Theorie für sie und ihn

Es gibt Artikel, da schreibt sich die Entgegnung fast von alleine.

Bei Jetzt mal wieder:

Wir Frauen müssen euch Männern den Feminismus nicht erklären

Dann lasst es doch!

Denn Diskussionen über Feminismus finden selten auf einem gleichen Niveau statt.

Ja, manchmal ist die eine Seite beleidigend und mal die andere.

Für den Kampf gegen das Patriarchat bedarf es nicht der Bestätigung von Männern.

Das ist trivialerweise wahr. Aber das ist so wahr, als würde man sagen, dass Don Quijote keine Bestätigung durch Windmühlen brauchte.

In meinem Umfeld kommt häufiger mal das Thema Feminismus zur Sprache

Weil sie es aufbringt oder wer anderes?

und steht dabei auch immer direkt zur Diskussion

Hmmm. Wäre ihr wohl ein achselzuckendes „Mir doch egal“ lieber?

So müssen meine Freundinnen und ich unseren männlichen Freunden immer wieder mal erklären, warum der Begriff Feminismus nicht sexistisch ist,

Haaaa-Ha. Ich habe aufgepasst: den Feminismus gibt es ja gar nicht. Aus der Nicht-Sexistischkeit eines Feminismusses auf den Nicht-Sexismus aller Feminismen zu schließen, ist daher falsch.

nur weil er die Silbe „Fem“ enthält.

Ok. Das ist nicht der Grund. Das nicht.

Oder warum es kein Privileg einer Frau ist, dass man im Club angeblich immer etwas ausgegeben bekommt

Es ist kein Sonderrecht, ja. Aber was kommt häufiger vor – Männer, die Frauen einen ausgeben, oder umgekehrt?

jederzeit (heterosexuellen) Sex haben könnte

Wer hat es leichter – ein Mann, der eine Frau rumkriegen will, oder eine Frau, die einen Mann rumkriegen will?

Wir erzählten von Situationen (mit Männern), in denen wir Aussagen auf einer sexistischen Ebene verletztend fanden

Nun, ICH finde es „verletztend“, wenn komplett bestritten wird, dass es Sexismus gegen Männer geben kann.

oder Hände ungefragt in bestimmte Richtung wanderten.

Ok, Geld für Gegenlesen war wohl nicht mehr drin. Aber hier wird die doppelte Transferleistung erbracht: Fehlverhalten Individuum A -> Schuldzuweisung zu seiner Gruppe -> Schuldzuweisung auf Individuum B aus derselben Gruppe.

Wenn wir von diesen Erfahrungen berichteten, wurden diese teilweise infrage gestellt und mit einem „Ja, aber …“ kommentiert.

Das ist der Geist der Aufklärung: nicht einfach alles glauben. Wenn Männer von ihren Erfahrungen in der Hinsicht berichten, wird ihnen ja auch nicht alles geglaubt. Amber-Heard-Zitat.

Ich habe lange wie eine Missionarin versucht, die Männer in meinem Umfeld auf das Problem aufmerksam zu machen, indem ich mich auf Diskussionen zu Frauenrechten und Gleichberechtigung eingelassen habe.

SO, diesen Feminismus-Religion-Vergleich hat sie uns vorgegeben. Weiterhin hielte ich es in ihrem Interesse für taktisch klüger, sich nicht auf Diskussionen einzulassen, sondern sie zu führen. Drittens, was erwartet sie? Dass alle diskussionslos sich ihrern Wünschen und Interessen unterordnen?

Dabei war ich immer die Verliererin dieser Debatten.

Nach Punkten oder durch K.O.? Genausogut könnte ihr Gegenüber sagen, dass es nicht gewonnen hätte, weil es sie nicht überzeugt hat. Tut es vllt. sogar.

Nicht, weil es mir an Argumenten mangelte und persönlichen Erfahrungen, die ich wie Beweise auf den Tisch gelegt habe

„Wie“ Beweise ist etwas anderes als „als“ Beweise. Oder „zum“ Beweis. Also schon von der Formulierung her. Ansonsten gilt der Spruch, dass der Wurm dem Fisch schmecken muss, nicht dem Angler.

um die Notwendigkeit des Themas zu betonen

Ähh, ja? Wieso jetzt „betonen“? Wenn sie so argumentiert, wie sie formuliert, ist das vllt. ein Grund, warum sie nicht so erfolgreich ist, wie sie möchte.

