Echte Männer lassen sich nicht befördern

Wegen Gründen.

Wie verhält man sich als Mann rücksichtsvoll im Beruf?

Sollten Männer zugunsten der Gleichberechtigung auf Stellen und Nominierungen verzichten?

Mach doch einfach – Eure Partnerinnen und Kinder werden Euch dafür gleich noch viel mehr lieben.

Im September 2020 ging eine Nachricht durch die Medien, die mich nachdenklich machte. Der CDU-Stadtrat Jesse Jeng aus Hannover verzichtete freiwillig auf seine Kandidatur für einen der vier Wahlkreise von Hannover für die kommende Bundestagswahl – weil keine einzige Frau auf der CDU-Liste stand.

Wie nett. Und welche Frau, die seinetwegen übergangen wurde, macht jetzt das Rennen? Im Link steht nur Jesse Jeng.

Ich habe mich dann aber auch gefragt: Könnte ich genauso handeln? Ich bin Mitte 20 und arbeite als Journalist.

Klar.

Könnte ich zugunsten von Geschlechtergerechtigkeit auf einen Job verzichten?

Mach doch einfach.

Ich rufe Kristina Lunz an, … Braucht es mehr Männer wie Jeng, um Frauen in Führungspositionen zu heben? „Ja, braucht es”,

Weil Frauen sich halt nicht durchsetzen können. Echt jetzt?

„Männer waren Jahrhunderte lang überrepräsentiert. Deshalb sollten manche von ihnen jetzt Macht abgeben.“

Ja, jetzt haben Frauen das Wahlrecht. Im Namen meiner Arbeiter- und Bauernvorfahren möchte ich die Macht, die ich von den Adeligen bekommen habe, aber nicht an Manager-Töchter abgeben.

Für den deutschen Comedypreis 2020 wurde eine neue Kategorie eingeführt: „Bester Comedy-Podcast“. Die Nominierten waren „Baywatch Berlin“, „Fest & Flauschig“ und „Gemischtes Hack“.

Ja, die Position des Hofnarren ist natürlich die wichtige in unserer post-feudalen nicht-Adelsgesellschaft.

Alles Podcasts, in denen sich Männer mit Männern unterhalten.

Ja. Und? Hier wurde ein Podcast thematisiert, das von einer Frau gemacht wurde. Angeblich saukomisch. Leider ist der Pitch „Ich habe Vorurteile und will die bestätigt wissen.“ Frauen sind also auch nicht automatisch besser.

Die beschwerten sich über die Ungleichheit der Jury, „Baywatch Berlin“ trat sogar von seiner Nominierung zurück.

Niemand hat ihnen verboten, ihr Podcast mit einer Frau zu haben. Niemand. Sich jetzt über den – vermeintlichen oder tatsächlichen – Sexismus anderer Leute zu beschweren, ist etwas albern.

er Comedypreis führte daraufhin zwei neue Kategorien ein: „Beste Comedy-Podcasterin“ und „Bester Comedy-Podcaster“.

Und gemischte Podcasts werden natürlich einfach unterdrückt. Tolle Wurst.

Die Geschichte mit dem Comedypreis zeigt, dass es den Männern nicht einmal weh tun muss, auf Nominierungen zu verzichten. Sie konnten am Ende immer noch einen Preis gewinnen.

Das stimmt, wenn die weibliche Konkurrenz auf einen Nachbarpreis ausgelagert wird, reduziert sich die Gesamtkonkurrenz um die eigene Kategorie. Generell nimmt die Konkurrenz ab, wenn die umstrittene Ressource einfach MEHR wird. Am besten führen wir zwei Bundestage ein, einen nur für Männer und einen nur für Frauen.

 „Der Vorwurf, dass man sich über so einen Verzicht profilieren will, ist meiner Meinung nach nur ein Versuch, Frauen weiter kleinzuhalten“, sagt sie.

