Yay, HASS!

Eigentlich wollte ich da nicht drauf eingehen, aber es ist inzwischen schon sehr eskaliert.

Ich kann bzgl. #pinkygloves auch viele Reaktionen von Frauen nachvollziehen:

  • wir kriegen das eigentlich auch so hin, insbesondere ohne männliche Hilfe
  • diese Handschuhe sollen uns doch bloß das Geld aus der Tasche ziehen
  • weniger Plastik ist aber besser
  • kauf ich nicht
  • und meinetwegen auch irgendwelche psychologischen Erklärungsmuster

Aber nagut, der Markenname pink-irgendwas ist ja monopolisiert.

In der TV-Show “Höhle der Löwen” des Senders Vox wurde vorgestern ein Produkt für Menstruierende vorgestellt, das “hygienisch, diskret und perfekt für unterwegs” sein soll. Nette Idee, könnte man denken. Nur, dass dieses Produkt von “Pinky Gloves” präsentiert wurde, einem männlich geführten Start-Up.

„Nette Idee“, aber nicht, wenn sie von Männern kommt. Nebenbei, dergleichen ließe sich extrem leicht boykottieren.

Vor knapp zwei Jahren hatten die Berliner ooia-Gründerinnen Kati Ernst und Kristine Zelle auch versucht, in dieser Show Menstruationsunterwäsche vorzustellen, damals aber keine Zusage bekommen. Männer dürfen, Frauen nicht?

Mal umgekehrt, wenn die Frauen die Handschuhe vorgeschlagen hätten und die Männer die Wäsche, und DANN hätten die Frauen die Zusage bekommen und die Männer nicht – wäre das dann also ok? Wie sinnvoll oder logisch die Entscheidungen bei der Sendung sind, weiß ich im Detail auch nicht, insofern will ich beide Entscheidungen nicht verteidigen.

Pinky (der Name ist Programm) sind rosa Handschuhe (weil Frau = pink, voll logisch!) aus Plastik (deswegen besonders umweltschonend) mit denen Menstruierende Tampons nun endlich anfassen können (sonst, OMG, schmelzen unsere Hände!). Danke! Darauf haben wir gewartet!

Ja, persönlich wäre ich für hellblau gewesen, der Farbe der „Ersatzflüssigkeit“. Aus der einen Werbung. D’oh. Ernsthaft, von allen möglichen feministischen, antimaskulistischen oder sonstwie -istischen Seiten beschwert sich tatsächlich pinkstinks über die Verwendung des Wortes „Pink“?

Eugen Raimkulow und André Ritterswürden, Gründer von Pinky Gloves, lernen sich bei der Bundeswehr kennen, werden beste Freunde, ziehen gemeinsam in eine Frauen-WG und werden dort nach eigenen Angaben zu echten “Frauenverstehern”.

Ah, Bundeswehr. Alles klar. Nebenbei ist „Frauenversteher“ nur mit sehr viel Ironie als Eigenbezeichnung verwendbar, weil damit eigentlich Männer gemeint sind, die Frauen zu gut verstehen, um von denen als attraktiv wahrgenommen zu werden…

In ihrer WG sprechen die beiden gefühlt das erste Mal mit “echten” Frauen und beschäftigen sich mit so richtig harten Tabuthemen, also mit der Menstruation.

Ja, in der Zivildienstschule hatten wir Umgang mit Tod und Sterben und eine Diskussion zum Thema Sterbehilfe. Was bei der Bundeswehr ja eigentlich… ich halte einfach die Klappe.

Dort lernen sie auch von der Misere der Frauen, die in Club-Toiletten, auf Festivals oder in fremden Haushalten nicht so richtig wissen, wohin mit ihren blutigen Tampons und Binden.

Jaaaa, gut, in 95% aller Fälle wird es dafür eine Lösung geben, oder sogar in 99%. Ist also ein eher wenig sinnvoller Versuch zu helfen. Andererseits – Feminismus würde angeblich auch Männern helfen, und davon merkt man noch weniger.

Sie setzen sich zusammen, betreiben viel Research und Development (also, reden mit ihren Ehefrauen darüber) und entwickeln Pinky, die pinken Plastikhandschuhe für Menstruierende.

Ja, Pinky, der Pinky und der Brain, Brain, Brain. Narf. (Die relativ geringen Herstellungskosten im Vergleich zu der Menstruationswäsche gab möglicherweise den Ausschlag, aber ich bin kein Start-Up-Unternehmer.)

Wir, als Pinkstinks, wollten uns dazu mal kurz zu Wort melden. Diese Handschuhe sind sexistisch, diskriminierend, betreiben Menstruations-Shaming und werden von Nicht-Betroffenen entwickelt und beworben.

Y? Die Handschuhe behaupten nicht, dass ein Geschlecht einem anderen gegenüber unterlegen wären, grenzen kein Geschlecht aus – bzw., wenn, Männer als Kunden – „Shaming“ ist jetzt ein sehr inflationärer Gebrauch des Wortes, weil sonst der Wasserhahn, an dem man sich andernfalls die Hände wäscht, ja auch „Shaming“ betreibt, und das etwas von Nicht-Betroffenen entwickelt und beworben wird, ist weder illegal noch ehrenrührig.

