Doch, dazu sagt man was!

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Es gab und gibt eine Menge Leute, die der damaligen rot-grünen Regierung die ganze Beteiligung am Afghanistaneinsatz zum Vorwurf machten. Diese Kritik kam auch (oder besonders) deutlich von Seiten der Basis und der Stammwähler dieser Parteien. Auch die Argumentation unter Merkel ist etwas unscharf. Wird unsere Freiheit am Hindukush verteidigt? Oder die der Afghaninnen (und evt. der Afghanen)? Wenn jetzt jemand sagt: „Beides!“, jaaa, ursprünglich ging es darum, dass man bin Laden fangen wollte, den die damalige afghanische Regierung nicht ausliefern wollte (und möglicherweise auch nicht konnte). Das hat sich später erledigt, weil man in in Pakistan erwischt hat, durch eine RL-Runde Counter Strike. Ich würde das gerne darauf zurückführen, dass die Obama-Regierung Dinge anders angeht als die von Bush jr, aber Pakistan ist ein Land mit 120 Mio. Einwohnern und Atomwaffen. Einen Krieg dagegen hätten die USA entweder gar nicht oder nur unter solchen Aufwand gewonnen, dass man bin Ladens Leiche hinterher nicht mehr hätte identifizieren können.

Wie auch immer, der jetzige Abzug und die Folgeprobleme lösen bei mir einerseits ehrliches Entsetzen aus, wie schnell 20 Jahre Krieg für die Katz waren, andererseits zynische Gleichgültigkeit. Und jetzt kommt die Standard.

In den vergangenen Jahren hatten rechtspopulistische wie auch konservative Parteien in Europa und in der Schweiz vorwiegend dann Frauenrechte auf dem Radar, wenn sie diese durch islamistischen Fundamentalismus bedroht sahen.

Tja, außer Trump – ja, ich find’s auch nicht gut.

Jetzt, wo dieses Szenario eine reale Gefahr ist, hört man allerdings kaum „Schützt die Frauen“-Rufe aus aus jenen Ländern, wo seit Jahren auf dieser Angstklaviatur gespielt wird.

Burkhas sind mWn in Pakistan teilweise Vorschrift. Die „Gefahr“ war also die ganze Zeit schon „real“. Aber, wie gesagt, Atombomben.

Keine Meldungen, Frauenrechtsaktivistinnen als politische Flüchtlinge Asyl zu gewähren und jene aus dem Land zu holen, die sich durch ihre politische Arbeit derzeit in höchste Gefahr bringen

Na, immerhin soll es Frauenquoten Frauenbevorzugungen bei den Flüchtlingen geben. Da hat sich der ganze Aktivismus ja schon gelohnt.

Was aber Hilfe für die anbelangt, die wegwollen, wegmüssen: Da ist kaum etwas zu hören. Warum? Weil es – um im Vokabular ebendieser Parteien zu bleiben – nicht „unsere Frauen“ sind.

Früher gab es für angehende Zivis Gewissensprüfungen. Zu meiner Zeit schon nicht mehr, aber die Argumentation war ungefähr die: „Wenn Du bereit bist, Deine Freundin mit Gewalt zu verteidigen, dann bist Du generell bereit, sie mit tödlicher Gewalt zu verteidigen, das wäre ja sonst sinnlos. Wenn Du das für Deine Freundin tust, kannst Du das für jede andere Frau tun, das wäre ja sonst unmoralisch. Wenn Du bereit bist, für irgendeine Frau zu töten, musst Du auch bereit sein, für sie zu sterben, das wäre ja sonst feige. Und wenn Du bereit bist, für irgendeine Frau zu kämpfen, zu töten und zu sterben, kannst Du auch Soldat werden, denn das ist ungefähr die Jobbeschreibung.“ Immerhin, die konservativen und rechten Politiker, die diese Logik propagieren, beschränken „irgendeine“ Frau auf Landsmänninnen. Die Standard fasst das jetzt weiter.

Doch wir sollten uns dann daran erinnern, wenn Parteien rechts der Mitte, christlich-demokratische und bürgerliche Parteien Europas, künftig wieder mal die Wahrung der Frauenrechte hochhalten, während sie jetzt keinen Anstalten machen, jene zu retten, die in Afghanistan in den vergangenen 20 Jahren mühsam Frauenrechte erkämpft haben.

Ja, die Frauenrechtlerinnen. Die haben mit der Knarre in der Hand gegen die Taliban gekämpft. Tote deutsche Soldaten, die aus Afghanistan überführt wurden, müssen trotzdem nicht gegendert werden, weil. Ach, es nervt einfach nur noch.

