Superdämlich

Das „Master“mind hinter #allesdichtmachen. Oder Master“mind“? „Master“mind“ ist richtig…

Also, eine Erklärung wie: „Wir sind alle mit dem Nerven am Fußboden und das merkte man uns auch an, oder? Sorry!“ hätte ich verstanden. Ich weiß, viele nicht, und noch andere fänden es deshalb nicht gut, weil sie die eigentliche Aktion für gut befanden, aber ich jetzt.

Aber nun, Brüggemann…

Natürlich kann man aus diesen Videos inhaltliche Botschaften herauslesen.

Ja. Also, diese Schauspielerinnen und -spieler halten die Coronamaßnahmen für schlecht, und zwar für zu hart? Ok. Und aus Ironiegründen fordern sie mehr Lockdown, weil sie eigentlich weniger oder gar keinen Lockdown wollen.

Und zwar jeweils unterschiedliche.

Ok, sorry, wenn ich nur die Zusammenfassungen kenne – welches Video spricht sich im Unterschied zu den anderen ironischerweise für Öffnungen aus, oder unrionischerweise für härteren Lockdown, weil das fraglich Individuum mehr Lockdown will? Irgendwer? Wenn nicht, sind es keine unterschiedliche Botschaften.

Niemand muß sich diese Standpunkte zueigen machen.

Ja, freies Land und so. Brüggemann muss sich auch die massive Kritik daran nicht zu eigen machen, selbe Begründung.

Aber es sind legitime Standpunkte.

Wenn etwas mit so viel Ironie zugeschüttet ist, das man nicht genau weiß, wofür der Standpunkt ist, sondern nur, wogegen, ist das jetzt recht trivial. Aber wenn es bespielsweise legitim ist, die Einführung der Todesstrafe zu fordern, ist es ebenso legitim, dies kategorisch abzulehnen. Punkt ist aber, dass Befürworter der Todesstrafe evt. weniger mit Ironie kommen, sondern mehr mit Argumenten.

Kritik an den Corona-Maßnahmen ist legitim.

Es ist legitim, die Politik zu kritisieren, ja. Es ist auch leditim, die Abschaffung des Tatorts zu fordern. Gefällt mir nicht – welches Gegenargument wollte Ihr da denn bitte gegen einwenden?

Kritik an der Absurdität einer Situation, in der jeder schon durch bloßes Atmen eine Gefahr für seine Mitmenschen darstellt, ist legitim.

Dieser Aspekt der Situation wird durch das Virus selbst verursacht, nicht durch die Politik. Ergo richtet sie sich gegen ein hirnlosen Gebilde. „Legitim“ ist das neue „sinnlos“.

Kritik an Abstandsgeboten, die uns im Kern dessen treffen, was unsere Menschlichkeit ausmacht, ist legitim.

Ähh, dann stimmt was mit meiner Menschlichkeit nicht – Leuten nicht die Hand schütteln ist nichts, was ich vermisse. Und ich kenne Leute, die Körperkontakt deutlich mehr ablehnen als ich.

Kritik an Ausgangssperren ist legitim.

Weil sie nur so semi-nützlich ist? Weil die üblichen Verdächtigen Ausnahmeregeln für Frauen fordern? Weil in Hinblick auf Home-Office-Pflicht nicht annähernd das ausgereizt wurde, was man hätte ausreizen können?

Kritik an Kontaktbeschränkungen, an die sich niemand konsequent halten kann, ist völlig legitim.

Was genau wäre die Kritik? Dass die Leute sich nicht dran halten „können“, dass die Beschränkungen nichts mehr nutzen, wenn sie nur zu 90% eingehalten werden, dass Ausnahmeregelungen nicht vorhanden oder sinnlos sind, oder irgendetwas anderes?

Natürlich darf man diese Regeln in Frage stellen. Keines der Videos stellt Fragen, die man nicht völlig legitimerweise stellen darf.

„Warum soll man keinen gelben Schnee essen?“ – „Warum müssen wir uns anschnallen?“ – „Warum muss ich Hosen tragen?“ Es gibt Antworten. Diese Antworten sind leicht zu googeln, falls man die letzten 13 Monate vorbildlicherweise in einer Höhle im Berliner Tierpark verbracht hat. Aber es gibt keine dummen fragen, es gibt nur dumme Menschen.

Wir kennen es doch alle: Unter vier Augen gibt fast jeder zu, daß er die Regeln für sich etwas großzügiger handhabt und einiges auch gar nicht für sinnvoll hält.

