Empathie und Logik

Zu Suicide Squad (FÜNF Jahre alt, Kinder, wie die Zeit vergeht) gibt es allerlei Kritik, hier möchte ich aber auf einen Punkt hinweisen, der mit Theorie of Mind, Empathie und Logik zu tun hat. Wenn wir das Verhalten anderer Menschen beobachten, was können wir über deren Motive, Gedanken und Gefühle, aber vor allem, ihren Wissen wissen?

Und, um es gleich zu sagen, eine MENGE der Fehler in diesem Film kann man vermutlich der etwas zu großen Nachproduktion zuschreiben. Also Fehler, wo sich Charas sehr dumm oder sinnlos verhalten, wofür es möglicherweise eine Erklärung gefunden hätte.

Die Idee ist, dass eine Frau namens Amanda Waller im DC-Universum plant, ein „Suicide Squad“ aufzustellen; Superschurken, die Aufträge für die USA ausführen, bei denen „Super“-Fähigkeiten hilfreich wären, moralische Erwägungen nicht und bei denen es nicht allzu schlimm wäre, wenn die Teilnehmer (und Harley) nicht lebendig wiederkämen. „Super“ ist jetzt ein sehr dehnbarer Begriff, am oberen Ende der Skala stehen Leute mit übernatürlichen Superkräften, in der Mitte solche mit übermenschlichen und am unteren Ende Menschen, die einfach in irgendwas sehr gut sind, was prinzipiell jeder Mensch können könnte, aber sie haben viel Talent und Training. Dass dieses Selbstmordkommando von Waller tatsächlich als Mittel gegen Superman und Co angepriesen wurde, ist halt die Verkaufstaktik. Dass von der Truppe nur Echantress und evt. Diablo eine Schnitte gegen Kryptonier hätten, ist erstmal noch kein Logik-Bug. Als Comicleser weiß man, dass Superman (und seine Sippschaft) keine spezielle Immunität gegen Magie haben, so dass eine Magierin ein veritabler Gegner wäre; und ggfs. zählt Diablos Pyrokinese als Magie, insbesondere, was die Verletzbarkeit kryptonischer Superwesen betrifft, aber den Leuten, die Weller das vorstellt, sollte klar sein, dass die anderen so gar nichts reißen würden.

Was natürlich nicht ausschließt, die entsprechenden Low-Level-Schurken gegen andere Gegner einzusetzen: anderer Superschurken, Terroristen, normale Gangster oder den Iran.

Es gibt ein Video, was die Filmfehler aufaddiert, und ein anderes, was die Fehler in den Fehlern aufaddiert. (Wer will, von Anfang an ansehen).

Meine persönlichen Hauptfragezeichen wären:

  • auch, wenn „Echantress entwischt“ die Haupthandlung darstellt, war Art ihrer Bindung mehr schlaff als straff: Müsste ihr Herz nicht deutlich besser gesichert sein? Müsste June Moon, deren Körper sie besessen hat, nicht deutlich besser überwacht werden als nur durch ihren Freund? Warum gibt es keinerlei Totmannschaltung dergestalt, dass das Herz nicht vernichtet wird, sobald längere Zeit keine „OK“-Signale von der Überwachung kommen? Und wenn vllt. selbst Weller davor zurückschreckt, June Moon eine Sprengkapsel zu implantieren, wie wäre es mit einer Schlafmittelkapsel? Echantress hielte das vllt. auch nicht auf, aber der Fehler ist, dass man dachte, das würde klappen.
  • weiterhin, wieso hat das Squad keine Totmann-Schaltungen, wie in „Die Klapperschlange“? Wenn die nicht regelmäßig einen Funk-Impuls bekommen, sterben sie. Oder wenn sie nach Einsatzende nicht zurückkehren. Oder ein bestimmtes Gebiet verlassen. Oder eine Kombination aus allen dreien. Das auch vor dem Hintergrund, dass ihr Aufpasser Flag bei dem Einsatz ums Leben kommen könnte oder das Sendegerät zerstört.
  • wie Cinemasins schon sagt, einfach einen guten Scharfschützen einzusetzen, wäre in DEM Einsatz eine Option; der hätte eine Motivation, eine Freigabe, keinen Grund, seinen Vorgesetzen zu erschießen, sterben zu lassen oder „zufällig“ von einem Querschläger erwischen lassen, wupsi.
  • warum genau hat Flag, Moons Freund, das Kommando? Offenbar gibt es eine Möglichkeit, Echantress zu besiegen, ohne Moon zu töten, aber nunja, wusste man das? Was, wenn ein gezielter Kopfschuss das Problem gelöst hätte, aber der Schütze kriegt selbst den Kopf weggesprengt, weil Flag anderes im Kopf hat?

Die Hauptfrage ist mir aber erst durch die obigen Videos aufgefallen. Ich war im Film der Ansicht, dass Harley wusste, dass IHRE Nackenbombe entschärft war. Weil der Joker den entsprechenden Programmierer dazu gezwungen hat. Jetzt hat der ihr ein Smartphone und damit Nachrichten geschickt, so dass die Frage, warum sie nach seinem gescheiterten Befreiungsversuch zu keinem Zeitpunkt einen zweiten Fluchtversuch unternimmt, schon berechtigt ist. Jetzt ist die Gegenposition einfach, dass sie nicht weiß, dass sie sozusagen in Sicherheit ist.

Und sorry, das ist Blödsinn. Ja, wir sehen nicht, dass das der Joker ihr das schreibt. Nein, sie sagt das auch nicht. Aber das ist auch völlig egal. Sie ist vllt. geisteskrank. Sie lebt in einer ungesunden Beziehung zum Joker – nicht toxisch, weil kein Mensch toxisch ist, selbst, wenn diese Menschen es romantisch finden, in Chemieabfällen zu baden – aber eben ungesund, und ihre Vermutung, dass der Joker tatsächlich, wirklich und wahrhaftig tot sein könnte (als Comicleser schließt man diese Idee natürlich von vorneherein aus, aber nun denn), mag ihre Charaktermotivation oder eher -demotivation im letzten Teil des Filmes gewesen sein, aber sie ist nicht selbstmordgefährdet. Trotz des Filmtitels. Natürlich hat der Joker ihr getextet, dass ihre Bombe entschärft wurde, und sie daher nicht per Fernzündung getötet werden kann. NaTÜRlich hätte sie keinen Fluchtversuch unternommen, wenn sie das nicht gewusst hätte.

Und daher überstimmen Empathie, Logik und gesunder Menschenverstand in diesem Fall alles, was der Film nicht zeigt, sagt oder sonstwie erklärt.

Als Kontrastprogramm das Pro-Video.

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