Games of Thrones und Kolonialismus

Falls jemand sich fragt:

Was ist die Bedeutung im Lied von Eis und Feuer?

Die Bedeutung ist: Kolonialismus ist böse.

Manche denken zwar, dass die Botschaft sein soll, dass das Mittelalter gar nicht so toll war und man aufhören solle, es zu idealisiseren, aber NEIN.

Und zwar wird hier in eindrücklicher Weise dargestellt, dass ein Kontinent, der erst vor knapp zwei Jahrzehnten den Imperialismus/Kolonialismus/Fremdherrschaft abgeworfen hat, immer noch mehr Probleme mit den Nachwirkungen davon hat als mit Wetterproblemen und Zombies zusammen.

Also, klar kann man die Mittelalterbashing-Botschaft auch als valide betrachten, aber ehrlich. Alles in Westeros ist größer und epischer als das richtige Mittelalter, Westeros ist ungefähr so groß wie Südamerika. Die Königslande sind eher so etwas wie neuzeitliche Nationalstaaten als mittelalterliche Feudalherrschaften, sowohl, was die Größe betrifft, als auch was die Größe ihrer Armeen. Sie zählen nach Zigtausenden von Kämpfern. Die größte mittelalterliche Schlacht mit bestätigten fünfstelligen Zahlen, die ich gefunden habe – nirgends wird so sehr gelogen wie vor der Wahl, im Krieg und nach der Jagd – ist die hier. Vom reinen Szenario – zwei Fürsten eines Kaiserreiches kämpfen nach dem Ende der vorherigen Dynastie um die Vorherrschaft – ist recht gut vergleichbar, und jede Partei bringt mit Vasallen und Verbündeten 25.000 bzw. 30.000 Mann mit. In GoT ist sowas Standard bei den Standarten. Die Probleme, die das einfache Volk hätte, solche Armeen zu versorgen, die nicht „mal eben“ von Böhmen nach Österreich ziehen, sondern hunderte Kilometer durch semi-freundliche Gebiete, wären nicht ohne und vor allem müsste man die erstmal zusammenkriegen. Und praktischerweise bleiben die ganzen Aftervasallen der Starks und Lennisters bei ihren Ehen und Allianzen jeweils hauptsächlich im eigenen Land haben; sonst würde es dauernd vorkommen, dass Haus X zwar treue Gefolgsleute der Starks wären, aber da ihr zweiter Sohn mit der Dritten Tochter einer Familie im Gefolge der Tyrells war, können die nicht einfach in den Krieg gegen die ziehen – und umgekehrt, was dann auch für die einfachen Ritter in DEREN Gefolge gilt, und so weiter…

Jedenfalls, solche umfassende Kriege in einem Mittelalter-Szenario sind genau SO Fantasy wie DRachen, Zombies und Schattendämonenmordanschläge.

Was aber mittelalterlich ist – erinnert Ihr Euch noch an das Herzogspaar von Sussex? Tja, Sussex war mal ein Königreich, das Königreich der Südsachsen. Es gehörte zur sogenannte Heptarchie aka den Sieben Königslanden von England. Und jetzt kommt die Stelle, warum ausgerechnet ein Kontinent, der sehr nach Westeuropa im Allgemeinen und England im speziellen nachempfunden wurde, als Beispiel für „Opfer des Kolonialismus“ zählen kann: Die Heptarchie wurde von den Dänen kolonialisiert. Kennt wer Hamlet? Ja, das spielt zu einer Zeit, als England ganz offenbar dänische Kolonie ist. (Sonst müsste dessen König nicht dem Ratgeber der Dänen gehorchen, um deren Prinzen töten zu lassen.)

Jedenfalls sind die Targaryens in dieser ganzen Mittelalteranalogie die Dänen/generischen Kolonialherren:

  • Erobern einen Kontinent hauptsächlich mit überlegener Waffentechnik.
  • Lächerlicher Melaninmangel
  • Gewisse Vorbehalte, Kinder mit den Einheimischen zu haben
  • Nennen eine ihrer Töchter nicht „Dänisch“ oder „generisch“, sondern Daeneris, weil „sh“-Laute irgendwie uncool sind

Und, was passiert NACH dem Ende der Kolonialherrschaft? Die zwangsvereinigten Völker finden, dass sie eigentlich ohne die jeweils anderen besser dran wären. So kommt es zu bürgerkriegsartigen Unruhen. Also richtigen Bürgerkriegen. Was jetzt nicht heißen soll, dass das Ende des Imperialismus schlecht war, aber manchmal wurden Probleme übersehen, die entstehen, wenn eine Kolonie quasi per Linien auf der Landkarte gegründet wurde, und man dieses extrem künstliche Gebilde sich dann selber überlässt.

Wie halt in Westeros.

Und am ENDE – Achtung Spoiler – versuchen die einen Westerosi, das Bürgerkriegproblem zu lösen, indem sie besagte Daeneris und ihre Armee vom Nachbarkontinent wieder als Herrscherin implementieren wollen.

Die dann irgendwie genozidale Tendenzen entwickelt.

Jedenfalls, die Moral von der Geschicht‘: Don’t try this in Real Live.

Alles eine Parabel auf die postkoloniale Geschichte.

Ein Gedanke zu “Games of Thrones und Kolonialismus

  1. Eine Serie, die das Frühmittelalter ganz gut eingefangen hat war Vikings. Allerdings nur die ersten beiden Staffeln.

    Dort war der erste Raubzug eine „Armee“ von 20 Wikingern (eine Schiffsbesatzung). Der lokale Fürst stellte sie in einer Schlacht mit seinen 20 Mann.
    Man bildete Schildwälle, Schlachtreihen, usw.
    Als sich dann ein Wikinger-König und ein Fürst gemeinsam mit ihren Verbündeten im Krieg gegenüber standen, da kämpften dann ca. 50 gegen 50.

    Aber dann wurde es immer abgedrehter. Sie sammelten für jeden Raubzug immer mehr Krieger, von denen dann in jeder Schlacht mindestens 50% draufgingen. Schlachtreihen waren out und es war nur noch wildes Hauen und stechen…

    Wo kamen die ganzen Krieger her?

    Bei GOT war es noch absurder.
    Besonders John Schnee war in der Schlacht der Bastarde der mieseste Feldherr aller Zeiten.

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s