Mal was mit Sport

Weil Freitag ist und Olympia:

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tl,dr: Gemischte Fußballmannschaften wären toll.

Als jemand, der im Schulsport eher ganz am Ende in die Mannschaft gewählt wurde, wäre meine Antwort: „Dann macht doch!“

Geschlechter Schon bald werden wir bei EM und WM gemischte Teams sehen. Glauben Sie nicht? Lesen Sie!

Ich halte es für absolut möglich, dass man eine Mannschaft – haha, sorry, Team – aus Männern und Frauen aufstellen wird. Wenn man nicht genug Nonbinäre für jedes Team findet, muss man die Mann- – sorry – Personenzahl auf zehn reduzieren oder auf zwölf erhöhen, damit Parität entsteht, aber nunja. Mathematisch gesehen ist das lösbar.

„Toooor! Oldie Kai Havertz spielt auf Inka Stürmer, die zieht direkt ab. Unhaltbar für die Torhüterin von Brasilien!“ So ruft es die Stimme eines Moderators während eines möglichen deutschen WM-Eröffnungsspiels.

Keine Moderatorin – war ja klar. Scheiß Sexismus.

Zuschauerrekord vor den Fernsehern des Öffentlich-Rechtlichen, den es Gott sei Dank immer noch gibt.

Wenn die meinen Beitrag nicht ausgerechnet für Fußball investieren würden, könnten sie meinetwegen ihre üppigen Bezüge gerne behalten. Oder, noch besser, ihre Praktikanten gescheit bezahlen.

In der Zukunft. Wenn das Ende des reinen Männerfußballs besiegelt ist.

Wird der dann verboten? Männer dürfen nicht mehr Fußball soielen, wenn keine Frau dabei ist? Ja?

Wetten, dass vielleicht schon nächstes Jahr in Katar,

Hihihihihihi. Nebenan dürfen Frauen ein Stadium von innen sehen, wenn sie zuschauen wollen. Aber hey!

mit Sicherheit aber 2030 die erste Fußballweltmeisterschaft stattfinden wird, bei der Männer beim größten globalen Sport- und Medienereignis nicht mehr nur gegen sich antreten, sondern die besten Männer und Frauen ihrer Nationen in einem Team spielen?

Ja, dann würden ja Miglieder miteinander schlafen können, ohne schwul oder lesbisch zu sein – das vestößt doch bestimmt gegen die Regularien. Aber ja, wettet mal. Ich gucke mir keinen Männerfußball an, ich gucke mir keinen Frauenfußball an, ich gucke mir keinen gemischten Fußball an, Kinderfußball evt., wenn ich eines von den Kindern kenne und unterstützen will, ansonsten sagt Bescheid, wenn Ihr internationalen Roboter-vs.-dressierte-Hundefußball bringt.

Mit dem Siegeszug von Gendergerechtigkeit und Geschlechterdiversität wird das bereits heute oftmals anachronistisch anmutende Männerspiel schon bald keinen „Sinn“ mehr ergeben.

Nun, werden die Beschränkungen von Doping dann auch aufgehoben? Weil Testosteron ein Dopingmittel ist, da wäre es doch sinnvolle, Menschen mit körpereigener Dopingdrüse nur dann gegen solche ohne antreten zu lassen, wenn letztere sich das Zeug künstlich geben können, oder?

Die Stimmen werden sich mehren, die es zuerst als unangenehm und später als nicht hinnehmbar empfinden, dass ein so großes mediales Ereignis immer noch in diesem Repräsentanzrahmen stattfindet.

Ganz allgemein gesagt, niemand zwingt jemanden, sich Männerfußball anzusehen. Dass dieser Repräsentanzrahmen also so groß ist, ist nicht die Schuld der Fußballindustrie oder der Männermannschaften, sondern des Publikums. Aber ja, bestraft das Publikum, weil es Männerfußball mag. Ich werde diesem Kampf gerne von weitem zusehen.

Dass ausschließlich Männer durchs Bild laufen, wenn Millionen zuschauen.

Niemand hält diese Millionen davon ab, zuzuschauen, wenn ausschließlich Frauen durchs Bild laufen. Woraus ich herleite, dass die Millionen genau DAS so wollen, und ihre Sehgewohnheiten nicht ändern, weil man ihnen etwas anderes präsentiert. Käsekuchenbeispiel.

Aber wie steht es mit den Körpern?, wird man fragen.

