Achtung, fiktiv!

Man muss ihr vllt. sogar recht geben…

Alle kennen Helena Bonham Carter als Bellatrix Lestrange – aka „die seltsame Kriegerin“ – aus der Harry-Potter-Serie, oder auch als die Freundin des Protagonisten von „Fight Club“, aber vor allem als die Königin der Herzen (aus Alice im Wunderland, NICHT Lady Di). Außerdem hat sie mal die Mutter von Queen Elisabeth gespielt und mal ihre Schwester, was wirklich abgespacet ist. In verschiedenen Verfimungen allerdings, King’s Speech und The Crown. Außerdem könnte man annehmen, dass alle Hexen im Vereinigten Königreich von Morgana der Fee ab, dann hat sie ihre eigene Ahnin… Was? Wenn Harry Potter echt ist, und darin Merlin erwähnt wird, dann ja wohl auch… ich höre schon auf.

Da Geschichte oft und gerne gepimpt wird, um spektakulärer und unkomplizierter zu sein, als sie eigentlich sein kann, sollte man damit aber konsequent sein.

Zum Beispiel gibt es in Braveheart den bösen englichen König Eduard, der erste seines Namens, der durchnummeriert wurde, genannt „Longshanks“ und seinen schwulen Sohn, der spätere Eduard II.. Es wird im Film angekündigt, dass der König selber mit seine Schwiegertochter, Isabelle von Frankreich, schlafen werden „muss“, um die Thronfolge zu sichern. Ja, typischer Schurken-Move.

Jetzt gibt es allerdings verschiedene historische Inakuratessen

  1. ob der Prinz, der spätere Eduard II., wirklich schwul war, weiß man nicht; es gab zwar schon damals die Gerüchte, dass er und sein Berater Gaveston ein Paar waren, aber man weiß nicht, ob man sie nicht leiden konnte, weil sie schwul waren, oder ob man sie als schwul betrachtete, weil man sie nicht leiden konnte.
  2. völlig schwul kann er nicht gewesen sein, seine Frau, die er erst nach dem Tod seines Vater heiratete, hatte vier Kinder. Eines sogar, bevor Gaveston starb. Und er hatte mindestens einen Bastard. Andererseits hatte er seine Hochzeitsgeschenke an besagten Berater weitergegeben, was auf jeden Fall ein schlechter Stil ist. Dafür hat Isabelle der Frau des Beraters/Nebenbuhlers was zu Weihnachen geschenkt, was möglicherweise „I feel you, sister“ heißen sollte.
  3. achja, teure, prächtige Klamotten und Juwelen zu tragen galt nicht als „schwul“.
  4. Isabella war noch ein Kind, als der Film spielte, Tante Wiki meint sogar, dass Edward II. in den ersten Ehejahren vllt. deshalb nicht mit ihr geschlafen hat, weil sie noch zu jung dafür war. (Ihr genaues Geburtsjahr ist unbekannt, liegt aber wohl in den 90ern des 13. Jahrhunderts, und der Film spielt um 1300.)
  5. „Mit der Schwiegertochter schlafen“ wird in der Bibel ebenso hart bestraft wie Homosexualität, nämlich mit dem Tode, von daher wäre der Plan Eduards I. so eigentlich keine Lösung.
  6. Andererseits hat er wohl in seinem ganzen Leben auch nur ein Buch gelesen, und das war nicht die Bibel, sondern die Pornoparodie eines Ritterromanes. Das Mittelalter hat sich selbst gar nicht SO ernst genommen.
  7. Hmm, das würde erklären, warum er im Film eher wie eine Parodie auf einige der schlimmeren GoT-Charas rüberkommt, lange, bevor GoT-Charas ein Ding waren. Eine Pornoparodie davon wäre ja etwas redundant. („Wäre? Ist!“)
  8. Allerdings hat er in zweiter Ehe die Tante von Isabelle geheiratet, so dass ihre Stiefschwiegermutter ihre Tante war.
  9. Ist überliefert, dass Eduard I. bei der Planung eines Kreuzzuges nicht nur seinem Sohn, sondern auch seinen Töchtern das Recht der Erbfolge sicherte, wegen Gleichberechtigung und so. Und außerdem wegen Kindersterblichkeit. Eduard hatte über ein Dutzend älterer Geschwister, von denen mehr als die Hälfte, darunter alle seine Brüder, bereits gestorben waren.

Wie auch immer, wenn man schon die Geschichte englischer Monarchen verfilmt, muss man da immer DICK „fiktiv“ draufschreiben, sonst glauben die Leute das wirklich. Manche zumindest. Also ein paar bestimmt. All das Drama und die Brutalität der einen Seite und der Edelmut der anderen.

Immerhin war die Hinrichtungsszene tatsächlich harmlos. Film-Wallace sollte eigentlich unter der Folter um Gnade bitten, dann würde man ihn den Gnadenstoß geben. Er schreit nach „FREIHEIT!“ und die Folterknechte so: „Alles klar, lassen wir gelten!“.

In der – jetzt auch nicht direkt glaubwürdigen Überlieferung – hat man Wallace‘ Eingeweide und Innereien entfernt und vor dessen Augen verbrannt, während er die Engländer mit unartigen Wörtern bezeichnete und dabei genau beschrieb, an welcher Stelle seines Restkörpers sie ihn bitteschön küssen sollten. Aber „Braveheart“ ist ja keine Doku, und ein Hollywood-Film muss auch eine gewissen Jugendfreigabe erzielen.

Mal sehen, wie es aussieht, wenn die bei „The Crown“ die Geschichte des Herzogpaares von Sussex verarbeiten.

„Gebt mir die Freiheit oder den Tod!“ – „Alles klar, wird gemacht.“

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