Männer-Standard

Beim Standard nämlich.

Logischerweise.

Zu dick, zu klein, zu schlaksig: Wie auch Männer unter Schönheitsidealen leiden

D’oh. Demnächst: Auch Männer bluten, wenn man sie verletzt.

Über den Druck, maskulinen Idealvorstellungen zu entsprechen, wird kaum gesprochen. Zeit für eine Body-Positivity-Bewegung unter Männern

Jaaaahaaaa. Wenn Frauen keine Lust haben, den Erwartungen von Männern zu entsprechen, darf man von Männern nicht erwarten, den Vorstellungen von Frauen zu entsprechen. Aber das meinen die nicht.

Sein Bizeps ist ebenso voluminös wie seine schwarzen Kopf- und Brusthaare. Sein Vollbart zeigt keinerlei Lücken, und seine breiten Schultern füllen den Rahmen des Webcam-Fensters aus. Der 27 Jahre alte Student Vishal aus Vorarlberg erfüllt optisch alle Kriterien, um sich bei Schwiegermüttern oder auf der Baustelle als gestandenes Mannsbild zu qualifizieren

Ja, ne, ist klar: gerade potentielle Schwiegermütter achten auf das äußere. Dass Bauarbeiter aussehen, als ob sie schonmal körperlich gearbeitet haben, ist jetzt irgendwie systemimmanent, aber da werden die äußerlichen Merkmale eines Mannes beschrieben, der für Heteras möglichst attraktiv ist. Und nicht für deren Töchter.

Doch das war nicht immer so:

Ist doch gut für ihn – ist das jetzt ein Argument pro fat-acceptance?

Dass auch Männer und Jungen unter Body-Shaming leiden, kann der Innsbrucker Männerberater Florian Zeiner durch seine tägliche Arbeit bezeugen.

Achwas. Das ist ja ein kleines Cleverle, kann das sein?

Der Leidensdruck, der durch vermeintliche Körpermakel entsteht, werde gerade bei Jungs oft ab- und nicht angesprochen.

Weil es niemanden interessiert, ob Jungen leiden vielleicht? Oder fast niemanden?

Sprüche wie „mach doch einmal Sport“ oder „iss einfach weniger“ würden Heranwachsende zusätzlich unter Druck setzen.

„Heranwachsende“ ist tatsächlich genderneutral; also eigentlich müsste der Satz automatisch Menschen dazu bringen, an alle Heranwachsende zu denken.

Der ewige Teufel des männlichen Schönheitsideals sitzt ihm auch bei seiner Leidenschaft, dem Musizieren, im Nacken: „Ich glaube ständig, dass meine Karriere als Sänger scheitert, weil ich nicht gut genug aussehe.“

Ok, ich weiß jetzt nicht, wie gut der singen kann, aber es gibt bestimmt auch Frauen, bei denen das so ist.

Laut Zeiner zeige bereits das offene Gespräch mit männlichen Vorbildern Wirkung, da man dadurch mit seinen Problemen nicht mehr allein sei.

Je weniger ich die Anerkennung anderer suchte, desto egaler wurde mir das, und desto weniger suchte ich Vorbilder. Mir ist aber trotzdem klar, dass Frauen typischerweise auf Männer stehen, die mindestens so groß sind wie sie selber, mindestens so sportlich sind wie sie selber und definitiv breitere Schultern haben als sie selber. Insofern definieren Frauen, was an Männern attraktiv ist.

Christoph May, Gründer des Deutschen Instituts für Kritische Männerforschung: „Es ist nicht damit getan, dass Männer sich plötzlich für ihre Gefühle interessieren und darüber reden. Sie müssen aus ihren exklusiven Männerbünden ausbrechen.“

Ok, es gibt Männerbünde, die mehr oder weniger exklusiv sind. Jetzt ist es aber so, dass man da nicht „automatisch“ landet, sondern freiwillig drin ist und von den anderen akzeptiert wird. D.h., wenn der jeweilige Bund Ansprüche an das Äußere hat, würde das jeweilige Mitglied diese halbwegs erfüllen und nicht darunter leiden. Heißt im Umkehrschluss, die Männer, die darunter leiden, sind entweder in keinem Männerbund, oder dieser Männerbund besteht nicht auf Bodyshäming gegen Männer (dass ein Männer-Sportverein eigentlich nur sportliche Frauen als akzeptable Partnerinnen betrachtet, kommt sicher vor).

Gerade der Boys-only-Club reproduziere das Schönheitsideal vom emotionalen und anatomischen Panzermann.

Was genau ist ein anatomischer Panzermann? Aber nein, männliche Schönheitsideale haben sich Heteras ausgedacht, männliche Schönheitsideale werden von Frauen durchgesetzt, wer was anderes denkt, ist etwas merkbefreit.

May untersucht auch, wie Männerrollen durch Leitmedien geprägt werden. „Im Mainstreamfilm dominiert nach wie vor das Bild des muskulösen Superhelden.“

Ja, Superheldenfilme sind sehr mainstream, es ist Tradition, dass man Männern mit übermenschlicher Stärke diese Stärke ansieht, vor allem, da Comic und Film visuelle Medien sind, aber Spiderman ist ein Jugendlicher, der recht spuchtig ist, obwohl er übermenschlich stark ist. (Die innere Erklärung ist, dass seine Muskeln einfach mehr können, wegen „Spinnengenen“, aber der künstlerische Grund ist, dass er so wie ein unsportlicher Nerd aussehen kann.)

