Kinderwunsch

Hachja.

Männer mit oder ohne Kinderwunsch müssen ein Problem sein, dass nur feministisch lösbar ist. Alles andere hat keinen Sinn.

Fast 14 Jahre ist es her, dass bei einer Umfrage 43% der befragten Männer zwischen 18 und 39 angaben, Freizeit sei ihnen wichtiger als Familiengründung.

Schätzungweise 70% von denen sind inzwischen nicht mehr Teil dieser Alterkohorte. Es ist jetzt nicht direkt die Schuld von pinkstinks, wenn diese Umfrage nicht wiederholt wurde, aber das ist nicht tagesaktuell.

14 Jahre, in denen sich gesellschaftlich allerhand getan hat, Männerbild allmählich verändert wurden und auch neue Väterrollen entstanden sind.

Männerbild oder Männerbilder? Nebenbei, wird unterstellt, dass Männer sich gegen Familiengründung entscheiden, weil das die Gesellschaft von ihnen erwartet? Wenn ja, wie soll das funktionieren? Wenn nicht, wären diese 43% nicht die, die sich gegen Rollenerwartungen wehren? Also die „emanzipierteren“ Männer?

Vielleicht sogar so umfassend und nachhaltig, dass endlich eine umfassende Debatte über Männer und ihren möglichen Kinderwunsch möglich ist.

Erstens hat niemand irgendwen eine Debatte über Männer und ihren Kinderwunsch oder Nicht-Wunsch zu reden. Zweitens hat niemand bis dato den Bedarf gehabt, weil sie sonst geführt worden wäre. Aber wer würde die führen? Männern, die Kinder wollen, ist es egal, das andere Männer keine wollen, und umgekehrt, d.h., die einzige Person, mit der ein Mann das Thema diskutieren würde, ist die jeweilige Partnerin.

Denn bislang wurde das Thema bestenfalls unterkomplex behandelt.

Das Thema „passende Socken“ auch. Wegen des überschaubaren Diskussionsbedarfes.

Nicht zuletzt von Männern selbst.

Ist jetzt der Vorwurf, dass Männer keine Debatten führen, an denen sie nicht interessiert sind, und zwar nicht aus Gleichgültigkeit, sondern weil sie ihre Entscheidung in der Frage so oder so nicht von einer Debatte abhängig machen werden?

Männer, das waren (auch in Selbstaussagen) doch immer die, die irgendwie in die Vaterschaft hineingestolpert sind

Beleg fehlt. Bzw., „hineingestolpert“ wird schon für einige stimmen, aber eben nicht „immer“, und diese Selbstaussagen gelten vermutlich nur für die Männer, die das aussagen, nicht zwangsläufig für alle anderen.

und sich überlegen, wie sie mit diesem “Wasserbüffel” von einer schwangeren Partnerin Sex haben sollen.

Okeeee. Ich nehme an, solche Probleme kann man auch ohne dieses Buch lösen. Aber hat das wirklich jemand ernsthaft umgesetzt? Sonst anekdotische Evidenz halt.

Die so wenig mit dem eigenen Nachwuchs zu tun hatten, dass sie auf kaum etwas verzichten müssen.

Angenommen, die würden sagen, dass sie auf etwas verzichten müssen (man kann auch freiwillig auf etwas verzichten, Sprache verformt die Wirklichkeit). Wäre da nicht der erste Einwand, dass das ja wohl nichts sei, worüber sich Männer beschweren sollten?

Und wenn sie sich dann doch mal mit ihrem Nachwuchs beschäftigen, es angeblich in einer Art und Weise tun, die so stumpf und unfähig ist, dass man ihre Vaterschaft am liebsten ganz ausblenden will.

Dumpf, unfähig und völlig risikenvermeidend. Letzteres widerspricht gängigen Klischees und Vorurteilen. Also besser als anderes. Nebenbei, Klischees sind keine Rollenerwartungen; Männern Rollenerwartungen an Männer Männern zum Vorwurf zu machen ist noch harmlos im Vergleich dazu, ihnen Vorurteile über Männer zum Vorwurf zu machen.

