In Extrema

Weil denen mal tatsächlich was um die Ohren flog.

Den Artikel mit „Hört mir auf mit Care-Arbeit“ fand ich tatsächlich gut. Zwar sind auch da immer noch die Männer schuld an allem, aber zumindest ist es nicht mehr Aufgabe von Männern, die Probleme von Frauen zu lösen, sondern von Frauen. Von Frauen. Die sich ändern sollen. Hey! Meinungspluralismus und so.

Kam offenbar nicht so gut an.

Und ja, ich sehe ein, dass man nicht von einem Extrem ins andere kippen soll, aber das habe ich als überspitzte Umkehrung gelesen. Aber gut, mein Fehler.

Boah, die haben dafür Ärger gekriegt. Arme Frauen.

Nagut, aus Gründen des Meinungs“plural“ismusses, die Gegenposition.

ALLEIN ERZIEHEN ALS LÖSUNG?

Zu den unsterblichen Klängen von van Beethovens Fünfter: Wechselmodell, Wechselmodell.

Lena Mertens ist alleinerziehende Studentin. Nach Mirna Funks Provokationstext schrieb sie uns: Allein erziehen mag eine Lösung sein.

Kommt natürlich auf das Problem an. Eigentlich richtet sich die Wirksamkeit einer Lösung immer nach dem Problem.

Aber die Frage ist doch: Warum hängt Care Arbeit überhaupt bei Müttern?

Wech-sel-mo-dell. WechselMOdell.

Wieso sind „Single Moms“ sexy, alleinerziehende Mütter aber nicht?

Es kommt eben nicht nur auf die Oberweite an, sondern auch auf das Wording. SCHERZ! Mütter im Wechselmodell ilfe ich lieber. Wegen innerer Werte und so.

Mirna Funk. Sie lässt sich in ihrem Statement über Mütter aus, die laut ihr, sich ständig über die ungerechte Aufteilung von Care-Arbeit in ihren heterosexuellen Beziehungen beschweren.

Ja. Es gibt Mütter, die das tun. „Ständig“ vllt. auch nicht immer, aber es gibt sie. Es gibt auch Feministinnen ohne Kinder, die das tun. Zumindest die Frage, ob die mit den Beschwerden alles getan haben, was in ihrer Verantwortung liegt, um das zu ändern, wäre ja ok.

Mirna Funk sagt jedoch nicht, dass die ungerechte Aufteilung der Care-Arbeit das Problem sei. Sie sieht das Problem viel eher bei den Frauen, die es nicht schaffen sich von ihren nichtsnutzigen Männern zu trennen, so wie sie es gemacht hat.

Aus Gründen des nicht in den Extremen Argumentierens: man könnte einen Kompromiss finden zwischen: „Sich mit dem Heteropartner einig zu werden“ und „Sich vom Heteropartner trennen“. Klappt nicht immer, aber es ist möglich, eventuell sogar wünschenswert.

Die Männer bekommen es nicht hin, aber die Frauen sind doch mal wieder schuld.

Fälle, wo nur die eine Hälfte die alleinige Schuld hat, sind eher selten. Vom anderen Extrem einfach wieder zurück ins erste zu kippen, ist auch nicht besser.

Ihr Plädoyer sich von den Männern zu trennen, die nicht verstehen wollen, was es heißt sich einzubringen, ist radikal schön. Wie viel Zeit und Kraft es kostet, die ganze Zeit eine gerechtere Aufteilung einzufordern, kenne ich nur zu gut.

Okeeee. Kommt auf den Mann an, würde ich sagen.

Doch finde ich ihr Statement auch höchst problematisch. Anstatt sich ihrer Privilegien bewusst zu sein, macht sie weniger privilegierte Mütter für ihr prekäre gesellschaftlich hergestellte (!) Stellung selber verantwortlich.

Einen bestimmten Job mit einem bestimmten Einkommen zu haben, ist ein Vorteil, aber kein Privileg. Mit der Einschränkung muss ich trotzdem sagen, dass Alleinerziehung schon sehr von Bedingungen abhängt, die nicht beliebig beeinflussbar sind. Gilt für beide Geschlechter.