Sondern weil meine Erfahrungen immer in Zweifel gezogen wurden und ich am Ende nichts aus diesen Diskussionen mitnehmen konnte.

Ersteres ist nicht notwendigerweise ihre Schuld, letzteres schon. Allein die Art der Gegenargumente nicht zu durchschauen, ist mittelfristig eher schlecht für ihre Position. (Ich habe den Verdacht, dass sie sich auch einfach nicht für die Gegenargumente interessiert.)

Ich dachte immer, es ist wichtig für den feministischen Kampf, Männer zu überzeugen.

Jein. Was genau meint sie mit „überzeugen“? Einen Mann, der Frauen hasst, davon überzeugen, das nicht mehr zu tun, oder einen Mann, der keine Frauen hasst, davon überzeugen, ihr zu helfen? Sprich, betrachtet (und behandelt) sie Männer als Gegner oder (potentielle) Verbündete?

Aber ganz ehrlich, ich bin es leid, Männern Feminismus zu erklären.

Niemand zwingt sie. Freies Land und so.

Und es ist auch gar nicht meine Aufgabe.

Nun, wenn sie es nicht als ihre Aufgabe begreift, ihre eigenen Probleme zu lösen, dann werden ihre Probleme nie gelöst werden.

Es ist nicht die Aufgabe von Frauen und nicht-binären Menschen – kostenlose Bildungsarbeit zu leisten und dabei jedes Mal ihre eigenen Traumata zu entblößen.

Ok, Gedankenstrichfehler mache ich auch öfter. Aber ich habe keine Redaktion. Und ich kriege kein Geld dafür. Jedenfalls – und das Thema kommt auch anderswo auf – ist es möglich, dergleichen zu thematisieren, ohne die eigenen Traumata zu entblößen.

In der Hoffnung, damit dem Gesprächspartner bewusst zu machen, wie schwer es für weiblich gelesene Personen in einer patriarchalen Gesellschaft ist.

Sich einfach als Mann verkleiden, ist natürlich keine Option. Obwohl man dann die Nachteile von Frauen vermeidet, OHNE die Nachteile von Männern spüren zu müssen. Wie gesagt, ich sehe schon, dass Frauen Nachteile haben, aber nicht notwendigerweise, dass diese schlimmer wären als die von Männern.

In meinem persönlichen Umfeld fehlt dieses Verständnis leider oft.

Wenn das Umfeld die eigenen Schwierigkeiten für schlimmer hält, was soll man da auch anderes erwarten?

Denn die Intention meines Gegenübers ist es gar nicht, etwas dazu zu lernen, sondern schlichtweg mich mit gezielten Aussagen zu provozieren.

Jaaaa, wie kommt`s? „Mein Bein ist gebrochen!“ – „Meine Beine auch!“ – „Du willst doch nur derailen!“

Mir das Gefühl zu geben, jedes meiner Argumente mit Fakten unterlegen zu müssen, da es sonst nicht zähle.

Das ist kein Gefühl. Argumente bestehen aus Fakten. Vom reinen Vertrauensvorschuss der anderen, dass Lea Konrad schon nicht lügt, abgesehen, was genau erwartet sie? Die Einsicht, dass sie – oder Menschen, die man zu Recht oder Unrecht für weiblich hält – Probleme haben, oder die Einsicht, dass diese deutlich schlimmer sind als die von Männern?

Meine Erfahrungen infrage zu stellen. Mir Rechtfertigungen abzuverlangen, die ich ihm in keinster Weise schuldig bin.

Auch hier wieder jein – wenn sie diese Männer als Gegner betrachtet, muss sie sich in der Tat nicht rechtfertigen. Wenn sie sie als (potentielle) Verbündete betrachtet, muss sie den Grund liefern, warum diese ihre Verbündeten werden sollten (da diese anscheinend nichts dergleichen von ihr erwarten). Aus Mitleid oder aus Solidarität?

Es wird sich darüber lustig gemacht, wenn ich wütend versuche zu erklären, dass es ein scheiß Gefühl ist, mit dem Schlüssel in der geballten Faust nachts nach Hause zu gehen und es so nicht mehr weitergehen kann.

