Unterwerfung

*Bedeutungsvollen Blick in den Raum werf.

Hachja.

tl,dr: pinkstinks vermischt unterschiedliche Begriffe, um eine Verschwörungstheorie aufzustellen. Aber da das kein Alleinstellungsmerkmal ist…

WEIBLICHE LUST IST MEHR ALS UNTERWERFUNG

Da habe ich ja Glück gehabt – ich dachte schon, dass alle Frauen mich unterwerfen wollen. Oder vllt. nicht mich persönlich, sondern Männer generell. Grammatik, SO wichtig.

Frauen wollen erobert und gevögelt werden?

Manche ja, manche nein.

Dass weibliche gelesene Personen nur durch dominanten Penetrationssex erfüllt werden, ist Quatsch.

Auch ein Beruf, der Spaß macht, oder ein schönes Hobby können erfüllend sein. Zum Beispiel Travestie-Auftritte.

Doch diese Annahme kommt nicht von ungefähr.

Es gibt Frauen, denen Sex Spaß macht, die aber nicht gerne den ersten Schritt machen. Und das sind ein hoher prozentualer Anteil. Nebenbei, Unterwerfung – sowohl andere als auch sich selbst – kenne ich eher als Teil der BDSM-Kultur, wo diese Rollen nicht auf ein Geschlecht beschränkt sind.

Egal, ob in Pornos, Büchern, Serien oder Filmen: Angeblich besteht der größte Lustgewinn von (cis) Frauen vor allem darin, sich unterwürfig auf Rücken oder Bauch zu rollen und von einem Mann “genommen” zu werden.

Äh, nein? Bzw., da Pornos das Genre ist, was dergleichen am detailliertesten beschreibt, und da da besonders viel Abwechslung vorkommt. Aber sich auf den Rücken rollen ist nur bei Hunden eine Unterwerfungsgeste. Mein Grubenhund schlägt an. Bzw., meine Grubenhündin. The bitch of mine.

Eine Annahme, die in der Gesellschaft weit verbreitet ist.

Dass Frauen beim Sex lieber eine liegende Position einnehmen? Kennt Ihr das: Der Himmel ist gar nicht blau, aber weil alle sagen, dass der Himmel blau sei, wird er als blau wahrgenommen. In gleicher Weise denken Frauen, dass Sex im Liegen irgendwie bequemer sei. Also, wenn sie liegen, jedenfalls.

Vaginal, oral, anal, egal – Hauptsache, Penetration.

Dass es irgendwo irgendwelche Männer gibt, die das denken, mag ja sein, aber den allermeisten Menschen dürfte klar sein, dass das Frauen nicht egal ist, einschließlich vermutlich aller Frauen.

Das Wort kommt übrigens aus dem Französischen und bedeutet „eindringen“.

Das Wort kommt übrigens nicht aus dem Französischen und bedeutet „Eindringung“. Von lat. „penetrare“, eindringen.

Dazu passt, dass sich laut Studien und Umfragen mehr Frauen als Männer gern beim Sex dominieren lassen oder entsprechende Fantasien haben.

Die Wissenschaft hat festgestellt, festgestellt, festgestellt… Was genau ist hier mit „dominieren“ gemeint?

Doch die Vorstellung, dass alle Frauen ausschließlich dann sexuell befriedigt sind, wenn sie penetriert und dominiert werden, ist einseitig und ignoriert verschiedene Formen der Sexualität.

Ja, aber wenn man „penetrieren“ und „dominiert werden“ nicht sauber trennt, sollte man über etwaige Fehler anderer Leute nicht die Nase rümpfen.

Da drängt sich doch die Frage auf: Woher kommt sie eigentlich?

Die Vorstellung, die es zwar gibt, aber kaum in der Form, dass vaginale und orale Penetration für Frauen vom Spaßfaktor gleichwertig sind? Tja, die habt Ihr Euch entweder als neuen großen Pappkameraden ausgedacht, oder aber, Ihr glaubt, dass Männer das glauben, weil Ihr Männer für so dumm haltet.

Zum einen gibt es durchaus Frauen und weiblich gelesene Personen…

…die penetriert werden wollen, dies aber nicht als „Unterwerfung“ betrachtet. Weder symbolisch, noch physisch, noch in einem BDSM-Sinn. Und „durchaus“ heißt jetzt nicht, dass das die exotische Ausnahme ist. Aber ja, Schwarzers sexnegativer Feminismus lässt grüßen.

