Solidarität ey.

Pinkstinks schafft es, jedes Thema zu einem Frauenproblem umzuformulieren.

Wenn ein Thema aber schon ein Frauenproblem ist, also weil Frauen tatsächlich am meisten oder am schwersten betroffen sind (doch, das kann schon vorkommen, nur halt eben nicht immer), dann freuen die sich nicht etwa, weil sie früher Feierabend machen können, sondern setzen noch einen drauf.

HPV: SOLLTE ICH MEINEN JUNGEN IMPFEN LASSEN?

Lass ihn doch einfach selber die Entscheidung treffen. Oh, er ist noch nicht alt genug, das selbst zu entscheiden? Dann sollte er auch keinen Sex haben. (Gut, als Kassenleistung wird das bis zum 17. Lebensjahr bezahlt, wenn er die 150 € nicht selbst bezahlen will, sollte man ihn mit 16 fragen.)

HPV können Krebs auslösen, das betrifft aber nur Mädchen? Falsch.

D’oh.

Aber selbst, wenn das der Fall wäre: Jungs nicht impfen zu lassen, ist sexistisch.

An Corona sterben nur Ältere? Falsch, aber selbst wenn, wäre es altenfeindlich, Jüngere nicht impfen zu lassen. Ist dasselbe, nur eben altersbezogen statt geschlechtsbezogen. Nebenbei, was ist gemeint? „Erlauben, dass ‚mein‘ Junge geimpft wird“ oder „Dafür sorgen, dass ‚mein‘ Junge geimpft wird“? Für Leute, die sich ständig beschweren, nicht zu wissen, wann Maskulinum generisch gemeint ist und wann nicht, ist die Präzision ihrer Sprache erbärmlich schlecht. Achja, es gäbe noch eine dritte Möglichkeit.

Jedes Jahr sterben in Deutschland etwa 1500 Menschen mit Uterus an den Folgen von Gebärmutterhalskrebs.

Hmm, wird bei einer Uterus-Extraktion der Gebärmutterhals mit entfernt? Wenn nicht, kann auch ein Mensch ohne Uterus Gebärmutterhals kriegen und auch daran sterben. Wie viele sind das im Durchschnitt? Oder meinen die einfach, dass 1500 Frauen an Gebärmutterhalskerbs bzw. dessen Folgen sterben?

Diese Krebsart wird durch humane Papillomaviren – kurz HPV – ausgelöst. Laut Robert Koch-Institut (RKI) gehören HPV-Infektionen zu den häufigsten sexuell übertragbaren Krankheiten. Seit 2006 gibt es eine Impfung, die davor schützt und so Leben rettet.

Aus dem RKI-Link: „Eine bevölkerungsbasierte Erhebung aus den Jahren 2010/2011 zeigt, dass in Deutschland 35% der Frauen im Alter von 20-25 Jahren mit einem Hochrisiko-HPV-Typ infiziert sind.“

Hochrisiko-Typen sind die, die Krebs erzeugen können. Für einen Virus, der rd. ein Drittel aller Frauen zwischen 20-25 betrifft, ist 1.500 Todesfälle eher gering. Aber ich sehe das Argument ein.

Doch 15 Jahre nach ihrer Einführung sind längst nicht genug Jugendliche geimpft.

Muss man eigentlich als Jugendlicher geimpft sein. Oder, uterusmäßig, als Jugendliche? Dass das nichts mehr nutzt, wenn man schon infiziert ist, aber man weiß es vllt. auch nicht, und kann es schaden, wenn man das später tut?

Vor allem bei Jungen ist die Impfquote eher niedrig. Dabei können sie die Viren nicht nur unmerklich übertragen, sondern dadurch auch selbst an Krebs erkranken.

Das ist in der Tat ein Grund, sich impfen zu lassen. Bzw., das ist ein Grund, seinem minderjährigen Kind das vorzuschlagen. Jetzt haben Impfungen generell Nebenwirkungen, weshalb man abwägen muss: Wahrscheinlichkeit zu erkranken mal Gefahr durch diese Krankheit einerseits und Häufigkeit von Nebenwirkungen mal Schwere der Nebenwirkungen andererseits. Aber prinzipiell ja.

Doch selbst wenn das nicht der Fall wäre: Männliche Jugendliche sollten sich aus Solidarität impfen lassen und so die Verbreitung eindämmen.

