Vorbilder (m/w/d)

Bei Jetzt mal wieder.

Ist das Staatsexamen für angehende Lehrkräfte zu hart?

Merkt Euch, liebe bayrischen Kinder, das „das war viel zu schwierig“-Argument für zukünftige Lehrkräfte.

Viele Lehramtsstudierende verzweifeln am Staatsexamen in Bayern, gleichzeitig mangelt es an Lehrer*innen. Tausende fordern, dass sich etwas ändern muss.

Hauptsache gendern.

Theresa ist bei weitem nicht die einzige, bei der das bayerische Lehramtstaatsexamen Angst, Stress und Überforderung ausgelöst hat – und die am Ende nicht bestanden hat. Laut Berechnungen des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnen Verbands  (BLLV), kommen etwa 40 Prozent der angehenden Lehrer*innen nie im Klassenzimmer an.

Lehrkräfte ist tatsächlich eine viel elegantere Formulierung, um geschlechtsneutral zu formulieren. Vor allem aber, da der Frauenanteil bei den Lehrern nicht gerade der kleinste ist, so dass es nicht wichtig ist, mehr Frauen dareinzubringen. Aber gut, Gendern löst Eure Probleme wohl nicht.

Das Kultusministerium schätzt diese Quote zwar niedriger, auf etwa 20 Prozent – Klar ist aber: Viele bleiben auf der Strecke.

Ok, ich finde es auch nicht gut, wenn das Aussieben erst gegen Ende eines Studiums stattfindet. Bei den Ingenierstudiengängen ist es – oder war es jedenfalls – so, dass bis zum Vordiplom die harten Klausuren mit den höchsten Durchfallquoten kamen, aber wer das Vordiplom hatte, schaffte das Diplom meistens auch. Hat den Effekt, wenn man anhand von schlechten Noten gesagt bekommt, dass man für einen bestimmten Beruf nicht so gut ist, hat man noch nicht so viele Jahre investiert. (Warum bei uns zumindest Informatik so ein „Aussiebfach“ ist/war, weiß ich dann leider auch nicht.)

Aus diesem Grund hat er eine Petition des BLLV unterzeichnet: In „Stexit fordern die Unterzeichner*innen das Bayerische Staatsministerium für Unterricht und Kultus dazu auf, das erste Staatsexamen zu modernisieren und fairer zu gestalten.

Fairer ist ok, aber nicht unbedingt leichter. Wenn der Lehrerberuf attraktiver wäre, würde er mehr Studenten anlocken, die ihrerseits die Durchfallquote eines angemessen schweren Studiums kompensieren würden. Auswendiglernen ist eigentlich nur semi sinnvoll.

Der Verband hat dafür 13 Forderungen an das Kultusministerium formuliert. Zum Beispiel: Dass Uni-Mitarbeitende konkret beim der Vorbereitung auf das Staatsexamen unterstützen sollten.

Ich stelle mir jetzt eine Lehrkraft im Kultusministerium vor, die als erstes alle Rechtschreib- und Grammatikfehler anstreicht und das dann zurückschickt, wenn klar ist, dass die Person, die den Text geschrieben hat, eigentlich nicht geeignet ist, Grammatik und Rechtschreibung zu unterrichten. Oder, die bei Jetzt sind nicht in der Lage, fehlerfrei abzuschreiben. Merkt Euch das, wenn Eure Lehrerin Euch fragt, was Ihr mit Euren Deutschkenntnissen werden wollt: Irgendwas mit Journalismus!

Viele Studierende verstehen nicht, warum die Hürde so hoch sein muss – Wo Bayern in Zukunft doch verstärkt Lehrkräfte brauchen wird.

Weil nach Gedankenstrichen klein geschrieben wird?

Es ist super schade, wenn ich in die Lehrerzimmer schaue und da so viele potentiell gute Lehrer*innen fehlen.

Wieso heißt es eigentlich nicht Lehrer*innenzimmer? Außerdem, vllt. fehlen ja auch die schlechten Lehrerinnen und männlichen Lehrer? Und „potentiell gut“ ist auch keine gute Formulierung, da das eigentlich heißt, das sie nur das Potential hätten, gut als Lehrer zu sein, nicht, dass sie es sind. Gemeint ist vermutlich: „gute, potentielle Lehrerkräfte“, also Leute, die das Potential haben, Unterrichten zu können, weil sie dafür gute Voraussetzungen haben, aber aus rein Staatsexamen-bezogenen Gründen das nicht entfalten können. Diese Kniffeligkeiten liebe ich an der Sprache.

