Freundschaften

Jetzt mal wieder

Männer, sind eure Freundschaften anders als unsere?

Falls ja – wolltet Ihr dann mit Männern befreundet sein?

Männerfreundschaften entstehen zumindest oft anders als Frauenfreundschaften, sagt unser Autor.

Freundschaften entstehen unterschiedlich. Und jetzt?

Und fragt sich, ob es nicht anders besser wäre.

Warum sollte das so sein? Bzw., die Frage ist ja nicht, ob es besser wäre, wenn Frauenfreundschaften wie Männerfreundschaften entstünden…

Liebe Männer,

ich kannte mal zwei junge Männer, die richtig gute Freunde waren. … Und als die beiden Anfang 20 waren, lernten sie endlich einen neuen Trick: miteinander über ernste Sachen reden.

Aaaach, Du kennst Daniel und Schmitti? Ja, das sind die coolsten Typen, oder?

Natürlich nicht nach dem Motto: „Hey, können wir uns treffen, ich bräuchte mal eine starke Schulter zum Ausheulen“, sondern eher im Macker-Tonfall: „Ich wette, mein Tag war beschissener als deiner.“

Mathematische Probleme lassen sich durch Nachdenken lösen, alle anderen, indem man etwas tut oder ändert. Von der starken Schulter zum Ausheulen hat man nichts, wenn diese sich nicht daran macht, das Problem zu lösen. Oder wenigstens einen Rat anbietet, wie man das Problem alleine löst. Soll heißen, wenn das Problem einfach durch drüber reden weggeht, war es wohl nicht allzugroß.

Ich weiß noch, wie verblüfft ich darüber war, dass es den beiden – nach mehr als zehn Jahren Freundschaft – irgendwann doch noch gelang, miteinander über ihre Gefühle zu sprechen.

Ja, verblüffend. Vllt. HABEN die vorher nicht miteinander über ihre Gefühle zu sprechen versucht? (Von der Möglichkeit, dass die das nicht in Gegenwart eines weiblichen Wesen getan haben könnten, mal ganz zu schweigen.

Über die Arbeit, in der es vielleicht nicht so gut läuft, die Eltern, die zu hohe Erwartungen haben, Zukunfts- und Versagensängste, Liebeskummer.

Ja. Ne. Da werden Probleme mit bestimmten Dingen und Gefühle wegen bestimmter Dinge vermischt. Problem: „Mein Chef hasst mich.“ Gefühl: „Ich habe Angst, entlassen zu werden.“ Lösungsansatz: „???“

Mit mir hatten die beiden im Einzelgespräch in den Jahren zuvor über all diese Dinge schon oft gesprochen.

Und, hat’s geholfen? Vllt. nicht, und deshalb ist das der Grund…

Ich dagegen kann mich nicht fünf Minuten mit einer anderen Frau bei einem Bier unterhalten, ohne in den küchenpsychologischen Untiefen unserer Gemütsszustände zu versinken.

Ok. Macht Ihr das, um Eure Gemeinsamkeiten zu betonen und Euch aneinander anzunähern, oder wollt Ihr Lösungen für die Probleme finden, die diese Gemütszustände auslösen? Oder, oder, empfindet Ihr diese Gemütszustände als positiv, und Ihr wollt an Ihnen nichts ändern? Im letzteren Fall redet Ihr nämlich genau NICHT über Eure Probleme…

Nur so lernt man sich schließlich kennen und vertrauen.

Ja, man muss jeder Person, mit der man ein Bier trinkt, vertrauen können. Ist klar.

Was bringen mir Freundschaften mit Menschen, die nicht alles von mir wissen, mich nicht besser kennen als ich mich selbst?

Sie helfen einem Möbelschleppen? Man kann sich mit denen auf ein Bier treffen? Es gibt so viele nützliche Verwendungsmöglichkeiten von Freunden, da braucht man einfach keine Tiefenanalyse.

Natürlich weiß ich heute, dass Männerfreundschaften nicht per se schlechter sind als Frauenfreundschaften.

Natürlich nicht. Nur sind Männer halt schlechter als Frauen, woll?

Dass Nähe nicht nur dadurch entstehen kann, dass man miteinander weint, einander liebe Karten schreibt, und sich auf langen Spaziergängen im Zuhören und Nicken übt.