Können Männer bitte endlich aufhören über Dinge zu diskutieren oder sie zu “erfinden”, von denen sie keine Ahnung haben?

Wenn Frauen zum Thema männerfeindliche Werbung interviewt werden, stört das doch auch niemanden.

Es gibt nämlich so viele tolle Unternehmen & Startups, die seit Jahren daran arbeiten, Menstruation zu enttabuisieren, die aufwendige Anti-Shaming Kampagnen betreiben und sich viele gute Gedanken machen.

Ja, und? Niemand hindert die. Bzw., ein Produkt von begrenzter Sinnhaftigkeit kann ja wohl nicht in der Lage sein, Anti-Shaming-Kampagnen zu verhindern. Ansonsten einfach nicht kaufen. Oder meinetwegen Boykottaufrufe starten, wenn Ihr dem Markt nicht traut – tut Ihr nicht – oder dem Verstand von Menstruierenden, sich von sowas nicht reinlegen zu lassen – tut Ihr bestimmt, woll?

Denn mal ganz ehrlich, wonach sehnen sich Frauen und Menschen mit Uterus

Wieso „und“, nicht „oder“? Oder wieso einfach NUR „Menschen mit Uterus“, Frauen ohne Uteri benötigen aus logischen Gründen keine Tampons?

 dass Männer ihnen ihre Probleme mansplainen?

Wenn Frauen Männern was von „toxischer Männlichkeit“ erzählen, interessiert Euch dieses Argument auch nie.

Wir wünschen uns Sichtbarkeit, Aufklärung, Enttabuisierung, Lobby, einen Platz am Tisch, Gleichberechtigung und verdammt nochmal den Respekt, darüber besser im Bilde zu sein was unsere EIGENEN Körper angeht!

Habt Ihr, habt Ihr, betreibt Ihr, seid Ihr, habt Ihr, habt Ihr und habt Ihr umgekehrt auch nicht. Was soll die Beschwerde?

Also lieber Eugen, lieber André, wenn ihr wirklich helfen wollt, also so richtig mit Emanzipation und Gleichberechtigung und so, dann gebt einen Ratgeber heraus, wie Kerle damit klar kommen können, dass Frauen bluten.

Eigentlich wollten die nicht „helfen“, sondern „Geld verdienen“. Das mag man natürlich aus ideologischen Gründen ablehnen, aber das ist jetzt so, als würde man Habeck sagen, wenn er wirklich helfen will, sollte er mit Politik aufhören und anfangen, Unkraut zu jäten.

Oder spendet eure bisher getätigten Einnahmen und lasst Frauen ran.

Tja, wenn Frauen das machen, ist die Idee natürlich gut. Habeck könnte ja auch seine Bucheinnahmen spenden. Aber gute Nachrichten, nach Todesdrohungen haben die beiden wirklich aufgehört. Ihre Familien, einschließlich Ehefrauen, wird es freuen, kein Geld mehr damit zu verdienen.

Wir sind aber noch nicht fertig, Herr Ralf Dümmel, von Ihnen brauchen wir auch etwas.

„Wir wissen nämlich, wo Sie wohnen.“

Bitte supporten Sie frauengeführte Start-Ups

Weil: „Frauen!“

und machen Sie sich in Zukunft Gedanken

„Wir wissen auch, wo Sie arbeiten.“

zusammen mit ihrem Berater-Team, ihrer Redaktion und dem Sender

Eine Kapitalistensendung ist kapitalistisch. Kann man natürlich durch „Aktion Mensch“ oder so ersetzen, ist aber dann ein anderes Format. Jedenfalls verliert man als Linke(m/w/d) die Streetcredibility, wenn man erkennen lässt, dass man verstanden habe, wie Marktwirtschaft funktioniert.

ob es so richtig klug ist, im Jahr 2021 Produkte zu unterstützen, die von Ahnungslosen entwickelt wurden.

„Sie haben ja keine Ahnung. Und es wäre ja wirklich schlimm, wenn Ihrer Familie etwas passieren würde, oder?“

Und wenn wir schon dabei sind, brauchen wir eine Entschuldigung und eine Zusicherung, dass sowas wirklich nie wieder passiert!

„So eine nette Sendung, es wäre ja wirklich schade, wenn der etwas passieren würde.“

Mic-drop!

Müssen die nicht noch drohen, seine Mudda zu…

2 Gedanken zu “Yay, HASS!

  1. Bin heute mal wieder mit einer Feministin konfrontiert worden, derzufolge Männer durch Sprache Macht ausüben, weshalb man sexualisierte geschlechtergerechte Sprachregelungen brauche. Das ist vor diesem Beispiel hier, mit der unschuldige, vielleicht naive Erfinder, die nicht ahnten, dass Geschlecht ein vermintes Gelände ist, niedergemacht wurden,… sehr überzeugend.

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