Ok. Ist der Vorwurf, dass diese Männer, die konkreten männlichen Individuen, mit denen sie diskutiert – oder mindestens einer von ihnen – nachts Frauen überfallen oder dieses jedenfalls gelegentlich in Erwägung ziehen? Wenn ja, wird derjenige nicht dadurch davon abgeschreckt, dass sie ihm sagt, dass das ein Scheiß-Gefühl ist. Wenn nicht, scheint die Erwartung zu sein, dass diese Männer, die das nicht tun, die Verantwortung für solche übernehmen, die das doch tun. Warum aber sollten sie? Sie haben es weder verursacht, noch können sie es ändern.

Ich soll doch nicht so emotional sein, ist doch alles nur ein Spaß.

Ok, alles nicht. Aber was der genaue Vorwurf ist, wäre trotzdem schön zu wissen.

Und das krönende Ende ist bei diesen Gesprächen immer, mir ein schlechtes Gewissen einzutrichtern, weil ich ja generalisiere.

Tja, niemand hat sie gezwungen, überhaupt zu generalisieren. Wenn jemand, den man als Verbündeten will, denkt, man hielte ihn für einen Gegner, wird das nix. Wieviel Empathie braucht man, um das zu durchschauen?

Denn ich spreche von Männern, aber es sind doch „nicht alle Männer“ so.

Und DA merkt man, dass sie nichts aus solchen Diskussionen mitnimmt. Wenn sie dieses Argument nervig findet, ok, dann wäre es schlau, einfach „viele“ Männer zu sagen, oder „die meisten“ oder „zu viele“. Dann kommt dieses Argument nicht mehr. Ungeachtet, wie valide sie es findet.

Vor allem nicht mein Gegenüber, der doch zu den „nice guys“ gehört

Ok, der gehört in Wahrheit vllt. wirklich nicht zu den „Guten“, aber wenn sie diesbezüglich nicht differenziert, wen schert’s?

schließlich unterhält er sich mit mir über Feminismus

Na, stimmt, das ist so oder so kein Beweis.

während er in der Vergangenheit stillschweigend übergriffiges Verhalten seiner Freunde akzeptierte

Hat er das? Weiß sie das? Wenn ja woher, und wieso macht sie ihm dann nicht konkret SEIN Stillschweigen zum Vorwurf? Oder woher weiß sie, dass er selbst nie übergriffig war?

Meine Aussagen würden ihn verletzten.

Pauschale Vorwürfe und Verdächtigungen verletzen die Gefühle von Männern? Pah, als ob! Als ob die welche hätten!

Um dem Ganzen noch mehr Nachdruck zu verleihen, ist die Erkenntnis für meinen Gesprächspartner nicht, dass er anfangen sollte, sich damit auseinanderzusetzen, dass jeden dritten Tag in Deutschland ein Femizid stattfindet

Weil er stillschweigend akzeptiert hat, dass sein Kumpel eine Frau umgebracht haben? Nebenbei, wenn jeder Mord an einer Frau ein Femizid ist, dann ist jeder Mord an einem Mann ein Maskuzid. Wenn er eine bestimmte Anzahl von Maskuziden als nicht bedrohlich genug empfindet, um dagegen etwas zu tun, warum sollte er die geringere Anzahl von Femiziden DOCH für bedrohlich halten? Sind Frauen etwa wertvollere Menschen?

 und 80 bis 90 Prozent der Fälle sexuellen Missbrauchs von Männer ausgeübt werden.

Wahrnehmungsbias? „Niemand wird Dir glauben.“

Sondern dass ich eine radikale Männerhasserin bin. Wenn ich Veränderungen möchte, sollte ich dabei doch nett bleiben …

Ja, das ist natürlich dummer Unsinn. Wenn sie Änderungen will, dann muss sie sie bitteschön selbst durchführen. Sklaven haben auch nicht darauf gewartet, dass Sklavenhalter von alleine aufhörten…

Wir müssen unsere Kraft in die Solidarität mit anderen Frauen und nicht-binären Menschen stecken

Indem IHR etwas ändert etwa? Ja, macht doch.

Sie sind eine pure Verschwendung meiner Energie, darum höre ich auf, Männern Feminismus zu erklären. Männer sind nicht mehr mein Problem.

Sondern Frauen und als solche wahrgenommene Personen? (Kann ja sein, dass sie das anders meint, aber wenn sie das so formuliert, ist das jetzt nicht meine Schuld.)