2021 sollte doch ein bisschen mehr hinter den Themen Vaterschaft und Männer mit Kinderwunsch stecken, oder?

Auch 2007 steckte hinter dem Thema mehr, als pinkstinks bewusst ist. Das liegt daran, dass die sich nur für Männer und Väter interessieren, wenn sie das als Frauenthema aufgreifen wollen.

Einiges spricht dagegen. So ist die Regretting Motherhood Debatte wirklich zu einer Regretting Parenthood Debatte geworden, weil distanzierte Väter, die durch ihre Vaterschaft beruflich wie privat kaum Einbuße erleben, immer noch die Norm sind.

Das ist Blödsinn. Entweder, Väter erleben kaum „Einbußen“, dann ist Elternschaft nichts, was Männer bedauern. Oder Väter bedauern, Väter geworden zu sein, weil sie tatsächlich unfreiwillig auf etwas verzichten. Auch steht im zweiten Link tatsächlich, dass bereute Vaterschaft ziemlich die Ausnahme ist. Aber hey, wenn Mütter ihr Muttersein öfters bereuen, Väter ihr Vatersein fast nie, dann stimmt was mit den Männern nicht. Alles klar. Der erste Mann, der öffentlich erklärt, dass er seine Vaterschaft bereut, wird einen SEHR harten Shitstorm erwarten und schlimmeres, was ein Grund sein könnte, warum das nicht vorkommt.

Ein Umstand, der sich nach wie vor auch in den Strukturen wiederfindet, in denen Elternschaft aktuell ermöglicht beziehungsweise verunmöglicht wird.

Um das Thema etwas abzukürzen – niemand ist hierzulande Strukturen hilf- und hoffnungslos ausgesetzt.

Wenn es beispielsweise darum geht, wer im Homeoffice noch “irgendwie nebenbei” die Kinder betreut/beschult und den Haushalt schmeißt. Oder wer für die Betreuung von Kindern Kinderkranktage in Anspruch nimmt.

Ja, Arbeitgeber(m/w/d) zeigen bei Müttern mehr Entgegenkommen als bei Vätern. Das ist eine Ungleichbehandlung, die man ja kritisieren kann. Aber, da Frauen andere Berufe als Männer präferieren, und nicht dazu gezwungen werden, ist das nicht meine Schuld.

Trotzdem tut sich was und das ist auch gut so. Denn im gleichen Maße wie wir anerkennen sollten, dass eben nicht alle Frauen eine tickende biologische Uhr in sich tragen,

Stimmt, nicht alle Frauen haben einen Uterus.

muss anerkannt werden, dass es Männer gibt, die nicht erst zur Vaterschaft motiviert oder überredet werden müssen.

Ja. JJL hat angeblich seit Weihnachten keine Nachrichten mehr konsumiert. Und was ist EURE Ausrede? Die einzigen, die die Existenz von Männern, die gerne Vater werden und sind, nicht anerkannt hat – außer bei sich selbst, Herr Pickert – sind Feministinnen(m/w/d).

Und die darunter leiden, wenn es nicht funktioniert

Diesbezügliche Witze gibt es schon seit immer. Was zum Frell?

oder sie in ein Rollenkorsett zwingt, dass ihnen ganz grundsätzlich unterstellt, qua Geschlecht gar nicht so sehr an Kindern und Kümmern interessiert sein zu können.

Ja, hat Edeka Euch alles kaputt gemacht? Buhuhu, arme Feministinnen, Euer Männerbild wird von anderen verbreitet.

Denn Vaterschaft ergibt sich eben nicht nur aus einem Randvermerk

wie es früher in den Geburtsurkunden von Kindern aus unehelichen Beziehungen beschrieben wurde.

Mater semper certa. Aber das ist bestimmt auch frauenfeindlich. Entweder, weil es Frauen benachteiligt, oder weil es männerfeindlich ist, und sich das nachteilig auf Frauen auswirkt.