Zum anderen ist die dominante Rolle für Männer oft gewohnter.

Wenn da jetzt stünde: „Die Arbeit mit dem Bohrer sei für Männer gewohnter.“ DAS wäre mal witzig.

Wer auch sonst im Leben gelernt hat, den Ton anzugeben, keine Rücksicht nehmen muss oder die Initiative ergreift, macht im Bett eben damit weiter.

Ja, und wer Mannschaftssportarten spielt, Angestellter #354 ist oder sonst nie den Ton angibt, Rücksicht von anderen erhält oder Initiative ergreift, der fängt im Bett eben damit an. Catch-22, immer wie man’s braucht.

Dominanter Sex ist für viele maskuline Personen auch angenehmer, weil sie ihn dann so gestalten können, wie sie ihn wollen.

Äh, nein? Bzw., ja, wenn der Mann auf die Missionarsstellung steht, die Frau ebenso, und dann ist das eben das, was stattfindet, ist das für den Mann schon angenehm, aber eben nicht, weil es „dominant“ ist.

Damit sind sie allerdings auch dafür verantwortlich, dass der Sex schön wird. Und das kann durchaus Druck erzeugen.

Dass ist tatsächlich ein Argument dagegen, dominant zu sein. Bzw., ein Grund für die Frau, mal den Mund aufzumachen. Um zu sagen, was er machen soll. Bzw., welche Stelle er zu penetrieren hat. Allzeit beachte: damit feministische Argumentationsfäden nicht reißen, muss man möglichst so tun, als könnten Frauen nicht sprechen.

Vorausgesetzt, sie interessieren sich nicht nur für den eigenen Höhepunkt.

War klar, dass das kommt.

Aber das ist nicht einfach so entstanden. Das ist keine Laune der Natur.

Es ist keine Laune der Natur, sondern hat evolutionäre Gründe. Heteroa-Paare, denen Vaginalsex am meisten Spaß macht – im Unterschied zu dem, bei der sie sich mit Honig einreibt und er mit Bienen – haben statistisch deutlich häufiger Kinder und können die „Spaß-am-Vaginalverkehr“-Gene weitergeben.

Dass in unserer Gesellschaft nur vaginale Penetration durch einen Mann mit Penis als „richtiger“ Sex zählt und Frauen als passiv und unterwürfig gelten, hat tieferliegende Gründe.

Auch passiv ist nicht dasselbe wie unterwürfig oder „sich penetrieren lassen“. Aber Bill Clinton hat man diese Ausrede nicht gelten lassen. Offenbar wird „Sex“ etwas weiter gefasst.

Was steckt wirklich dahinter?

Oder „cui bono“, wie der Fachmann Verschwörungstheoretiker sagt.

Heterosexualität richtet sich grundsätzlich nach männlichen Bedürfnissen und Wünschen.

Wohingegen Schwule am meisten darauf achten, dass die Frau dabei glücklich… Nein?

 Laut einer US-Studie von 2017 kommen zum Beispiel Frauen in heterosexuellen Beziehungen seltener zum Orgasmus als Männer und auch seltener als Frauen in homosexuellen Beziehungen. Eigentlich am seltensten von allen Befragten in allen Beziehungsformen.

Ja. Beim Thema Sex ist man ja auch immer besonders davon frei, zu über- oder untertreiben.

Am meisten Höhepunkte erlebten hingegen Hetero-Männer: 95 Prozent kamen regelmäßig. Die Studien-Autor*innen nennen das den „Orgasm Gap“.

Da muss man endlich ein Gesetz gegen verabschieden.

Dieser Gap hängt unter anderem mit dem Mythos vom vaginalen Orgasmus zusammen – demnach kommen Menschen mit Vagina nur durch Penetration zum Höhepunkt

Behauptet wer nochmal?

Das haben wir Sigmund Freud, dem Erfinder der Psychoanalyse, zu verdanken.

Jemand, der nicht im vorletzten Jahrhundert geboren wurde?

Die Mehrzahl der Frauen erlebt nicht allein durch vaginale Penetration einen Höhepunkt, sondern durch Stimulation der Klitoris. Die, wie inzwischen bekannt ist, ein sehr viel größeres und komplexeres Organ ist als das, was von ihr zu sehen ist.

Womit gemeint ist, dass ihr Gewebe die Vagina umfasst und durch Penetration derselbigen stimuliert wird?