Wie die US-amerikanische Autorin Jessa Crispin treffend beschreibt

…kann es ja nur stimmen…

„Es ist nicht meine Aufgabe, den Feminismus für sie einfacher oder nachvollziehbarer zu machen.

Wessen sonst? Jeanne d’Arc hat mal gesagt: „Wer, wenn nicht ich?“ Die Engländer haben sich nicht selbst besiegt.

Es ist nicht meine Aufgabe, Verständnis bei [Männern] zu wecken oder [Männern] beizubringen, wie Sie damit klarkommen, dass Frauen Menschen sind.

Ach, Frauen sind Menschen? Ja, sagt das doch gleich!

Ihr Mangel an Aufklärung ist nicht unser Problem.“

Nachdem Feministen allerlei Geschlechtes und jedweder feministischen Strömung lang und breit erklären, dass ihre Probleme (und eigentlich alle Probleme) von Männern herrühren, kann ich eine Behauptung, dass ausgerechnet Mangel an Aufklärung bei Männern kein Problem sei, nicht einmal ironisch verstehen. Außerdem, um im obigen Religionsvergleich zu bleiben, ist das jetzt so, als würde der Missionar den Heiden nicht predigen, sondern eine Bibel auf den Boden werfen und sagen: „Die lest Ihr jetzt alle, denn in einem Jahr komme ich wieder und dann wird abgefragt!“

Es ist an uns sichere, intersektionale Räume zu schaffen, in denen wir offen über unsere Gedanken, Ängste und Wut sprechen können und uns gegenseitig zu empowern.

Wenn das keine sehr stabile Filterblasen werden sollen, müssen aber zumindest einige von Euch auch raus und die Welt ändern.

Unsere Priorität gilt uns und dem Kampf gegen das Patriarchat – nicht mehr den Männern.

Ich bezweifle, dass die das trennscharf hinbekommen, denn:

Und wenn ich hier von Männern spreche, sind nicht nur die aus dem konservativen Lager gemeint, sondern auch diejenigen aus der linken Bubble, die die sich als Feministen verstehen, nur weil sie die feministische Parole „men ain‘t shit“ verwenden.

Die Männer, gegen die sie nicht mehr kämpfen will, sind demnach nicht nur nicht mehr konservative, sondern linke Männer. Um eine bekanntere linke Band zu zitieren: „Er lügt, dass sich die Balken biegen…“ Außer ihm hier.

Dann aber trotzdem Frauen das Wort abschneiden, sobald die Konzepte wie toxische Männlichkeit kritisieren.

Hey, ich kritisiere dieses Konzept quasi ständig. Kein Mensch ist toxisch! Kriege ich jetzt einen Keks?

Gemeint sind die, die ihre Augen verdrehen, wenn man ihren „Witz“ nicht ganz so lustig fand.

Oh, ich bin Kummer gewohnt.

Gemeint sind diejenigen, die denken, dass Thema Gleichberechtigung stünde zur offenen Diskussion.

Gleichberechtigung? Also bitte, darüber spricht man nicht!

Gemeint sind diejenigen, die sich nicht mit ihren Privilegien auseinandersetzen möchten.

Ich hätte SO GERNE mit irgendeiner Frau getauscht, die mein Privileg der allgemeinen (haha) Wehrpflicht bekommen hätte, und ich hätte dafür freiwillig die patriarchaische Unterdrückung in Form von zwei Semestern Studium oder so übernommen. Heroischer weißer Ritter, der ich bin.

Die nicht selber sehen, dass man als weißer cis heterosexueller Mann ohne Behinderung grundsätzlich mehr Rechte in dieser Welt hat, als alle anderen Menschen.

Ok, wenn ich meinen krankenkassenfinanzierten Porsche auf einen Behinderten-Parkplatz stelle, ist mein Geschlecht egal. Außer, ich wäre eine Frau und hätte ein kleines Kind im Auto sitzen.

Und genauso habe ich auch keine Lust mehr, mich mit Frauen auseinanderzusetzen, die mir vorwerfen, zu radikal zu sein oder die ihre internalisierte Misogynie im Slutshaming an anderen Frauen auslassen.

Ja, dann lass es halt.

Genauso muss ich mich nicht auf Diskussionen einlassen, in denen die Antwort auf Erfahrungsberichte oder Forderungen nach mehr Sicherheit für Frauen ist, dass Männer es doch auch nicht so einfach haben und die mentale Gesundheit von Männern ein Problem darstellt.