Ihr Statement steht in einer Linie mit der schönen neoliberalen Ansicht, dass wir unsers eigenes Glückes Schmied seien. Das heißt umgekehrt, wer Probleme hat, ist alleine selbst dafür verantwortlich.

Das vllt. nicht. Konkret bezogen darauf, dass manche Frauen sich nur deshalb nicht von ihrem Partner trennen, weil sie  alleine nicht genug Geld für sich und ihr Kind verdienen – das setzt voraus, dass man das alleinige Sorgerecht bekommen wird.

Die Wahrheit für die meisten Mütter ist doch oft viel eher, dass wir, wenn überhaupt, die Wahl zwischen Pest und Cholera haben.

Nein.

Entweder wir wählen die Hetero-Beziehung  mit der ungerechten Care-Arbeit.

Niemand ist gezungen, in einer Beziehung zu leben. Es gibt außerdem auch Männer, die als Hausmann einer Frau, die für zwei verdient, ganz glücklich wären. Vllt. nicht genug solcher Männer für alle Frauen, aber schon ein paar. Wenn die auf dem Heiratsmarkt nicht so beliebt sind, ist das jetzt die Schuld von Frauen, die solche Männer offenbar nicht wollen.

Oder wir wählen das Alleinerziehenden-Sein und stemmen die Care-Arbeit ganz alleine und müssen dafür wenigstens nicht die ganze Zeit eine gerechtere Aufteilung einfordern.

Wehehehechels-Modell. Bzw., niemand zwingt eine Frau, überhaupt Kinder zu kriegen. Also gäbe es mindestens vier Möglichkeiten.

Wer schmeißt denn neben der 40-Stunden-Woche mit einem Kind den Haushalt? Wer kümmert sich um das Kind, wenn man krank ist? Was macht man, wenn das Kind krank ist?

Solche Probleme sind der Grund, warum Elternpaare keine gesellschaftliche Schikane sind, sondern tatsächlich ein probates Mittel, diese Probleme zu lösen.

Was macht man, wenn man nicht das Privileg hat emotional oder ökonomisch unabhängig zu sein?

Also wie das Kind?

Interessant finde ich außerdem, dass Mirna Funk ausschließlich den sexy Begriff der Single Mom benutzt und nicht den viel passenderen, aber weitaus unattraktiveren Begriff der Alleinerziehenden.

„Alleinerziehende“ sind gegendert, und sie meint ja ausdrücklich nur weibliche Elternteile. D’oh!

3 Gedanken zu “In Extrema

  1. > neoliberalen Ansicht, dass wir unsers eigenes Glückes Schmied seien. Das heißt umgekehrt, wer Probleme hat, ist alleine selbst dafür verantwortlich.

    Ich werde da schon im Allgemeinen fuchsig, wenn rationale Selbstverständlichkeiten mit dem neo-Satan „neoliberal“ verhext werden. Man mag an seiner Situation nicht „Schuld“ sein, aber davon sind „Deine“ Probleme halt _Deine_, so in Abgrenzung zu _meinen_.

    Das ist aber hier vollkommen irrelevant, da es zu 100% wirklich immer die Schuld der Frau ist, sich von einem Arschloch anbumsen zu lassen. Vor allem aber: Wie sähe denn da die „gesellschaftliche Lösung“ aus? Wir erlauben ja nun Frauen, die ihren Nachwuchs nicht austragen wollen, Abtreibungen – wollen wir das gleiche Mitbestimmungsrecht für rumjammernde Mütter gegenüber „der Gesellschaft“ einführen?

    Ich meine nur – so ein staatliches Euthanasieprogramm würde die schlimmen Probleme der armen, armen Frauen ja faktisch lösen, oder etwa nicht? Müsste man politisch Korrekt natürlich etwas umbenennen, aber persönlich fände ich das eher furchtbar. Hexenverbrennungen, hingegen, würden dazu führen, dass dumme Frauen nicht solche Flausen im Kopf hätten – damit geht es allen besser, sogar den Hexen – äh, Feministen, die mögen ihre Opferrolle ja. Opfern wir sie halt.

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  2. Auf Mirna Funks zentrale Anklage (wählt die Väter eurer Kinder gefälligst gründlich aus) geht Lena aus Köln vorsorglich nicht ein.

    Kann ich verstehen. Denn hier kann sie keine Verantwortung bei anderen suchen…

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