Das sagt der richtige

Ich habe mir, persönlich, im Schweiße meines Angesichtes und auf eigene Rechnung den Spiegel gekauft mit

Papa kann das schon alleine

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Der Titel und das Bild dazu suggerieren natürlich, dass das „das“, das Papa schon alleine kann, eher nicht so toll ist; und die Leute, die sich darüber aufregen, entweder die sind, die sich über die Verniedlichung ärgern, oder aber die, denen die Abwertung nicht weit genug geht.

Wie er hier.

Enttäuschend. Einfach nur enttäuschend. Das Nachrichtenmagazin Spiegel bringt mal wieder einen Väter-Titel

„Mal wieder“ heißt „den fünften in drei Jahrzehnten“, d.h., die Väter vom ersten sind inzwischen z.T. Großväter, bzw. ich weiß nicht ganz, wieso „Töchter gegen die Mutter“ ein Väter-Titel sein soll, und dann wären es vier in rd. dreißig Jahren. Das wäre ein Durchschnittsintervall von 10, in Worten zehn! Jahren.

und dann sieht der so aus: Mütter-Bashing blabla

Ja. Ein richtiger Väter-Titel, also einer, der den Titel auch verdient hat und nicht enttäuschend ist, sieht dann so aus: „Väter-Bäsching, blabla“

was Frauen alles tun sollten, um Männer nicht davon abzuhalten, supergeile Väter zu sein.

Ich habe den Artikel gelesen, und eigentlich geht es um Dinge, die Mütter lassen sollen. Aber eine Stelle ist die: „Auf den berechtigten Ruf nach neuen Vätern, schwant nun den Frauen, kann die Antwort der Mütter nicht sein: Ich will so bleiben, wie ich bin.“ Und da Pickert einen Feminismus vertritt, der bei Frauen überhaupt keinen Änderungsbedarf sieht, was bei handelsüblichen Feminismen aber auch kein Alleinstellungsmerkmal ist, passt ihm das natürlich nicht.

Neue Väter in alten Klischees.

Es ist nicht die Schuld der neuen Väter, dass es diese Klischees gibt, und eigentlich auch nicht die des Spiegels.

Was an Zeit und Geld in diesen Titel geflossen ist, möchte ich mir lieber nicht ausmalen. Und schon gar nicht, was dafür stattdessen alles hätte aufgefahren werden können.

Ich vermute, dass sich diese Investition für den Spiegel gelohnt hat. Bzw., dank Pickerts Beitrag hat er mindestens einen Käufer dieses Heftes gewonnen. Dass Journalismus tatsächlich eine Methode ist oder zumindest sein kann, Einnahmen zu produzieren statt (oder zusätzlich zu) die Leserschaft zu erziehen, ist ein Gedanke, der Pickert offenbar wesensfremd ist.

Es ist nicht der erste Väter-Titel, den der Spiegel bringt. Zwei sogar unter der gleichen Schlagzeile “Sind Väter die besseren Mütter”.

Also „nein“. Titelfragen immer verneinen, so gebietet es die Tradition, dann liegt man normalerweise richtig.

So tief ist man bereit inhaltlich einzusteigen.

Jaaa, wie

SIND SEXISTISCHE SPRÜCHE UNTER MÄNNERN IN ORDNUNG?

Antwort: Nein?

Gut, das Thema wird naturgemäß nicht so qualitativ hochwertig aufbereitet wie die wenigen Mütter-Titel des Spiegels – also mit nackten Tatsachen zum Beispiel.

Jetzt bin ich aber neugierg – welcher Spiegeltitel über Mütter wartete mit „nackten Tatsachen“ auf?

Wobei: Bei nochmaligem Nachdenken eigentlich nicht. Eigentlich reicht es jetzt mal mit diesem unfassbar ausufernden Geschwätz darüber, wie sehr die armen modernen Väter daran gehindert werden, sich in Care-Arbeit und Erziehung richtig einzubringen.

Wechselmodell?

Nicht, dass wir uns missverstehen: Als Vater von vier Kindern freue ich mich darüber, wenn man mich in meinem Kümmern und meinen Haushaltskompetenzen auch wahrnimmt

Aber Väter von nur drei Kindern sollen gefälligst die Klappe halten. Jaja, da gibt’s nichts misszuverstehen. Aber, wer ist „man“? Deine Frau? Deine Kinder? Irgendwelche Dritte? Der Spiegel? Wer???

mich nicht qua Geschlecht dazu verdammt, in diesen Dingen nur als Aushilfskraft dienen zu dürfen, weil mir angeblich “das Mütter-Gen” fehlt.