Ich nicht. Ich kenne niemanden, der das mir gegenüber „zugibt“, ich handhabe die Regeln nicht „etwas großzügiger“, und „nicht sinnvoll“ ist nicht immer „zu hart“.

In der Öffentlichkeit sagt man dagegen: Natürlich halte ich mich an die Maßnahmen, trage Maske und so weiter.

In der Öffentlichkeit – Supermarkt, ÖPNV, etc. – trägt man ja auch Maske. Dass man die dann privat nicht mehr trägt, ist jetzt irgendwie die logische Konsequenz.

Natürlich steckt in diesem Auseinanderklaffen von Reden und Handeln eine ordentliche Portion Heuchelei.

Weil Sie, Herr Brüggemann, es mit den Regeln also nicht so genau nehmen, und Ihr Umfeld anscheinend auch, machen Sie sich also über Heuchler lustig. Okeee…

Und diese Heuchelei satirisch aufzuspießen, auch das ist völlig legitim.

„Ja, kuckt mal diese Regisseure immer, dauernd voll gegen Heuchelei und Doppelmoral, dabei sind die das am meisten!“

Ich glaube, wir kämen als Gesellschaft weiter, wenn wir das, was wir im Privaten tun, auch öffentlich bekennen würden.

Also, ich trage oft Socken mit Löchern, weil das Paar so besser passt und ich keine Lust habe, mir neue zu kaufen. Feiert mich, weil ich so offen bin!

Also z.B.: Ich halte mich nicht immer ganz konsequent an die Maßnahmen, weil das gar nicht möglich ist.

Wenn es an bestimmten Stellen nicht möglich ist, also tatsächlich physisch nicht anders geht, kann man das für diese Stellen benennen. Aber das tat ja niemand in den Videos, oder?

Und ich mache mir auch manchmal Gedanken, ob sie allesamt so sinnvoll sind.

Also, ob sie alle „legitim“ sind? Sprache und Regeln und so. Die meisten Menschen machen sich diese Gedanken. Die wenigsten brauchen dafür SIE.

Oder ob sie in unserem Leben etwas kaputtmachen, das sich so leicht nicht mehr reparieren läßt.

Es gibt Leute, die ich gerne mal wieder treffen würden, und die mich. Und DAS ist „kaputt“. Aber nach Wegfall der Krise wird das instant wieder gehen.

Oder wir bewegen uns in eine Gesellschaft, in der das öffentliche Bekenntnis streng getrennt ist von dem, was man im Privaten tut.

Bei Corona ist es tatsächlich egal, was ich tue, wenn ich alleine bin. Bzw., ganz theoretisch, wenn ich nach 22.00 von A nach B fahre, weil ich von meinem Büro zu meiner Wohnung fahre, muss ich das als Arbeitsweg erklären, wenn mich die Polizei anhält. Ginge aber. Wenn ich eine Party feiere mit mehr als einer Person aus mehr als einem Haushalt. Nun, das ist dann keine strenge Trennung mehr zwischen Öffentlichkeit und Privatem. Außerdem ist das kein Fall von etwas, was nicht anders geht.

Das wäre Doppelmoral. Wir kennen sie aus religiösen Gesellschaften.

Erstmal, kennt er das aus tatsächlich religiösen Gesellschaften oder aus den Klischees und Vorurteilen, mit denen in Fernsehkrimis religiöse Gesellschaften beschrieben werden? Zweitens, sind die wirklich alle doppelmoralisch, oder gibt’s nicht auch Leute, die sich an die Regeln ihrer Religion halten? Drittens, Corona ist keine Frage des Glaubens. Viertens, er unterstellt ALLEN Doppelmoral, aus der Überlegung heraus, dass, weil er sich nicht an Regeln halten kann – und Nicht Können wohnt oft in der Will-Nicht-Straße – alle anderen das auch nicht tun. Und fünftens, seine Absicht ist nicht, diese Doppelmoral zu beenden, indem man die Wirklichkeit dem Anspruch anpasst, sondern den Anspruch an die Wirklichkeit.

Es gibt wahrscheinlich eine Menge Menschen, die in Hinblick auf irgendeine Regel eine Form von Doppelmoral praktizieren. Angenommen, eine wäre „Ich schlage meine Kinder nicht.“ Soll man da auch diskutieren, ob es besser wäre, das Schlagen von Kindern u.U. zu erlauben, nur, weil es einige für zu schwierig halten, es nicht zu tun?

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