Wieso Solidarität? Wer oder was hält weibliche Jugendliche davon ab, sich selbst impfen zu lassen? Sind die Nebenwirkungen bei Mädchen schlimmer? Oder umgekehrt, wenn es Mädchen nicht wichtig genug ist, warum sollte es Jungen wichtig sein?

Kondome können eine Infektion nicht vollständig verhindern, fast alle Menschen stecken sich irgendwann mindestens einmal mit HPV an. In den meisten Fällen klingen diese Infektionen von allein wieder ab.

Ja, ein Drittel aller Frauen zwischen 20 und 25 in D., aber nur 1.500 Todesfälle. Bzw., auch bei den gefährlichen Virenstämmen kommt es nicht immer zu Krebs, aber wenn, führt dieser Krebs oft zum Tode, laut RKI in einem Drittel aller Fälle.

Es gibt allerdings auch riskantere HPV-Typen – und wenn die sich festsetzen, hat das Folgen. Sie verursachen zum Beispiel Feigwarzen oder können Zellveränderungen auslösen.

Stimmt so auch nicht – RKI sagt, dass auch die harmlosen Feigwarzen auslösen können. Also Feigwarzen sind nicht notwendigerweise ein Symptom der Krebsauslöser-Virenstämme. Aber wie auch immer…

Laut RKI schützt eine Impfung zu fast 100 Prozent.

D.h., wenn sich eine Frau impfen lässt – also zum Arzt geht, das Impfrisiko trägt (diese Impfung ist wohl gut verträglich) oder meinetwegen von ihrer Mutter gefahren wird – ist sie geschützt. Dann kann es ihr egal sein, was der Rest der Welt macht. Inklusive, was der männliche Teil der Welt macht.

Seit 2018 wird auch gezielt Jungen zur Impfung geraten. Eine Modellrechnung der STIKO hat ergeben, dass sich in Deutschland durch die HPV-Impfung von Jungen Tausende von Krebserkrankungen vermeiden lassen.

Ja, weil HPV auch andere Körperteile als Gebärmutterhälse befallen und auch dort Krebs verursachen können.

Zwar ist die Impfquote im Laufe der Jahre leicht gestiegen, sie ist aber immer noch niedrig. Bei 15-jährigen Mädchen liegt sie demnach zwischen 31 und 36 Prozent. Von den männlichen Jugendlichen sind nur rund 21 Prozent gegen HPV geimpft. Das ist zu wenig – für einen flächendeckenden Schutz müssten es 70 Prozent der Jugendlichen sein.

Wir sind hier nicht in der Corona-Situation, wo wir auf die Herdenimmunität warten. Du, Du als individuelles Individuum, kannst Dich, Dich persönlich, schützen – wenn Du trotzdem wartest, was die Gesellschaft, der Staat oder „die Anderen“ machen, ist das nicht erwachsen. Nebenbei, dafür, dass das erst seit drei Jahren empfohlen wird – anderthalb davon mit einer anderen Infektionskrankheit ausreichend belastet – sind 21 % doch super.

Warum sind so wenige geimpft?

Das hat laut Krebsforschungszentrum mehrere Ursachen.

Ja, wie zum Beispiel „hohe Regressforderungen“. Das, dass das bei Jungen erst letztens empfohlen wurde (aka von der Krankenkasse übernommen), wäre übrigens auch ein Grund.

Kurz: HPV-Impfungen gelten als nicht so wichtig. Und das ist sexistisch.

Das ist jetzt nicht die Schlussfolgerung des Krebsforschungszentrums, sondern die von pinkstinks. Es ist auch nicht die Aussage von RKI oder STIKO. Nebenbei, was heißt „nicht so wichtig“? Im Vergleich zu welcher anderen Krankheit jetzt? Masern? Grippe? Röteln?

Denn es sind nun mal mehrheitlich Menschen mit Gebärmutter von HPV-Infektionen betroffen.

Nuuun, „Nach Schätzungen des Zentrums für Krebsregisterdaten im Robert Koch-Institut gibt es pro Jahr bei Männern etwa 600 Analkarzinome, mindestens 250 Peniskarzinome und mindestens 750 Karzinome in der Mundhöhle oder im Rachen, die auf eine HPV-Infektion zurückgehen.“ 250 ist weniger als 4.600, aber das ist etwas, was nur Menschen mit Penis bekommen. Andererseits führen diese 1.600+ Krebsfälle wohl nicht zu 1.500 Toten.

