Fantasy is not a crime

Tatsächlich mal was positives bei jetzt.

Warum Fantasy so wichtig für junge Menschen ist

Also, halbwegs positiv. Alte Menschen sollen gefälligst Sci-fi lesen. Oder Horror. Oder Krimis.

Harry Potter oder Herr der Ringe zu mögen, ist kein weirder Spleen.

Aber nicht BEIDES. Dann wird es dann doch weird.

Unter Umständen macht es uns sogar zu besseren Menschen.

Ja, wohingegen die Leute, die das Rad der Zeit mögen, zu schlechteren Menschen werden? Ok, sich über Teaser-Texte lustig zu machen, ist billig. Ich wünschte aber, dass mal in einer Zeitung sowas stünde wie: „Fußball-WM – irrer Fetisch oder völlig normal?“

Heute vor zehn Jahren bin ich gleich nach der Schule in den Zug gesprungen.

Ein Glück.

mit „Harry Potter und die Heiligtümer des Todes 2“ endete eine Ära. Für viele Millennials gehörte Harry Potter einfach zum Aufwachsen dazu: das Warten auf die Bücher, das Wissen darüber, welchem Haus man angehören würde (ich bin eine Ravenclaw), der Hype um das Portal „Pottermore“ oder das Verfassen von Fan Fiction.

Zumindest letzteres geht ja noch weiter. Aber ja, die Filme sind toll. Die Bücher sind auch gut, beim sechsten habe ich die Filme überholt, ich wäre natürlich auch Ravenclaw, und Fantasy – oder generell Phantastik – ist nicht nur was für Kinder und Jugendliche.

Die Harry-Potter-Liebe der Millennials wird oft belächelt, unter anderem von Mitgliedern der nachkommenden Generation, der Gen Z.

Ja, diese Jugend von heute, wird mit einem Spiderman sozialisiert, der tatsächlich von einem Jugendlichen gespielt wird. Völlig verwöhnt, diese Jugend. Einen Teenager-Spidey, wie Gott es gewollte hat, hätte es früher nicht gegeben. Und mit „früher“ meine ich die Nuller Jahre. Und mit „Gott“ Stan Lee.

In einem viralen Tiktok-Video beschwerte sich eine Userin, dass Boomer Millennials und Gen Z immer wieder vermischen würden.

Leute, die die Geburtenjahrgänge von 45-80 als Boomer zusammenfassen, haben sich nicht zu beschweren, wenn andere nicht alle 20 Jahre eine neue Generation definieren.

„Ich will nicht mit Leuten in Verbindung gebracht werden, die denken, dass Harry-Potter-Filme eine Charaktereigenschaft sind“, sagte sie darin. Autsch.

Besser als solche, die an Sternzeichen glauben.

Und Millennials lieben ja nicht nur Hogwarts, sondern auch Mittelerde, Narnia oder Westeros.

Ja, Narnia war ganz eindeutig die Inspiration für Westeros: Eine Gruppe von Geschwistern, deren Wappen ein goldener Löwe auf roten Grund ist, ein magisches Wesen, dass das Land mit Eis und böser Magie überzieht, Verfilmung mit Peter Dinkelage. Und der Weihnachtsmann und GRRM sehen einander sehr ähnlich. Verdächtig ähnlich.

Bei Kindern sorge Fantasy für besseres Vorstellungsvermögen, könne stimulieren und Optimismus, sozusagen den „Glauben an das Gute“, fördern.

Optimismus ist nicht der Glaube ans Gute. Optimismus ist der Glaube, dass ein Problem gelöst werden könne. Dass Jon die letzte Aktion lebend überstanden hat, was eigentlich nicht zu erwarten, aber stimmt doch für angehende Tyrannenmörder(m/w/d) optimistisch. Ansonsten, nein. Fantasy ist nicht dadurch definiert, dass es gut ausgeht. Fantasy ist ein Bündel von Konventionen, an die man sich halt halten kann oder nicht, und wenn jemand einfach bestimmte Konventionen bricht, wäre die Konvention „Geht gut aus“ auch brechbar.

Ich hatte sogar lange ziemlich feste Vorurteile wie zum Beispiel, dass Fantasy-Welten oft autoritäre Gesellschaftsstrukturen und veraltete Geschlechterbilder reproduzieren.

Eine Konvention, sogar eine ziemlich grundlegende für die meisten Subgenres der Fantasy, ist die, dass Fantasy in einer Welt spielt, deren Kultur und Technik auf früheren Epochen der realen Welt basieren, gerne das europäische Mittelalter (aber die innovativeren Geschichten nehmen auch asiatisches Mittelalter oder europäische Frühneuzeit), nur dass damaliger Aberglaube zutrifft. Der Punkt hier ist aber, dass man das hier nicht übernehmen muss. Weder den Aberglauben, noch das Frauenbild, noch die Regierungsform oder sonst etwas.

Mir gefällt das Potenzial, so richtig nerdy sein zu können. Fantasy-Welten sind oft unfassbar detailliert. Jedes Wesen, jeder Ort, jede Sage scheint miteinander verknüpft und eine Hintergrundgeschichte zu haben.

