritik und Reflektion und lauter so herrliche Dinge. Aber so?

Denn warum finden wir manche Dinge eigentlich „weird“?

Weil Ihr Mainstream-Mitschwimmer seid. Weil Ihr Euch in der Gruppe am wohlsten fühlt. Weil Ihr gerne angepasst seid. Weil Ihr, selbst wenn Ihr über was nachdenkt, Euch erstmal in eine Pose stellt, als wäret IHR die Außenseiter, die die Masse kritisch hinterfragen…

Vor allem, weil sie sozialen Vorstellungen widersprechen. Das Auftreten oder Handeln von Weirdos weicht von der Norm ab.

Ja, Ihr seid aber schlau, dass Euch das auffällt. So richtig schlau und woke und aufgeklärt und intellektuell. Und argumentativ so unheimlich redlich.

Sie verwirren die Menschen um sie herum, weil sie sich in keine der üblichen Schubladen stecken lassen.

Ähh, das stimmt eigentlich nicht. Metal-Fans und Computerspiel-Nerds und Katzen-Ladys SIND Schubladen. Das Menschen davon verwirrt sind, ist deren mangelnden Bereitschaft geschuldet, die eigene Schublade (Mainstream) zu verlassen.

Genau das macht sie aber so großartig: Der Weirdo nimmt seine Andersartigkeiten an und macht einfach selbstbewusst sein eigenes Ding.

Ja, da wird jetzt Ursache und Wirkung vertauscht. Der Weirdo macht sein eigenes Ding. Das wird als „Andersartigkeit“ wahrgenommen. Mehr ist das nicht.

Wir sollten deswegen Weirdos vielmehr feiern – besonders die als weiblich gelesenen in Filmen.

Das Manic Pixie Dream Girl ist auch „weird“. Es ist tatsächlich nicht wie „andere Frauen„. Ist aber eigentlich nicht so die tolle Frauenfigur, aus Gründen, die auch bei männlichen werden Charakteren zutreffen können: der ganze Charakter, oder die ganze Motivation der Figur, wird auf genau „weird“ begrenzt. Die Frau, die gerne Metal hört, zu Konzerten geht, einen entsprechenden Freundeskreis hat und alles hat aber im richtigen Leben vllt. eine Metal-freie Familie, einen extrem normalen Job im Einzelhandel oder ist super in Origami. Im Film ist sie die, die den Hauptcharakter in die tolle Welt des Metal einführt, weil: Keks.

Man muss nicht Soziologie studiert haben, um zu wissen, dass wir vieles, was wir über soziale Hierarchien und Rollen wissen, gar nicht aus unserem eigenen Leben, sondern eigentlich aus Film und Fernsehen kennen.

„Allways two they are, ni more, no less.“ Sith-Hierarchien sind sehr flach, aber dysfunktional. Nagut, manche Dinge kennt man wirklich mehr aus Filmen als aus eigener Erfahrung, aber nicht alles, was man aus Filmen kennt, versucht man dann im eigenen Leben umzusetzen.

Auf den wenigsten Schulen in Deutschland gibt es beispielsweise Cheerleading-Kurse. Trotzdem weiß hier jedes Kind, dass ein „Cheerleader“ der Inbegriff eines beliebten Mädchens ist.

Wenn ich reflektiere, ist mir klar, dass das so nur in den USA zutrifft. Wenn ich richtig reflektiere, komme ich auf den Gedanken, dass die Cheerleaderinnen eigentlich auch nicht direkt beliebt sind, sondern eher beneidet, weil sportliche junge Frauen generell als mindesten hübsch gelten, wenn nicht als schön. Aber würde ein Mädchen in D. nur deshalb Cheerleaderin werden wollen?

Gesellschaft und Film beeinflussen sich also gegenseitig – und wenn wir also Darstellungen auf der Leinwand verändern, verändern wir am Ende vielleicht sogar uns selbst.