Ok, über zehn Jahre lang wurde explizit die Impfung nur für Mädchen empfohlen und von der Gemeinschaft (also KK) bezahlt. Weil gebärmutterhalserzeugende Viren halt ein Frauenproblem sind. Aber dass Jungen nicht geimpft wurden, soll jetzt frauenfeindlich sein (nie im Leben meinen die mit „sexistisch“ „männerfeindlich“)? Bzw., wenn die generell geringe Impfquote frauenfeindlich sein soll, weil darin eine Geringschätzung von Frauenproblemen gesehen wird, was ist z.B. mit Prostatauntersuchungen? Bzw. mit der zugehörigen Krankenkassenleistung?

Eine Untersuchung von 2010/2011 hat gezeigt, dass ein gutes Drittel der Frauen zwischen 20 und 25 Jahren mit Hochrisiko-Varianten infiziert sind. Dagegen gibt es keine Behandlung – wer die Viren hat, hat sie.

Das ist auch nicht ganz richtig, die Infektion bleibt nicht ewig. Bei älteren Menschen nimmt der Anteil der Infizierten nämlich ab, nicht zu.

Ein Grund dafür, dass noch immer so wenige – vor allem männliche –Jugendliche geimpft sind, mag vielleicht Unwissen sein.

Ja, „noch immer“. DREI Jahre halt.

Doch der Gedanke, dass HPV nur Menschen mit Uterus betrifft und deshalb für Jungen und Jungseltern nicht so wichtig ist, lässt sich nicht von der Hand weisen.

Achwas. Die Kampagne, dass Mädchen gegen HPV geimpft werden sollten, habe ich mal mitgekriegt. Die entsprechende Kampagne bzgl. Jungen scheint meiner Aufmerksamkeit entgangen zu sein. Ist natürlich voll frauenfeindlich, Frauen zu impfen und Männer nicht. Frau Stokowski.

 Weibliche Körper und weibliches Leben sind in einer patriarchalen Gesellschaft weniger wert.

Ja, deshalb müssen weibliche Menschen immer die gefährlichen Arbeiten verrichten und Männer kriegen mehr Leistungen von der KK bezahlt. Jedenfalls in dem Paralleluniversum, in dem Pinkstinks lebt. Nebenbei, WEM genau ist ein weiblicher Körper weniger wert, wenn „Jungenseltern“ ihren Sohn nicht zu HPV-Impfung schicken, und WEM, wenn „Mädcheneltern“ ihre Töchter nicht dahin schicken?

Ein veraltetes Rollenbild, nachdem eine Frau selbst an sexuell übertragbaren Krankheiten “schuld” ist (warum muss sie auch Sex haben?), könnte dazu kommen.

Nun, offenbar haben auch Männer selbst schuld an sexuelle übertragbaren Krankheiten. Bzw., ich kenne keine Fall, wo Männer mit Geschlechtskrankheiten irgendwie mehr Mitleid als Frauen bekommen hätten. Beispielsweise die Art, wie man zu Beginn der Aids-„Epidemie“ Schwule dargestellt hat…

Beides offenbart eine erschütternde Gleichgültigkeit und Geringschätzung.

…oder gibt halt wieder, wie Feministinnen über kranke Männer denken. Stört Euch doch auch nie.

Das ist nicht nur unsolidarisch und sexistisch, sondern frauenfeindlich.

Oder, Männer sind halt selber schuld, wenn sie Geschlechtskrankheiten kriegen, und werden deshalb seltener geimpft.

Die Impfung würde also auch sie vor Krankheit, Leid und Tod bewahren.

Eine Impfung gegen eine Krankheit, die eher selten zu Leid und Tod führt, die erst seit drei Jahren empfohlen wird und bei der es keinerlei Kampagne gibt außer diesem Artikel, der das Aufbauen von Schuldgefühlen nur punktuell unterbricht, um Sorge um männliche Gesundheit zu heucheln?

Doch auch wenn das zweifelsohne gut und wichtig ist – es sollte für eine Impfung von männlichen Jugendlichen wahrhaftig nicht erst dieses Argument brauchen.

Allzeit beachte: eine Maßnahme für den Schutz männlichen Lebens und männlicher Gesundheit hat als Hauptargument Solidarität mit weiblichen Leben und weiblicher Gesundheit, selbst wenn die betreffenden Frauen sich selbst schützen können, und selbst wenn die Mädchenimpfquote nach 14 Jahren erst bei rd. 36 % liegt, die von Jungen aber nach DREI JAHREN schon bei 21 %. Bei dem Tempo wäre die Jungen in 14 Jahren durchgeimpft. Aber ja, Schutz von Männern ist immer Nebensache, wenn zugleich auch Frauen geschützt werden können. (Nagut, nach 14 Jahren sind die Jungen Ende 20, aber trotzdem…)

In einer gleichberechtigten Gesellschaft sollten nicht nur Töchter, sondern auch Söhne geimpft werden.