Zwar gebe es Filme und Serien, die toxische Männlichkeit bereits kritisch verhandeln.

Kein Mensch ist toxisch! Auch nicht, wenn er von einem radioaktiven Gifttier gebissen wurde. Nagut, der Hulk ist technisch gesehen schon toxisch, aber dafür geht sein Handlungsbogen gut aus.

Diese enden aber meist tragisch, anstatt die Probleme mit positiven Vorbildern aufzulösen.

„Als wäre ich dafür geschaffen.“

Die wenigen Männer, die in Filmen und Serien von der Norm abweichen, treten laut May nur als Klischees und Extreme in Erscheinung,

Na, sowas – man kann nicht zugleich die Norm und das Extrem sein?

so etwa der schlaksige Nerd in der Sitcom Big Bang Theory oder der gemütliche Bierbauchträger in der Hangover-Blockbusterreihe.

Dass es keine übergewichtigen Nerds bei BBT gibt, ist eigentlich ein Zufall. Dass Leute, die viel Bier trinken, mal einen üblen Kater haben, ist eigentlich nicht abwegig. Aber ja, voll die Probleme.

„90 Prozent aller Drehbücher werden von Männern über Männer für Männer geschrieben. Wenn unsere Erzählungen männlich dominiert bleiben, wird sich auch unser monotones Männerbild die nächsten Jahrzehnte nicht ändern.“

Wenn Frauen Filme über Männer für Männer schreiben würden, wäre das besser? Und, nebenbei, das Männerbild ist nicht annähernd so „monoton“ wie das Frauenbild. Frauen kämpfen im Mainstreamfilm gegen Männer und siegen dank ihrer Superkräfte. Ist das für Frauen ohne Superkräfte empowernd oder deprimierend?

Doch hätte Vishal im Jugendalter eine Body-Positivity-Bewegung geholfen, mit der vor allem Nicht-Männer in sozialen Medien seit Jahren dominante Rollenbilder anprangern?

Ja, da ist das Problem. Ein gesunder Körper ist tatsächlich etwas, was dem Körper hilft, insofern ist es nur semi-sinnvoll, das zu ignorieren. Zu sagen, dass man aus egoistischen Gründen abnehmen sollte, und nicht, weil die anderen einen schlank haben wollen, wäre ja ein Ansatz, weil das ein gesunder Egoismus wäre. Aber die gehen ja einen Schritt weiter, oder sogar zwei: Statt „ich muss nicht die Erwartungen anderer erfüllen“ und „ich erfülle die Erwartungen anderer an meinen BMI nicht, aber immerhin bin ich klug, witzig und hilfsbereit“ heißt es: „Andere sollen mein Übergewicht attraktiv finden!“ Männer, die einfach nicht auf Frauen stehen, sollen lieben, wen sie wollen. Aber Männer, die auf weniger dicke Frauen stehen, sollen sich schämen?

„Das Letzte, was Männer brauchen, ist eine weitere Männerbewegung, in deren Folge sie die Krise ihres Geschlechts ausrufen, anstatt ihre Monokulturen hinter sich zu lassen. Solange Männer nicht anfangen, Frauen-, Trans- und Inter-Perspektiven zu konsumieren, werden sie sich ewig an ihren selbstauferlegten Vorlage abarbeiten.“

Nun, wenn es mehrere Monokulturen gibt, wäre das höchstens ein Problem, wenn sagen wir alle Männer entweder nur Sportler oder nur Nerd oder nur Schwul oder nur PuA oder nur Musiker sind. Da aber Männer machen, was sie wollen, gibt’s schwule Nerds, sportliche Musiker, künstlerische Sportler, nerdige Pick-Up-Artisten und so weiter. Bei Trans- und Interperspektiven lernt man vllt. noch was neues, aber wenn man Frauenperspektiven einnimmt, würde man dann nicht einfach erfahren, dass selbstauferlegte Vorlagen wie Muskeln und Waschbrettbauch gar nicht so selbstauferlegt sind?

Nur mit Diversität im Freundeskreis und beim Medienkonsum würden Männer eine emotional integre Gefühlssprache erlernen.

Wie bei Spidey und Iron Man?

Allzeit beachte: Männer sind schlechtere Menschen, deshalb muss man ihnen vorwerfen, keine Frauen oder Intersexuellen zu sein, von denen sie lernen sollen, bessere Menschen zu werden. Dieser Vorwurf ist viel besser als „Du solltest abnehmen.“

3 Gedanken zu “Männer-Standard

  1. So ein verlogener Dreck.
    Iss mal ein Butterbrot mehr! Wir oft wurde mir das gesagt? Von Jungs, häufiger von Mädchen und auch (!) von Lehrerinnen (kleines i!).
    Es ist scheiße, der Kleinste in der Klasse zu sein.

    „Sie müssen aus ihren exklusiven Männerbünden ausbrechen“
    Nein. Wir brauchen auch unsere Safe Spaces. Das erste Mal, dass es scheißegal war, wie klein ich bin, WAR in einem Männerbund, vulgo Schützenbruderschaft. Dort gibt es nur zwei Regeln: 1. Wir sind alle gleich(wertig). 2. Wir packen alle mit an.

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  2. „Ich glaube ständig, dass meine Karriere als Sänger scheitert, weil ich nicht gut genug aussehe.“

    Dass seine Karriere als Sänger womöglich scheitert, weil er nicht gut genug singt, glaubt er nicht?

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