Wenn in Zukunft mehr Leute Lehrer werden, die das auch lieben, wären harte Staatsexamina ein angemessener Preis.

Ansonsten, liebe Eltern: wenn zukünftige Lehrer erst durch Petitionen für leichtere Prüfungen Lehrer wurden, sind deren Argumente gegenstandslos, wenn IHR dasselbe für Eure Kinder wollt.

2 Gedanken zu “Vorbilder (m/w/d)

  1. „Ansonsten, liebe Eltern: wenn zukünftige Lehrer erst durch Petitionen für leichtere Prüfungen Lehrer wurden, sind deren Argumente gegenstandslos, wenn IHR dasselbe für Eure Kinder wollt.“

    Hihi! Volltreffer! 😉

    Eine ehemalige Kollegin war zurecht stolz, als sie eine spezielle Sonderqualifikation hat erreichen können im Bereich der Finanzbuchhaltung. Sie sagte, dass es etwa die Hälfte derer, die diese Sonderqualifikation haben wollen, nicht schaffen und durch die abschließende Prüfung fallen.

    Je nachdem, wieviel von jemandem mit einer bestimmten Qualifikation erwartet wird, fallen auch die entsprechenden Anforderungen, welche sich letztlich in Prüfungen niederschlagen, eher hoch aus. Eine entsprechende Durchfallquote ist somit logisch konsequent und bisweilen nicht einmal als grundsätzlich schlecht zu verstehen, wenn diese auch darauf hindeutet, dass ein gewisser Teil vorhatte, eine wichtige Aufgabe zu übernehmen – im Beispiel immerhin das Lehren unserer Jugend – dieser Aufgabe aber unter Umständen, zumindest was die Prüfungsergebnisse angeht, nie gewachsen gewesen wäre.

    Eine hohe Durchfallquote alleine als Grund zu nehmen, einfach nur die Anforderungen runterzuschrauben, halte ich, gerade bei einem derart wichtigen Beruf, für potentielles gesellschaftliches Kamikaze. Und wenn dann nur Framing betrieben wird, sagt das über die Antragsteller mehr aus als über den Sachverhalt, um den es ihnen geht. Warum muss gleich vorverurteilt werden, dass Prüfungen „fairer“ sein müssten? Was ist denn konkret daran „unfair“? Unfair wäre es für mich, wenn Inhalte abgefragt würden, die nie Studienbestandteil waren und in keinem Lehrbuch hätten gefunden werden können. Anspruchsvolle Prüfungsfragen hingegen sind nicht unfair; sie sind aber eben das: anspruchsvoll und für einige vielleicht tatsächlich zu anspruchsvoll. Und bei denen stellt sich halt die Frage: war die Aufgabe objektiv anspruchsvoller, als es für den Erwerb der angestrebten Qualifikation sinnvoll gewesen wäre oder hat sie effektiv das gemacht, wofür Prüfungen nun einmal da sind: aufzuzeigen, wer qualifiziert ist und wer unter Umständen eben nicht?

    Wer in einer Führerscheinprüfung durchfällt, weil es ihm einzig nicht gelungen war, die als verpflichtenden Prüfungsteil vorgeschriebene Runde auf dem Nürburgring in der erforderlichen Zeit zu absolvieren, der beschwert sich zurecht darüber, weil der Prüfungsteil offenkundig nicht dem Ziel einer Führerscheinprüfung folgt, die Fähigkeit zu prüfen ein Fahrzeug im alltäglichen Verkehr bewegen zu können, faktisch ein Fahrverhalten prüft, welches dem im alltäglichen Straßenverkehr gar entgegensteht.

    Wer aber durch eine solche Prüfung fällt, weil er in einer Wohngegend mit 50 durch eine 30er-Zone gerauscht ist und / oder nicht auf Rechts vor Links geachtet hat, dessen Argumente gegen dieses Durchfallen würde ich mal gerne hören, denn ich erwarte Comedy Gold.