Die 29-jährige Frauenrechtsaktivistin Freshta Kohistani wurde schon 2020 ermordet, als es noch Gespräche zwischen der afghanischen Regierung und den radikalislamischen Taliban gab.

Ok, wie gesagt, es gibt feministische Pazifistinnen, die sind gegen Krieg bzw. bewaffnete Konflikte. Und es gibt welche, die je nach Verhältnismäßigkeit für oder gegen Militäreinsätze sind – unabhängig davon, wie ich das jeweils persönlich sehe, akzeptiere ich, dass man da verschiedene Standpunkte einnehmen kann. Hier wird aber die Machtübernahme durch die Taliban auf „Frauenfeindlichkeit“ reduziert, und nicht erweitert auf

  • Abschaffung der Rechtstaatlichkeit, soweit nicht im Einklang mit der aktuellen Scharia
  • Abschaffung der Demokratie
  • Abschaffung der freien Berufswahl, der Reisefreiheit, der Vertragsfreiheit, der Religionsfreiheit und anderer Freiheiten
  • Todesstrafe und Körperstrafen
  • insbesondere für Homosexuelle

Und die frauenfeindlichen Gesetze beschränken sich NICHT auf die Burkapflicht, ich will das nicht verharmlosen, aber ein Schwuler, der gefoltert und gehängt wird, ist möglicherweise trotzdem schlechter dran als eine Frauenrechtlerin.

Und was bekommen sie dafür … von Staaten, die die voranschreitende Gleichberechtigung von Männern und Frauen im eigenen Land so gern als Gradmesser für ihren Fortschritt vor sich hertragen?

Was soll das für ein Satz sein? (Ich vermute jedenfalls, dass das die Frage so ergänzen sollte.) Weil ICH in Afghanistan für Frauenrechte kämpfte, verdiene ich die Hilfe von sagen wir Kanada?

Auch der Parteiobmann der Grünen und Vizekanzler Werner Kogler weicht im ORF-„Sommergespräch“ der Frage mehrmals aus, ob es nicht höchste Zeit wäre, Frauen, Kindern und Frauenrechtlerinnen Sicherheit in Österreich zu bieten.

Genau, Frauen, Kinder und Frauenrechtlerinnen zuerst. Nicht ALLE Frauenrechtlerinnen sind Frauen. Ansonsten schlauer Move – wenn alle Frauen und Kinder auswandern, sterben die Taliban von alleine aus.

Dabei müsste es für eine der wenigen Parteien, die sich explizit feministisch nennen, das Mindeste sein, für die nun besonders bedrohten Frauen schnellst möglichst ins Tun zu kommen.

Frauen besonders betroffen. Immer!

Scheißt auf Schwule, Söhne von Ortskräften und alle anderen, die nicht hundertpro auf Eurer Linie sind. Ihr seid eine Lobby.

4 Gedanken zu “Doch, dazu sagt man was!

  1. „Früher gab es (…) Gewissensprüfungen.“ Mal wieder präzise beschrieben. Mir fiel dazu Degenhardts „Im Rahmen der freiheitlich-demokratischen Grundordnung“ ein, der eine solche „Prüfung“ nachspielt.
    Allerdings habe ich den Eindruck, dass es sowas auch heute noch gibt, wenn auch nicht „zur Landesverteidigung“, sondern zum Schreiben von (politischen) Kommentaren. Nur wer das Primat der Frau akzeptiert, hat die Chance dazu.
    In den Kommentaren beim Standard allerdings gibt es durchaus den Vorschlag, endlich eine feministische Armee zu bilden, die besser machen könnte, was anscheinend nur die männlichen Soldaten verbockt haben.

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  2. „Dafür werden die Islamist*innen im öffentlich/rechtlichen jetzt gegendert, politisch korrekt.“

    Wieso auch nicht, es gibt ja durchaus weibliche Islamistinnen.

    https://www.rt.com/news/505295-pakistani-girls-school-beheading-france/

    „A girls’ religious school in Islamabad staged a mock beheading in front of its young students as a cleric preached that Muslims would exact vengeance on France – and on the West in general – for “insulting” Prophet Mohammed.

    A woman in full face veil uses a scimitar to behead an effigy in front of hundreds of assembled students, many holding signs sporting protest slogans, in video posted to the official Facebook account of Jamia Syeda Hafsa, a Pakistani girls’ seminary, last week.“

    TV Host Hala Samir on Muslim Brotherhood TV: Homosexuals Should Be Killed – Burned Alive

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