Wie man dafür bestraft wird, sich um Figuren zu kümmern.

Der YouTube-Kanal Entertain the Elk hat ein Format namens „The day [Fernsehserie] dies“, also „der Tag (die Folge), als die-und-die Serie starb“.

Ist ein etwas pathetischer Titel, denn

  1. wenn einem eine Serie nicht mehr so gut gefällt wie früher, liegt das nicht unbedingt an der Serie, sondern vllt. auch an einem selbst
  2. selbst, wenn die Serie „objektiv“ nicht mehr so originell, lustig, spannend oder sonstwie schlechter als frühert ist, ist sie nicht unbedingt tot und
  3. selbst, wenn sie „messbar“ tot ist, kann man das nicht unbedingt an genau einer Folge festmachen, sondern eher einer Staffel

Also könnte man sicher argumentieren, dass die Folge, in der der Hund aus Family Guy gestorben ist, auch den Tod der Serie Family Guy markiert, aber die eine Simpsonsfolge, in der Rektor Skinner sich als Hochstapler entpuppt, weil der echte Seymour Skinner ein ganz anderer ist, der aber am Ende der Folge aus der Stadt getrieben wird und nie wieder auftaucht, jetzt zwar ein merkwürdiges Gefühl auslöst – jedenfalls bei mir, weil ich nicht weiß, wie ich das im Bereich Kontinuum, Nicht-Kontinuum oder was-auch-immer der Simpsons einordnen soll – aber nicht dazu führt, dass Simpsons als Serie tot sind, oder der Charakter namens Skinner. (Dass Maude Flanders tot ist, halte ich für viel einschneidender…)

Aber in dem Video fällt ein Satz, der mir sehr eindrucksvoll vorkommt:

„Es ist wie das Publikum dafür zu bestrafen, dass es aufmerksam ist.“

Oder, in einer späteren Formulierung, dass es sich um die Figuren schert.

Und das ist ein Symptom von etwas, was vielfach auch als „woke“ bezeichnet wird, aber ich finde nicht, dass das das Hauptproblem ist. Bei der einen Folge ist es vllt. einfach nur ein origineller Twist, den man einbauen wollte. Eigentlich, bzw. bis dahin, spielte die Simpsons immer in einer „ewigen Gegenwart“. Präsidenten, Technik und aktuelle popkulturelle Bezüge ändern sich, aber eine Folge hat keine entscheidenden Änderungen. Diese Folge auch nicht, obwohl sie sie haben müsste. Bis auf die ewige Gegenwart (und gelegentlichen Spezialfolgen (und leichten Übertreibungen)) ist Simpsons aber eigentlich in einem Universum angelegt, dass realistisch ist, und DA würde das nicht passieren. Soll das jetzt eine Parodie auf das eigentliche realistisch-unrealistische Konzept der Serie sein oder nicht?

Und der Eindruck, den ich habe, ist leider der, dass man sich darüber keine Gedanken gemacht hat. Das sollte natürlich keine Strafe für treues Fandom sein, oder dafür, dass man ausgerechnet Skinner mag. Aber es fühlt sich so an. Boah, ist das schon lange her.

Der Grund, warum ich damit anfange, ist der, dass dergleichen bei vielen anderen Serien vorkommt, und dass das häufig als „woke“ oder als Versuch gedeutet wird, Feminismus einzubauen. Und das tut dem Unrecht.

„Ghostbusters“ ist in vielerlei Hinsicht nicht so gut wie der erste Film (aber besser als der zweite), nur hat das für mich andere Gründe als das Geschlecht der Hauptpersonen. Es ist sicher pro-feministisch, aber nicht in einer Form, die es einen bereuen lässt, dass man Fan des Originals ist. Ähnliches würde ich bei ihr hier sagen.

Im Unterschied dazu:

Das mäßig begeisternde Ende von GoT ist jetzt nicht gerade das, was man als Feminismus-pro bezeichnen würde. Eine Schurkin, die quasi „schon immer“ Schurkin war, von der aller ersten Folge an, ist schon ein Bruch mit dem üblichen „Frauen sind gut“-Narrativ, aber eine Heldin und Sympathieträgerin wird böse. Einfach, weil die Macher das so wollten. Das ist mehr als ein „Bruch“, das ist ein Widerspruch!

Und das fühlt tatsächlich tatsächlich wie eine Strafe an: „Hey, Ihr mögt Dany? Weil die so ein netter Mensch ist und edle Ziele verfolgt und dabei die Verhältnismäßigkeit der Mittel wahrt und so? Na, dann passt mal auf, ihr Nazi-Gutfinder!“ Also nicht nur wie eine Strafe, sondern wie eine erzieherische Strafe.

Ähnliche Gefühle rufen z.B. Batwoman hervor, und dem Vernehmen nach die neue „He-Man“-Serie. Die habe ich nicht gesehen, aber die Beschreibungen klingen wie Parodien von auf „woke“ getrimmte Serien.

Mal sehen, wie der neue Bond wird.

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