Aus Gründen gibt es keine Impfpflicht bei insgesamt eher harmlosen Krankheiten.

Zudem würden laut DKFZ ein zentrales Erinnerungssystem, systematische Impfstatus-Kontrolle, Aufklärungsmaßnahmen und Schul-Impfprogramme helfen.

Dass es diese Aufklärungsmaßnahmen nicht gibt, hat vllt. auch den Grund, dass das Gesundheitssystem seit ein paar Monaten anderes zu tun hat. Aber wetten, dass irgendeine Feministin sich über Männer lustig macht, die sich gegen Gebärmutterhalskrebs impfen lassen?

Wer meint, dass die Impfung gegen HPV unwichtig sind oder höchstens etwas für Mädchen, nimmt damit ihren Tod in Kauf

Wenn ich „meinen“ Jungen impfen lasse, dann seinetwegen; bzw., weil Leute, die sich auskennen, das Kosten-Nutzen-Verhältnis, bzw., die Risiko-Abwägung ermittelt haben und sagen, dass die (gut verträgliche) Impfung das kleinere Risiko ist. Wer ist für die Frau verantwortlich, die an HPV-verursachten Krebs stirbt? Sie selber? Ihre Eltern?  Ihr Arzt, der ihr das nicht gesagt hat? Möglicherweise die Person, bei der sie sich angesteckt hat, weil sie dachte, Kondome schützten? Oder ich, weil ich der Vater der Person bin, und sie nicht nur nicht impfen ließ, sondern sie auch aktiv davon abgehalten habe? (Letzteres wäre evt. eine Mitschuld, aber es gibt mindestens vier Personen, die mehr Verantwortung für ihren Tod tragen. Es ist nicht Corona, wo die gesünderen Rücksicht auf die Anfälligen nehmen müssen.

obwohl die Lösung so einfach ist. Also, ab zur Impfung!

Frauen müssen eben nie was tun, nie ihr Verhalten auch nur überdenken, und daher auch nie Verantwortung übernehmen. Frauen: die besten, tollsten und kompetentesten Menschen von allen!

4 Gedanken zu “Solidarität ey.

  1. Die, die jeden Tag auf Jungen, Männer scheißen, verlangen Solidarität…

    Und Frauen sind weniger wert? Siehe dazu den Empathy-Gap oder auch, wie der Holocaust vorbereitet wurde:

    Auch bei dem von Deutschland begangenen Völkermord, dem Holocaust an den Juden im Dritten Reich, lässt sich feststellen, dass die Hemmschwelle zur Gewalt gegenüber männlichen Opfern deutlich niedriger liegt. »Die Offiziere der Einsatzgruppen«, stellte beispielsweise der Holocaustforscher Daniel Jonah Goldhagen fest, »konnten ihre Leute an ihre neue Aufgabe als Ausführende eines Völkermordes gewöhnen, indem sie das Töten schrittweise eskalieren ließen. Dadurch dass man sie zuerst vor allem jüdische Männer im Teenager- und Erwachsenenalter erschießen ließ, waren sie schließlich in der Lage, sich auch an Massenhinrichtungen von Frauen, jungen Kindern und gebrechlichen Alten zu gewöhnen.« Was die Ermordungen von Juden während der ersten Wochen des Unternehmens Barbarossa anging, den Angriff der deutschen Wehrmacht auf die Sowjetunion, gelangt der Historiker Professor Christopher Browning zu einer ähnlichen Einschätzung. (Arne Hoffmann – „Plädoyer für eine linke Männerpolitik“ – Seite 184)

    Gefällt mir

  2. Jaja, die bösen Jungs lassen sich einfach nicht impfen, obwohl die Kassen das doch „schon“ seit 2018 bezahlen…

    Eine Durchimpfung der Jungs ist übrigens im Interesse der Gegner von Beschneidungen.
    Laut Alice Schwarzer senkt die Beschneidung von Jungs das Risiko von Frauen an Gebährmutterhalskrebs zu erkranken um 17%. Wenn die Jungs gegen HPV geimpft sind, dann sinkt das Risiko um 70%.

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s