Die einzige Person, der Du diesbezüglich dankbar sein musst, ist Deine Frau. Und wenn DU, lieber Nils, eine Frau hast, die so ist, ist das ja schön für Dich und Deine Kinder, hilft aber niemanden sonst

Ich brauche kein “Wo ist die Mutter?!” Gezische, wenn ich meine Kinder zur U-Untersuchung bringe.

Braucht niemand. Gibt’s aber offensichtlich trotzdem, woll?

Ich brauche auch keine Bildungseinrichtungen, die einfach nicht raffen wollen, dass sie bei Fragen und Notfällen mich und nicht die Kindesmutter zu kontaktieren haben.

Dito. Aber gut, wenn hier das Argument wäre, dass die Mutter nicht immer oder nicht ausschließlich das Problem ist, sondern andere Personen, Institutionen oder „die“ Gesellschaft im Kollektiv, und dass die sich ebenfalls ändern müssten, so dass die Fokussierung des Spiegels auf Mütter hier zu eng oder unfair sei, wäre das ja eine inhaltliche Kritik, der ich tatsächlich folgen würde. Aber nunja.

Was ich aber auch ganz sicher nicht brauche, ist dieses Abfeiern dafür, dass ich hier nur meinen Job mache.

Abfeiern? Der Artikel selbst feiert Väter nicht ab. Er macht sich z.T. über sie lustig. Einige Probleme ignoriert er sogar. Ich habe absolut keine Ahnung, was er mit „abfeiern“ meint.

 Ich bin in der Erziehungsarbeit kein Rennpferd, mit dem man vorsichtig umgehen muss und das nur selten zum Einsatz kommt, wenn es darum geht, Trophäen zu gewinnen.

Die Metapher mag bestimmt auf irgendwen zutreffen, aber nicht auf das, was der Artikel darstellt. Es geht darin nicht darum, Väter nur zur „Trophäenjagd“ einzusetzen. Die Eingangsgeschichte ist ein Vater, der mit dem Kind auf den Spielplatz geht, und dann einen Kontrollanruf der Mutter kriegt. Die „Forderung“ hier ist nicht, dass der Vater irgendwie gehätschelt werden sollte, oder dass die Mutter anrufen solle, um ihn zu loben oder „abzufeiern“, sondern einfach einen erwachsenen Menschen wie einen erwachsenen Menschen zu behandeln.

Ich bin genauso ein Ackergaul wie meine Lebenskomplizin, wenn es darum geht, die Dinge am Laufen und die Kinder zufrieden zu halten.

Dies, liebe Kinder, merkt Euch bitte. Seine Frau will ebensowenig wie er selbst kein „Abfeiern“ wenn sie nur seinen Job macht.

Aber gerade das scheinen viele Väter eben nicht sein zu wollen und das entlarvt der Spiegel-Titel, wenn auch unfreiwillig.

„Viele“ Väter. Im Folgenden zitiert er Stokowski, die tatsächlich aus dem Spiegel zitiert, wobei ich nicht weiß, ob sie sich ein Abo gekauft hat, oder ob der Spiegel Mitarbeiter mit Gratis-Abos belohnt.

ohgott der Mann tut mir so leid, das hat er nicht verdient, nicht extra dafür gelobt zu werden, dass er sein Kind betreut, es bricht mein Herz in tausend Stücke …

„‚Die Mütter waren nicht unfreundlich.‘ sagt Meyer, ‚Aber sie haben sich nie für mich interessiert.'“

Ich lese das so, dass niemand sich mit ihm unterhalten hat, weder darüber, wie er „das mit seinem Kind“ macht, oder „Cool, endlich mal ein Vater“ sagt, noch nach seinen Namen fragt oder sonstwie sozial interagiert. Ich gebe Stokowski hier aber tatsächlich insofern recht, dass es Männern, die für Care-Arbeit kein Interesse ernten, nicht grundsätzlich schlechter geht als Frauen. Aber dann muss ich bei pinkstinks hieran denken.

Väter wollen zu oft der Joker sein.

Nein.

Das Spezialwerkzeug, das Sonderkommando, das Elternextra in einem zähen, endlosen Tag. Von den Mühen der Care-Ebene wollen nur die wenigsten wissen.

Nein. Noch nicht einmal der Meyer, der mit seinem Kind regelmäßig zum Babyschwimmen geht, dürfte sich als „Spezialwerkzeug“ sehen. Oder als sowas militärisches wie „Sonderkommando“.