„Die vaginalen Orgasmen, von denen manche Frauen berichten, sind durch das umliegende erektile Gewebe ausgelöst worden“

Achnee.

Wieso dann diese Fixierung auf vaginale Penetration? Das Patriarchat lässt grüßen. Denn wenn Frauen gar keinen Penis brauchen, um zum Orgasmus zu kommen und erfüllenden Sex zu erleben, dann ist ihre Sexualität plötzlich befreit, Männer sind nicht mehr nötig für Orgasmen.

Da Frauen normalerweise keinen Penis haben, brauchen sie auch keinen, um zum Orgasmus zu kommen. Männer brauchen übrigens auch keine Klitoris, um dasselbe Ziel zu erreichen. Die Organe, die tatsächlich dafür nötig sind, sind jeweils die Hände.

Eine ziemlich beängstigende Vorstellung für eine Gesellschaft, in der Männer das Sagen haben wollen. Deshalb die Legende, dass Penisse und Penetration unentbehrlich für weibliche sexuelle Erfüllung sind.

Wenn das das einzige wäre, was Frauen von Männern wollten, wäre das einerseits ein Problem, andererseits hieße das, dass Frauen ihre Möbel demnächst selber schleppten.

So behalten Männer ihre Macht. Wer penetriert, dominiert.

Möbelschleppen ist auch keine Dominanz.

Zu behaupten, dass Frauenn sich beim Sex von Natur aus gern unterordnen, ist in etwa so, wie zu sagen, dass Frauen von Haus aus besser kochen können, weil ihnen das eben „im Blut“ liegt.

Sagt das wer? Dass Kochen genetisch ist? Müsste das dann nicht Kochen am Lagerfeuer sein, weil sich das Gen in der Altsteinzeit entwickelt haben müsste?

Auch Kontrolle spielt dabei eine Rolle. Dass weibliche Personen sich sexuell eher zurückhalten, hängt mit Tabus, Scham und sozialer Ausgrenzung zusammen.

Das mag auch damit zu tun haben, der Hauptgrund ist aber, dass die Frau in der besseren Verhandlungsposition ist, wenn der Mann den ersten Schritt macht. Wie beim Bewerbungsgespräch. Passivität und Dominaz sind hier deckungsgleich.

All das soll nicht heißen, dass Menschen sich beim Sex nicht zurücklehnen, verwöhnen und (ver)führen lassen sollen.

Aber wehe, der Mann macht das und überlässt der Frau die ganze Arbeit!

Oder dass Penetrationssex keinen Spaß macht.

Doch. Wenn Penetrationssex der Frau Spaß macht, ist die ganze Argumentation falsch.

Aber Fragen wie „Warum gefällt mir das? Gefällt mir das wirklich oder erfülle ich Erwartungen anderer? Gibt es vielleicht Dinge, die mir besser gefallen?“ helfen dabei, ein Gefühl für die eigene Sexualität zu bekommen.

Das ist zwar trivialerweise war, aber der Himmel ist nicht blau, weil wir das erwarten. Nebenbei, wenn es Frauen gibt, denen andere Dinge besser gefallen, die mir nicht gefallen, wäre es für beide besser, sich jeweils wen neues zu suchen.

Auch ein Orgasmus ist nicht das einzige Ziel, Sex kann auch ohne Höhepunkt Spaß machen und erfüllend sein.

Das klingt so, als würde man sagen, dass auch Sport auch Spaß machen und erfüllend sein kann, wenn man immer als letzter in die Mannschaft gewählt wird, nie was trifft und immer kaputt ist. Also eher masochistisch.

4 Gedanken zu “Unterwerfung

  1. „Egal, ob in Pornos, Büchern, Serien oder Filmen: Angeblich besteht der größte Lustgewinn von (cis) Frauen vor allem darin, sich unterwürfig auf Rücken oder Bauch zu rollen und von einem Mann “genommen” zu werden.“

    ….und schon braucht man nicht weiterlesen. Wieviele Pornos haben die AutorIn_Xinnen wohl gesehen?
    Ich nenne so etwas „schlecht recherchiert“.

    Gefällt 1 Person

  2. Wie sehr Frauen auf Penetrationssex stehen, kann man ganz leicht herausfinden. Einfach mal keinen hoch bekommen und dann sagen: Orgasmen durch harte Penisse ist eine patriarchalische Erfindung.

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s