Ok, wenn man sich um die eigenen Probleme kümmert und Männer sich um ihre Probleme kümmern lässt – ob sie’s dann machen oder nicht – ist eine Sache. Der Punkt ist aber, dass der ganze Artikel bei Männern Schuldgefühle induzieren soll, damit die eben DOCH die Probleme von Frauen lösen. Und das sind eigentlich sogar zwei Denkfehler: der erste ist, dass da an ein geschlechtsspezifische Rollenbild angeknüpft wird – Männer sollen für die Interessen von Frauen kämpfen – obwohl der Sinn von Gleichberechtigung ja eigentlich die Überwindung solcher Rollenbilder ist; der zweite ist, wenn man dergleichen für den Übergang noch ausnahmsweise akzeptiert (oder sich zumindest seiner bewusst ist) – Männer als Gruppe sollen die Beschützer  von Frauen spielen, indem sie Männer als Gruppe bekämpfen? Gegenteiligen Bekundungen zum Trotz, wer so indifferenziert argumentiert, dass sie nichtmal pro forma „viele Männer“ sagt, betrachtet Männer als amorphen Haufen. Fürs Protokoll: das Argument, welches sie hier nicht verstanden hat, ist, dass Männer, wenn sie dann aktiv würden umd die Welt zu verbessern, erstmal die eigenen (schlimmeren) Probleme zu lösen. Wenn sie – aus Bequemlichkeit oder Gleichgültigkeit – nicht einmal das tun, warum die (vermeintlich oder tatsächlich) harmloseren von Frauen?

Das  lenkt den Fokus von den Erfahrungen und Gefühlen der Opfer auf die Gefühle der Männer.

Achja, und Männer können keine Opfer sein. Sonst würde da ja stehen: „Lenkt den Focus von den Erfahrungen und Gefühlen weiblicher Opfer auf die der männlichen Opfer.“ Ich halte es inzwischen sehr abwegig, dass sie hier jetzt an Solidarität appelliert. Die basiert auf Gegenseitigkeit.

Doch um die geht es nicht und die müssen auch nicht von uns Frauen und nicht-binären Menschen geschützt werden.

„Ich will, dass Du mich beschützt, und ich will Dich nicht beschützen.“

Und Aussagen wie „not all men“ sind genauso fehl am Platz

*schulterzuck* Pro-Tipp: wenn man zur Polizei geht, um deren Hilfe zu erhalten, ist „acab“ oder dergleichen weinig zielführend. Wenn ich sowieso schon als Täter gelte, brauche ich ja nicht auch noch der Helfer sein. Und DAS, liebe Kinder, ist die Stelle, wo Sippenhaft und Gruppenschuld sich gegen die richten, die dergleichen verwenden.

Wenn über Femizide, Vergewaltigungen, Gender Pay Gap, etc. gesprochen wird, dann geht es grundsätzlich um das System und strukturelle Probleme der patriarchalen Gesellschaft, jedoch wird selten konkret von Männern gesprochen.

Ähh, doch? Bzw., wenn da konkrete männliche Individuen genannt würden, wäre das jetzt ein Argument, so faktenbasiert und dergleichen, aber es wird nur von der konkreten Gruppe aller Männer gesprochen. Außerdem wird NIE von Täterinnen gesprochen, es sei denn, sie praktizierten Slutshäming oder dergleichen eher harmlose Vergehen.

Die Probleme existieren seit Jahrhunderten, wofür heute keine*r was kann,

Jede Frau, die heute in Deutschland lebt, hatte seit Erreichen ihres Wahlalters das Wahlrecht. Es sind nicht mehr dieselben Probleme wie vor hundert Jahren, oder vor fünfzig.

jedoch trifft eine*n die Schuld, wenn man nichts dagegen unternimmt und sie stillschweigend akzeptiert oder ignoriert.

„Die Bibel lag jetzt schon seit 12 Monaten auf Euren Dorfplatz, und Ihr kennt erst DREI Gebote????“

Fühlt sich ein Mann aus meinen Umfeld angegriffen, dann sollte die eigentliche Reaktion doch sein, sich ernsthaft mit seinen Privilegien auseinanderzusetzen

Was genau soll er dann machen? Auf seine Privilegien verzichten?

Man sollte sich fragen, inwiefern man doch Teil des Problems ist, auch wenn man es sich lange nicht eingestehen wollte und sich selbstständig weiterbilden.