Ich setze einfach meinen inneren Hobbit frei. Was soll das? Erstens, wenn jemand sich selbst ändern wollte, wäre es einfacher, sich zu ändern als einen Film zu drehen, wie soe gerne sein würde. Zweitens, Erziehung als Unterhaltung  zu tarnen klappt meist mehr schlecht als recht. Drittens, manche mögen dann einfach den jeweiligen Film nicht. Jedenfalls, das Leben von Weidoas so darzustellen, dass man ihr Motivationen besser nachvollzieht, wäre ein ander Film als der, der zeigt, dass Weirdoas besser sind als Normaloas. Und dann gibt’s noch BBT. yayqoq!

Auch der Weirdo ist in Filmen ein gern genutzter „Trope“, also ein wiederkehrender Figurentyp.

Jaaaaaaaaa, alle Weirdos sind gleich. Ok, das ist wohl nicht gemeint, aber das Tropos des verrückten Wissenschaftlers oder des weisen Narren bezieht sich eigentlich nicht unbedingt auf den Nerd oder Metal-Mädel im RL.

Captain Jack Sparrow wäre so ein Beispiel, aber auch Gru aus „Ich – Einfach Unverbesserlich“, Yoda ist ein ziemlicher Weirdo, alle vier Ghostbusters…

Ok, liebe Redaktion, diese Weirdos (und Weirdas, was den neuesten Ghostbuster betrifft) sind sicher interessante Figuren und so. Aber versucht man, so zu sein oder zu werden wie die? Wenn ja, wer? WER???

Aber aufgepasst:

Wir werden später alle abgefragt.

Film-Weirdos ähneln manchmal einem anderen Stereotyp, nämlich dem sogenannten „Loser“ – nur dass der Weirdo eben nichts auf Popularität gibt.

Das ist nicht der Unterschied zwischen „Loser“ und „Weirdo“. Manche Loser-Typen sind eigentlich komplett angepasste Mainstream-Menschen, also absolut keine Weirdos. Manche Weirdos sind umgekehrt schon auf Popularität oder sozialen Status aus. Jack Sparrow legt gesteigerten Wert darauf, als „Käpt’n“ tituliert zu werden, selbst in Situationen, wo es darauf gar nicht ankommt, und es hat ihm auch geschadet. „Wenn Du Dich als ‚Käpt’n‘ bezeichnest, obwohl Du weder Schiff noch Crew hast, hast Du den Deal, der Dich zum Käpt’n machen sollte, als ‚erbracht‘ akzeptiert. Du warst vllt. ein sehr unglücklicher Kapitän, aber ein Kapitän warst Du. Jetzt ist Deine Zeit als Käpt’n jedenfalls abgelaufen und Deine Seele gehört mir.“

Und genau deswegen sollte man den „Weirdo“ auch nicht mit dem „Loser“ verwechseln: Während Ersterer sein Anderssein annimmt oder irgendwie stolz darauf ist, wäre Letzterer eigentlich lieber angepasst und beliebt, und leidet an seinem Dasein als Außenseiter.

In Film und Fernsehen gehen diese figuren fließend ineinander über. Im Richtigen Leben mag man für die Diskussion gerne einen scharfen Unterschied annehmen, aber weil ein richtiger Mensch komplexer ist als ein Tropos, ist der Unterschied trotzdem nicht so scharf.

Ihnen geht es im Grunde oft nur darum, flachgelegt zu werden. Der Status als „Jungfrau“ macht den zentralen Makel aus, weshalb sie als Außenseiter gelten.

Auch hier ist die Ursache und Wirkung eher eine andere. Oder, allgemeiner, im richtigen Leben ist die Wechselwirkung etwas komplizierter, und im Film kriegen die Typen praktisch immer keine Freundin, weil sie einen anderen „Makel“ haben.

Sie können den Druck, der auf einem lastet, sogar erhöhen, indem sie Sexlosigkeit und Unbeliebt-sein als Stigma, das automatisch ein unglückliches Dasein als Loser bedeutet, reproduzieren.

Ehrlich gesagt, sehr viele Außenseitergeschichten sind auf Seiten der Außenseiter, und das Losertum wird typischerweise irgendwie überwunden. Ob man allzu überzogene Geschichten tatsächlich als „empowernd“ sehen will, sei mal dahingestellt, aber die Unterscheidung „Weirdos = toll, Losers = doof“, die Jetzt hier aufmacht, ist eher das Weltbild von Jetzt und nicht von Hollywood.

