Eigentlich ist es mir wumpe

Da ich nicht mehr bei Edeka einkaufe. Und nicht mehr studiere. Und weil es latent studentenfeindlich ist, Essen für Studenten als „Studentenfutter“ zu bezeichnung, schließlich sind Studenten keine Tiere.

Aber gut.

Eine Edeka-Filiale zeigt auf Social Media ein neues Produkt namens „Student*innenfutter“ – und löst damit eine Gendersternchen-Debatte aus. Wir haben beim Filialleiter angerufen.

Warum ist das ein Filialleiter und keine Leiterin?

Student*innenfutter. Einen Nussmix mit diesem Namen auf dem Etikett gibt es bei „Edeka Wollny“ in Friedberg bei Augsburg.

Wenn man Zigeunersoße nicht Sinti-und-Roma-Soße oder Zigeuner*innen-Soße nennt, sondern einfach Paprika-Soße, um das Thema direkt abzukürzen, ist das ja immerhin sinnvoll. Warum nennt man das nicht einfach „Nussmix“? Wegen: Politik.

Michael Wollny, der die Edeka-Filiale in Bayern führt, postete auf Twitter aber ein Foto der Nussmischung im Glas mit der Frage: „Welche Gefühle genau verletzt #Gendern eigentlich?“

Ja, meine Gefühle für Edeka können eh nicht mehr verletzt werden. Aber wenn jemand iose Produkte politisch auflädt, muss soe mit politischen Reaktionen rechnen. Man könnte ja auch Arbeiter-und-Bauern-Frühstück anbieten, oder Bourgoisie-Brot (aka: Kuchen).

Wir haben bei Michael Wollny angerufen, und gefragt, was seine Mitarbeitenden davon halten, und ob „Studierendenfutter“ nicht mehr Sinn gemacht hätte.

Die Väter unter den Mitarbeitern, vor allem?

jetzt: Müssen sich Leute Sorgen machen, dass es als nächstes auch Orang*innen geben wird?

Michael Wollny: Und Wassermelon*innen oder ähnliches.

Meine Mutter hat einen Reiskocher für 2-4 Orang. Ist aus Indonesien. Aber die naheliegendere Frage wäre, ob neben Prinzessbohnen auch mal Prinzenbohnen und statt Prinzenrolle Prinz*ess*innen-Rollen angeboten werden. So mal aus Gleichstellungsgründen.

Gibt es denn wirklich keine schlechte PR?

Der geflügelte Ausdruck „Jede Werbung ist gute Werbung“ stimmt wohl.

Ihr habt mindestens einen Kunden wegen einer Werbung verloren, oh Ihr Heldinnen und Helden. Wobei ich wegen DEM jetzt Euch nicht boykottieren würde.

Wir haben das Foto des Student*innenfutters aber nicht online gestellt, um auf unseren Edeka-Markt aufmerksam zu machen, sondern, auf das Thema.

Ja, ne. Ist klar.

Ich halte es für unwahrscheinlich, dass Menschen aus der Umgebung extra zu uns fahren, um ein Glas mit Student*innenfutter zu kaufen.

Okeee. Ist vllt. eine realistischere Einstellung als Eure saugeile Vatertagswerbung.

Wir freuen uns einfach, dass die Debatte unter den Beiträgen läuft und, dass sie kontrovers geführt wird. Noch besser wäre es, wenn sie weniger verbissen und mehr auf der Sachebene stattfinden würde

Es ist ein reines Politikum. Euch geht es nicht um präzisere Sprache. Es geht Euch nicht um eine bessere Bezeichnung. Und Ihr wollt auch nicht abstimmen lassen, welche Version Euren Kundinnen und (gelegentlich noch vorkommenden) Kunden lieber ist.

Wenn es nicht um Werbung für euren Supermarkt ging, worauf habt ihr mit dem Student*innenfutter-Post genau abgezielt?

Wir wollten vor allem herausfinden, ob Reaktionen kommen und wenn ja, welche. Es war also eher unsere Neugier.

Wer ist jetzt schon wieder „uns“?

Findet die Debatte nur im Internet statt, oder auch bei euch im Laden? 

Nur digital. Im Laden gab es noch keinerlei Reaktionen auf das Produkt.

Tja. Ich gehe ja auch nicht zu Gilette, um mich über deren Werbung aufzuregen.

Wie stehen die Mitarbeiter*innen des Supermarktes zu dem Produkt?

Sie finden das Produkt in erster Linie lustig und sind amüsiert … und kennen solche Aktionen schon aus der Vergangenheit.

Ja, wer da arbeitet, braucht wohl Humor. Oder soe lässt sich einfach nichts anmerken, wenn der Chef daneben steht.

Du meintest zu Beginn des Gesprächs, dass dich das Thema auch privat umtreibt: Hättest du den Nussmix Student*innenfutter oder Studierendenfutter genannt?

Ich persönlich finde Studierendenfutter schöner, weil es mir leichter über die Lippen kommt.

Ja, aber da ist der Knackpunkt: „Studierendenfutter“ dürfte man nur im Hörsaal oder beim Lernen essen. Studentenfutter auch in der Freizeit.

Als Mann kann ich schlecht bewerten, welche Schreibweise objektiv besser ist.

Warum? Sind andere Menschen objektiver? Was ist der Maßstab, an dem man festmacht, was objektiv gut wäre? Gibt’s da auch Leberkäse? Wieso heißt es nicht „Student*innen-Essen“?

Ich habe die Nüsse probiert und würde sie wieder kaufen, weil sie gut schmecken – egal, was auf dem Etikett steht.

Auch, wenn da „Nazifraß“ stünde? Oder, mal sehen, so ein unter-die-Gürtellinie Witz, „Studenten-Nüsse“ oder so. Was Moralapostelin Roche so doof findet? Und – Werbung oder nicht – ich glaube nicht, dass Du ernsthaft ein Produkt, was Du verkaufen willst, schlecht reden würdest.

edit: peinliche Tippfehler

2 Gedanken zu “Eigentlich ist es mir wumpe

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