Eigentlich ist es nicht mehr lustig

Uneigentlich: was soll’s?

Die Kinder, denkt irgendeiner bitte mal an die Kinder?

Pinkstinks mal zu Abwechslung nicht über Frauen.

Lieber Spiegel-Redaktion: Danke, dass ihr gegen diese miesepetrigen Mütter da draußen, die jammern, dass ihre Kinder nicht zur Schule können, ein Zeichen setzt.

Also, eigentlich doch über Frauen. Aber gegen den Spiegel. Welcher Spiegelartikel gemeint ist, weiß der Gilb, denn Artikel zu verlinken, damit die geneigte Leserschaft sich ein eigenes Bild machen könnte, ist unterdrückerische Maskuscheiße.

Da muss ja mal was gesagt werden, und ihr tut es! „Kinder in der Coronakrise: Viele sind selbstständiger geworden“, ist heute euer Spiegel-Plus-Aufmacher

Hierzu wohl.

Ist hinter einer Bezahlschranke, insofern sehe ich ein, dass sich das nicht jeder durchliest. Oder jede. Oder jedes. Aber der reine Link: „Das meine ich, wer ein Abo hat oder ein Probeabo eingehen will, bitteschön.“ wäre nicht allzuviel Service gewesen.

die letzten Wochen habt ihr uns immer wieder erfreut, dass ihr die positive Seite am „Distanzunterricht“ beleuchtet:

Ok, ich erkenne den Sarkasmus. Und angesichts der neusten Entwicklung halte ich es eigentlich für völligen Quatsch, die Politik noch für irgendwas zu verteidigen. Entscheidungen mit drei Tagen Vorlauf zu treffen, ist blöd, auch, wenn es die richtige ist.

„Bildung in der Coronakrise: Wie lange waren die Schulen wirklich geschlossen?“ (Ey komm, die paar Wochen!)

Ok, wen belastet der progressive Steuersatz wirklich? Frauen.

Ihr beleuchtet den „Zwang“ zum Schulbesuch für die, hin „müssen“, und wenn ihr von Infektionsherden sprecht, nennt ihr Schulen vor Arbeitsplätzen.

Mal vorsichtig formuliert, das kommt vllt. noch auf die Arbeitsplätze an, aber Schulbesuch findet meistens mit ÖPNV statt, Großraumbüros mit 20 Leuten ohne Trennwände sind eher selten – in Schulen heißen die „Klassenzimmer“ -wohingehend viele Berufe auch an der frischen Luft stattfinden. Und Arbeitnehmer haben tatsächlich eher eine Chance, Homeoffice gegen Cheforder durchzusetzen als Schüler. Ich weiß jetzt nicht genau, in welchem Kontext da Zwang steht, aber ganz falsch ist der Begriff auch nicht.

Und gut, dass ihr auch mal anmerkt, wer die wirklichen Luschen sind: „Burn-Out, Erschöpfung, Depression: Wie uns das Homeoffice kaputtmacht“

Das ist wohl das hier. Zwei unterschiedliche Artikel, das eine ein Interview, dass andere nicht, die demzufolge nicht notwendigerweise dasselbe Thema oder gar dieselbe Meinung wiedergeben sollen. Warum mache ich mir eigentlich die Mühe, pinkstinks-Artikel einzeln zu kritisieren? (Oder wenn nicht, zumindest zu zeigen, dass das zwei unterschiedliche Artikel von unterschiedlichen Leuten sind?)

So was gibt es bei den Jugendlichen, die jetzt noch zu Hause sind, nämlich gar nicht. Na also!

Wenn der Spiegel von Depressionen bei Erwachsenen spricht, bedeutet das, dass es bei Kindern und Jugendlichen keine Depressionen gäbe? Ok, dann bedeutet die Aussage, dass Frauen systemrelevant seien, dass Männer es nicht sind. Hatte ich hier schonmal. (Persönlich, als ich in dem Alter war, wäre ich vllt. mal froh gewesen, die Nasen in meiner Schule nicht dauernd zu sehen, aber ich bin auch kein Maßstab.)

Ich bin keine Corona-Leugnerin, im Gegenteil: Ich habe einen höllischen Schiss vor dem Virus. Ich isoliere mich mit der Familie seit Monaten, wenn ich mal eine Freundin treffe, dann die, die das auch tun, und nur mit Selbsttest.