Ja, geil, oder? Aber ST oder SW sind auch gut. Oder Dune. Oder Perry Rhodan.

Ich glaube, ich mache das so gerne, um dem Alltag zu entfliehen und in einer anderen Welt zu versinken.

Ja. Die Person, die was gegen Eskapismus hat, ist der Gefängniswärter.

Natürlich spielt bei dem anhaltenden Hype um Fantasy-Geschichten aus unserer Jugend aber auch eine große Portion Nostalgie eine Rolle. Nach dem Motto: „Als ich noch täglich Harry Potter gelesen habe, war alles besser.“

Achwas?

Natürlich sind auch Fantasy-Welten keine idealen, gerechten Welten – auch an ihnen kann man Kritik üben.

Natürlich kann man über ideale, gerechte Welten keine spannenden Geschichten schreiben. Es muss einen Verbesserungsbedarf geben, damit ein Konflikt entsteht, der gelöst werden muss. Es ist extrem nervig, dass ihr das nicht klar ist. (Vermutlich meint sie, dass in der Geschichte etwas als positiv dargestellt wird, was man negativ findet. Aber wenn z.B. in „Das Rad der Zeit“ männliche Magier wahnsinnig werden, ist das ja nichts, was positiv sein soll.)

Gerade bei Harry Potter hadern viele Fans mit der Autorin:

Heult doch.

Der Konsum von Fantasy-Werken, gerade auch von Harry Potter, kann sich grundsätzlich aber positiv auf unsere Werte und Sichtweisen auswirken.

Ich hätte auch als Kind eine Schule gehabt, wo ich unter meinesgleichen wäre und mich nicht mit den ganzen Normaloas herumschlagen müsste. Ach, Moment. Das ist ja elitär.

Psycholog*innen stellten darin fest, dass Schüler*innen und Studierende, die Harry Potter gelesen hatten, mehr Empathie für Marginalisierte empfanden als die Kontrollgruppen, die die Reihe nicht gelesen hatten.

Sondern für Nicht-Marginalisierte? Was ist mit Scheibenweltromanen? GoT, HdR, RdZ, Conan der Barbar, Narnia, Oz?

Loris Vezzali, die Leiterin des Forschungsteam vermutete, dass dies an zentralen Buch-Motiven wie Empathie, Verständnis und Gerechtigkeit liegen könnte.

Oder, dass die Marginalisierten bei HP Normaloas sind wie Du und ich. Bei Forgotten Realms ist es ein gewisser Drizzt Do’Urden, der sich mit Vorurteilen herumschlagen muss. Leider ist er der einzige Dunkelelf, der nicht chaotisch böse ist. Die Vorurteile sind also tatsächlich empirisch sehr begründet.

US-amerikanische Seiten wie Women’s Health oder Marie Claire berichteten über die Studie mit der Schlagzeile: „Harry Potter-Fans sind die besseren Partner“.

Dany: „Ihr seid frei und könnt gehen, wohin ihr wollt, aber wenn ihr bleibt, dann als Ehemann und -frau oder als Bruder und Schwester. Dazu noch Fragen? – Ja, Du dahinten?“ – „Heißt das jetzt, wir sollen einander verraten oder einander umbringen oder miteinander schlafen?“ – „Komische Ideen hast Du, was man als Eheleute miteinander macht!“ – „Na, als Eheleute vllt. nicht, aber als Geschwister!“ – *Gelächter* – Dany (in Gedankenblase): „Ein Goldstück für jedes Mal, wo einer DEN Witz reist, und ich könnte mir die Scheiß-Sieben-königslande kaufen. Von den Lennisters.“

Die befragten Harry-Potter-Fans stimmten unter anderem Aussagen wie „Meinungsverschiedenheiten können zerstörerisch sein“ oder „eine Beziehung braucht keine offene Kommunikation, man muss auch so wissen, was der andere meint“ seltener zu als Befragte, die Harry Potter nicht gelesen hatten.

Wegen Meinungsverschiedenheiten ist da zwar eine Menge zerstört worden, aber ja, MEHR Kommunikation hätte bei HdR ein paar Leuten das Leben gerettet.

Zum Beispiel, weil die Bücher auch immer wieder diskriminierenden Umgang beschreiben, wie zum Beispiel als Draco Malfoy Hermine Granger als „Schlammblut“ aka minderwertig bezeichnet oder aber weil Voldemort und seine Todesser*innen im Grunde Faschist*innen sind.

Nein. Wirklich? Welch tiefschürfende Analyse. Und Aslan ist Jesus in Löwengestalt.

Das zeigt auch eine 2021 erschienene Studie: Darin wurden „Die Tribute von Panem“ auf marxistische Standpunkte und das dargestellte Klassenbewusstsein analysiert.

Das ist eindeutig Science Fiction: Es wird so getan, als ob alles, was passiert, wissenschaftlich erklärbar und technisch kontrollierbar ist, die Geschichte soll in der Zukunft spielen, die dargestellte Gesellschaft hat zwar Anleihen am alten Rom, aber der Sinn der Arenaspiele ist ein anderer als der von Gladiatorenkämpfe.

Aber ja, Fantasy setzt sich bewusster mit Stereotypen auseinander als Fußball. Hurra.

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