De jure hat eine Frau in Deutschland dieselben Rechte wie ich. Ich habe also keinerlei „Sonderrechte“ aka „Privilegien“. Wenn jetzt eine sagt: „Aber de facto habe ich weniger, weil ich das und das Recht nicht so wahrnehmen kann wie Du.“, kann ich das im Einzelfall tatsächlich auch so sehen, aber ICH halte sie nicht davon ab, jedes Recht wahrzunehmen und nötigenfalls einzuklagen. Und es ist nicht meine Aufgabe, bspw. ihren Arbeitskampf zu führen.

Denn Bildungsangebote zum Thema Feminismus gibt es ausreichend, sie kosten halt nur was. Vor allem Überwindung.

„Ich habe Euch diese Bibel geschenkt, Ihr gottverdammten Heiden, und Ihr wisst rein gar nix! Dafür werdet Ihr in der HÖLLE schmoren!!!“ – „Wo?“ – „Ja, DAS meine ich.“

Indem wir aufhören, Männern Feminismus zu erklären, fangen wir vor allem damit an, den Kampf gegen das Patriarchat nicht mehr an ihren Bedingungen auszurichten.

Das klingt wie eine tiefsinnige strategische Weisheit, aber, um Sun Tsu zu tsitieren: „Sich selbst zu kennen, aber nicht den Feind, ist nur der halbe Sieg. Sich selbst UND seinen Feind zu kennen, das ist der ganze Krieg. Wer aber weder sich selbst noch seinen Feind kennt, verliert in einer Tour.“ Irgendwie fehlt ihr die Einsicht, was ihr Gegner denkt, und über ihre eigenen Möglichkeiten scheint sie sich nur etwas bessser klar zu sein…

Wir lassen uns nicht mehr auf die Forderung ein, Feminismus sollte sympathisch sein, da Feminist*innen sonst der eigenen Sache schaden oder Männer abschrecken würden.

Als wahrhaft emanzipierten Menschen wäret Ihr gar nicht darauf angewiesen, dass Eure Gegner Euch unterstützen. Und als strategisch versierte Menschen würdet Ihr nicht in Gruppen denken, sondern wenigstens in Untergruppen, von denen Ihr einige als Verbündete gewinnt, andere als Gegner behaltet, und beim Rest wird triage-mäßig die Sympathie über „Freund oder Feind“ entscheiden. Die Militärvergleiche sind wie die Religionsvergleiche Teil der Vorlage. Beschwert Euch bitte da.

Männer sollten uns nicht erklären, wie wir unseren Kampf zu führen haben

Es ist nicht meine Schuld, dass die meisten Militärexperten Männer sind. Solche Expertise ist ziemlich erfahrungs- und übungslastig.

wir brauchen ihr Einverständnis nicht.

Das stimmt. Also führt Eure Kämpfe, wie Ihr meint. Aber wundert Euch nicht, wenn man Euch für Gegner hält, wenn Ihr potentielle Verbündete wie Gegner behandelt.

Sie haben lange genug die Debatten bestimmt und Diskussionsräume eingenommen, es ist Zeit sich dem zu widersetzen, indem man nicht mehr auf sie eingeht und ihnen nicht mehr den Raum gibt.

Es soll aber doch keine Debatte oder Diskussion sein, sondern ein Kampf. Irgendwie passen so die Metaphern nicht mehr. Aber ich bin bloß ein Ex-Zivi, Feministinnen haben bestimmt mehr Ahnung von beidem.

Genauso dürfen wir uns unsere Wut nicht mehr absprechen lassen.

Jau, Ihr seid wütend.

Sie widerspricht den Erwartungen an Frauen, liebenswürdig und sanft zu sein.

Und beschützenswert.

Doch genau diesem anerzogenen Wunsch nach der Bestätigung von Männern müssen wir uns stellen und unserem Ärger Luft machen.

Ob Ihr wohl klar ist, dass der (möglicherweise anerzogene) Wunsch nach Bestätigung durch Frauen eine Menge des männlichen Verhaltens erklärt und solche Beleidigungen wie „Beischlafbettler“ nicht ganz so absurd erscheinen lassen, wie sie im Einzelfall sind? Und dass, wenn man das System der gegenseitigen Bestätigung bricht, evt. mehr verlieren als gewinnen kann? Also, möglicherweise ist das Geschlechterverhältnis mit mehr MGTOW und WGTOW entspannter und glücklicher, aber Lea Konrad scheint nicht ganz klar zu sein, wie das jetzige System funktioniert.