Warum Frauen keine Männer treffen wurde mal bei Jetzt erklärt. Aber ich schweife ab. Ja, offenbar nimmt da jemand das Thema ernst. Schön für sie.

Entschuldigt meinen ironischen Ausbruch, aber ich bin kurz davor, mein Spiegel-Abo zu kündigen.

Ach, nichts zu entschuldigen. Aber den Spiegel dafür zu kritisieren, weil dieser in einem Artikel nur eine bestimmte Gruppe behandelt, und ihm dann zu unterstellen, er würde nicht an die Mütter Kinder denken, die armen Kinder! Ist das wirklich ironisch? Es müsste selbstironisch sein.

Ich halte nur noch daran fest, weil ich mich über alle anderen Themen dort gut und breit informiert fühle.

Du fühlst Dich bei denen nicht breit, nein, Du bist es, drum lass das Gejamm’re sein, denn so ist es…

Aber was Schüler*innen betrifft, kickt ihr bei mir täglich – und zwar seit einem Jahr – die Cortisol-Latte so hoch, dass ich kurz davor bin, zur BILD zu wechseln.

Ich glaube, man darf in D. auch mehr als eine Zeitung lesen. Freies Land und so. Aber gut, es ist ja ein

Scherz.

Haha, witzig.

Ich habe zwei Kindern an zwei verschiedenen, weiterführenden Schulen in einem der kinderreichsten und mit Schulen dicht besiedeltsten Stadtteilen von Hamburg. Ich bin ein sozialer Mensch und kenne sehr viele Eltern dort. Ich weiß, dass – was vorher schon knapp war – es jetzt überhaupt keine Therapieplätze mehr für Kinder gibt.

Also, eine Cousine von mir ist richtig sauer, weil sie bis Montag alles wieder für Distanz-Unterricht umstellen muss. Insofern sehe ich den Frust und den Ärger ein. Auch, weil die Schulen anders als die Unternehmen direkt von der Regierung kontrolliert werden können. Z.B., wenn eine Stadt die Schulen schließen will und die Landesregierung „nein“ sagt. Und Therapieplätze sind schon immer knapp gewesen, dass ist jetzt keine Entschuldigung, aber auch kein Beweis.

Alleine in meinem Bekanntenkreis sind die Fälle von Essstörungen, Angstanfällen, Depressionen und vor allem unter Mediensucht leidenden Jugendlichen gefühlt exponentiell angestiegen.

Gefühlt exponentiell. Das ist exakt die Argumentation, mit der man bei meinem Mathelehrer nie weiterkam. Nebenbei, ist nur die Exponential-Funktion gefühlt, oder auch die Diagnosen?

Was bleiben da für Langzeitschäden?

Wenn tatsächlich die Einsamkeit die Ursache ist, lässt die Wirkung nach, sobald die Ursache verschwindet. Aber wie gesagt, ich kann Diagnosen auch nur erfühlen statt messen.

Wie sollen diese Kinder diese Lücke in ihrer Biografie im Laufe ihres Lebens auffangen? Es ist nicht nur eine Bildungslücke.

Die Bildungslücke ließe sich noch am schnellsten schließen. Außerdem, wenn alle dieselben Bildungsnachteile haben, gleicht sich das ja gut aus. Naja, vllt. nicht gut, aber so wichtig ist das auch nicht.

Es ist eine Lücke an Sozialkontakten, altersgerechten Entwicklungen, Alltagsbewältigungsstrategien in vollgepackten Schultagen, in denen auch noch soziale Herausforderungen gemeistert werden müssen.

Wie gesagt, soziale Herausforderungen waren die Dinge, die mich so richtig nervten. Warum jetzt eigentlich nicht auf die Zunahme häuslicher Gewalt abgestellt wird, weiß ich leider auch nicht.

Und ja, mein Gott, eine andere Generation hat Krieg erlebt!

Ja, ich darf mich aber trotzdem über Mobbing in der Schule beschweren, oder?

Was hier gerade passiert, ist Kindeswohlgefährdung. Um im AstraZeneca-Modus zu sprechen: Der Nutzen überwiegt nicht den Schaden.