Von 14 Mal die Woche kochen, weil fucking Pandemie ist und die Kinder ständig warm essen wollen.

Die Anekdote vom Meyer ist 18 Jahre her. Und ich habe als Kind praktisch nie zweimal täglich warmes Essen bekommen, und als Erwachsener, wo ich es mir aussuchen könnte, auch nicht. Und man muss auch nicht zweimal kochen, sondern könnte beim zweiten Mal auch aufwärmen. Aber hey, Nils, für jemanden, der kein Lob farmen will, gehst Du ja echt ins Detail.

Von 22 Uhr Putzrunden, damit die Wohnung am nächsten Tag nicht wieder aussieht als hätte ein Oger reingekotzt.

Schwiegermutter? Einen Euro in die Klischee-Spartruhe.

Von Hausaufgaben, Wutanfällen, Periodenschmerzen.

Zwei davon kenne ich auch, und ich habe keine Kinder…

Von sich auf die Toilette flüchten, damit man einen Moment lang ungestört vor Erschöpfung weinen kann, bevor man wieder rausgeht und in den Bedürfnissen seiner Kinder ertrinkt.

Meyer hat drei Söhne. Was die Arbeit natürlich 25% leichter macht als Pickerts.

Der Beleg dafür, dass Väter heute in ihrer Rolle von Müttern nicht ernst genommen werden, ist also der fehlende rote Teppich beim Babyschwimmen für Micha vor 18 Jahren – echt jetzt?

Nein. Das behauptet weder Stokowski nocht der Artikel selbst.

Die Lösung dafür, dass Männer jetzt aber mal so richtig reinhauen, sollen Frauen sein, die sie noch mehr loben,

Wieso „noch mehr“ loben? Wieviel Lob gibt es denn? Und wenn Väter beim Babyschwimmen weder gelobt noch ignoriert würden, wäre das ja auch ganz schön.

noch mehr machen

Jein, mehr Erwerbsarbeit, aber weniger Care-Arbeit. Darauf läuft es ja hinaus.

und sich ansonsten vor allem mit Kritik zurückhalten?

Jemanden hinterherzutelefonieren, damit der nichts falsch macht, ist ziemlich harte Kritik. So behandelt man keine „Aushilfskraft im eigenen Leben“, sondern höchstens den Praktikanten.

Schöne Idee, fangen wir doch gleich mal damit an. All die Frauen, die gerade den Mehraufwand bei der Betreuung ihrer Kinder auffangen, hören am besten sofort auf damit.

Non sequitur.

Ansonsten, der Wurm muss dem Fisch schmecken, nicht dem Angler. Wenn Pickert will, dass sich Väter um ihre Kinder kümmern, warum stellt er Care-Arbeit weiter oben als die schlimmste Arbeit von allen dar? Das ist nicht nur kein Argument für väterliche Elternarbeit, sondern eines gegen Kinder.

Wird super. Die machen das sicher nur, um die Väter zu übertrumpfen.

*Schulterzuck. Wenn die Kinder nur einmal täglich warmes Essen kriegen, sterben die bestimmt auch nicht.

 Und um an dieser Stelle die üblichen #notallmen Einwände abzufrühstücken: Ja sicher, not all men. Es gibt mit Sicherheit Mütter, die die Väter ihrer Kinder überkritisch beäugen und sie regelrecht von der Erziehungsarbeit fernhalten…

Tja. Es gibt bestimmt auch Mütter, die überkritisch beäugt werden müssten. Und hier geht es tatsächlich in erster Linie um Paare, nicht um Scheidungseltern…

Aber erstens: Was für eine Überraschung! Ein Geschlecht, dem beigebracht wurde, dass es vor allem durch Mutterschaft, Hausarbeit und Kümmern Anerkennung erfährt

Welches Geschlecht soll das sein? Frauen erzählen doch immer, dass sie keine Anerkennung für Care-Arbeit kriegen.

 reagiert womöglich besitzergreifend, wenn das andere Geschlecht in dieser Domäne Verantwortung übernimmt.

Achwas. Niemand hat behauptet, überrascht zu sein, außer denen, denen gesagt wurde, wie scheiße Care-Arbeit sei, und die das glaubten. Denn, wenn ich einen Horrorjob habe, und wer anderes bietet mir Hilfe an, ich bin schneller weg als der Typ bei der Kreuzigung im Leben des Brian.