Ehrlich, wenn Frauen derartig leicht kleinzuhalten sind, ist das nicht meine Schuld. Und das zu ändern, muss in der Verantwortung von Frauen liegen.

Also ist Profeminismus immer gut, auch wenn er zur Selbstprofilierung dient? „Nein, das nicht“, sagt Kristina. „Wenn eine privilegierte Person zugunsten einer nicht-privilegierten Person auf ihr Jobangebot verzichtet, dann ist das ein Dienst an der Gesellschaft, für den man keine Dankbarkeit erwarten darf.“

Nun, als Zivi bekam ich Weihnachten Schokolade. Und ein nettes Dankeschön in der Zivi-Zeitung. Also darf man für Dienst an der Gemeinschaft Dankbarkeit erwarten. Jetzt ist es aber so, wenn ich zugunsten einer Frau auf Einkommen verzichte, ist das zunächst ein Dienst an dieser konkreten Frau. Schuldet die mir keine Dankbarkeit?

Kristina vergleicht das mit dem Phänomen des greenwashing in der Klimakrise. „Wir brauchen keine grünen Wochen von Shell, während die weiter die Umwelt zerstören. Genauso wenig brauchen wir Männer, die sich dafür feiern, dass sie einmal in ihrem Leben profeministisch gehandelt haben.“

Gut, dann lasse ich das profeministische Handeln einfach bleiben.

Sollte ich als Mann zum Beispiel auf eine Stelle in einer Redaktion verzichten, in der Frauen unterrepräsentiert sind?

Ist Dein Einkommen. Wieso brauchst Du die Erlaubnis eine Frau, was Du damit machen willst? Außer, Du bist mit Ihr verheiratet.

 „Wenn es die Gesellschaft gerechter macht, ist es immer eine Überlegung wert, zu verzichten. Es hilft aber auch, einfach darüber zu sprechen. Du könntest zum Beispiel deine Chefin oder deinen Chef fragen: ‚Habt ihr das Gefühl, dass mein Rückzug dazu führen würde, dass Zugänge fairer verteilt werden?“

Heißt im Umkehrschluss, dass Chefin oder Chef die Zugänge bis dato unfair verteilt haben, und das entweder nicht so fühlen oder aber genau SO wollten.

Ich rufe meine ehemalige Chefin an, Charlotte Haunhorst, die frühere Redaktionsleiterin von jetzt.

Ja. Hat DIE etwa eine sexisitische Personalpolitik verfolgt? Investigativer Journalismus.

„Wenn wir über Journalismus sprechen, dann habe ich noch nie erlebt, dass ein Mann freiwillig ein Thema oder einen Job zu Gunsten einer Frau aufgibt“

Soll das heißen, die verzichteten freiwillig zu Gunsten eines Mannes, oder, die verzichteten freiwillig NIE? Umgekehrt, hat schonmal eine Frau freiwillig zugunsten von einer Person aus einer marginalisierten Minderheit auf Job oder Thema verzichtet?

Männliche Rücksicht ist im Bezug auf Stellenbesetzung nicht so oft gefordert, wie das sonst gesamtgesellschaftlich der Fall ist.

Ach, immerhin die Aussage, dass das in anderen Zusammenhängen gefordert wird. Im Krieg z.B..

Charlotte erzählt, dass sie nachträglich zu einem Panel eingeladen wurde, weil Beschwerden kamen, dass dort zu viele männliche Experten sprechen würden.

Ach, wurde ein Mann ausgeladen? Dann ist das kein freiwilliger Verzicht.

Gleichzeitig frage man sich da als Frau, ob man nicht nur für eine Quote da sei – und wenn ja, ob das schlecht oder egal sei.

Gegenfrage – ist man wegen des Geldes da oder wegen politischer Ziele?

„Ich habe nachgefragt. Dann sagen natürlich alle: ‚Auf gar keinen Fall. Sie sind eingeladen, weil sie so qualifiziert sind.’“

Tja, was soll ich sagen. Wenn man seine nächste Gehaltserhöhung haben will, weil ein Kollege freiwillig auf seine verzichtet, ist sowas ja wohl komplett egal.