Möbelschleppen. Bier trinken. Zum Zuhören reicht auch ein Hund.

Und dass es sie vielleicht auch manchmal einsam macht, nicht einfach einen Kumpel anrufen zu können, um sich an dessen Schulter auszuheulen.

Davon wird’s ja nicht besser. Wenn der mir weder mit Rat noch mit Tat zur Seite stehen kann, weil das Problem halt nicht in seine Expertise fällt, fände ich es etwas blöd, ihn damit zu behelligen.

Vielleicht kriege ich aber von außen nur einfach nicht mit, wie verbunden ihr wirklich miteinander seid.

Achwas. Frauen sind hyyperempathische Wesen, die kriegen ALLES mit.

Warum sind eure Freundschaften so, wie sie sind? Wünscht ihr euch mehr oder zumindest engere Freundschaften?

1.: warum nicht. 2.: manche schon, manche nicht.

Oder sind eure Freundschaften am Ende gar nicht so anders?

Ich glaube, dieses „Interesse“ dient nur dazu, Männerfreundschaften zu dissen.

Tja, was sagt das Opfer dieses Interesses dazu?

also das mit den Jackass-Videos und bekifft über Brüste brabbeln – pardon, aber das klingt jetzt dann schon eine Winzigkeit nach Klischee.

Sie hat sich Daniel und Schmitti ja nur ausgedacht.

Wenn man als pubertierender Jung-Mann zum Beispiel verliebt ist, dann überkommt einen vielleicht nicht unbedingt sofort ein Sprechdurchfall, wenn man mit seinem Spezi alleine ist – sondern man wartet erstmal.

Genau. Weil 1. der sich auch nicht auskennt und 2. die ganze Verliebtheit nicht davon abhängig ist, was der Kumpel dazu sagt, sondern das jeweilige Mädchen.

Und wenn das Gefühl oder das Begehren oder was auch immer weiter besteht und dringlicher wird, dann wartet man eben auf einen geeigneten Moment – idealerweise, wenn man ein Sleepover macht und das Licht aus ist – und spricht die Sache mit gesenkter Stimme ins Dunkel.

Ich nehme jedenfalls an, er meint einen „Jung-Mann“, der in eine „Jung-Frau“ verliebt ist und nicht in den Kumpel. Ansonsten nehme ich alles zurück.

Dass das auch was von Beichtstuhl oder Psychoanalyse-Sitzung hat – ja, gut, das stimmt wohl.

Hmm, bei Frauen ist das wohl der Standard, wenn die obige Beschreibung verallgemeinerbar ist. Warum sollte das jetzt auf einmal negativ konnotiert sein, wenn nicht, um Männer zu dissen? Internalisierter Sexismus.

Aber dass Männer von klein auf ein etwas distanziertes Verhältnis zu ihren Gefühlen haben via gesellschaftlicher Geschlechternormen, das müssen wir in dieser Kolumne ja nicht zum x-sten Mal darlegen, oder?

Doch, müsst Ihr. Das ist der offensichtlich Zweck der Kolumne: Geschlechternormen zu kritisieren, sofern es Männer betrifft, und zu verherrlichen, wenn sie Frauen betreffen. Keine Chance, dass per Geschlechtertauschprobe die umgekehrte Frage gestellt würde: „Frauen, warum müsst Ihr immer solche ´Emotions-Exhibitionistinnen´ sein? Fändet Ihr es nicht schön, mal etwas Privatsphäre zu haben?“

Und auch nicht, dass Probleme in sich reinfressen und Intimität vermeiden ungesund ist.

Man soll Probleme lösen. Wenn man dazu Rat und Beistand braucht, und dazu eine gewisse Nähe oder Vertrauen aufbauen muss, ist das halt so. Aber die random Person, mit der man ein Bier trinkt, ist dazu so oder so eher ungeeignet.

Aber diese unsere Art, bedächtig mit Informationen über unser Innenleben umzugehen, hat auch Vorteile

Vertrauen kann nämlich auch missbraucht werden. Und nicht nur von Männern, nebenbei.

Viel interessanter finde ich, dass sich viele Männer auch als Erwachsene sehr genieren können, wenn es darum geht, neue (männliche) Freunde zu machen.

