Frauen fragen Männer endlich wieder!

Hurra!

Mein Leben hat endlich wieder einen SINNNNN!

Männer, würdet ihr euch gerne schminken?

Ähhh, nein.

Make-up ist noch immer Frauensache. Wieso, verdammt?

Aus reinen Gründen der Gleichberechtigung würde ich sagen: Stimmt eigentlich. Aber aus pragmatischen Gründen sage ich: „Dann lasst es doch!“

Unser Autor hat sich immerhin schon mal die Nägel lackiert.

Zehen- oder Fingernägel?

Liebe Männer,

es gibt Tage, da motiviert mich nur eine Sache zum Aufstehen: die Vorfreude aufs Schminken.

Uuuund ich bin raus.

Ich zelebriere es dann richtig, mit Farben und Techniken herumzuspielen. Der Akt des Schminkens ist für mich eine Art Performance, die den Tagesanfang markiert:

Ich habe mal beim Zähneputzen die zweite Arie der Königin der Nacht aus der Zauberflöte gegurgelt. Das ist bestimmt auch kreativ und so. Aber eine Cousine von mir meinte dazu, ich solle wenigstens so tun, als wäre ich normal. Menno.

Ich schminke mich weniger, wenn ich weiß, dass ich den ganzen Tag über niemanden sehe. Es geht mir also schon ums Präsentieren (wenn ich mal einen perfekten Lidstrich hinbekomme, soll das ja nicht unbeachtet bleiben!).

Wer achtet darauf? Ich meine, wenn ich Arien gurgle, immerhin der ganze Waschraum, aber sonst?

s gab Zeiten, in denen ich mich geschminkt habe, weil ich mich für mein ungeschminktes Gesicht schämte. Weil ich Makel kaschieren statt Merkmale betonen wollte.

Ja, jetzt würde ich sagen, besser als Vollverschleierung. Andererseits unterstützt das den Kapitalismus stärker, so dass eine Vollverschleierung vllt. doch das bessere Gegenmittel wäre. Ach, keine Ahnung, macht doch, was Ihr wollt.

Ich finde den Prozess des Schminkens so faszinierend, dass ich mich wundere, warum viele von euch darauf verzichten, es auszuprobieren.

Weil wir für unseren inneren Werte und so geliebt werden wollen, und nicht durch Oberflächlichkeiten ein besseres Äußeres vortäuschen wollen als eigentlich vorhanden. D’oh!

Habt ihr Angst, in Schubladen gesteckt zu werden, in die ihr nicht gesteckt werden wollt – irgendwie „feminin“ zu wirken?

Keine Ahnung – hieltet IHR geschminkte Männer für attraktiver?

Ist es euch zu exzentrisch oder schlicht zu anstrengend?

Nein und ja.

Würdet ihr gerne mal – und wenn ja, warum macht ihr es nicht?

Allein, was der Kram kostet…

Befürchtet ihr etwa, dass wir hetero-Frauen das unattraktiv finden?

Solange Ihr uns damit nicht attraktiver findet, fehlt so ein bisschen der Anreiz.

Mir ist bewusst, dass es unterschiedliche Positionen gegenüber dem Schminken gibt.

Ja, und in einem freien Land darfst Du jede einzelne davon annehmen, wenn Du willst.

Denn wie ja auch der Feminismus nicht nur Frauensache sein sollte, muss es auch das Schminken nicht sein.

Ähhhhh, ok.

Auch ihr Männer könnt eure Körper betonen und damit vielleicht auch ein Stück weit Geschlechterrollen dekonstruieren.

Wenn Männer ihre Körper betonen, dann ja wohl nur, um besonders weiblich zu wirken. Weil Frauen ihre Körper ja auch nur betonen, um besonders weiblich zu wirken. Es ist die einzige Art, Körper zu betonen. Ergo wird die Warnehmung von Geschlechtern dekonstruiert. Genial.

Auch ihr tragt fancy Klamotten, rasiert euch und stylt eure Haare.

Ich nicht.

Habt ihr nicht manchmal Lust, eure Augen zu betonen, Lippen zu bepinseln oder Augenringe und Pickel abzudecken?

Ja, richtig. Männer haben ja auch immer so viel Freizeit.

