Kleiner Mann, und nun?

Kleine Männer, was macht eure Größe mit euch?

Bei jetzt. Weil kleine Männer hilflose Opfer ihrer Größe sind. Oder würde jemand fragen, was eine große Körpergröße mit großen Männern macht? Also, langen Männern?

Wie geht es euch beim Dating und im Job mit eurem Kleinsein?

Als ich Zivi war, lag im Pausenraum „Im Westen nichts Neues“. Vermutlich als Trostpflaster. Jedenfalls wurde darin spekuliert, dass große Ausbilder miese Mistkerle sein können oder ganz ok, kleine Ausbilder aber IMMER mies sind, jedenfalls gab es rein empirisch keine Gegenbeispiele. Das hat mich etwas gewurmt, bis ich später herausfand, dass der durchschnitliche Rekrut im 1. WK 1,60 m groß war, und ich bin 1,75, yayqoq! Jemand, der Rekruten im 1. WK also „klein“ vorkam, hätte man 70 Jahre später gar nicht mehr gezogen. Ich gehe jedenfalls davon aus, dass Himmelstoß unter 1,55 m groß gewesen sein muss – willkommen bei T5!

Und stimmt es, dass kleine Männer fehlendes Selbstbewusstsein kompensieren – zum Beispiel durch Machotum?

Warum sollte kleinen Männern Selbstbewusstsein fehlen, wenn nicht darum, dass sie von Leuten wie Euch gemobbt werden?

mit 14 war ich verknallt. Er war 16, cool, witzig, hatte einen gepimpten Roller – und war mindestens einen Kopf kleiner als ich.

Hach, kennt Ihr Captain Amerika? Der Film? Wo er so ziemlich alle Ausmusterungsgründe hat, die die US-Streitkräfte akzeptieren, außer „Uterus, Brille, Hörprobleme und Rollstuhl“? Und wo klar ist, bevor man IHN zieht, muss noch alles mögliche anderes passieren: große Teile von Armee, Kriegsmarine, Luftwaffe und Marine-Corps sind gefallen oder gefangen, Nazideutschland ist zu Nazi-Europa geworden und mobilisiert eine Flotte, die den Atlantik überquert, all die mutigen, jungen Frauen kriegen Knarren in die Hand gedrückt, und alle Männer, die nur die Hälfte der Gesundheitsprobleme von Klein-Steve haben, um die Deutschen schon am Strand zu erschießen, und wenn die auch alle tot sind, dann wird Rogers doch gezogen und darf die weiße Fahne schwenken, um für den Staat und die Stadt von New York zu kapitulieren. Nagut, wird nicht explizit gesagt, aber weder Armee noch Frauen halten ihn für irgendwie besonders hilfreich.

Nachdem wir endlich geknutscht hatten, fragten mich meine Freundinnen, ob es nicht komisch gewesen wäre, einen kleineren Jungen zu küssen. Und ehrlich gesagt: Ja, es kam mir damals ein bisschen komisch vor.

Jaaaa, body-shaming!

Denn als normal gilt: Der Mann ist groß. Größer als die Frauen in seinem Leben.

Tja, als Steve Rogers zu Captain Amerika wurde, war sein Erfolg bei Frauen deutlich größer. Schade, dass er eigentlich zu schüchtern ist. Und zu beschäftigt.

Studien haben nachgewiesen, dass Hetero-Frauen größere Männer als Partner bevorzugen.

Ja, hey. Die eine Sache, für die man keine Studien braucht. Aber selbst wenn das offenbar an den Frauen liegt, und nicht an der patriachaischen Weltverschwörung, sucht Ihr den Fehler ja trotzdem nicht bei Euch und überdenkt Eure Präferenzen, oder?

Und auch heute, wo Frauen die gleichen Jobs haben wie Männer, wir schon lange nicht mehr sammeln und jagen müssen und auch keine Beschützer brauchen, hält sich diese Vorstellung offenbar hartnäckig.

Ja, Female Choice und so.

Das sieht man auf Tinder. Da geben nämlich die meisten Männer ihre Körpergröße schon direkt im Profil an, neben Name und Alter.

Es kommt halt auf die Größe an, nicht wahr?

Meistens ergibt sich das mit der Größe von alleine: Durchschnittlich sind Männer in Deutschland nämlich 1,80 groß, Frauen werden durchschnittlich nur etwa 1,65.

Ja, auch die Körpergröße wird nämlich gesellschaftlich konstruiert. Muss man wissen.

Und es geht dabei nicht nur ums Größer-als-Frauen-sein: Kleinen Männern wird ein schwieriger Charakter nachgesagt.

Ja, die Scheiß-Spaßbremsen lachen nicht mit, wenn man sie auslacht. Merkt Euch das, liebe Kinder, wenn jemand Vorurteile über Euch habt, dann müsst IHR Euch rechtfertigen, nicht die mit den Vorurteilen.

Es heißt, sie hätten Probleme mit dem Selbstbewusstsein (tiny man syndrom) und dass sie das kompensieren, indem sie besonders gemein und machohaft auftreten.