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  2. Ich kenne einige Lehrer, Alter mittlerweile um die 40, und das sind sicherlich nicht die hellsten Kerzen auf dem Kuchen, und die meckern schon rum, dass die Referendare, die sie bekommen (wie Du ja auch bemerkst) kaum noch einen korrekten Satz schreiben können.

    Freilich waren schon zu meiner Schulzeit drastische Unterschiede in der Kompetenz der Lehrer erkennbar (Abi Ende des letzten Jahrhunderts); so konnte einer der Englischlehrer kein Englisch, der Physik-LK-Lehrer nicht rechnen, der fachlich gute Mathelehrer war Alkoholiker etc. pp. – aber das waren fast nur Männer; die (wenigen) Frauen waren zwar mit auch der nettesten Klasse aller Zeiten didaktisch überfordert, aber fachlich topfit.

    Damals war es für Fachlehrer – also alles über Grundschule – noch erforderlich, im Studium seine Fachrichtungen insofern zu vertiefen, dass man wenigstens das Gros des Grundstudium des jeweiligen Fachbereiches absolvieren musste – die Idee war, dass die Lehrer zumindest bis zum Ende derer Schulzeit auch wirklich mehr können als die Schüler.

    Und „Gleichberechtigung“ war dann schon in den 90ern eine Diskussion: Zwischen drei Grundschullehrerrinnen fand man auch mal einen Mann, während man sogar schon unter nur zwei Gymnasiallehrern eine Frau fand – die unterrichtete dann in der Regel irgendein seichtes Zeugs wie Deutsch/Englisch/Kunst, aber schon damals mit Ausnahmen; die gefürchtetste Lehrerin war eine Frau. Immer.

    Man kam dann aber drauf, dass Grundschullehrerrinnen weniger verdienen als Gymnasiallehrer, was aus irgendeinem Grund ungerecht sei, plus der Männerüberhang – nun, die Mädchen konnten halt einfach in der Masse nicht Mathelehrerin werden, wenn schon in der 10. Klasse Aufgaben gestellt werden wie „Gegeben ist ein nicht gleichschenkliges Trapez mit den Eckpunkten ABCD, der Strecke AB = 1, dem Winkel DAB = 130°, dem Winkel ABD = 70° und einer Höhe von 0.8.“

    Wie Studien aus den 80er Jahren nämlich zeigten, können Jungs sich sowas besser vorstellen als Mädchen, die dann schon beim „erstmal hinmalen“ scheitern; deswegen druckte man das ja damals schon für Blöde in die Prüfungsfragen, mit eher rudimentären Computern – oder halt weil der Lehrer es malen konnte. Mädchen können das aber – gibt’s auch Studien – auch schlechter _ausrechen_ als Jungs, weswegen man zunehmend dazu übergegangen ist, mathematische Fragen wie die nach dem Schnittpunkt der Diagonalen oder irgendwas nützliches vermehrt durch Anforderungen wie „male es rot aus“ zu ersetzen.

    Das war, wohlgemerkt, schon in den 90ern bemerkbar; und ich denke, das ist in anderen Fächern auch so. Freilich muss da nicht die Frauenförderung dahinterstehen; es kann auch schlicht eine allgemeine Verdummung der Gesellschaft eingesetzt haben (80 Jahre politische Dysgenik lassen irgendeine Konsequenz erwarten, v.a. _genau diese_; es gibt eine Studien zu „peak intelligence“, weltweit, so vor 8 Jahren plusminus).

    Nun haben wir die Konsequenzen dieser (seit meiner Jugend von Frauen geführten) Bildungsministerien zu tragen – also eine generationenübergreifende Vollverblödung, in Verbindung mit medial-propagandistisch gestütztem Anspruchsdenken wie der von Dir zitierten Petition, dass die Kindergartentante von der Uni klein Theresa, die in 12 Semestern nicht gerafft hat, dass sie offenbar zu doof dazu ist, ein Studium mit 7 (oder 9) Semestern Regelstudienzeit durchzuziehen, bis zur Prüfung das Händchen zu halten habe.