Weil soziale Aktivitäten nämlich Arbeit sind und Stress. Bis man so viel Freundschaft aufgebaut hat, dass das nicht mehr so ist, dauert es eben.

Da herrscht so ein seltsames Stellungskampf-Prinzip: Wer nämlich zuerst eine Avance macht, könnte Gefahr laufen, sich eine Blöße zu geben, Schwäche zu zeigen und Gesicht zu verlieren.

Das ist bei Frauen eigentlich genauso. Aber weil von Frauen gar nicht erwartet wird, stark zu sein, riskieren sie weniger.

Einen Freund zu suchen, zu brauchen, gilt bei uns glaube ich oft nämlich als Zeichen dafür, dass es einen schmachvollen Grund gibt, warum man überhaupt einen braucht.

Einen Freund haben zu wollen, nicht. Einen Freund so verzweifelt zu brauchen, dass man darüber spricht – was die Erfolgschancen dieser Suche ja nicht erhöht – allerdings schon. Mein Eindruck.

Der Männerfreundschaft muss eigentlich immer irgendeine organisch gewachsene Zweckgemeinschaft vorausgehen

Müssen nicht. Aber das „organische“ ist halt der naheliegende „Mechanismus“. So paradox das klingt, es ist halt eine Metapher.

So, dass beide sagen können: „Also bitte, einen Freund hab‘ ich natürlich nicht gesucht, schon gar nicht diesen Döskopp hier, haha, *in die Rippen box*! Das hat sich so ergeben.“

Freunde können einander „Döskopp“ nennen und in die Rippen boxen. Können Frauen das auch? Nebenbei, wer sagt: „Einen Freund habe ich nicht gesucht.“? Ist Eure Kolumne eigentlich komplett erfunden?

Und das wird mit fortschreitendem Alter immer schwieriger. Und weil deshalb wenige Männer große Lust haben, sich auf den Buddy-Markt zu werfen, bleiben wir oft auch über weite Distanzen unseren Schulfreunden oder Brüdern treu

Auch nicht immer, aber ja. Langjährige Freundschaften zu pflegen ist natürlich asozial und böse, Männer sollten mehr wie Frauen werden, die das ja bekanntlich nicht machen. Lest Ihr eigentlich Eure Texte nochmal durch?

Und das allerbeste: wenn Männer sich tatsächlich mal ausheulen wollen – wegen privater Probleme und so – dann stehen Frauen ja auch nicht gerade ausreichend zur Verfügung. Was natürlich auch mit der Überlegung zu tun hat: „Er hat Liebeskummer. Oder ich vermute stark, dass er Liebeskummer hat. Ich habe aber keine Lust, die zu sein, die ihn tröstet, weil ´trösten´ möglicherweise eine Bedeutung annehmen könnte, die die Sache nur verkompliziert. Und selbst wenn nicht, und er kommt mit ihr wieder zusammen, habe ich keine Lust, seiner Freundin hinterher zu erklären, dass das nur trösten und nicht „trösten“ war.“

Dessenungeachtet geht es in der Kolumne mal wieder darum: „Frau findet bei Männern etwas problematisch, bietet aber keine Möglichkeit an, dieses Problem zu lösen.“

Ein Gedanke zu “Freundschaften

  1. Hach, das Thema. Im Grunde hat Anett Luisan schon vor über 15 Jahren besungen, was es dazu zu sagen gibt.

    Aber mal im Ernst. Ja, auch als Mann kennt man Tage, an denen man sich die Scheiße einfach mal von der Seele reden will und auf gute Ratschläge verzichten kann. Tut gut, wenn man den ganzen Ballast laut aussprechen kann.

    In der Regel will ich jedoch Probleme gelöst haben, damit ich den Kopf frei für das nächste Ding habe. Ein gelöstes Problem ist für mich auf lange Sicht wesentlich erquicklicher als alle aufmunternden Worte der Welt.

    Und hier sehe ich eben den deutlichen Unterschied. Ein Problemgespräch mit einer Frau ist in der Regel ein wohltuender Seelenfick, führt aber nirgendwohin. Aus einem Problemgespräch mit einem Mann kann man mehr oder weniger brauchbare Ansätze mitnehmen.

    Beides hat für sich genommen Vor- und Nachteile. Es gibt keinen Grund warum sich hier irgendwer ändern sollte.

    Gefällt 1 Person

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