Ganz allgemein gesagt, wenn fünf Feldspielerinnen und fünf männliche Feldspieler gegen je fünf andere Feldspielerinnen bzw. männliche Spieler antreten MÜSSEN, weil das die Regeln sind, ist das ja eigentlich egal.

Sind Frauen und Männer nicht einfach so verschieden gebaut, dass dies keine Gendertheorie wegerklären kann?

Ja, Weltrekord über 400 m der Frauen: 47,6 s. Weltrekord über 400 m mit Hürden der Männer: 46,7 s. Von beiden kann ich nur träumen, aber wenn der schnellste männliche Hürdenläufer fast eine Sekunde weniger brauchte als die schnellste Frau ohne Hürden, scheint das nicht am Patriarchat allein zu liegen.

Wer sich die Spiele dieser EM anschaut, sieht richtig: Gefragt sind gigantische Modellathleten mit so muskulösen und dynamischen Bodys wie noch nie zuvor. Wie sollten Frauen mit Typen wie Erling Haaland oder Romelu Lukaku mithalten?

Doping halt.

Wer jedoch etwas genauer hinschaut, erkennt auch etliche Abweichungen von der neuen Norm. Es laufen dort spindeldürre Feingeister wie Havertz und es finden sich sogar „Brocken“ wie ein Süle in der Aufstellung.

Ich würde einräumen, dass es beim Fußball nicht so sehr auf die reine physikalische Leistung ankommt wie beim 400-m-Lauf. Ausdauer ist sicher wichtiger als reine Geschwindigkeit, und Präzision wichtiger als reine Kraft, und eine eingespielte B-Mannschaft ist besser als ein spontan zusammengewürfeltes Team aus Top-Leuten, aber es ist halt Profisport.

Nach dem Viertelfinalspiel der Italiener schrieb eine Zeitung über deren eher klein gewachsene Spieler: „Fußball kann wunderbar unter 1,70 Meter sein. Man kann Fußball spielen wie ein Riese und man kann außergewöhnliche Dinge in einem kleineren Körper tun, der aber bewundernswert den Ball herumschleudert.“

Jaaaa, es kommt aber nicht so auf die Größe an. Bzw., im Basketball ist Größe hilfreich, im Football Masse, wenn Fußballer mit 1,75 m keinen großen Nachteil erfahren, schön. Aber das ist ja nicht der einzige Grund, warum Sport nach Geschlechtern getrennt wird. Und es wäre eigentlich auch kein Problem, genug Frauen für mehr als 1,8 m zu finden.

Und der Körper ist schon längst nicht mehr alles. Mindestens so wichtig ist die Spielintelligenz, wie sie ein Kimmich besitzt, oder ein Thomas Müller, von dem es trotz seiner versiebten Großchance gegen England heißt, er könne die Räume auf dem Feld auf außergewöhnliche Art „lesen“.

Das hilft aber nichts gegen eine gemischte Roboter-Hunde-Mannschaft. Ich sag’s, wie’s ist. Gibt’s beim Schach eigentlich Männer-und-Frauen-Trennung?

Den Ausschlag für die Wahl geben nicht mehr nur Muskeln, sondern auch eher weiche Kriterien. Und diese, das sagt Ihnen auch jeder Fußballtrainer, können Frauen genauso gut und schlecht erfüllen wie Männer.

Wenn man eine vorgegebene Männerquote hat, wird man natürlich solche Frauen ins Team holen, die am besten Fußball spielen können. Ist, wie gesagt, möglich. Ist vllt. auch interessant. Aber dann gibt es auch kein Argument mehr, bei Einzelsportarten Geschlechter zu trennen.

Es erschließt sich schon heute nicht und wird sich in zehn Jahren erst recht nicht mehr erschließen, warum Fußballspielerinnen den Raum nicht potenziell ähnlich deuten können wie Thomas Müller.

Es gibt bestimmt auch Rollstuhlfahrer, die das können. Warum werden Paralympische Spiele getrennt ausgetragen? Manche Protesen verleihen inzwischen ja auch Vorteile.

Nun ist dies kein Plädoyer für den Frauenfußball. Der Autor weiß natürlich, dass es diesen schon lange gibt.