Und deshalb ist es auch an der Zeit, große Fragen zu thematisieren, die bislang wie selbstverständlich Frauen zugewiesen wurden:

Keine der folgenden Fragen sind solche, die man Frauen stellt. Oder um die sich Frauen kümmern würden. Es sei denn, man ersetzte „Männer“ mit „Frauen“, und dann wäre es tatsächlich logisch und „selbstverständlich“, dass man sie Frauen stellt.

Der hängt jetzt so ein bisschen von den allgemeinen privaten, beruflichen und finanziellen Umständen ab, natürlich auch biologischen, aber weil die biologischen Umständen der Frau, die in andere Umstände kommen müsste, wichtiger sind, werden deren Risiken priorisiert. Nie im Leben wollt IHR das anders haben.

  • Was brauchen Väter, um eine Vereinbarkeit von Familie und Beruf herstellen zu können? Und zwar ohne, dass sich vorgebliche “Vereinbarkeit” darin erschöpft, dass die Partnerin das Allermeiste stemmt.

Ach, das Thema. Eine Frau, die mehr verdient als er selbst. Er stemmt dann das Allermeiste, nämlich Haushalt und Kinder, und sie kann in der Zwischenzeit mehr Geld verdienen als er es könnte.

  • Was brauchen Väter, um sich gesellschaftlich repräsentiert zu fühlen und ihre Bedürfnisse und Forderungen einbringen zu können?

Hallo? Halloho??? Wir leben doch, wie ich regelmäßig erfahre, in einem Patriarchat. Also einer Väterherrschaft. Ergo sind Väter die einzigen, die sich gesellschaftlich repräsentiert fühlen können und deren Bedürfnisse und Forderungen eingebracht werden. Ansonsten wäre nämlich die Antwort: väterfeindliche Organisationen und Parteien bekämpfen!

  • Was können wir alle miteinander tun, damit Männer die Frage nach Kindern nicht glauben mit “Ja, aber bitte erst später” beantworten zu müssen.

Wieso „müssen“? Dass manche Männer Dinge sagen, die sie wollen oder zumindest lieber hätten, kommt in pinkstinks Meinungsblase wohl nicht vor.

  • Wie kann Männern mit unerfülltem Kinderwunsch geholfen werden?

Leihmütter? Leihmütter. Oder jemand erfindet bitte eine künstliche Gebärmutter. Das würde noch ganz andere Probleme lösen.

Denn all diese Männer gibt es. Der Wunsch nach Kindern hat kein Geschlecht und er ist gerade bei Männern großflächig noch unentdecktes Land.

„Das Internet ist für uns alle Neuland.“ Ich habe noch nichtmal das Gefühl, dass das Mitleid mit Männern erzeugen soll, sondern Männer als dumme Idioten främen, die von sich selbst befreit werden müssen.

Wenn es uns gelingt, ihn ernst zu nehmen und nicht gegen das Bedürfnis von Männern auszuspielen, keine Kinder haben zu wollen

Wer macht das? Und vor allem, wie? Mann A: „Ich will keine Kinder!“ – „Ok, dann suche ich mir einen, der Kinder will.“ – „Mach doch.“ … Mann B: „Ich will Kinder!“ – „Ok, dann suche ich mir jemanden, der keine Kinder will.“ – „Mach doch.“ Ok, ganz so flapsig wohl nicht, aber wenn es in der Frage keine Einigung gibt, wird eine Hälfte der Partnerschaft nicht glücklich werden.

aber eben auch nicht gegen die Bedürfnisse und Ansprüche von Frauen in Sachen Familienplanung

*Schulterzuck

dann wären wir mit der Gleichberechtigung einen wichtigen Schritt weiter

Beide Geschlechter haben das Recht und die Möglichkeit, solche Entscheidungen einvernehmlich zu treffen. Der Teil der Gleichberechtigung kann nicht das Problem sein.

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