Stoverock im Interview II

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Christian Rabhansl: Männer haben es in unserer Zivilisation perfektioniert, über Frauen und über weibliche Sexualität zu bestimmen.

Das verwechselt er jetzt mit Trinkwasser und Strom.

Manchmal halten sie das dann sogar für die natürliche Ordnung.

Manche tun das. Manche nicht. Aber das schwankt nicht nach Tagesform.

Meike Stoverock: Female Choice funktioniert so, dass Männer oder Männchen sich für den Geschlechtsakt, der an die Fortpflanzung gebunden ist, bewerben müssen. Sie müssen eine Leistung erbringen. Die Weibchen entscheiden dann, welcher Kandidat am geeignetsten ist, um überlebensfähigen Nachwuchs zu zeugen.

Also, wer die meisten oder besten Geschenke macht, der kriegt dann Sex? Ich frage wegen gestern.

Rabhansl: Sie schreiben ausdrücklich, das ist kein Naturgesetz, aber es ist im Tierreich der statistische Normalfall. Verstehe ich das richtig?

Stoverock: Das ist richtig.

Die meisten Tiere sterben übrigens statistisch nicht an Altersschwäche. Soviel zum naturalistischen Fehlschluss.

Rabhansl: Jetzt haben Sie sich gerade schon verbessert, Sie wollten erst Mann sagen und haben dann Männchen gesagt. Sie schreiben über Tiere, dann aber doch auch über den Menschen. … Ist das nicht eine Plattheit, mit der sich Evolutionsbiologen regelmäßig unmöglich machen?

Eigentlich ist es nur dann platt, wenn nicht sauber zwischen „Beschreibung“ und „Vorschrift“ getrennt wird. Oder wenn der naturalistische Fehlschluss vermieden wird. Aber nun gut.

Stoverock: Ich denke nicht, weil das tatsächlich auch vielfach der Lebensrealität von Männern und Frauen entspricht. Wenn Sie nur mal daran denken, dass es bis heute absolut gängig ist, dass der Mann den ersten Schritt macht

Achwas? Ja, wenn der Mann den ersten Schritt machen muss, dann ist das Prinzip der Weibchenwahl doch bereits umgesetzt. Wenn die natürliche Art der Dinge also so ist wie die kulturelle, warum dann was ändern? Achja, damit die Mehrzahl aller Männer keinen Sex mehr kriegt.

Rabhansl: Deswegen sind Sätze gerechtfertigt, die anfangen mit: „Frauen sind …“ und „Männer sind …“?

Stoverock: Nein, so pauschal sicherlich nicht. Aber diese statistischen Häufungen und diese statistischen Verteilungsmuster, die kann man in sehr vielen Bereichen bei Merkmalen beobachten, die nach der Standardnormalverteilung funktionieren. Das heißt, auf einen sehr großen Teil, zwischen 60 und 98 Prozent – je nachdem wo man die Grenze setzt – trifft ein Merkmal zu.

Das ist tatsächlich mal eine gute Erklärung zu dem Thema, aber dann wäre es trotzdem sinnvoller zu sagen: „Die meisten Männer/Frauen…“

Rabhansl: … Wenn wir noch mal auf dieses Prinzip der Female Choice kommen: Da nennen Sie als Daumenregel, 80 Prozent der Weibchen akzeptieren überhaupt nur 20 Prozent der Männchen.

Wie bei Tinder, woll?

Alle folgen diesem Prinzip. Warum wir Menschen nicht?

Tun wir doch. Irgendwo gab es auch diese schöne Attraktivitätskurvegraphik. Männer bewerten Frauen so, dass eine Gauß`sche Glockenkurve herumkommt, und bei Frauen ist es ein halbiertes Herz, das auf der Seite liegt. Mit dem spitzen Ende bei „am Attraktivsten“.

Stoverock: … weil die Männer natürlich gesehen haben, dass das eine ganz – im wahrsten Sinne des Wortes – unbefriedigende Situation ist, wenn so viele Männer ohne Partnerin und damit ohne Zugang zu Sex bleiben.

Und ohne Kinder, was zur genetischen Verknappung führt, und weil umgekehrt anderen 20% aller Männer die ganzen Häuser alleine hätten bauen müssen.

Denn unfreiwillige Enthaltsamkeit kann leicht auch zu Aggressionen führen.

Also, als langjährige Ex-Incel muss ich sagen, ich bin nicht so aggressiv geworden, wie ich hätte werden müssen, ich stelle fest, dass Aggression von Männern bei der Partnersuche offenbar nicht hinderlich ist, sofern sie sich gegen andere Männer richtet (und selbst, wenn nicht, nicht so hinderlich, wie man sich wünschen würde), und außerdem gab’s früher ja Kriege, wo man die Incels hinschicken konnte. Entweder, sie kamen nicht heim, dann hatte sich das Problem erledigt, oder doch, aber dannn gab’s Frauenüberschuss, und das Problem löste sich auf natürliche Weise – die Fittesten vermehren sich, Evolutio vult!

Deshalb mussten die Männer am Beginn der Sesshaftigkeit Lösungen finden, wie Frauen besser auf Männer verteilt werden können. Das haben sie dann leider Gottes auch getan.

Mal ganz doof gefragt, vor Sesshaftwerdung, gab’s da Harems? Oder einfach eine deutlich höhere Männersterblichkeit als bei Frauen?

Rabhansl: In Ihren Augen ist die Unterdrückung weiblicher Sexualität und die Unterdrückung von Frauen also nicht das Nebenprodukt unserer Zivilisation, sondern das Fundament unserer Zivilisation?

Stoverock: Richtig!

Also, fließend Wasser, Strom, Brillen, Kunstdünger und Antibabypillen sind keine Fundamente?