„Im Westen nichts Neues“ ist ein Roman. Die Figuren sind sicher realistisch, aber weniger konkreten Personen im richtigen Leben nachempfunden, sondern eher typischerweise vorkommenden Charaktereigenschaften der damaligen Soldaten. Bestimmt gab es irgendwo einen kleinen Feldwebel, der kein Arschloch war, und bestimmt gab es auch kleine Feldwebel, die nie gemobbt oder ausgelacht wurden, und TROTZdem Arschlöcher wurden. Aber hey, muss ich jetzt euch erklären, warum Vorurteile schlecht sind?

Stimmen die Vorurteile denn? Was macht das mit euch, wenn ihr klein seid?

Erstens, falls die Vorurteile stimmen sollten, wären die Betroffenen nicht unbedingt die, die einem das sagen. Zweitens, diese Voruteile schaden kleinen Männer eher mehr als die Körpergröße an sich.

Oder zumindest: Kleiner als viele Frauen? Woran merkt ihr das im Alltag – auch außerhalb des Datens, also zum Beispiel im Job?

In meinem Job ist das kein Problem.

Gibt es unangenehme Situationen vor hohen Supermarktregalen?

??? Wenn eine durchschnittlich große Frau da dran kommt, schaffe ich das auch.

Und: Habt ihr schon mal eine größere Frau gedatet?

Nö. Aber wenn doch, würde man mir das als Machotum auslegen.

als ich gefragt wurde, ob ich diese Frage beantworten kann, hab ich innerlich erstmal ein paar Flüche vor mich hingegrantelt und mürrisch mit meinen Stummelbeinchen aufgestampft. Ich schaffe es nämlich mit 171 cm gerade noch so, die meiste Zeit zu verdrängen, dass man mich als „kleinen Mann“ bezeichnen könnte und reagiere umso verstimmter, wenn man mich mal daran erinnert.

11 Zentimeter über der mutmaßlichen Größe von Schütze Bäumer – Gardemaß!

Hätte sich damals nicht wenigstens ein Spermium mit 176er-Genen durchsetzen können? Aber nein, irgendwie hat sich der kleine, garstige Monsieur 171 vorbeigewuselt.

Offenbar ist das nicht rein genetisch, wenn sich das in unter vier Generationen so steigern konnte.

Zuzuschauen, wie große Freunde dank steinzeitlicher Attraktivitätsschemata einfach nur dumm rumstehen mussten, um angehimmelt zu werden, während ich selbst wie ein trauriger Clown mit Koffeinüberdosis um Frauen herumgetanzt bin für ein Fünkchen Aufmerksamkeit – sowas kann einen schon zum Zyniker werden lassen.

Es gibt keine Koffeinüberdosis! Ansonsten: ja, da hat er Recht.

Oder aber zum überkompensierenden tiny-man-Macho, keine Frage.

Aber beide Gruppen würde man ja nicht zu Jetzt lassen, oder? Ich meine, die haben einen Ruf zu verlieren.

Es kann aber auch zu durchaus positiven Adaptionsmustern führen, wenn man als kleiner Mann gezwungen ist, seine Größe zum Beispiel mit Humor, Empathie oder Waldhorn-Skills auszugleichen

Ich glaube, man braucht ein Riesen-Ego, um sein Geschlechtsorgan „Waldhorn“ zu nennen, oder man rechnet mit SEHR viel Humor bei der jeweils angebalzten Frau. Ansonsten Tyrion-Lennister-Meme mitdenken. Einfach irgendeines.

Und um zu wissen, dass Frauen tatsächlich große Männer wollen und das Ganze nicht nur in unserem Kopf stattfindet, dazu brauchen kleine Männer übrigens auch keine wissenschaftlichen Studien.

Ja, kleine Männer sind nämlich nicht notwendigerweise dumm. Und eigentlich dürften Feministinnen auch wissen, wenn sie darüber nachdenken, dass kleine Männer sich so quasi verhalten müssen. Jemanden wegen äußerlicher Merkmale abzulehnen, insbesondere bei der Partnersuche, ist außerdem etwas, was die ständig kritisieren. Die stellen sich halt dumm, wenn sie solche Fragen stellen.

Ja, ich hatte auch schon was mit größeren Frauen. Wirklich gebraucht hätte ich das aber wahrscheinlich damals mit 16. Wenn ich nur das mit dem gepimpten Roller gewusst hätte.

Macho!

Ein Gedanke zu “Kleiner Mann, und nun?

  1. Body Shaming gegen Frauen jeglicher Art (Körperbau, Behaarung, Schminke, Form der Vulva, usw.) Ist bekanntlich eine Todsünde.

    Jetzt drehen und wenden sie sich, um Body Shaming gegenüber kleinen Männern zu rechtfertigen…

    Zum Vorurteil, dass kleine Männer einen anstrengenden Charakter haben, kann ich meine (1,72m) Erfahrung beitragen:
    Als kleiner Mann muss man sich auffällig benehmen, um überhaupt wahrgenommen zu werden. Das gilt an der Theke genauso wie auf dem Sommerball.

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