Antwort:

irgendwann zwischen Weihnachten und Neujahr saß ich auf der Couch und schielte rüber auf die Hände meiner Freundin, die sich die Nägel lackierte.

Corona setzt uns allen zu.

Ich bin mir absolut sicher, dass ich das besser kann.

Ja, noch ein Grund für mich, der dagegen spricht: ich habe kein handwerkliches Geschick.

Ich habe also zum ersten Mal in meinem Leben meine Fingernägel lackiert und damit auch zögerlich einen ersten Fuß in die Welt der Kosmetik gesetzt.

Das klingt nicht ansatzweise nach Spaß. Es gibt Geschichten von Leuten, die in die Drogensucht rutschen, und da klingen die ersten Erfahrungen spaßiger. Ok, es werden auch weniger Leute kosmetiksüchtig, das hat wohl so seine Gründe.

Runtergebrochen ist der Grund schlicht, dass wir Angst hätten, auf irgendeine Art nicht wie strunznormale Hetero-Burschis zu wirken.

Aber wenn Frauen explizit geschminkte Männer anbaggern würden, wäre das was anderes…

Es geht um diesen riesigen, albernen und tiefneurotischen Komplex, den Hetero-Männer haben, wenn es um ihre feminine Seite, ums Schwulsein, um Normabweichung geht.

Ja, das auch. Aber hier gibt es keine Kosten-Risiko-Abwägung: man wird sowohl von Schwulenhassern für schwul gehalten als auch von Heteras. Ob dann der Rest der Menschheit einen für schwul, hetero oder wasauchimmer hält, ist fast egal.

Ich habe „Make-up for men“ gegoogelt und, wenn da mehr gemacht wurde, als Pickel abzudecken, dann sehen die Männer damit eigentlich immer eher femininer aus.

Weil man Bärte schlecht überschminken kann? Also, jetzt nicht gar nicht, aber schlecht? Und deshalb geschminkte Männer typischerweise glattrasiert sind, Sherlock? Und weil Bärte in unserer sexualdimorphen Spezies halt nur bei einem Geschlecht vorkommen, ist die einfachste Möglichkeit, männlich auszusehen, sich einen Bart wachsen zu lassen. Wenn man morgens gerne Zeit vorm Spiegel verbringt – FREAK – kann man den ja trimmen oder so.

Wenn man mit Männern darüber spricht, was sie an ihrem Gesicht gerne verändern würden, dann sagen sie oft Sachen wie „kräftigeres Kinn“, „mehr Bartwuchs“, „markantere Gesichtsform“.

Jaaaa, neeee, wieeee krieegt maaaan daaaaaas denn wohl hin?

Ich könnte mir zum Beispiel einen Satz hohe, elegante David-Bowie-Wangenknochen vorstellen.

Ja, wenn man David Bowie ist, kann man das tragen.

3 Gedanken zu “Frauen fragen Männer endlich wieder!

  1. Esther Vilar schreibt zu MakeUp in „Der dressierte Mann“:

    Einen Lidschatten gut zu plazieren und abzutönen erfordert eine hohe Kultur; die Wahl eines bestimmten Lippenstifts, die Technik, ihn optimal, mit Pinseln oder direkt, in Schichten oder nicht in Schichten, aufzutragen, die gewünschten Wirkungen und die unerwünschten Nebenwirkungen von falschen Wimpern in ein optimales Verhältnis zu bringen und am Schluß alles in sich und mit dem Kleid, der Stola, dem Mantel, der Beleuchtung abzustimmen, erfordert Spezialistentum. Ein Mann hat dafür keinen Sinn, er hat überhaupt keine Kultur in bezug auf weibliche Maskerade entwickelt und kann deshalb wandelnde Kunstwerke dieser Art in ihrer ganzen Größe überhaupt nicht adäquat bewerten. Denn dazu braucht man Zeit, Geld und eine unendliche geistige Beschränktheit – Voraussetzungen, die sich ausschließlich bei Frauen finden lassen.

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  2. Mein Nachbar zelebriert es, stundenlang sein Auto zu pflegen. Na und?

    Der Autor des Artikels zelebriert es, sich stundenlang zu schminken. Na und?

    Muss ich mich dafür rechtfertigen, dass ich beides nicht mache, weil ich es für Zeitverschwendung halte?

    Gefällt 1 Person

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