Rabhansl: Solche frustrierten Männer haben wir aber auch schon heute, obwohl unsere Gesellschaft nicht nach dem Female-Choice-Prinzip funktioniert oder zumindest nicht überwiegend. Trotzdem gibt es Männer,…

Offenbar funktioniert unsere Gesellschaft eben doch nach dem Female-Choice-Prinzip, und die Incels – mit Verschwörungstheorien oder ohne – sind der Beweis.

Die haben schon so manches Massaker an Frauen angerichtet. Männer, die keinen Sex haben, die sind eine Zeitbombe, oder?

Stoverock: So drastisch würde ich es nicht formulieren

Ach, wie nett. Die Fragen sind aber auch etwas suggestiv, oder?

Zunächst einmal sind diese Männer unheimlich einsam, sie haben unerfüllte Sehnsüchte, die man ihnen kaum zum Vorwurf machen kann.

Ja, offensichtlich kann man das. Wird doch andauernd gemacht.

Rabhansl: Aber erst mal würden die Ideen, die Sie in Ihrem Buch entwickeln, diese Probleme sogar noch verschärfen.

Tja. Frage…

Stoverock: Ja. Das ist so.

…Antwort.

Frauen müssen die Menge und Häufigkeit ihrer Sexpartner völlig frei wählen, ohne dabei von irgendwelchen patriarchalen Zwängen geleitet zu sein.

Ich wiederhole mich, aber wenn Frauen um 20 % aller Männer konkurrieren wollen, ist das nicht mehr „völlig“ frei. Und es geht hier um Sex, nicht um Kinder kriegen und diese dann großziehen. Und ich wundere mich, ob irgendwer ihr mal die Frage stellt, wie sie sich das zukünftige Familienleben vorstellt.

Aber natürlich will ich nicht sagen, das ist irgendwie dein Schicksal, nimm hin und der Rest ist mir egal. Sich nicht drum zu kümmern, das führt, glaube ich, viel eher zu Aggression oder Gewalt oder auch vermehrten Suiziden.

NOCH mehr Suizide, wohlgemerkt. Irgendwann gibt es deutlich mehr Frauen als Männer.

Rabhansl: Das habe ich auch nicht infrage stellen wollen. Mich überraschen dann aber durchaus die Lösungen, die Sie vorschlagen, weil die so gar nicht feministisch klingen. Sie fordern zum Beispiel mehr Pornografie und mehr Prostitution.

Wer hat behauptet, dass sie feministisch ist? Hardcore-Biologistisch würde es eher treffen. Nebenbei, gestern hieß es, man solle Jungen NICHT beibringen, dass Frauen „die Beine breit machen“, wenn man ihnen genug Geschenke macht. Wenn man die „Geschenke“ aber „Bezahlung“ nennt, ist das aber ok? Ok.

Stoverock: …. Aber mittelfristig, wenn man diesen Bereich auch wirklich liberalisiert und entkriminalisiert, sehe ich schon großes Potenzial, dass diese Frauen und Männer, Sexworkerinnen und Sexworker, Incel-Gewalt abfangen können.

Ja, oder halt Sexroboter. Die sind mittelfristig auch günstiger, so dass Prostitution als Gewerbe ausstirbt, weil jeder Mann entweder einen Sexroboter hat ODER mehrere reale Frauen.

Rabhansl: Sie schreiben am Ende Ihres Buches: Jetzt sind wir auch am Ende der männlichen Zivilisation. Sie schlagen uns stattdessen eine neue, androgyne Zivilisation vor. Wie kann ich mir die vorstellen?

Er hat den Teil mit den Sexrobotern aus dem Standard nicht gelesen.

Stoverock: Mein Ziel oder meine Vision ist keine Gesellschaft, in der die Frauen über die Männer bestimmen, das ist im Grunde genommen nur Patriarchat in Grün. … Kein Geschlecht sollte die Macht über ein anderes haben, keine Bevölkerungsgruppe die Macht über andere. Mir schwebt vor, dass man eine Zivilisation schafft, die die Grundlagen der Sexualität inkludiert, berücksichtigt, akzeptiert und in der alle Geschlechter gemeinsam die Möglichkeit haben, ihre Einflüsse geltend zu machen.

Wofür braucht man noch Einfluss, wenn man Sexroboter hat? Wieso eine Existenz aufbauen, wenn man eh‘ nie Kinder haben wird? Die übrigen Berufe werden auch durch Roboter ersetzt.

Rabhansl: Evolutionsbiologen denken in langen Zeiträumen. Werden wir das noch erleben?

Stoverock: Ich glaube tatsächlich, dass dieser Prozess sehr lange dauern wird.

Sobald die Sexroboter Serienreife haben, geht es evt. sehr schnell.

3 Gedanken zu “Stoverock im Interview II

  1. „Achwas? Ja, wenn der Mann den ersten Schritt machen muss, dann ist das Prinzip der Weibchenwahl doch bereits umgesetzt.“

    Genau das ist der entscheidene Punkt, der die Grundthese (wir hätten male choice) zum Einsturz bringt.
    Kein einziges Interview zu diesem Buch ist auf diesen Punkt eingegangen.

    Wir brauchen kein female choice. Wir brauchen Journalisten.

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  2. Frauen müssen die Menge und Häufigkeit ihrer Sexpartner völlig frei wählen, ohne dabei von irgendwelchen patriarchalen Zwängen geleitet zu sein.

    Heißt: Mir soll das Leben als selbstsüchtige Mutter von der Gesellschaft finanziert werden, die ein Matriarchat darstellt, in welchem der Vater keinerlei Rechte genießt. Kinder sind Eigentum der Mutter.

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