Ja, dann. Wieso eigentlich plädiert der Autor eigentlich nicht für Frauenfußball? Oder, allgemeiner, warum machen Feministinnen nicht härter Werbung für Frauenfußball? Der GPG im Fußball – als jemand, der das Konzept regelmäßig kritisiert, sehe ich das Problem hier schon – ist absurd hoch. Meine Lösung wäre, das Einkommen männlicher Spieler zu deckeln, aber ich sehe es natürlich als Gleichberechtigung, wenn Feministinnen Geld für Frauenfußball – Eintritt, Merch, etc. – ausgeben, bis beide Seiten denselben Umsatz machen.

Eine Weltmeisterschaft, in der Männer und Frauen in einem Team spielen und dieses von einen großen Teil der Menschheit mit Spannung verfolgt wird, wäre nicht nur das Abbild einer besseren Welt.

Persönlich habe ich mit Fußball eher nicht die schönen Erfahrungen, insofern halte ich die Idee, dass Sport Menschen zu besseren Menschen macht, für naiv und weltfremd, aber hier wird noch einer draufgesetzt: Gemischte Mannschaften machen Menschen zu besseren Menschen.

Es heißt, keine Welt vor der unseren sei so ausdifferenziert und stelle zugleich so komplexe und flexible Anforderungen an ihre Bewohner*innen.

Jein. Ein Steinzeitmensch kannte alle Techniken und jedes Wissen seines Volkes. Ich nicht. Trotzdem habe ich einen besseren Bildungsabschluss. Ich muss mich spezialisieren, der Steinzeitmensch konnte sich nicht spezialisieren.

Über den modernen Fußball, darin Spiegel der Gesellschaft, lässt sich dasselbe sagen.

Ich fühle mich von Fußball so gar nicht gespiegelt. Gehöre ich demnach nicht zu Gesellschaft?

Und sind Frauen nicht deshalb heute auch ganz selbstverständlich Soldatinnen (gemeinsam, nicht getrennt von den Soldaten), weil sich die Wahl der Waffen, weil sich die ganze Idee der Kriegsführung verändert hat?

„Selbstverständlich“ ist ein geiler Euphemismus. Aber ja, Nahkampffähigkeiten sind nicht mehr so wichtig wie noch vor hundert Jahren, als Säbel, Bayonette und/oder Spaten im ersten WK zum Einsatz kamen. Und als Rekruten im Mittel 1,60 m groß waren, yayqoq!

Eine gemischte Mannschaft würde neue, extrem aufregende Strategien und Ideen ermöglichen. Es wird das alte Spiel bleiben. Und ein anderes werden.

Panzerkrieg. Luftangriffe. Drohnen. Was im Krieg recht ist, muss im Fußball doch billig sein, oder? Nein? Oh. WIESO ist das dann eine gültige Analogie?

Auch wenn heute im Fußball vermutlich immer noch eine Mehrheit gern möchte, dass alles so bleibt, wie es ist, hält das den Fortschritt nicht auf.

Fußball lebt davon, dass die Möglichkeiten eingeschränkt werden. Könnte man den Ball in die Hand nehmen und damit zum gegnerischen Tor rennen, wäre es ein anderes Spiel. Also muss Fortschritt begrenzt sein.

Das kulturelle Klima tendiert klar zur gemischten Mannschaft.

Ja, aber FIFA, UEFA und artverwandte Organisationen sind nicht ganz dasselbe wie das „kulturelle Klima“. Die werden eher eine reine Schwulenliga einführen.

Aber auch die Sponsoren, also diejenigen, die alles bezahlen und mit dem riesigen Wettkampf Geld machen, werden die fluide WM präferieren.

Dieselben Sponsoren, die in Katar Werbung machen werden? Bzw., selbst, wenn denen Bauarbeiterrechte egal sind, Frauenrechte aber nicht – was ich mir ja sogar vorstellen könnte – Katar ist jetzt auch diesbezüglich nicht gerade progressiv.

Einfach deshalb, weil in der gemischten Mannschaft ein Geschlecht mehr seinen Platz finden und damit auch die „andere“ Hälfte der Weltbevölkerung, die bisher mit Fußball recht wenig anfangen konnte.

Ok, jetzt kommt etwas anekdotische Evidenz: ich bin von zwei Mädchen zu meinen ersten und einzigen Fußballspielen geschlört worden. Männerfußball, was nach der Logik nicht hätte passieren können. Unsere Oma war dem Vernehmen nach Fan der italienischen Herrenmannschaft, wegen deren schönen Beinen. Wenn Frauen mit Fußball etwas anfangen können, ist das nicht notwendigerweise Frauenfußball, und umgekehrt, wenn Frauen mit Fußball nichts anfangen könnnen, liegt das nicht an den Männern, denn sie könnten ja Frauenfußball sehen. hier werden also gleich zwei Narrative als Fakt verkauft und unterstellt, dass Sponsoren an sie glauben würden. (Nein, tun sie nicht. Sie prüfen alles, aber insbesondere Millionen-Ausgaben, auf Sinnhaftigkeit.)