    Dazu kommt, dass bereits die gerade in Rente gegangene Lehrergeneration sich im „Studium“ – und der Arbeit danach – mehr mit neo-pädagogischem Blödsinn als mit fachlichen Inhalten beschäftigt hat, weil das halt gerade für die 68er „in“ war – im kleinen (aber fürchterlichen) sei hier der Jahrtausendwende-Bewegung „Lesen durch schreiben“ – „pädagogische“ Ansatz erwähnt, der eine ganze Generation funktionaler Analphabeten hervorgebracht hat, im Großen die Einführung des unsäglichen Bachelor-Master-Systems zu einer Zeit, als das deutsche Abitur (zumindest im Süden) noch im Anspruch mit einem Bachelor aus Bumfuckistan oder Yale vergleichbar war, von ein paar oberflächlich praktischen, aber inhaltlich wie fachlich wertlosen Blender-Skills mal abgesehen.

    Wenn Autor wie Protagonist des Artikels diesen Mist nicht auch noch intensivieren wollen würden, ganz im Sinn der neo-marxistischen Phrase „vorwärts immer, rückwärts nimmer“, hätte ich sogar Mitleid für die Leute; es war niemand mehr da, die ihnen das hätten beibringen können – also, das selbständige Denken.

    Und wohlgemerkt sind das auch noch Mädchen, die sich über „Auswendig lernen“ beschweren; das ist so das _einzige_, was Mädchen (lt. Studien) besser können als Jungs. Logisch gefolgert können die also: Gar nichts. Wollen aber eine Teilnahmeurkunde, und sich damit toll fühlen.

    Ich sehe aber, fairerweise, auch nicht, wie „wir“ (als Gesellschaft) aus diesem Dilemma wieder rauskommen. Einige meiner Freunde mit Kinder im Schulalter verbringen eine viertel Stunde am Tag damit, den Kleinen zu erzählen, warum der gerade aktuelle, politisch korrekte Bullshit, mit dem sie indoktriniert werden, Blödsinn ist – und bringen ihnen halt selber was nützliches bei. Aber davon bekommen wir nicht plötzlich 10.000 qualifizierte Leute, die Lust haben, für verzogene, selbstherrliche Kackbratzen noch verzogenerer, selbstherrlicher Mütter (in meinem Alter) „Lehrer“ zu spielen. Nicht bei dem Gehalt, und v.a. nicht verbeamtet, wo man auch einfach nur den Rest seines Lebens Dienst nach Vorschrift machen kann wie (zu) viele andere Beamten.

    Und das schreibe ich aus Bayern, das mit einer starken, konservativen CSU noch nicht einmal die schlimmsten Verfehlungen „moderner“ Bildungspolitik hat wie – alles nördlich, westlich und östlich von Hannover, so grob. Was Du also hier ansprichst, ist ein Poltitikversagen ohne Gleichen, was so schnell nicht wieder weggeht.

    Dank dem neuen „Anti-Hate-Speech“ – Gesetz darf man aber ja nun unsere Gottkanzlerin genausowenig mehr kritisieren wie die restlichen tollen Sachen in Deutschland, von daher erfreuen wir uns doch an gendergerechten Toiletten, politisch korrekten Lehrern und immer mehr Steuern zur Finanzierung wichtiger und richtiger Bereicherungen des täglichen Lebens.

    Ist ja jetzt nicht so, dass währen Deutschland sein Bildungssystem zerstört hat andere Länder, die man aufgrund eines gerade grassierenden Virus politisch korrekt lieber nicht benennt, es vom diktatorischen Schwellenland zu einem dem aktuellen Deutschland vergleichbar restriktiven Regime mit den meisten Milliardären auf dem Planeten gebracht hat. Die haben aber, natürlich, keine gendergerechten Toiletten, sondern sowas patriarchal-wissenschaftliches wie Nanoroboter und die größten Durchbrüche in der Kernfusionsforschung seit den 1990ern.

    Insofern habe ich noch ein bisschen Hoffnung – über kurz oder lang werden wir Fachkräfte aus dem Ausland importieren müssen, dann könnten wir in einer Generation wieder traditionell-bayrisch „Passt scho“ sagen. Oder, wie das dann gesprochen werden wird, 可以. Die Heulsusen und Daueropfer, Hüpfkinder und möchtegern-Revolutionäre müssten halt derweil T-Shirts nähen.

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