Und die Moral von der Geschicht‘

Moral von Geschichten gibt es nicht.

Zu gestern.

Bzw., bei GoT ist es so wie im Wilden Westen oder in der Zombie-Apokalypse: es gibt keine Gerechtigkeit. Es gibt jedenfalls keine Strafverfolgung, Rechtssprechung oder sonstige Institution, die Verbrechen, böse Taten oder sonstiges Fehlverhalten zuverlässig bestraft. D.h., gute Taten werden nicht automatisch belohnt, böse nicht automatisch bestraft.

Das führt zu einem Zustand, wo die – gerade in „typischer“ Fantasy – scharfen Gut-Böse-Grenzen sehr verschwimmen. Es gibt unterschiedliche Charas mit mehr oder weniger legitimen Zielen, die sie mit mehr oder weniger legitimen Mittel erreichen wollen, dabei geraten sie miteinander in Konflikt, der meist gewaltsam ausgetragen wird, so dass die Rechtauffassung der stärkeren Partei sich jeweils durchsetzt.

Der eigentliche „Plausibilitätseinwand“ wäre, dass in der Zombie-Apokalypse alle knapp vorm Verhungern, Verdursten oder gefressen werden stehen, während im Wilden Westen die rechtsstaatlichen Organe aufgebaut werden, und Westeros zumindest den Vorteil hat, dass es keine formalisierte Verfassung hat, sondern mit Traditionen und Gewohnheitsrechten funktioniert, die man auch ohne funktionierende Staatsgewalt erstmal aufrecht erhalten kann.

Andererseits ist es natürlich legitim zu sagen: „Das ist jetzt ein gescheiterter Staat, jeder macht, was er will, bzw., womit er meint, durchzukommen. Oder sie halt.“, und das ermöglicht es natürlich, die Charas ganz anders zu entwickeln, als sie es unter zivilisierteren Umständen täten.

Und DAS widerum ermöglicht, dass zwar Gute Taten, oder jedenfalls gute Absichten, zu schlechten Konsequenzen führen, aber andererseits Schlechte Taten auch.

Zum Beispiel der Giftanschlag auf Dani bringt sie und Drogo überhaupt erst in die Stimmung, Krieg gegen Westeros führen zu wollen. Hätte man das mal gelassen. (Haha: Dani + Drogo ist DnD. Wie Dungeons and Dragons. Und natürlich David Benioff und D. B. Weiss, die Produzenten der Fernsehserie.)

Außerdem kann man Erwartungshaltungen schön unterlaufen, wenn man a) die Unterschiede zwischen Helden und Schurken verwischt und b) einfach nur Aktion und Reaktion zeigt und Tat und Konsequenz. Man kann sich bei GoT (über weite Strecken jedenfalls) nicht darauf verlassen, dass die Guten schon irgendwie überleben und die Bösen fürher oder später sterben.

Um Gandalf zu zitieren: „Manche, die leben, verdienen den Tod, und manche, die sterben, verdienen das Leben. Kansst Du es ihnen geben?“ – GRRM: *drückt Gandalf sein Bier in die Hand* – „Jetzt pass mal auf!“

Das Problem: diese recht elegante Methode, sämtliche moralischen, politischen oder sonstigen weltanschaulichen „Botschaften“ zu vermeiden, indem man einfach gar keine „Botschaft“ anbietet, wurde am Ende über Bord geworfen, weil die Macher der Serie einen Rappel kriegten und schneller fertig werden wollten als nötig. Ich dachte, dass die letzte Staffel so kurz wird, weil in jeder Folge eine Hauptperson stirbt, und am Ende gibt’s einen epischen Showdown. Spoiler: Nein.

D.h., eine Hauptfigur, nennen wir sie mal „Eis“, bringt eine andere, nennen wir sie mal „Feuer“, um. Und das hat nicht ganz die Konsequenzen, die es haben müsste. (Ich glaube, dass das auch das Ende der Bücher sein wird, aber vllt. besser aufgebaut und hergeleitet als so.) Und ich weiß, dass letzte Staffeln immer irgendwie enttäuschend sind, z.B. bei Lost, wobei ich die nicht schlecht fand, nur die „Klassentreffen-im-Fegefeuer“-Story war nicht so interessant für mich, und bei HIMYM ist das Ende einfach zu traurig. Hier ist es nicht so sehr traurig oder überraschend, sondern nur: HÄH?

Immerhin wurden sie nicht „woke“. Männer sind nicht automatisch dumm oder böse, und Frauen nicht automatisch klug oder gut. yayHey.

Ein Gedanke zu “Und die Moral von der Geschicht‘

  1. Naja, solange sich die Protagonisten von The Walking Dead nur in Georgia aufgehalten haben (bis Mitte der 5. Staffel), konnte man deren Verhalten noch mit dem Begriff des Notstands rechtfertigen.
    Rick Grimes fast es ja in seiner Rede kurz vor dem Fall des Gefängnisses gut zusammen (nach meiner Erinnerung): Wir alle haben entsetzliche Dinge getan, nur um zu überleben!

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