So oder so ist „unangepasst zu sein“ im Film traditionell eher eine männliche als eine weibliche Domäne.

Hachja. Alles, was irgendwie gefährlich ist, wie Außenseiter sein, wird Männern zugewiesen. Wie frauenfeindlich.

Was für Frauen übrig bleibt, war (und ist!) viel zu oft nur die Rolle der Bewunderin oder des Liebesobjektes, mit dem stets eine gewisse Perfektion verbunden ist.

Nuuun, insofern würde ich Jetzt ja wirklich zustimmen. Frauen in Hauptrollen wären toll.

Als Vorbilder taugen diese Frauenfiguren nicht, stehen sie doch eher für das ultimative Angepasst-sein und damit das genaue Gegenteil von Individualismus.

Ja, aber nein. Erstens, müssen Figuren überhaupt Vorbilder sein? Zweitens, wenn Du, Du persönlich angesprochener Mensch ein Vorbild hast, dem DU nacheiferst, passt Du Dich dem doch an. Wie individualistisch von Dir. Drittens, ernsthaft? „Wir Frauen können uns nicht emanzipieren, weil wir keine Filme haben, in denen das vorkommt.“ Mit der Einstellung klappt das sowieso nie.

Weirdos im Film hingegen können uns dabei helfen, selbstbewusster mit unseren Eigenarten umzugehen, unsere Spleens zu akzeptieren und unsere Marotten sogar lieben zu lernen.

Ja? Ich dachte, es ginge darum, Vorurteile und Klischees über Männer zu reproduzieren. Die Incels bei BBT z.B., oder das Einzelgängertum eines James Bonds.

Ihnen zuzusehen, hat etwas Beruhigendes: Wenn man sich schon nicht komplett in ihnen wiederfindet, so haben wir doch alle Seiten an uns, die wir ungern offen zeigen.

Daran wird sich aber auch durch Filme nichts ändern. Warum sollte ein Incel im richtigen Leben, keiner von denen, die das Ende der Fahnenstange erreicht haben, aber meinetwegen Typen wie „40, männlich, Jungfrau…“ darüber reden (wollen)?

Tatsächlich haben zuletzt immer wieder weibliche Rollen die Ehrenrettung des Weirdos übernommen.

Ein Weirdo braucht keine Ehrenrettung. Es ist keine Schande, ein Mann zu sein. auch, wenn Jetzt das deknt, wegen Vorurteilen und so.

Die ausschließlich schwarz tragende Wednesday aus der „Addams Family“, die zynische Daria aus der gleichnamigen Animationsserie

Wednesday zählt nicht. Sie ist keine Außenseiterin in Ihrer Familie und deren Umfeld. Aber Daria ist tatsächlich  auf eine angenehme Weise weird. Hey.

Sie erweitern das Bild davon, was Frausein in Filmen und Serien bedeutet – und damit auch, was wir im wahren Leben als möglich oder sogar normal betrachten.

Wenn Ihr ein wenig wie Daria wäret, würdet Ihr nicht so viel dummes Zeug labern. Ihr seid Mainstream, Ihr wollt Mainstream sein, Ihr verbreitet Mainstream. Ihr wollt einfach fiktive Außenseiterinnen, weil es Euch ärgert, dass das sonst für Männer „reserviert“ ist.

Sie inspirieren dazu, mehr auf die eigene Individualität zu hören, egal was andere davon halten mögen. Sie ermutigen dazu, einfach mal so zu sein, wie wir wirklich sind.

Ja, guckt DEN hier halt. Jeder hat iosen Schutzengel, aber die sind nicht dafür da, unsere Kämpfe für uns zu bestreiten, sondern sie flüstern uns zu, fordern uns heraus, bringen uns dahin, dass wir unsere Kräfte selbst einsetzen. Du hast alles, was Du dazu brauchst – nun kämpfe!

Ein Gedanke zu “Wierdas

  1. Widerlich diese Mainstream-Trullas.

    Selbst nie den Schneid gehabt, mal individuell zu sein. Aber dann von den anderen fordern…
    @mycroft: ich lese Zorn und Verachtung in deinen Worten. Diese Gefühle teile ich.

    Like

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