Der Nutzen ist, eine relativ leicht vermeidbare Kontaktstelle zu unterbinden. Ja, bei MEHR Impfungen wäre das nicht nötig, JA, bei einer besseren Organisation der Schulen wäre das vllt. auch anders regelbar, aber der Nutzen ist mehr als

Auch wenn jedes 1000. Kind das Pims-Syndrom bekommt, durch Selbsttests aber viel weniger Kinder infiziert werden, rechnet sich das nicht.

Ich mache jetzt keine Frauen-und-Mathe-Witze, weil ich genug Frauen kenne, die gut in Mathe sind, und Männer, die keine Ahnung haben. Aber weiter oben ging’s noch über gefühlte Exponenten. Wie viele Kinder kriegen das Pims-Syndrom, wie viele werden depressiv oder sonstwie krank, nicht „depressiv“, ich meine schon den klinisch nachgewiesenen Sachverhalt, und welches von beiden Leiden ist schlimmer, am besten mit einem Faktor angegeben? Hinzu kommt, wie stark steigen die Inzidenzwerte infolge Präsenzunterricht, also die Infektionen mit den bekanntermaßen schwereren Verläufen bei Erwachsenen? Neben bei, Selbsttests verhindern keine Krankheit.

Wir haben Selbsttests, wir haben sogar (endlich!) Zwang zum Selbsttest.

Ja. Wisst Ihr, was passiert, wenn dieser positiv ist? (Und ich unterstelle mal, dass da niemand versucht zu schummeln.) Die Klasse, evt. die ganze Schule, wird nach hause geschickt. Wenn nicht, ist der Test nämlich sinnlos. Und weil das passieren kann, muss man damit rechnen und vorbereitet sein.

In Hamburg gehen seit dem 8. März 2021 nur knapp die Hälfte der Kinder zur Schule, der Rest sitzt zu Hause und hat oft keine Motivation mehr.

Also seit einem Monat. Ja, sorry, aber wenn jemand aus Krankheitsgründen einen Monat zu hause bleiben muss, und ALLE anderen leben normal weiter, ist das Motivationsdefizit ja z.T. noch höher. Trotzdem sagt kein Arzt: „Eigentlich Bettruhe, aber wegen Depressionsgefahr ab in die Schule.“

Essen – voll selbstständig! – seit einem Jahr jeden Mittag Tiefkühlkost.

Ähh, und das ist schlimmer als die Sauren Zungen, die ich immer am Kiosk gekauft habe? Und DAS ist der Grund, warum man lieber weiterhin exponentielle Infektionszuwächse in Kauf nehmen soll? Und es gibt kein Tiefkühlgemüse mehr?

„Wozu soll ich mich denn noch anstrengen?“, sagte neulich ein Mädchen zu mir.

Einäugiger König? Jahrgangsbeste? Toller Studiengang, in dem sonst nur Demotivierte mitstudieren? Toller Job mangels Konkurrenz?

Genau, wozu auch – wenn die Jugendlichen in den Medien überhaupt nicht vorkommen.

Männerprobleme kommen in den Medien auch nicht vor. DAS ist jetzt eine billige Ausrede. Besonders von Frau Dr. Stevie Meriel Schmiedel.

Wenn, anstatt ihre Not ernst zu nehmen, nur in ein paar Nebensätzen auf ihre Bedrohung durch die Pandemie hingewiesen wird. Weil – warum genau?

Wenn sie jetzt konsequent wäre, würde sie sagen: Weil das ein Problem hauptsächlich von Müttern ist, und Mütter werden nicht ernst genommen. Aber nein. Nichtmal das.

Weil „Schulen auf!“ für die nicht wichtig ist, deren Kinder nicht ADHS haben

Mal ganz nett gesagt, und ich weiß, dass darüber viele Witze gemacht werden und viel Halbwissen im Umlauf ist, daher wirklich ganz nett gesagt: nur, weil ein Kind zur Schule geht, geht ADHS nicht magischerweise weg. Das war nicht vor der Pandemie so, dass ist nicht in der Pandemie so, und das wird auch später nicht damit aufhören.

gut im Home-Schooling klarkommen

Ach, das ist jetzt trivial. Es gibt auch Erwachsene, die mit Homeoffice besser klarkommen als andere. Es gibt außerdem Leute, die haben bei Covid-19 einen sehr leichten Verlauf.

es so schön finden, dass man „als Familie mal Zeit miteinander hat“

Ich glaube nicht, das irgendeiner derer, die Homeschooling als die beste Strategie in der derzeitigen Situation betrachten, dies deshalb tun, weil sie „Familienzeit“ so toll finden.

oder deren Kinder nicht in einem Alter sind, in dem Abhängen mit den Eltern pures Gift ist für sie (und ihre Eltern!).