Vorwürfe, Frauen seien zu hysterisch und emotional in dem Kampf, verdeutlichen einfach nur sexistische Geschlechtervorstellungen

Ähh, nein. Bzw., das gibt auch dieses Argument falsch wieder. Wütend sein ist schlecht für den Krieg. Oder Emotionen generell, aber wütende Soldaten lassen sich leichter provozieren, verlassen eher die Deckung, geben ihre Position preis, indem sie zu früh schießen, und dergleichen mehr, deshalb werden Soldaten zur Disziplin erzogen und nicht zur Wut. Ganz ohne Wut ist natürlich auch schlecht, weil dann Angst die Führung übernimmt, aber generell werden in Kriegen und Kämpfen Emotionen eher kanalisiert als freigelassen. Es klappt so nämlich nicht besser.

und sprechen uns jegliche Kompetenz ab

Die Aussage ist nicht, Frauen hätten keine Kompetenz, die Aussage ist, Feministinnen, die pauschale Vorwürfe erheben, verpassen so potentielle Verbündete und suchen sich mehr Gegner als nötig. Also wird ihnen eher Empathie abgesprochen.

Wir müssen uns aus der Abhängigkeit und uns selbst von diesem verinnerlichten männlichen Blick lösen.

Na, macht mal.

An die Männer in meinem Umfeld: … Bildet euch selbst weiter.

„Also, beim nächsten Heidendorf bringe ich denen keine Bibel mit, sondern die sollen die sich gefälligst selber kaufen.“

Aber noch viel wichtiger, hört mir und anderen Frauen endlich zu, lasst uns ausreden und gebt uns unseren Raum, ohne dass wir es verlangen müssen.

ICH habe einen nicht-kommerziellen Blog. SIE schreibt für eine Zeitung. Wer von uns hat mehr Raum?

Versteht, dass Erfahrungen sexueller Nötigung und Gewalt nicht zu debattieren und auch nicht aus der Gegenperspektive zu betrachten sind.

Ja. Und wenn Männer von solchen Erfahrungen reden, kommt dann wieder „Derailing“, „Verharmlosung“ und „Haltet die FRESSE!“

Wenn ihr euch als Ally versteht,

Gut, dann betrifft mich das ja nicht. Ehrlich, es wird an die Empathie, Hilfsbereitschaft und Beschützer“instinkte“ von Männern appelliert, die ihnen implizit abgesprochen wird. Genialer Psychotrick oder Eigentor per Fallrückzieher?

Aber erwartet auch kein Lob von uns.

Das sowieso nicht, diese anerzogene Abhängigkeit von der Meinung anderer Leute immer. Je weniger, desto besser.

Wir sind nicht hier, um euer Ego zu streicheln

Achwas?

oder euch emotionalen Support zu geben.

Ja, dieser Joke war richtig witzig. Frauen haben doch Humor.

Und seht euch bitte nicht als Retter, die brauchen wir nicht.

Dann mache ich ja alles richtig! Schade, dass das keine interessiert.

Ich bin dann offen für einen Dialog, wenn dieser auf gegenseitigem Respekt und einem gleichen Wissensstand basiert.

Nö. Bist Du nicht. Entweder, Dein Gegenüber weiß nicht über Feminismus Bescheid, dann willst Du ihn ihm nicht erklären, oder, es weiß doch Bescheid, dann brauchst Du ihn ihm nicht erklären. Wozu dann noch Dialog?

Also: lass es halt.

2 Gedanken zu “Theorie für sie und ihn

  1. Männer in Kollektivhaft nehmen, Widerspruch erhalten, aber keine Sekunde lang in Erwägung ziehen, dass man vielleicht falsch liegt. Beispiel Femizide: Da sind viele Ehrenmorde drunter. Ob sie deshalb zu irgendwelchen Türken geht, um diese zu missionieren? Ach, das wäre rassistisch?! Keine weiteren Fragen euer Ehren!

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  2. Eine Missionärin des Feminismus, die ihn nicht erklären will und Empathie auch für das andere Geschlecht nicht aufbringen kann oder gar für Gegenargumente offen ist, ist in ihrem Tun von Vornherein schon zum Scheitern verurteilt.

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