Und zweitens: Ist das wirklich mehrheitlich so?

Gut, manchmal liegt es auch an anderen Leuten. Die Mütter im Schwimmkurs grenzen ja nicht die Väter ihrer eigenen Kinder aus. Die Schule, die lieber mit der Mutter spricht und wer nicht alles.

Sind Mütter tatsächlich diejenigen, die Väter davon abhalten, den nervigen, anstrengend, beängstigenden und gelegentlich überraschend ekligen Teil der Care-Arbeit zu leisten?

Also, die Tatsache, dass es solche Mütter überhaupt gibt, rechtfertigt den Artikel. Achja, und die Arbeitgeber, die lieber einen männlichen Elternteil rausschmeißen, das Elternzeit nehmen will, als einen weiblichen.

Oder handelt es sich nicht vielmehr um “Paternal Underperforming” wie die Autorin Anne Dittmann schreibt?

Ok, lieber Nils, Du hast den Artikel gar nicht gelesen, kann das sein? Aber Du hast Statistiken? Sonst ersetzt Du hier bestenfalls ein Narrativ mit einem anderen.

Der CDU-Politiker Michael Panse, der vom Spiegel dazu mit zwei anderen Vätern befragt wird, hat dazu eine klare Haltung.

Ja. Von drei Vätern wird der zitiert, der die eigene Meinung bestätigt.

Also wie kommt es, dass sich Väter erst nach Trennungen informieren und organisieren?

Ja, das ist wirklich nicht so richtig schlau.

Wieso sind all diese Dinge oft erst dann Thema, wenn es für die Beziehung zu spät ist?

Weil das Wechselmodell kein Standardmodell ist. Und ja, dass ist nicht nur die Schuld von Frauen, sondern auch von Männern.

Und wieso helfen wir ihnen als Gesellschaft auch noch dabei, an dieser Joker-Rolle festzuhalten,

Weil Ihr als Gesellschaft auch nicht so schlau seid. Bzw., weil Ihr schon schlau seid, aber merktet, dass mehr Männer in der Care-Arbeit mehr Frauen in gefährlichen Berufen bedeuten.

in der sie sich dann ausgiebig darüber beschweren, nicht die Quality-Time mit ihren Kindern zu haben, während sie wie selbstverständlich annehmen, dass Mutti den ganzen Rest schon machen wird?

Dies ist ein Fehlschluss analog zum Ebonier-Syllogismus aus dem Dilbert-Prinzip:

  1. manche Ebonier engagieren sich im Tierschutz
  2. manche Ebonier tragen Pelze
  3. alle Ebonier sind Heuchler

Aber Männer nicht als homogene, amorphe Masse wahrzunehmen ist ja richtig Arbeit. Dann lieber Kochen.

Anstatt zu fragen, was Frauen tun müssten, damit Rennpferdpapa häufiger zum Einsatz kommen kann und sich in der Box wohler fühlt

Weniger tun. Meinetwegen sogar streiken.

versuchen wir es ausnahmsweise mal mit den eigentlich viel interessanteren Fragen:

Wer ist „wir“, und wenn pinkstinks, wieso „ausnahmsweise“?

Wer wollen wir als Väter sein?

Offenbar doch nicht „pinkstinks“. Wer ist „wir“?

Wo können wir uns einbringen, wie Verantwortung übernehmen?

Überall?

Was kann ich tun, damit das alles funktioniert?

Du kannst weniger rumjammern und mehr Werbung für Vaterarbeit machen. Wenn Du wolltest.

Und worauf genau warte ich eigentlich?

Keine Ahnung. Du hast vier Kinder.

Denn irgendwann ist es zu spät.

Biologische Uhr und so. Jaja, ich suche mir keine allzualte Frau fürs Leben.

Vaterschaft heißt zu lieben und sich zu kümmern, solange Atem in einem ist. Und nicht Applaus für Luftholen zu erwarten.

Nächste Woche wieder: „Warum wird Care-Arbeit nicht wertgeschätzt?“

2 Gedanken zu “Das sagt der richtige

  1. Dem Pickert würde ich wünschen, dass er eine Trennung durchmacht und dann den Unterhaltssklaven geben muss plus Entfremdung von den Kindern. Denn solange das nicht passiert, wird er bei der Position bleiben, dass das keinem Mann widerfährt, der in Ordnung ist, denn niemals würde eine Mutter diese Machtfülle ausnutzen, weil besserer Mensch…

    Aber den Kindern wünsche ich es nicht.

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