Kein Mensch ist toxisch. Aber für die Pubertät gilt dasselbe wie für ADHS: beides macht nicht solange Pause, wie das betreffende Individuum in der Schule ist. Man kann sich als Elternteil vllt. davon erholen, aber dann geht es wohl doch mehr um die Elternteile, nä?

Wenn diese Katastrophe nicht angesprochen wird

Katastrophe, genau. Die Teilpopulation mit der geringsten Corona-Anfälligkeit und den besten Möglichkeiten, etwaige Nachteile mittelfristig wieder abzubauen, Kinder und Jugendliche, für die ist das eine Katastrophe. Was ist das erst für den Rest der Menschheit?

fühlen sich Menschen nicht mehr ernst genommen, vor allem nicht von den Medien, die sich sonst und lobenswerter Weise sehr bemühen, in verständlicher Sprache komplexe Inhalte in ausgewogener Berichterstattung an eine breite Bevölkerung zu bringen

Weil der Spiegel ja bekanntlich besonders kinder- und jugendlichenfreundlich ist. Die ganzen Kinder, die wieder zum Stern wechseln, und die Jugendlichen, die sich von der Bravo mehr verstanden fühlen. Das wird die Spiegelauflage nicht überleben. Achja, DAS wäre jetzt doch mal ein Anlass, selbst mit gutem Beispiel voranzugehen und komplexe Inhalte ausgewogen an eine breite Bevölkerung zu bringen, oder?

Deshalb, händeringend, bitte: Berichtet über jene, die keine Nannys oder hochbegabte Kinder zu Hause haben.

Der Spiegel berichtet über „Nannys“? Ich will jetzt nicht durch die Paywall, aber steht das da oder nicht? Und über Hochbegabte kann man sich natürlich gerne lustig machen, weil die bekanntlich keine Probleme haben. Wie ADHS.

„Burn-Out, Erschöpfung, Depression: Wie Corona Jugendliche kaputt macht“, ist die Schlagzeile, die ich bei Spiegel-Online erwarte.

Es kommt die Zeit, o-ho, in der das Wünschen wieder hilft…

Auch, wenn es todtraurig ist. Wir halten todtraurig eher aus, als ein so-tun, als ob die Kids klar kommen.

Niemand zwingt „Euch“, so zu tun, als kämen Eure Kinder klar. Niemand wird todtraurig, nur weil im Spiegel eine Reportage über traurige Kinder steht. Der Punkt hier ist aber, dass Thema und Inhalt dazu ausgerichtet sein sollen, dass die Politik sich für Präseinz-Unterricht stark macht – was sie eigentlich schon tut – aber keine Lösungsansätze für ein funktionierendes Hygienekonzept außer Selbsttest bietet – was jetzt eine Kritik an der Politik wäre, die ich teilen würde, selbst wenn sie von Pinkstinks käme – also ganz klar eine bestimmte Lobby unterstützen soll. Darf sich eigentlich jede Lobby was beim Spiegel bestellen?

Und dann, bitte, möchte ich einen ehrlichen Bericht, der mir erklärt, warum Schulen nicht für alle aufgehen, dafür Home-Office-Pflicht oder ein verschärfter Lockdown für die Wirtschaft gefordert werden kann.

Home-Office-Pflicht ist schwerer durchzusetzen als Distanzunterricht. Das ist die triviale Erklärung. Die komplexere: die Regierung ist einfach zu doof. Ansonsten würde sie Home-Schooling, Home-Offive, Home-Praying und Home-Vacationing flächendeckend durchsetzen.

Mit Lüftungsgeräten, Selbsttests und Kids first.

Die scheitern doch schon an genug Impfdosen.

Denn die Kosten, die diese Lücken dem Gesundheits- und Sozialsystem verursachen werden, werden riesig. So, jetzt habe ich es wenigstens einmal gesagt.

Ja. Lobbyismus wird aber nicht durch mehr Lobbyismus bekämpft.

Aber hey, die Kinder, es denkt mal jemand an die Kinder.

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