Baerbock

Keine Wortspiele mit Bock geschossen oder so.

Ich verlinke mal ihn hier.

Und ich verzichte mal auf die Geschlechtertauschprobe.

Einfach folgendes Szenario:

SPD stellt Bauernsohn auf. Besagter Bauernsohn ist aus dem Landwirtschaftsmilieu ausgebrochen, hat irgendein Orchideenfach studiert, über irgendwas mit Ästhetik und Philosophie promoviert und ist jetzt die letzte Chance der Sozialdemokratie. Man mag sich über diese Kombi wundern, aber freies Land und so: jeder mit passiven Wahlrecht darf sich für Kanzleramt bewerben.

In der schwarzen Ecke der Gegenkandidat der Union. Akademikersohn. Hat Jura studiert. Auch im Ausland. Hat als Journalist und Bürochef gearbeitet, aber nie als Jurist, weder in seinen Vertieferfächern noch in irgendwelchen anderen. Was jetzt insofern nichts ehrenrühriges ist, aber wenn man bei einem Vorstellungsgespräch den Unterschied zwischen „Unikurs“ und „Berufserfahrung“ nicht ehrlich kommuniziert, hat man arg verschissen, wenn das rauskommt. Wahlkampf ist ein einziges, langes Bewerbungsgespräch. Nur mit paar Millionen Leuten auf der anderen Seite vom Tisch.

Und dann werden beide Interview, die übliche Frage: „Warum sollten wir ausgerechnet SIE zum Reigierungschef machen?“

Und dann macht der CDU-Kandidat so eine Bemerkung über Bauern im Allgemeinen und den Agrarhintergrund des Gegeners im Besonderen. SO eine Hochnäsigkeit. „Weltfremder Philosoph“ würde man ihm vllt. knapp verzeihen, aber das nicht.

Es würden zahlreiche Leute den Bauernstand verteidigen.

Es würden zahlreiche Leute darauf hinweisen, dass der SPD-Mann tatsächlich einen Doktor hat (hat er in meinem Beispiel wirklich.).

Es würden viele Leute sagen, dass ihnen jemand, der ein Studium zu Ende gebracht hat, egal welches, lieber ist, als einer, der das nicht hat.

Es würden viele Leute sagen, dass ihnen jemand, der mal hart gearbeitet hat, lieber ist als Kanzler, weil sie sich von dem mehr Empathie erhoffen.

Es würden zahlreiche Leute sagen, dass ihnen ein Kleinbürger, der es zum Bildungsbürger geschaft hat, lieber ist, als ein Bildungsbürger, der es zum Bildungsbürger geschafft hat.

Das sind nur die Leute, die als Wähler absolut nicht mehr zu gewinnen sind, es sei denn, der SPD-Kandidat ist in Wahrheit ein gesuchter Serienmörder. Oder, wenn der Doktor ein Plagiat wäre, und der SPDler den Doktor als Wahlkampfargument verwendet hätte. (Aber der einigermaßen empathische SPD-Politiker weiß, dass dieses Fach den Durchschnitts-SPD-Wähler nicht so wahne interessiert.)

Und dann werden alle Leute, die sich für Plagiate interessieren, die akademischen Leistungen des Unions-Mannes unter die Lupe nehmen, oder eher unter das Rasterelektronenmikroskop, und wenn die ungeheure Herablassung, die daraus spricht, den politischen Rivalen auf die Arbeit als Bauern zu reduzieren, nicht sehr gut begründet ist, wäre es das gewesen. Sehr gut begründet wäre die Arbeit als Jurist oder Politiker – ab Staatssekretär aufwärts – der sich wirklich aktiv mit Völkerrecht auskennt. Oder Arbeitsrecht, wenn das die Behauptung wäre, you got the idea.

Es wäre es sogar dann gewesen, wenn der Gegner gar keinen Abschluss hätte, sondern tatsächlich hauptberuflich Bauer mit Hauptschulabschluss wäre. Das würde vllt. sogar einen Mitleidbonus erzeugen. Denn wie, so wäre das Argument, kann unsere Gesellschaft durchlässiger werden, wenn arrogante Fazken ungestraft solche Sprüche raushauen?

Ich kann mir insbesondere nicht vorstellen, dass diejenigen unter denen, die Baerbock jetzt verteidigen, und die politisch eher links sind, einem CDU-Politiker so einen Spruch vergeben würden, wobei ich mir eine MENGE CDU-Politiker und -Wähler vorstellen kann, die das auch nicht gut fänden.

Weshalb ich vermute, dass das nicht vorkäme. Nicht, weil kein CDUler so denken würde, einige tun das sicher, aber weil die merkbefreitesten CDU-Politiker so viel Fingerspitzengefühl hätten, dass das grob unsportlich wäre. Dass das massig Stimmen kostet. Oder jedenfalls wüssten, dass der SPD-Mann ganz zufällig seinen Doktor doch zur Sprache bringen würde. Habeck macht das als guter Gentleman und Teamspieler nicht. Yäy for Solidarität.

Das mal einfach dazu, dass Baerbock nur deshalb so viel Gegenwind kriegt, weil sie eine Frau ist. Nein, weil sie eine Frau ist, kriegt sie so wenig Gegenwind. Weil sie eine Frau ist, kriegt sie Unterstützung. Wäre sie keine Frau, hätte sie das entweder nicht gemacht oder wäre jetzt ihre Kandidatur los.

Ein Gedanke zu “Baerbock

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s