Meine frühere Chefin fragt mich: „Sagen wir, es wird eine Korrespondentenstelle in Berlin frei. Du willst die. Und du bist qualifiziert. Da sind aber gerade 15 Männer und zwei Frauen. Was machst du? Würdest du freiwillig einer Kollegin den Job abgeben?“

Mal angenommen, die qualifiziertere der beiden Frauen ist die dritthöchstqualifizierte Person von diesen 17. Dann reicht es nicht, wenn irgendein qualifizierte Mann verzichtet, sondern es müssen die beiden qualifziertesten sein. Bzw. die, die der Arbeitgeber (m/w/d) dafür hält.

Ich glaube, ich könnte das nicht. Wenn man mir sagen würde, dass ich den Job nicht bekomme, weil sie eine gleich qualifizierte Frau für ein besseres Geschlechterverhältnis einstellen wollen, dann hätte ich damit kein Problem.

Nun. Schäm Dich. Wenn DU nicht bereit bist, auf einen dreistelligen Betrag im Monat zu verzichten für mehr Gleichberechtigung, dann bist DU ein schlechter Mensch.

Charlotte sagt, dass sie es auch als Chefin schwierig findet, das von einem männlichen Kollegen zu erwarten.

DU musst das nicht erwarten, Du kannst das einfach anordnen. Wenn Du bei ungefähr gleichguten die Frau bevorzugst, fällt das keinem auf. Ansonsten hast du irgendwann einem Termin vorm Arbeitsgericht.

Auch sagt sie, genau wie Kristina: „Wir müssen in Einzelfällen mehr darüber sprechen, wie gerecht es ist, dass diese oder jene Position jetzt den Job bekommt.“

Ja, der Mann wird dafür bestraft, dass ein anderer Mann vor hundert Jahren bevorzugt wurde. Gerechtigkeit. Gleichberechtigung. yayHey!

Als Mann finde ich sowas bemerkenswert: Männer müssen darüber nachdenken, ob sie einen Job wollen, in dem nur Männer arbeiten.

Frauen müssen nicht darüber nachdenken, ob sie einen Job wollen, in dem nur Frauen arbeiten? Ok, ich will kein Dachdecker sein. Die drei Dachdeckerinnen, die ich so kenne. Vom Sehen her.

Kristina meint, dass Menschen oft Gleichberechtigung und Gerechtigkeit verwechseln würden.

Das stimmt.

Gleichberechtigung heißt, ab jetzt bekommen wir alle dasselbe.

Nein. Gleichberechtigung heißt, dass alle dasselbe machen dürfen. Oder dieselben Verbote haben.

Gerechtigkeit heißt, dass wir die historische Marginalisierung mit einbeziehen und Themen auch rückwärts blickend gerechter machen.

Weil Frauen jahrtausendelang nicht in den Krieg ziehen mussten, sollte der nächste nur mit Frauen ausgekämpft werden. … Was?

Gleichberechtigung hieße demnach also, dass wir jetzt auf Stopp drücken und alle Menschen gleich behandelt und bezahlt werden.

Doch. Andernfalls will ich jetzt einen Palast für die zehntausend Jahre, in denen meine Ahnen in keinem gelebt haben.

Gerechtigkeit hieße aber, dass jetzt eine Zeit beginnt, in der Frauen überrepräsentiert sind.

Nein. Heißt es einfach nicht. Sie will für ein Unrecht ausgeglichen werden, was einer anderen Frau widerfahren ist. Wenn es Sippenhaft und Gruppenschuld gibt, ist diese Denke irgendwie aber konsequent.

Und Kristina weiß auch, was sie präferieren würde: „Als Feministin bin ich ein Fan von der Gerechtigkeits-Perspektive.“

Würde sie ihrem Sohn das verbieten?

2 Gedanken zu “Echte Männer lassen sich nicht befördern

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