Mehr Spieler*innen bedeuten mehr Zuschauer*innen, bedeuten mehr Käufer*innen.

Dann sollte man die Mannschaftsgrößen auch auf 14 oder 16 erhöhen. Mehr Spielerinnen und Spieler bedeuten mehr Zuschauerinnen und -schauer und damit mehr Umsatz, woll? So funktioniert Fußball!!!!

Ab heute stellt sich für Sie also die simple Frage:

Die einen ganzen Absatz umfasst, weil: simpel.

Wollen Sie zu jenen vielen gehören, die es vor 200 Jahren für eine absolut absurde Idee von Verrückten hielt, dass Frauen Romane schreiben

Meine Vorfahren, männliche wie weibliche, vor 200 Jahren haben vermutlich gar keine Romane gelesen. Ob die die Idee, Romane zu lesen, für verrückt hielten, weiß ich dann natürlich auch nicht, aber wenn ich vor 200 Jahren gelebt hätte, hätte sich mir diese Frage nicht gestellt.

und vor 100 Jahren, dass Frauen Regierungen wählen,

Vor 100 Jahren gehörten meine Vorfahren zu den kleinen Handwerkern und Bauern, bei denen auch die männlichen wenig Einfluss auf die Regierung hatten, von daher wäre ich damals evt. sehr vom Ende des Kaiserreiches angetan gewesen.

 und vor 20 Jahren, dass auch mal Frauen in der Wirtschaft den Hut aufhaben?

Vor eher dreißig Jahren hatten wir in der Schule die Einstellung des Sokrates zu dem Thema. Man kann auf verschiedene Weisen krank sein, aber nur auf eine gesund, ergo ist Wirtschaften bei Frauen dasselbe wie bei Männern. Da ich aber vor 20 Jahren in der Wirtschaft eh‘ nicht den Hut aufhatte, Keks.

Oder wollen Sie Ja sagen zur Zukunft des Fußballs?

Meinetwegen kann man den Kram auch verbieten. Deine Argumentation geht einerseits am Problem vorbei und behauptet andererseits Vorteile, deren Existenz eher fraglich sind.

Edit: bei Schach gibt es auch Geschlechtertrennung.

Fußball ist bekanntlich wie Schach, nur ohne die Würfel.

2 Gedanken zu “Mal was mit Sport

  1. Solange irgendwelche B-Jugendmannschaften die amtierenden Weltmeisterinnen in Grund und Boden spielen, muss eine verpflichtende Quote von Frauen für die Mannschaften her, sonst würde das nämlich bedeuten, dass die Mannschaften aus den „besten Frauen und Männern“ reine Männerteams wären.

    Ansonsten: Mein Gott, was eine realitätsferne Schwurbelei. Frauen in der Armee sind ein Peinlichkeit, es sie denn sie markieren als Quotenoffizierinnen auf der Landkarte jenen Ort, wo dann Männer, und nur Männer ihre Unversehrtheit riskieren, denn Soldatinnen sind keine Bereicherung sondern Ballast. Obwohl, solche Offizierinnen sind sogar noch peinlicher, also für das weibliche Geschlecht jetzt.

    1A-Schwurbelei ist das hier:

    Wetten, dass vielleicht…

    Ja, ich schließe auch gerne Wetten auf ein „vielleicht“ ab, da verliert man nie. Was ein Hampelmann.

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  2. „Wenn das Ende des reinen Männerfußballs besiegelt ist.“

    Und danach verlieren diese Kämpferinnen für Gleichberechtigung jegliches Interesse an Fußball.

    Wird das dann wie in der Schule, wo Mädchentore doppelt zählen und Tore ohne Mädchen-Ballkontakt gar nicht?

    Denen geht es doch nur ums Geld. Mit Fußball werden ein Haufen einnahmen generiert und Frauen wollen ihren Anteil daran, aber ohne dafür auch das gleiche zu leisten.

    „Mehr Spieler*innen bedeuten mehr Zuschauer*innen“

    Ein oft behaupteter Trugschluss. Auch Frauen interessieren sich nicht für Frauenfußball.

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